Elektromobilität im Alltag: Aus der Praxis für die Praxis

Vor der ADAC Zentrale in München tanken E-Autos Strom ∙ © ADAC SE

Elektromobilität boomt. Dennoch gibt es noch Vorbehalte. Es fehlt noch an praktischen Erfahrungswerten. Aus diesem Grund bietet der ADAC seinen Mitgliedern nicht nur günstige Leasingangebote an, sondern gibt auch nützliche Tipps aus der Praxis für die Praxis.

  • Winterreifen mit geringem Rollwiderstand

  • Laden mit Wechsel- und Gleichstrom möglich

  • Reichweite im Alltag kein Problem


Das E-Auto im Winter

Um es im Winter im e-Auto warm zu haben und gleichzeitig möglichst wenig Reichweite zu verlieren, ist folgendes wichtig:

● Winterreifen: Die gesetzlichen Regelungen bezüglich Winterreifen gelten auch für E-Autos. In der Elektromobilität spielt die Reichweite eine besondere Rolle. Der Rollwiderstand eines Winterreifens sollte gering sein. Dies darf allerdings nicht auf Kosten der Sicherheit gehen. Die Reifen müssen, wie bei Autos mit Verbrennungsmotor auch, auf der Flanke das M+S-und die Schneeflocke (Alpine-Symbol) tragen. Eine eingehende Beratung beim Fachhändler ist beim Thema Winterreifen für Elektroautos wichtig.

● Fahren auf Eis und Schnee: Auch beim Elektroauto, mit seinem direkten Drehmoment, ist sensibles und vorausschauendes Fahren im Winter ganz entscheidend. Der sogenannte Eco-Modus bietet sich hier als Hilfe an: Der Motor überträgt in diesem Modus eine verringerte Kraft auf die Räder. Das Auto kommt besser voran. Der Eco-Modus ist also nicht nur wegen des Spareffekts bezüglich Verbrauch und Reichweite wichtig, sondern bringt im Winter auch ein Plus an Sicherheit. Beim Anfahren mit der Schaltung zu hantieren, wie dies bei vielen Verbrennern möglich ist, entfällt, weil Elektroautos keine Gangschaltung besitzen. 

● Reichweite: Die Reichweite eines Elektroautos kann im Winter zurückgehen. Hierbei sind allerdings unter anderem die tatsächliche Außentemperatur, individuelle Fahrweise und Batterietechnik des jeweiligen Modells entscheidend. Innenraum-, Heck- und Frontscheiben-, Sitz- und Lenkradheizung, Lüftung und Fahrzeugbeleuchtung benötigen mehr Energie als im Sommer. Was für Elektroautos allgemein gilt – nämlich immer eine Reichweitenreserve mit zu bedenken und diese einzuplanen – ist in der kalten Jahreszeit umso wichtiger. Batterien verfügen bei Kälte generell über weniger Kapazität. Außerdem: Niedrige Temperaturen reduzieren nicht nur die Reichweite, sondern können auch die Ladezeit verlängern. Moderne E-Autos „bedenken“ aber auch das und reagieren im Ladeverhalten klug auf die äußeren Bedingungen.

Dr. E und Mr. Ride on tour

Dr. E und Mr. Ride - alias Dr. Christian Buric und Tom Biersack haben mit dem Kia
e-Soul
eine Winterfahrt unternommen und die Tipps einem Praxis-Check unterzogen.

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Wie und wo kann ich laden?


● Zu Hause: Elektroautos können hier mit einer fest installierten Wallbox geladen werden. Eine Box kostet rund 500 Euro zuzüglich Installation. Vom Laden an einer herkömmlichen Steckdose raten Experten ab. Derzeit gibt es für eine Wallbox auch eine Förderung von 900 Euro.

