Toyota Camry im ADAC Test: Der große Unbekannte

19.7.2019

Der Toyota Camry ist nach 15 Jahren Pause wieder in Deutschland zu haben. Die Stufenhecklimousine gibt es ausschließlich mit 218 PS starkem Hybridantrieb. ADAC Test, technische Daten, Bilder, Verbrauch.

Seitenansicht des Toyota Camry fahrend
Toyota Camry: Mit 4,89 Metern Länge fast so groß wie eine Mercedes E-Klasse
  • Der Toyota Camry ersetzt den eingestellten Avensis
  • Mit Hybridantrieb soll er Taxifahrern schmackhaft gemacht werden
  • Preis: ab 39.990 Euro; Verbrauch: 5,5 Liter Super nach neuer WLTP-Norm

 

Weltweit ist der Toyota Camry ein Erfolg: Gut 700.000 Kunden entscheiden sich jährlich für die Limousine. Nur in Europa lief der Wagen nie richtig gut, was sich auch mit dem neuen Modell nicht ändern wird. Zum Neustart des Camry, der den eingestellten Avensis beerbt, kalkuliert Toyota hier mit gerade einmal 12.000 Stück pro Jahr – auf dem ganzen Kontinent.

Dieses bescheidene Ziel können die Japaner nur ansteuern, weil sie eine besondere Zielgruppe ausgemacht haben: Taxifahrer. Wenn man künftig das seltene Mittelklassemodell in Deutschland sieht, dann wohl am ehesten elfenbeinfarben. Von den 500 Camry, die der deutsche Importeur für 2019 in Japan geordert hat, seien 400 schon bestellt, sagt Toyota. Überwiegend von Taxiunternehmern.

Der Toyota Camry Hybrid fährt nur kurz elektrisch

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Heckansicht des Toyota Camry fahrend
In USA beliebt, bei uns selten: Die Stufenheck-Limousine Toyota Camry

Den Taxifahrern will man einen angenehmen Arbeitsplatz bieten, der gleichzeitig geringe Kosten verursacht. Daher gibt es den Camry in Europa ab 39.900 Euro ausschließlich als Hybrid. Unter der Haube arbeiten ein 2,5 Liter Vierzylinder mit 177 PS und ein 120 PS starker Elektromotor zusammen. Die Systemleistung beträgt 160 kW/218 PS.

Das gemeinsame maximale Drehmoment liegt jenseits von 400 Newtonmetern, wie bei einem guten Diesel. Auch die Messungen beim ADAC Autotest zeugen vom Potential des Antriebs. Der Zwischensprint von 60 auf 100 km/h ist in 4,9 Sekunden erledigt, der Sprint auf 100 km/h gelingt in kurzweiligen 8,3 Sekunden.

Großes Thema bei den Toyota-Hybriden ist das Verhalten unter höherer Last, denn dann lässt das stufenlose Planetengetriebe die Benzinmotoren mit recht hohen Drehzahlen im möglichst effizienten Bereich laufen. Akustisch ist dies manchmal kein Vergnügen, mittlerweile aber lassen sich wie beim Testwagen mit dem großen Vierzylinder Fortschritte erkennen – auch beim Beschleunigen auf die Autobahn übertreibt es der Motor nicht mit dem Dröhnen.

Weil es sich beim Camry um einen "normalen" Hybrid handelt, kann er im Gegensatz zum teureren Plug-in-Hybrid nur kurze Strecken rein elektrisch mit niedrigem Tempo  zurücklegen. Dafür muss sich der Besitzer nicht ums Nachladen der (kleinen) Batterien kümmern, das geschieht automatisch im Fahrbetrieb durch Energierückgewinnung.

Toyota nennt keine elektrischen Reichweiten für den Camry, sondern spricht davon, dass "bis zu 50 Prozent der alltäglichen Fahrstrecken" elektrisch zurückgelegt werden könnten. Was vor zumindest für den Stadtverkehr gilt, wo der E-Motor dem Benziner viel Arbeit abnehmen kann.

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Zwar sind schon viele Taxler mit dem Toyota Prius unterwegs. Doch den Fahrkomfort einer Mercedes E-Klasse kann dieser nicht bieten. Hier setzt der Camry an, der geräumiger ist als der Prius sowie gediegener und komfortabler. Fahrgäste finden hinten eine ordentliche Kniefreiheit vor, außerdem sitzt es sich auf den dicken Camry-Polstern recht angenehm. Nur die knappe Kopffreiheit hinten limitiert den Platz: Über 1,85 Metern Körpergröße wird es eng.

Der Kofferraum ist großzügig geschnitten, gut zugänglich und fasst laut Werk üppige 524 Liter. Nach den Messungen des ADAC sind es immer noch stolze 490, was für sieben Getränkekisten reicht. Bei umgeklappten Rücksitzlehnen entsteht ein eher schmaler Durchgang. Zudem ist der Ladeboden dann nicht eben, sondern von einer hohen Stufe unterbrochen. Die Ladekante liegt mit 69 cm recht hoch über der Straße; beim Ausladen behindert die innere Stufe von 16 cm Höhe.

