Mehr Schlaglöcher auf Schleswig-Holsteins Straßen

Kiel – Der vergangene Winter hat auf vielen Straßen in Schleswig-Holstein deutliche Spuren hinterlassen. Nach Einschätzung des ADAC Schleswig-Holstein e.V. nehmen Schlaglöcher und Fahrbahnschäden derzeit wieder zu. Ursache sind vor allem die häufigen Wechsel zwischen Frost und Tauwetter.
Dringt Regen- oder Schmelzwasser in kleine Risse der Fahrbahn ein, gefriert es und dehnt sich aus. Der Asphalt wird von innen aufgesprengt. Beim anschließenden Tauwetter entstehen Hohlräume unter der Oberfläche, die durch den Verkehr eingedrückt werden – es bilden sich Schlaglöcher. Entscheidend für diese Schäden ist weniger der Dauerfrost als vielmehr der wiederholte Wechsel zwischen Plus- und Minusgraden.
Besonders anfällig sind ältere kommunale Straßen. Viele Fahrbahnen sind bereits mehrere Jahrzehnte alt und erreichen zunehmend das Ende ihrer Lebensdauer. Frost-Tau-Wechsel machen vorhandene Schwachstellen dann besonders schnell sichtbar.
Beispiele aus Kiel und Lübeck
Wie deutlich sich der Zusammenhang zwischen überalterter Infrastruktur und zusätzlichen Winterschäden zeigt, wird derzeit unter anderem an der Edisonstraße und am Ellerbeker Weg sichtbar.
Die Landeshauptstadt Kiel verfügt über ein Straßennetz von rund 712 Kilometern. Ein großer Teil dieser Infrastruktur ist bereits mehrere Jahrzehnte alt. Ende 2024 lag der Sanierungsstau nach Angaben der Stadt bei rund 549 Millionen Euro, bis 2035 wird ein Investitionsbedarf von etwa 720 Millionen Euro erwartet.
Auch in Lübeck zeigt sich die Problematik deutlich. Das Straßennetz der Hansestadt umfasst rund 675 Kilometer. Auch hier besteht ein erheblicher Sanierungsbedarf, da viele Straßenabschnitte ein hohes Alter erreicht haben und Frost-Tau-Wechsel bestehende Schäden weiter verstärken.
Der ADAC sieht darin ein strukturelles Problem vieler Städte und Gemeinden: Schlaglöcher sind häufig nur das sichtbare Ergebnis eines zunehmenden Sanierungsbedarfs im kommunalen Straßennetz.
Schnelle Reparaturen wichtig – langfristig mehr Straßenerhalt nötig
Kommunen reagieren meist kurzfristig mit Reparaturen, etwa durch Gussasphalt oder ähnliche Verfahren. Diese Maßnahmen sind wichtig, um akute Gefahrenstellen schnell zu entschärfen und die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.
Langfristig reichen solche Maßnahmen jedoch häufig nicht aus. Wenn die Substanz einer Straße insgesamt geschwächt ist, entstehen Schäden oft wieder an derselben Stelle. Neben kurzfristigen Reparaturen sind deshalb vor allem langfristige Investitionen in den Erhalt der Straßen erforderlich.
Schäden durch Schlaglöcher: Chancen auf Ersatz oft begrenzt
Kommt es durch ein Schlagloch zu einem Fahrzeugschaden, sind die Chancen auf Schadenersatz in vielen Fällen begrenzt. Verkehrsteilnehmer müssen ihre Fahrweise grundsätzlich an Straßen- und Witterungsverhältnisse anpassen. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit entbindet nicht von dieser Pflicht.
Ein Anspruch auf Schadenersatz besteht nur, wenn eine Gefahrenstelle überraschend und für den Verkehrsteilnehmer nicht erkennbar war und der zuständige Straßenbaulastträger seine Verkehrssicherungspflicht verletzt hat.
ADAC-Tipp: Schäden sorgfältig dokumentieren
Wer einen Schaden geltend machen möchte, sollte diesen möglichst gut dokumentieren. Empfehlenswert sind Fotos vom Schlagloch, vom Fahrzeugschaden sowie von der Umgebung. Auch ein Größenvergleich – etwa mit einem Zollstock – kann hilfreich sein. Zudem sollten mögliche Zeugen notiert werden.
Dabei gilt jedoch ein wichtiger Grundsatz: Die eigene Sicherheit hat immer Vorrang. Verkehrsteilnehmer sollten sich beim Fotografieren nicht selbst in Gefahr bringen oder auf der Fahrbahn stehen bleiben.
Schlaglöcher melden – auch per ADAC App
Mit der ADAC App können Verkehrsteilnehmer Schlaglöcher schnell und unkompliziert melden. Je früher Schäden gemeldet werden, desto schneller können sie abgesichert oder repariert werden. Das hilft, weitere Schäden und mögliche Unfälle zu vermeiden.
Rainer Pregla
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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