● Unterwegs: Unterwegs können Besitzer eines Elektroautos die Batterie an öffentlich zugänglichen Ladepunkte aufladen. Eine Ladesäule lässt sich per Smartphone-App
freischalten. Bezahlt wird ebenfalls per Smartphone-App, mit der Netzkarte des Anbieters oder mit einer sogenannten Mobilitäts-Karte, wie ADAC e-charge. Das Laden mit Wechselstrom (AC) dauert länger als mit Gleichstrom (DC). Für das schnelle Laden mit Gleichstrom gibt es zwei Ladestecker-Varianten: CCS und CHAdeMO. An Ladesäulen mit Wechselstrom gibt es eine Steckdose "Typ 2". Mit einem entsprechenden Adapter können auch E-Autos geladen werden, die über einen Stecker "Typ 1" verfügen.

Reicht die Reichweite?

Heute sind Elektroautos mit einer Alltagsreichweite von 300 Kilometern Standard. Die Energiedichte der Batterien hat zugenommen, Akkus können mehr Strom speichern. Um zwölf Prozent stieg laut Unternehmensberatung Horvàth & Partners die Reichweite jährlich im Schnitt. Auch die Ladeinfrastruktur wird ausgebaut. Im vierten Quartal des Jahres 2020 lag die Anzahl der Ladestationen in Deutschland bei rund 216.200. Im Vorjahresquartal waren es noch etwa 17.600 (Statista). 80 Prozent der E-Auto-Fahrer legen laut NPE (Nationale Plattform Elektromobilität) ca. 40 Kilometer täglich mit dem Auto zurück. Das technisch Erreichte reicht dafür allemal.

Was kostet der Unterhalt?

Eine grundsätzliche Aussage über die Unterhaltskosten eines Elektroautos im Alltag lässt sich ebenso wenig treffen wie über die Anschaffungskosten. Eine Vielzahl von Faktoren spielt hierbei eine Rolle – Modell, Konfiguration, Kilometerleistung. Der Unterhalt eines Elektroautos ist aber günstiger ist als der eines vergleichbaren Verbrenners. Elektroautos sind wesentlich einfacher aufgebaut und benötigen beispielsweise kein Motoröl oder Abgassystem. Mit nur rund 200 beweglichen Teilen am Motor haben sie im Vergleich zu Verbrennern (bis zu 1500 Teile) deutliche Kostenvorteile bei Reparatur und
Wartung.

Bremst Du noch oder rekuperierst Du schon?

Das Zauberwort zum Energiesparen beim Elektroauto heißt Rekuperation. Aus der Bewegungsenergie die beim leichten Bremsen wird Strom gewonnen, mit dem dann die Batterie wieder geladen und die Reichweite erhöht wird.

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Elektroauto und Umwelt

Im städtischen Bereich haben E-Autos in Bezug auf ihre Umweltfreundlichkeit Vorteile. Sie sind lokal emissionsfrei und hinsichtlich des Lärms unschlagbar – es gibt nur das Geräusch der Reifen ab etwa 35 km/h.  Bei der Lebenszyklus-Analyse kommen auch die CO₂-Emissionen, die bei der Produktion des jeweiligen Fahrzeugs anfallen, hinzu. Durch die energieaufwendige Produktion der Batteriezellen sind E-Autos aber nicht ohne „Nebenwirkungen“.

Im Fahrbetrieb holt das Elektroauto allerdings wieder auf – je sauberer der Betriebsstrom hergestellt wird, umso schneller. Also: Wird der Strom grüner, bringt das E-Auto noch mehr Entlastung für die Umwelt. Außerdem versuchen die Hersteller bei der Produktion der Batterien immer weniger kritische Rohstoffe zu nutzen. Recycling und Second-Life-Anwendungen machen das E-Auto außerdem in Sachen Umwelt noch besser. Durch
bidirektionales Laden, was immer mehr zum Thema wird bei den Herstellern, wird das E-Auto zum Energiespeicher und somit in Effizienz-Fragen noch interessanter.

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