Front des Toyota Corolla Hybrid fahrend

Neuer Toyota Corolla: So fährt er sich

Der neue Toyota Corolla wird gleich mit zwei Hybridmotoren angeboten. Diesel gibt es keine mehr. Was hat der Golf-Konkurrent noch alles zu bieten? Der ADAC hat den Japaner unter die Lupe genommen.

Testfahrt mit dem neuen Toyota Corolla

 

ADAC Testverbrauch: Nur 5,4 l/100 km

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Front des Toyota Camry fahrend
Typische Toyota-Front mit schmalen Scheinwerfern

Mit dem realen Verbrauch sieht es nicht schlecht aus. Der realitätsnahe ADAC Ecotest hat den vom Werk angegebenen WLTP-Durchschnittsverbrauch von 5,5 Litern sogar noch unterboten: 5,4 l Super auf 100 Kilometer Testverbrauch ist für eine so große Limousine ein Top-Wert.

Der Hybridantrieb spielt seine Stärken vor allem im Kurzstreckenbetrieb am besten aus, wenn die Batterien den Benziner am besten unterstützen können. Verbrauch in der Stadt: Gemessene 4,0 Liter. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 180 km/h begrenzt. Das muss kein Problem sein, aber man sollte es vor dem Kauf wissen.

Das serienmäßige Fahrwerk unterstreicht den Charakter als komfortable Langstreckenlimousine und pariert Unebenheiten vorbildlich. Der Wunsch nach einem elektronisch geregelten Fahrwerk kommt so nicht auf – es wird auch gar nicht angeboten.

In Sachen Sicherheit punktet der Camry ebenfalls. Neben einem bis zur Höchstgeschwindigkeit funktionierenden Notbremsassistenten gibt es auch einen aktiven Spurhaltassistenten und einen Abstandsregeltempomat. Eine mittels Kamera erkannte Geschwindigkeitsbegrenzung wird im Kombiinstrument angezeigt. Vor Fahrzeugen im toten Winkel warnt der Toyota genauso wie vor querenden Fahrzeugen beim rückwärts Ausparken.

39.990 Euro kostet die Basisversion des Camry Hybrid. Dafür erhält man das Modell "Business", das serienmäßig ein Sicherheitspaket mit Fußgängererkennung und automatischer Notbremse, Spurhalteassistent, Verkehrsschilderkennung und Abstandsregeltempomat bietet. Hinzu kommen Touchscreen, Rückfahrkamera, Parksensoren sowie beheizbare Ledersitze.

Technische Daten (Herstellerangaben) Toyota Camry 2.5 Hybrid Executive
Motor Vierzylinder-Hybrid-Benziner, 2487 cm3, Systemleistung 160 kW/218 PS, 221 Nm bei 3600 U/min (Benziner)
Fahrleistungen
8,3 s auf 100 km/h, 180 km/h Spitze
Verbrauch (nach WLTP) 5,5 l Super/100 km, 125 g CO2/km
Maße L 4,89 / B 1,84 / H 1,45 m
Kofferraumvolumen 524 l
Leergewicht 1595 – 1660 kg
Preis 42.390 €, Baureihe ab 39.990 €

ADAC Messwerte (Auszug)
Überholvorgang 60-100 km/h 4,9 s 
Bremsweg aus 100 km/h 36,9 m 
Wendekreis 12,3 m                    
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC Ecotest 5,4 l Super/100 km , 148 g CO2/km (well-to-wheel) 
Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne) **** 
Reichweite 925 km
Innengeräusch bei 130 km/h    67,9 dB (A)                    
Leergewicht / Zuladung 1635 / 465 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt  490 / 685  l

 

ADAC Testergebnis Gesamtnote: 2,2
Karosserie/Kofferraum 2,8
Innenraum 2,4
Komfort 2,4
Motor/Antrieb 1,8
Fahreigenschaften 2,4
Sicherheit  1,8
Umwelt/Ecotest 2,1

 

  • Das hat uns gefallen: Attraktiver Preis. Niedriger Verbrauch. Gutes Platzangebot. Sicheres und komfortables Fahrwerk. Sehr umfangreiche Serienausstattung.
  • Das hat uns nicht gefallen: Keine Anhängelast erlaub. Mäßige Bremsleistung. Hohe Kaskoklassen. Kein Apple Carplay/Android Auto.

Für 2400 Euro extra gibt es das Modell "Executive", das 18- statt 17-Zoll-Räder, außerdem einen Totwinkelwarner sowie einen verbesserten Spurhalteassistenten mit Lenkunterstützung bietet. Weitere Feinheiten: ein größeres Display samt Navigationssystem, LED-Scheinwerfer, ein elektrisch verstellbares Lenkrad und ein Ladesystem fürs Smartphone.

So luxuriös wünschen es Taxifahrer aber offenbar nicht – die ordern laut Toyota "alle Business".

Hier können Sie den ausführlichen Testbericht zum Toyota Camry herunterladen.

 

Text: Stefan Anker/SP-X, Jochen Wieler. Fotos: Toyota

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