ADAC Hansa unterstützt Olympia-Bewerbung

Der ADAC Hansa begrüßt grundsätzlich die Bewerbung Hamburgs um Olympische und Paralympische Spiele. Eine Austragung bietet große Chancen für die Stadt und die gesamte Metropolregion. Hamburg kann international noch sichtbarer werden, der Tourismus kann nachhaltig profitieren und wichtige Infrastrukturprojekte erhalten zusätzlichen Rückenwind.
Olympische und Paralympische Spiele bringen Sportfans, Touristinnen und Touristen sowie Medienvertreter aus aller Welt nach Hamburg. Davon profitieren Hotels, Gastronomie, Einzelhandel, Stadtführungen, Veranstaltungswirtschaft und viele weitere Branchen. Die Spiele erzeugen zusätzliche Wertschöpfung weit über den direkten Tourismus hinaus.
Zugleich steht Hamburg während der Spiele weltweit im Fokus. TV-Übertragungen, Medienberichte und digitale Reichweiten präsentieren die Stadt als moderne, weltoffene und attraktive Metropole. Dieser Effekt wirkt über die Spiele hinaus. Hamburg kann sich langfristig stärker als Ziel für Städte- und Kreuzfahrttourismus, Kongresse, Sportevents, Konzerte und internationale Veranstaltungen positionieren.
Mehr Sichtbarkeit, mehr Barrierefreiheit, mehr Lebensqualität
Die Bewerbung bietet auch die Chance, Hamburg dauerhaft attraktiver und inklusiver zu machen. Investitionen in Bahnhöfe, Flughafen, öffentliche Plätze, Mobilitätsangebote, Sportstätten und touristische Infrastruktur verbessern nicht nur die Bedingungen für Gäste, sondern auch die Lebensqualität der Hamburgerinnen und Hamburger.
Besonders die Paralympics können ein wichtiger Motor für mehr Barrierefreiheit werden. Sie stärken das Bewusstsein für inklusive Mobilität und für eine Stadt, die für alle Menschen gut erreichbar und erlebbar ist.
Infrastrukturprojekte konsequent voranbringen
Olympische und Paralympische Spiele können als Beschleuniger für wichtige Verkehrs- und Infrastrukturprojekte wirken. Damit der Verkehr während der Spiele zuverlässig funktioniert, müssen zentrale Vorhaben rechtzeitig umgesetzt werden. Dazu zählen der Neubau der Köhlbrandbrücke und der Norderelbbrücken, leistungsfähige Elbquerungen, zusätzliche Bahnhöfe, U5 und S6, die Sanierung maroder Brücken sowie ein massiver Ausbau von Park und Ride Anlagen.
Diese Projekte sind nicht nur für Olympia wichtig. Sie verbessern Hamburgs Mobilität langfristig und stärken die gesamte Metropolregion. Entscheidend ist, dass Planungen und Bauarbeiten spürbar beschleunigt werden.
Mobilität braucht ein belastbares Konzept
Das bisher vorgelegte Verkehrskonzept von knapp 20 Seiten liefert dafür eine erste Grundlage, bleibt an vielen Stellen aber noch zu allgemein. Für eine erfolgreiche Umsetzung braucht es mehr Klarheit darüber, wie Mobilität während der Spiele konkret organisiert wird.
Richtig ist der Ansatz, den Autoverkehr möglichst aus der Innenstadt herauszuhalten und stark auf den ÖPNV zu setzen. So lässt sich ein Verkehrschaos vermeiden. Ein vollständiges Verbot des Autoverkehrs ist in der Praxis jedoch kaum umsetzbar. An Hauptwettkampftagen werden rund 750.000 Besucherinnen und Besucher in Hamburg erwartet. Diese Größenordnung ist mit den heutigen Strukturen kaum zu bewältigen.
Park und Ride als Schlüssel für Besucherströme
Viele Gäste aus Deutschland reisen voraussichtlich mit dem Auto an. Deshalb braucht Hamburg ein deutlich größeres P&R-Angebot. Bislang stehen rund 10.000 P&R-Stellplätze zur Verfügung. Das reicht für den erwarteten Besucheransturm nicht aus.
Notwendig ist ein Konzept, bei dem Fahrzeuge bereits in Autobahnnähe abgestellt werden und die Weiterfahrt bequem, zuverlässig und möglichst staufrei mit dem ÖPNV erfolgt. So lassen sich Innenstadt, Wohnquartiere und Hauptverkehrsachsen entlasten.
Radverkehr sinnvoll ergänzen
Auch beim Radverkehr bleibt das Konzept noch unkonkret. Die genannten 120 Kilometer zusätzlicher Radwege sind bislang nicht räumlich hinterlegt. Offen ist auch, welche Auswirkungen sie auf andere Verkehrsteilnehmer haben.
Mehr Fahrradverkehr ist sinnvoll und kann ein wichtiger Baustein sein. Er ersetzt aber keine belastbaren ÖPNV- und P&R-Kapazitäten. Bei Regen, Wind oder Kälte steigen viele Gäste nicht aufs Fahrrad. Gerade in Hamburg muss das Mobilitätskonzept deshalb auch für schlechtes Wetter tragfähig sein.
Autonome Fahrzeuge können perspektivisch eine Ergänzung sein, lösen diese Frage derzeit aber nicht. Der Senat hat selbst eingeräumt, dass bis 2030 nicht wie angekündigt 10.000 solcher Fahrzeuge in Hamburg unterwegs sein werden.
ÖPNV und Barrierefreiheit weiter stärken
Der ÖPNV spielt für erfolgreiche Spiele eine zentrale Rolle. Schon heute stößt er bei Großveranstaltungen in Hamburg regelmäßig an seine Grenzen. Für Olympische und Paralympische Spiele braucht es daher zusätzliche Kapazitäten, verlässliche Taktungen, Reserven und belastbare Ausweichkonzepte.
Auch die Paralympics müssen von Anfang an mitgedacht werden. Viele Bahnhöfe sind inzwischen barrierefrei, doch die Kapazitäten der Fahrstühle an den Gleisen reichen nicht aus, wenn viele Menschen mit Mobilitätseinschränkungen gleichzeitig unterwegs sind. Hier besteht Nachbesserungsbedarf.
Logistik frühzeitig klären
Für eine erfolgreiche Umsetzung braucht es außerdem ein konkretes Logistikkonzept. Es muss klar sein, wie der Güterverkehr um die Innenstadt geführt wird, wie Staus an anderer Stelle vermieden werden und wie Versorgungsgüter zuverlässig zu den Spielstätten gelangen.
Fazit: Chancen nutzen und Konzept weiterentwickeln
Die Olympia Bewerbung bietet Hamburg große Chancen: mehr internationale Sichtbarkeit, stärkeren Tourismus, zusätzliche Wertschöpfung, bessere Infrastruktur und einen Schub für Barrierefreiheit. Damit diese Chancen genutzt werden können, braucht das Verkehrskonzept mehr Substanz. Entscheidend ist, dass Hamburg frühzeitig klar plant, zentrale Projekte beschleunigt und Mobilität während der Spiele verlässlich organisiert.