Warum Ehrenamt gesund ist: Keynote von Dr. Bimpong-Buta beim Forum Ortsclub 2026
Von Redaktion Südbayern

Beim Forum Ortsclub des ADAC Südbayern zeigte der Kardiologe und Autor, Dr. Nana‑Yaw Bimpong‑Buta, warum Ehrenamt nicht einfach nur Aufgaben erfüllt, sondern Herzen stärkt - und warum das für Vereine heute wichtiger ist, denn je.
Es ist still im Science Congress Center, als Dr. Nana-Yaw Bimpong-Buta eine einfache Frage stellt: „Wissen Sie eigentlich, wie oft Ihr Herz heute schon für Sie geschlagen hat?“ Ein paar Sekunden Nachdenken. Dann löst er es selbst auf: Rund 130.000 Mal. Heute. Für jeden einzelnen von uns.
Manche lächeln. Andere nicken. Und plötzlich ist da mehr als nur ein medizinischer Fakt. Es ist eine Metapher. Das Herz arbeitet im Hintergrund und hält doch alles am Laufen. So ist es auch mit dem Ehrenamt. Mehrere tausend Ehrenamtliche engagieren sich im ADAC und in seinen Ortsclubs. Sie organisieren Veranstaltungen, fördern den Nachwuchs im Motorsport, gestalten Mobilitätsangebote, bringen Menschen zusammen. Ohne sie gäbe es kein Vereinsleben, kein Miteinander, keine Gemeinschaft. Ehrenamt ist kein Zusatz. Es ist das Herzstück.
Doch wie bleibt dieses Herz kraftvoll? Wie sorgen wir dafür, dass es auch morgen noch schlägt? Und was macht dieses Engagement eigentlich mit denen, die sich einsetzen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Impulsvortrags von Dr. med. Nana-Yaw Bimpong-Buta beim Forum Ortsclub des ADAC Südbayern.
Ehrenamt ist mehr als Engagement: es ist Beziehung
Dr. Bimpong-Buta, Kardiologe, Speaker und Autor, kennt das Herz mit all seinen wissenschaftlichen Fakten bis ins kleinste Detail. Für ihn ist es das wichtigste Organ. 10.000 Liter Blut pumpt es täglich durch ein Gefäßsystem von rund 100.000 Kilometern Länge. Ein biologisches Wunderwerk - kraftvoll und zugleich sensibel.
Doch was hat das mit Vereinsarbeit zu tun? Sehr viel. Denn auch Vereine leben von einem Netzwerk aus Verbindungen. Von Menschen, die Verantwortung übernehmen. Die nicht aus Pflicht handeln, sondern aus innerer Überzeugung. Wie das Herz arbeiten auch Ehrenamtliche oft im Hintergrund. Sie suchen nicht das Rampenlicht. Und doch halten sie das soziale Gefüge zusammen.
Was das Herz weiß, bevor der Kopf es versteht
Ehrenamt ist aber nicht nur gesellschaftlich relevant. Es ist persönlich stärkend. Was viele intuitiv fühlen, ist wissenschaftlich belegt: Soziale Verbundenheit reduziert Stresshormone. Positive Beziehungen fördern Resilienz. Das Hormon Oxytocin, das bei vertrauensvollen Begegnungen ausgeschüttet wird, wirkt gefäßerweiternd und herzschützend.
Ehrenamt nährt Herz und Seele. Gerade in einer Zeit, in der Individualisierung zu- und Verbindlichkeit abnimmt, schafft Vereinsarbeit etwas Seltenes: echte Nähe, gemeinsame Ziele, geteilte Erlebnisse.
„Wer sich engagiert, schenkt Zeit“, sagt Bimpong-Buta. „Und Zeit ist unser wertvollstes Gut.“ Im Saal wird es still. Denn jeder weiß: Zeit ist endlich. Und gerade deshalb so bedeutend.
Damit das Herz nicht aus dem Takt gerät
Doch Engagement hat auch eine andere Seite. Verantwortung kann belasten. Erwartungen können Druck erzeugen. Und wer immer nur gibt, läuft Gefahr, auszubrennen.
Deshalb stellte der Mediziner eine einfache Leitlinie vor: die HERZ-Methode:
H - Halten Sie inne. Kurz durchatmen, bevor man reagiert. Das schafft Bewusstsein für das Handeln und verhindert manch unnötige Eskalation.
E – Emotionen zulassen. Gefühle sind kein Zeichen von Schwäche, sondern Orientierung. Ein Kompass, dem wir folgen können.
R - Resilienz stärken. Erholung ist Voraussetzung für langfristiges Engagement. Pausen, Schlaf und Selbstfürsorge sind kein Luxus, sondern Voraussetzung.
Z - Zappeln. Bewegung bringt Energie, körperlich wie mental. Schon kleine Einheiten, etwa zehn Kniebeugen pro Stunde, können großes bewirken und halten Körper und Geist fit und wach.
Die Zukunft schlägt im Ehrenamt
Die Botschaft des Kardiologen ist klar: Ehrenamt muss nachhaltig sein. Nur ein gesundes Herz kann dauerhaft schlagen. Ehrenamtliches Engagement im ADAC wird daher alles andere als selbstverständlich gesehen. Es braucht Wertschätzung, Austausch und Entwicklungsmöglichkeiten. Und eine Kultur, in der Menschen spüren: Ich werde gebraucht. Ich mache einen Unterschied.
Mit Angeboten wie dem Forum OC schafft der ADAC Südbayern daher bewusst Plattformen für den Austausch im Ehrenamt. Einen Rahmen, um Erfahrungen zu teilen, neue Perspektiven zu gewinnen und voneinander zu lernen. Und so ließen sich die rund 120 anwesenden Vertreter der Ortsclubs nicht nur vom Impulsvortrag von Dr. Nana-Yaw Bimpong-Buta inspirieren.
In Workshops und Fachvorträgen standen Zukunftsthemen wie Digitalisierung und KI-gestützte Vereinsorganisation, Versicherungsfragen sowie neue Mobilitäts- und Tourismusangebote im Fokus. Eine offene Interviewrunde mit den Kandidierenden für die anstehenden Vorstands- und Vorstandsratswahlen bot Raum für persönliche Einblicke und direkte Fragen. Zwischen intensiven Gesprächen, Infoständen und Fachvorträgen wurde spürbar, was das Ehrenamt trägt: der Wille, gemeinsam weiterzudenken – und das Herz des Vereins auch in Zukunft kraftvoll schlagen zu lassen.