Toyota Camry Fahrbericht: Der große Unbekannte

24.4.2019

Der Toyota Camry kommt nach 15 Jahren Pause wieder auf den deutschen Markt. Die Stufenhecklimousine gibt es ausschließlich mit 218 PS starkem Hybridantrieb. Erste Testfahrt, technische Daten, Bilder, Verbrauch.

Seitenansicht des Toyota Camry fahrend
Neuer Toyota Camry: Mit 4,89 Metern Länge fast so groß wie eine Mercedes E-Klasse
  • Der Toyota Camry ersetzt den eingestellten Avensis
  • Mit Hybridantrieb soll er Taxifahrern schmackhaft gemacht werden
  • Preis: ab 39.990 Euro; Verbrauch: 5,3 Liter Super nach neuer WLTP-Norm

 

Weltweit ist der Toyota Camry ein Erfolg: Gut 700.000 Kunden entscheiden sich jährlich für die Limousine. Nur in Europa lief der Wagen nie richtig gut, was sich auch mit dem neuen Modell nicht ändern wird. Zum Neustart des Camry, der den eingestellten Avensis beerbt, kalkuliert Toyota hier mit gerade einmal 12.000 Stück pro Jahr – auf dem ganzen Kontinent.

Dieses bescheidene Ziel können die Japaner nur ansteuern, weil sie eine besondere Zielgruppe ausgemacht haben: Taxifahrer. Wenn man künftig das seltene Mittelklassemodell in Deutschland sieht, dann wohl am ehesten elfenbeinfarben. Von den 500 Camry, die der deutsche Importeur für 2019 in Japan geordert hat, seien 400 schon bestellt, sagt Toyota. Überwiegend von Taxiunternehmern.

Der Toyota Camry Hybrid fährt nur kurz elektrisch

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Heckansicht des Toyota Camry fahrend
In USA beliebt, bei uns selten: Die Stufenheck-Limousine Toyota Camry

Den Taxifahrern will man einen angenehmen Arbeitsplatz bieten, der gleichzeitig geringe Kosten verursacht. Daher wird es den Camry in Europa ab 39.900 Euro ausschließlich als Hybrid geben. Unter der Haube arbeiten ein 2,5 Liter Vierzylinder mit 177 PS und ein 120 PS starker Elektromotor zusammen. Die Systemleistung beträgt 160 kW/218 PS. Das gemeinsame maximale Drehmoment liegt jenseits von 400 Newtonmetern, wie bei einem guten Diesel.

Weil es sich beim Camry um einen "normalen" Hybrid handelt, kann er im Gegensatz zum teureren Plug-in-Hybrid nur kurze Strecken rein elektrisch mit niedrigem Tempo  zurücklegen. Dafür muss sich der Besitzer nicht ums Nachladen der (kleinen) Batterien kümmern, das geschieht automatisch im Fahrbetrieb durch Energierückgewinnung beim Bremsen (Rekuperation).

Toyota nennt keine elektrischen Reichweiten für den Camry, sondern spricht davon, dass "bis zu 50 Prozent der alltäglichen Fahrstrecken" elektrisch zurückgelegt werden könnten. Was vor allem für den Stadtverkehr gilt, wo der E-Motor dem Benziner viel Arbeit abnehmen kann.

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Zwar sind schon viele Taxler mit dem Toyota Prius unterwegs. Doch den Fahrkomfort einer Mercedes E-Klasse kann dieser nicht bieten. Hier setzt der Camry an, der geräumiger ist als der Prius sowie gediegener und komfortabler. Fahrgäste finden hinten eine ordentliche Knie- und Kopffreiheit vor, außerdem sitzt es sich auf den Camry-Polstern recht angenehm. Der Kofferraum ist großzügig geschnitten, gut zugänglich und fasst üppige 524 Liter.

Front des Toyota Corolla Hybrid fahrend

Neuer Toyota Corolla: So fährt er sich

Der neue Toyota Corolla wird gleich mit zwei Hybridmotoren angeboten. Diesel gibt es keine mehr. Was hat der Golf-Konkurrent noch alles zu bieten? Der ADAC hat den Japaner unter die Lupe genommen.

Testfahrt mit dem neuen Toyota Corolla

Verbrauch auf der ersten Testfahrt: 5,6 l/100 km

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Front des Toyota Camry fahrend
Typische Toyota-Front mit schmalen Scheinwerfern

Mit dem realen Verbrauch sieht es nicht schlecht aus. Nach einer ersten Testfahrt über rund 200 Kilometer zeigte der Bordcomputer einen Wert von 5,6 l Super auf 100 Kilometer an. Über der Werksangabe von 4,3 Litern Super nach der alten NEFZ-Norm, allerdings nahe am neuen WLTP-Wert mit 5,3 Litern.

Zu den Besonderheiten eines Toyota-Hybrid zählt auch beim Camry das stufenlose Getriebe, das den Motor in manchen Situationen ähnlich wie beim Prius aufheulen lässt; aber insgesamt wirkt der Wagen durch seinen größeren Verbrennungsmotor gelassener.

Der Toyota Camry ist vom Fahrwerk her eher als komfortable Langstreckenlimousine ausgelegt, wozu der Hybrid nicht optimal passt. Der spielt seine Stärken vor allem im Kurzstreckenbetrieb aus, wenn die Batterien den Benziner am besten unterstützen können. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 180 km/h begrenzt. Das muss kein Problem sein, aber man sollte es vor dem Kauf wissen.

39.990 Euro kostet die Basisversion des Camry Hybrid. Dafür erhält man das Modell "Business", das serienmäßig ein Sicherheitspaket mit Fußgängererkennung und automatischer Notbremse, Spurhalteassistent, Verkehrsschilderkennung und Abstandsregeltempomat bietet. Hinzu kommen Touchscreen, Rückfahrkamera, Parksensoren sowie beheizbare Ledersitze.

Technische Daten (Herstellerangaben) Toyota Camry 2.5 Hybrid
Motor Vierzylinder-Hybrid-Benziner, 2487 cm3, Systemleistung 160 kW/218 PS, 221 Nm bei 3600 U/min (Benziner)
Fahrleistungen
8,3 s auf 100 km/h, 180 km/h Spitze
Verbrauch (nach WLTP) 5,3 l Super/100 km, 119 g CO2/km
Maße L 4,89 / B 1,84 / H 1,45 m
Kofferraumvolumen 524 l
Leergewicht 1595 – 1660 kg
Preis ab 39.990 €

Für 2400 Euro extra gibt es das Modell "Executive", das 18- statt 17-Zoll-Räder, außerdem einen Totwinkelwarner sowie einen verbesserten Spurhalteassistenten mit Lenkunterstützung bietet. Weitere Feinheiten: ein größeres Display samt Navigationssystem, LED-Scheinwerfer, ein elektrisch verstellbares Lenkrad und ein Ladesystem fürs Smartphone.

So luxuriös wünschen es Taxifahrer aber offenbar nicht – die ordern laut Toyota "alle Business".

 

Text: Stefan Anker/SP-X. Fotos: Toyota

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