Riederwaldtunnel Frankfurt: Lückenschluss im hessischen Autobahnnetz
Von ADAC Redaktion Hessen-Thüringen

Ob Hanauer Landstraße oder Am Erlenbruch – im Frankfurter Osten schieben sich jeden Morgen und Abend viele tausend Pkw und Lkw durch den Stau bis zur A 66. Die tägliche Überlastung der Straßen ist ein systematisches Problem: Die A 66 endet im Frankfurter Stadtteil Enkheim und nicht wie ursprünglich geplant an einem Autobahndreieck an der A 661.
Wichtiger Lückenschluss in Hessen

Jahrzehnte lang geplant, verschoben und wieder aufgenommen, geht der Lückenschluss endlich in den Bau. Ende Januar 2026 starten nach langer Wartezeit die ersten Hauptbauarbeiten am Tunnelsystem. Mit der Fertigstellung des Bauprojektes wird laut Autobahn GmbH frühestens 2033 gerechnet. Das neu geschaffene „Autobahndreieck Erlenbruch“ soll durch kürzere Fahrtzeiten und weniger Durchfahrtsverkehr in den östlichen Stadtteilen eine deutliche Entlastung für Pendler und Bewohner bedeuten.
Der Riederwaldtunnel bezeichnet den wichtigsten Teil des Lückenschlusses zwischen der A 66 und A 661. Zwischen den beiden Autobahnen fehlen nur 2,2 km – allerdings innerstädtisch. Die Autobahn verläuft daher künftig auf einer Länge von 1,1 km in einem Tunnel unter dem Stadtteil Riederwald im Berich der Straße „Am Erlenbruch“.
Entlastung im Frankfurter Osten
Mit Fertigstellung des Lückenschlusses soll die Verkehrsdichte im Stadtteil Riederwald um 36 % reduziert werden – von etwa 22.200 Fahrzeugen pro Tag "Am Erlenbruch" auf 14.200. Damit sollen Dauerstau, starker Lärm und hohe Luftverschmutzung der Vergangenheit angehören. Auch auf der Hanauer Landstraße soll die Verkehrsbelastung nach dem Lückenschluss um ca. 26 % sinken.
Neben der Herstellung eines durchgängigen Autobahnnetzes wird im Zuge der Baumaßnahmen auch die Straße "Am Erlenbruch" mit Fahrbahn, Stadtbahn, Geh- und Radwegen sowie Grünflächen neugestaltet.
Erster Bauabschnitt: Westportal

Der Riederwaldtunnel wird mit zwei baulich getrennten Röhren unter der Straße „Am Erlenbruch“ verlaufen. Der Bau erfolgt in mehreren Abschnitten und einzelnen Baugruben, die jeweils eine Länge von 200 Metern aufweisen. Während der Bauzeit sollen Straßen- und Stadtbahnverkehr sowie Fuß- und Radverkehr vollständig erhalten bleiben.
Dabei kommt ein Ringverkehr zum Einsatz: Stadtbahntrasse und die Fahrbahn Richtung Frankfurt werden nach Norden verschoben, die Fahrbahn Richtung Osten verläuft künftig südlich der Tunnelbautrasse. Da westlich und östlich der Bautrasse die Fahrbahnen und Bahntrassen wieder zusammenführen, entsteht in der Mitte eine Baustelle in Insellage.
Im ersten Bauabschnitt wird bis Ende 2028 das westliche Tunnelportal hergestellt. Danach geht es mit dem Ostportal in die zweite Bauphase. Dieses Vorgehen ist speziell mit Blick auf den vorherrschenden Grundwasserspiegel beschlossen worden. Im Stadtteil Riederwald steht das Grundwasser bis knapp unter Geländeoberfläche. Es strömt in Nord-Süd-Richtung zum knapp zwei Kilometer entfernten Main. Der Tunnel wird hingegen in Ost-West-Richtung verlaufen. Durch den abschnittsweisen Bau kann das Grundwasser den fertiggestellten Tunnelabschnitt bereits durch den Flächenfilter unterströmen, während der nächste Abschnitt in Bau geht - so wird verhindert, dass der Tunnel wie ein Bollwerk wirkt und das Wasser aufstaut.
Fertigstellung der A 661 als Teil des Gesamtprojekts
Im Zusammenhang mit dem Lückenschluss A 66 wird auch die Ostumgehung Frankfurt (A 661) fertiggestellt. Seit 1995 gibt es hier ein Provisorium, indem beide Fahrtrichtungen über die östlichen Richtungsfahrbahn geführt werden. Im Zuge des Gesamtprojekts soll nun auch die westliche Richtungsfahrbahn fertiggestellt und in Betrieb genommen werden. Für einen ausreichenden Lärmschutz werden auf dieser Seite bis zu 10 Meter hohe Lärmschutzwände errichtet.
Maßnahmen zum Umwelt- und Lärmschutz
Die geplante Erweiterung des Autobahnnetzes wird die städtischen Straßen im Osten Frankfurts in erheblichem Umfang von Lärm und Abgasen entlasten. Für eine umweltverträgliche Umsetzung des Projektes sollen knapp 300 Bäume neu gepflanzt werden sowie eine Grünbrücke über die A 66 im Bereich des Fechenheimer Waldes ergänzt werden. Ein besonderer Fokus liegt zudem auf Nachtschwärmern wie Fledermäusen: während der Bauphase werden Bäume in großen Kübel so um das Baugelände positioniert, dass Fledermäuse ihre Flughöhe anpassen müssen und Kollisionen mit Baufahrzeugen möglichst vermieden werden.
Neben dem Einsatz emissionsarmer Bauverfahren und der Begrenzung der Bauzeit auf den Tageszeitraum kommen zum Schutz der Anwohner insbesondere umfangreiche, bis zu 10 m hohe Lärmschutzwände zum Tragen. Dort, wo dieser Schutz nicht ausreicht, erhalten die Wohngebäude zusätzlich Schallschutzfenster. Die Pestalozzischule wurde mit denkmalgerechten Schallschutzfenstern und einer Lüftungsanlage ausgestattet.