Spritpreise im Grenzgebiet: Warum sich Tanktourismus nur selten lohnt

Von Redaktion Südbayern

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Situation an Fahrzeug: Zapfpistole an Tankstutzen
Hohe Diesel- und Benzinpreise machen die Fahrt zur Tankstelle besonders unangenehm.© ADAC Südbayern/Markus Kehl

Mit Ausbruch des Irankriegs sind die Spritpreise in Bayern massiv gestiegen. In den Nachbarländern sind die Preise teils deutlich günstiger. Der ADAC Südbayern klärt auf, wann sich Umwege für günstigeren Kraftstoff lohnen können, und wie Sie jetzt Sprit sparen und Ihren Geldbeutel schonen können.

Mit der Eskalation im Nahen Osten sind die Preise für Benzin und Diesel in die Höhe geschnellt. Schon vor Tagen wurde die magische 2-Euro-Marke für einen Liter Diesel und einen Liter Super gerissen. Und das obwohl die Tanklager der Mineralölwirtschaft noch voll waren mit günstiger eingekauftem Kraftstoff. Die Konzerne haben die gestiegenen Rohölpreise ohne Zeitverzögerung an die Verbraucher weitergegeben. Für viele Personen, die auf das Auto angewiesen sind, werden die explodierenden Kosten zu einer ernstzunehmenden finanziellen Belastung.

Der ADAC kritisiert diese Praxis und fordert die Politik auf, über die Senkung der Energiesteuer Entlastung zu schaffen. Bis auf weiteres bleibt den Verbrauchern jedoch nur der Weg, spritsparend zu fahren, unnötige Fahrten zu vermeiden oder auf andere Verkehrsmittel umzusteigen, und nach möglich günstigen Preisen an den Zapfsäulen Ausschau zu halten. Viele Apps (wie beispielsweise ADAC Drive) zeigen die aktuellen Preise an den Zapfsäulen in der Region an und helfen so, Geld zu sparen.

Volltanken im Ausland

Bei Personen, die in der Nähe zu Nachbarstaaten wohnen, geht der Blick dabei auch über die Grenze. Denn wenn dort günstigere Spritpreise locken, spielen viele Menschen mit dem Gedanken, fürs Tanken ins Ausland zu fahren. Wie eine Stichprobe des ADAC Südbayern zeigt, lohnt sich der sogenannten Tanktourismus aber nur für wenige Autofahrer.

Konkret wurden die Preise an zwei Tankstellen in Deutschland und den nächstgelegenen Alternativen in Österreich sowie der Tschechischen Republik verglichen. Das klare Ergebnis: In Österreich war der Liter Diesel im Schnitt 33 Cent günstiger als bei einer grenznahen Tankstelle in Deutschland, beim Liter Super E10 konnte man die letzten Tage durchschnittlich 30 Cent pro Liter sparen. Im Vergleich zum Nachbarland Tschechien war der Unterschied noch größer. Auf der bayerischen Seite der Grenze kostete der Liter Super im Schnitt 2,07 Euro, Diesel schlug mit 2,15 Euro zu Buche. Wenige Kilometer weiter kostete Super 95 umgerechnet 1,47 Euro und Diesel 1,595 Euro pro Liter.

Spritpreise im Vergleich: Genaues Nachrechnen nötig

So verlockend die Preise in unseren Nachbarländern sind, jeder sollte genau hinschauen und nachrechnen, ob sich eine Fahrt über die Grenze lohnt. Und dabei spielt vor allem die Distanz zur Tankstelle mit dem günstigen Kraftstoff eine Rolle. Um die Problematik zu verdeutlichen, hilft eine Beispielrechnung mit einem Referenzfahrzeug – in unserem Fall ein VW Golf, einmal als 1.5 TSI und einmal mit Zweiliter-Diesel 2.0 TDI. In beiden Varianten beträgt der Tankinhalt 50 Liter. Beim Diesel lassen sich also beim Volltanken (von 0 auf 50 Liter) rein theoretisch in Österreich 16,50 Euro sparen. Beim Benziner beträgt die maximale Ersparnis 15 Euro.

Betrachtet man bei beiden Fahrzeugen die Spritkosten für 100 Kilometer, wird schnell klar, warum die Distanz zur Wunschtankstelle eine so große Rolle spielt. Als Grundlage verwenden wir den oberen Wert des WLTP-Verbrauchs. Beim Diesel sind das 4,9 Liter auf 100 Kilometer, beim Benziner 5,9 Liter auf 100 Kilometer. Mit dem teureren Sprit im Tank kosten 100 Kilometer im Diesel-Golf 10,72 Euro, beim Benziner sind es 12,07 Euro. Spätestens ab einem einfachen Umweg von 50 Kilometer zerplatzt der Traum vom Tank-Schnäppchen im Ausland. Geht man nun noch davon aus, dass es nahezu unmöglich ist, den Tank vollständig leerzufahren, schrumpft das Sparpotenzial weiter.

Größeres Sparpotenzial in Tschechien

Bei unseren osteuropäischen Nachbarn in der Tschechischen Republik sorgt der niedrigere Spritpreis dafür, dass beim Golf mit Diesel eine maximale Ersparnis von 27,80 Euro möglich ist, beim TSI sind es sogar 29,35 Euro. Dementsprechend könnte man bei einem bloßen Blick auf die Spritkosten in der Grenzregion zu Tschechien auch längere Umwege in Kauf nehmen und dennoch sparen.

Allerdings sollten Autofahrer auch noch die versteckten Kosten durch die Abnutzung der Technik im Blick haben. Sowohl Reifen als auch das Fahrzeug selbst leiden unter unnötigen Wegen und tragen so dazu bei, dass die Sparfahrt nach hinten losgehen kann. Hinzu kommt auch noch der Punkt, dass womöglich unnötige Emissionen ausgestoßen werden.

Gelegenheiten nutzen und Fahrweise anpassen

Grundsätzlich gilt: Den größten Unterschied beim Verbrauch macht die Person hinter dem Steuer aus. Wer darauf achtet, möglichst vorausschauend und effizient zu fahren und im Zweifel das Fahrzeug auch mal stehenzulassen, kann definitiv mehr sparen als Personen, die Umwege für niedrigere Preise in Kauf nehmen. Wer aber bereits in Österreich oder der Tschechischen Republik ist, sollte auch einen halbleeren Tank auffüllen und so von den niedrigeren Preisen im Ausland profitieren.

Spritspartipps

Neben einer angepassten Fahrweise gibt es einige weitere Maßnahmen, die Sie als Fahrer umsetzen können, um ihren Spritverbrauch zu reduzieren. Achten Sie zum Beispiel auf die Tageszeit, zu der Sie an die Tankstelle fahren. Abends ab ca. 20 Uhr sind Spritpreise oft niedriger, morgens dagegen am höchsten.

Prüfen Sie außerdem, ob Ihr Fahrzeug wirklich Premiumkraftstoff benötigt. Teure Premiumsorten vermindern den Verbrauch bei Benzinern kaum; E10 ist meist ausreichend.

Haben Sie die Möglichkeit, Fahrgemeinschaften zu bilden? Gemeinsame Fahrten reduzieren Kosten, Emissionen und Verkehr.

Weitere Spritspartipps finden Sie im Artikel Sprit sparen: Die 11 besten Tipps.