Zurück zur Übersicht
Deutschland, Österreich, Italien | 10.09.2020

Über den Brenner – ohne Verbrenner

Die Anreise für die Brennerfahrt mit dem E-Auto BMW i3 erfolgt am Karwendel vorbei.
Am wuchtigen Karwendelmassiv vorbei geht es von Mittenwald über den Seefelder Sattel weiter ins Inntal. Foto: ADAC SE

B wie Brenner, B wie Batterie, B wie Benchmark. Seit den frühen Jahren des individuellen, motorisierten Tourismus gilt die Reise über den Brennerpass als das Kriterium einer Fern- und Urlaubsreise. Die Langstreckentauglichkeit von elektrisch betriebenen Kraftfahrzeugen kann also daran gemessen werden, wie problemlos und geschmeidig eine Fahrt hinüber in den Süden, hinein nach Italien, absolviert werden kann.

Herstellerangaben zu den möglichen Reichweiten von batteriebetriebenen Pkw versprechen mitunter mehrere hundert Straßenkilometer am Stück. Die Erfahrungswerte bei längeren Abschnitten auf Autobahnen und Schnellstraßen im Bereich von Tempo 100 km/h und darüber liegen aber deutlich niedriger. Der Luftwiderstand steigt exponentiell zur gefahrenen Geschwindigkeit und das kostet seit jeher mehr Kraftstoff wie z.B. Benzin, jetzt entsprechend mehr elektrische Energie.

Im BMW i3 wurde einst ein so genannter Range Extender, ein kleiner Benzinmotor als Generator zur Ladung der Batterie während der Fahrt eingebaut. Das half, längere Strecken zu überwinden. Die Batteriekapazität allein war schlichtweg zu gering bemessen. Das ist nun nicht mehr nötig. Die 120-Ah-Batterie, die aktuell den i3 antreibt, verspricht immerhin gut 300 km Reichweite gemäß WLTP-Zyklus.

Stramme Bergetappe: 300 Kilometer, 1500 Höhenmeter

40-Minuten-Schnellladung am Supermarktparkplatz in Gries am Brenner (Tirol).
Willkommene Pause: 40-Minuten-Schnellladung am Supermarktparkplatz in Gries am Brenner (Tirol). Foto: ADAC SE

Mit dem i3 soll es also von München nach Sand in Taufers in Südtirol gehen. Es ist kein Urlaub, aber dennoch eine Fernreise anlässlich einer Jubiläumsfeier. Und es soll schnell gehen: Anfahrt am Nachmittag, Feier am Abend, Übernachtung und am Morgen wieder zurück Richtung München. Das bedeutet wenig Puffer, weder für ausgedehnte noch zahlreiche Ladeaufenthalte unterwegs. Ist das mit dem Elektroauto zu machen? Autobahnen, Überlandstraßen und dazu noch hoch und runter über die Alpen mit Passübergängen in Höhen von 1100 und 1400 Meter über dem Meer. Alles auf einer Strecke von ziemlich genau 300 Kilometern.

Beim Start zeigt die Anzeige am Bordcomputer 295 Kilometer Reichweite. Das Außenthermometer misst 13° Celsius, eine gute Umgebungstemperatur für den Batteriebetrieb. Nach kurzer Fahrt auf Autobahn und Landstraße nach Österreich und über den Seefelder Sattel geht es steil den Zirler Berg hinunter ins Inntal. Hierbei wird durch Rekuperation Energie zurückgewonnen, und die Reichweitenanzeige macht Mut. Stop-and-Go durch die abendliche Innsbrucker Rush-Hour zieht kaum Leistung.

Nach der Abfahrt mit dem E-Auto BMW i3 in Gries am Brenner geht es 40 Kilometer bergab.
Erst oben auf der Passhöhe in Gries am Brenner braucht der i3 die erste Nachladung. Foto: ADAC SE

Mit etwas mehr als 100 Kilometern Restreichweite geht es in den Anstieg auf der Brennerlandstraße, denn in den Ortschaften auf dem Weg zur Passhöhe verspricht das Navi einige Ladestationen. Je nach Stand der Batteriekapazität kann also reagiert werden. Schließlich ist es mit der Schnellladesäule am Supermarkt in Gries am Brenner die letzte vor der österreichischen Landesgrenze. Sie erlaubt Batterieladung, Einkauf und Pause im Markt-Café in einem Aufenthalt. Schon nach 40 Minuten geht es weiter, die Kapazität der i3-Batterie ist da bereits wieder bei stolzen 81 Prozent angelangt.

Mit Schwung geht es über den Brenner und bergab praktisch ohne merklichen Energieeinsatz bis ins Südtiroler Pustertal. Sand in Taufers ist binnen einer Stunde erreicht und die Feierlichkeiten nehmen ihren Lauf.

Laden mit einem Lächeln: Bergabfahrt bringt Batteriekapazität

Schnellladesäule auf italienischer Seite der Passhöhe im Brenner-Outlet-Parkhaus.
Schnellladesäule auf italienischer Seite der Passhöhe im Brenner-Outlet-Parkhaus. Foto: ADAC SE

Am nächsten Morgen steckt die Fahrt zurück auf den Brenner locker im „Tank“. Die Entscheidung fällt fürs Aufladen an der Schnellladesäule im Brenner-Parkhaus, derweil ein Rundgang durchs Brenner-Outlet Kurzweil verspricht. Nach 45 Minuten ist die Batterie fast vollständig geladen und damit die Heimfahrt bis nach München über Seefeld und Garmisch-Partenkirchen in einem Stück sichergestellt. Da es zuerst auf der Brennerstraße nach Innsbruck 40 Kilometer stetig bergab geht, sorgt die Rückgewinnung für die Restladung bis zur vollen Batteriekapazität. Ab Innsbruck also volle Leistung verfügbar, da macht selbst der steile Anstieg über den Zirler Berg nichts aus. Die abschließenden 60 Kilometer Autobahn muss nichts mehr „gespart“ werden, also locker mit Richtgeschwindigkeit 130 km/h bis an die Grenze der bayerischen Landeshauptstadt.

Fazit: Fernreise funktioniert

In Innsbruck angekommen steckt dank Rekuperation noch mehr Reichweite in der Batterie.
Im Tal angekommen steckt dank Rekuperation noch mehr Reichweite in der Batterie. Foto: ADAC SE

Mit dem E-Auto muss nicht unbedingt taktiert werden auf längeren Strecken. Der Überblick über Lademöglichkeiten entlang der Reiseroute und deren Zugang und Verfügbarkeit ist aber sinnvoll. Pausen unterwegs für die Insassen sind das sowieso. Dass diese nicht zu lange aufhalten, dafür sorgen die schon häufig verfügbaren Schnellladestationen. Als beruhigender Faktor dient eine gewisse Reiseplanung vorab allemal. Im Gepäck sind Ladekarten mit Roaming-Funktion für In- und Ausland wie z.B. ADAC e-Charge oder ChargeNow. Ladestopps am Supermarkt, am Outlet oder zum Espresso am Autogrill-Autobahnrestaurant – ganz nach Hobby und Hunger ausgesucht – sind nicht nur für die Reichweite von Vorteil, sondern auch ein Stück Lebensqualität, das mitreist.

Produktangebot:

Um eigene Erfahrungen zu sammeln, gibt es für ADAC Mitglieder verschiedene E-Modelle besonders günstig im Leasing: www.adac.de/e-angebote