Motorradlärm: Gemeinde Samerberg appelliert an laute Biker

Sound oder Krach? Gerade bei Motorrädern geht die Meinung hier weit auseinander. Um Anwohner zu schützen und Maßnahmen wie Fahrverbote und Streckensperrungen zu verhindern, hat der ADAC im Jahr 2022 die Aktion „Leise kommt an!“ ins Leben gerufen. Ab sofort ist auch die Gemeinde Samerberg mit an Bord.
Schon oft lag beim Samerberger Gemeinderat das Thema um laute Motorradfahrer und Lärmemissionen nahe den Wohngebieten auf dem Tisch. Nun reagiert die Gemeinde. Der erste Bürgermeister Georg Huber betont, dass sich Samerberg an der ADAC Aktion „Leise kommt an!“ beteiligt. Mit der Beschilderungsaktion sollen Motorradfahrer für rücksichtsvolles Fahren sensibilisiert und Lärmbelästigung reduzieren werden. Das Problem in der Gemeinde: An schönen Tagen sind bei der Aussichtskapelle am Samerberg teilweise über 70 Motorradfahrer zu zählen, welche beim Weiterfahren gerne ihre Motoren aufheulen ließen. Neben den Plakaten sollen zudem elektronische Lärmdisplays zum Einsatz kommen, die bei Überschreiten des Lautstärkepegels ein Signal zur Lärmreduzierung anzeigen.
Gemeinsam gegen Motorradlärm
Beim Ortstermin an der Aussicht in Obereck waren auch die Vertreterinnen des Tourismus dabei. Monika Schimanski, Leiterin der Tourist Information am Samerberg und Christina Pfaffinger Geschäftsführerin von Chiemsee-Alpenland-Tourismus betonten die Wichtigkeit nicht nur für die Anlieger, sondern auch für den touristischen Bereich. Mit dieser Kampagne würden Anwohner und Touristen gleichermaßen sehen, dass etwas getan wird. Sie wollen damit ein Zeichen setzten, dass sich um das Problem gekümmert wird. Die Aufenthaltsqualität eines Ortes und auch die Lebensqualität für die Bewohner müssen gleichermaßen geschützt werden und tragen maßgeblich zum Wohlbefinden der Bevölkerung bei. Bernd Emmrich, Stauberater-Chef des ADAC Südbayern betonte, dass die Problematik um das Thema Motorradlärm vielerorts bekannt sei und auch im Motorradland Bayern immer mehr zunehme. Für die einen sei es Motorensound, für die anderen nur unerträglicher Krach. So würden von Lärmemissionen stark betroffene Anwohner immer öfter Alarm schlagen und extreme Maßnahmen, wie Fahrverbote und Streckensperrungen für Motorradfahrer fordern. Aus diesem Grund habe der ADAC in Bayern die Aktion „Leise kommt an!“ ins Leben gerufen.

Sensibilisierung als Teil der Lösung
Es soll ein Bewusstsein für die Lärmproblematik geschaffen werden, ohne die Mobilität einzuschränken. Gleichzeitig weist der ADAC auch darauf hin, dass Fahrverbote keine Lösung darstellen. Kollektivstrafen, wie Streckensperrungen, Fahrverbote oder Grenzwerte, würden nicht zur Lösung des Problems beitragen, da die meisten Motorradfahrer vernünftig unterwegs seien. Viel mehr setzte der Club auf gezielte Kontrollen und die Ahndung von Verstößen. Etwa von den wenigen Bikern, die mit manipulierten Auspuffanlagen für Krach sorgen. Am einfachsten lasse sich der unnötige Lärmausstoß laut ADAC aber schlicht mit der Hand am Gasgriff regulieren, weshalb die Aktion „Leise kommt an“ initiiert wurde.
Insgesamt stellt der ADAC 20 unterschiedliche Motive mit Aufschriften wie „Leise fahren. Lärm ersparen!“ oder „Bitte nicht röööhren!“ kostenlos zur Verfügung, mit denen die jeweiligen Gemeinden Schilder produzieren lassen können. Zudem stellt der ADAC in Bayern insgesamt zwei elektronische Lärmdisplays zum Ausleihen bereit, die bei Überschreiten der Lärmschwelle zu leiserem Fahren aufrufen. Kooperationspartner des Projekts sind das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr sowie das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Integration und Sport, welche die Aktion im Rahmen des Programms „Bayern mobil, sicher ans Ziel – Verkehrssicherheit 2030“ unterstützen.
Beitrag von Susanne Deindl