Elektromobilität im Alltag: E-Autos werden jetzt lauter

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Wer hätte das vor einem Jahr gedacht? Deutschland ist in der ersten Jahreshälfte 2021 nach China der zweitgrößte Markt für elektrische und teilelektrifizierte Autos geworden. Die
Neuzulassungen bei batterieelektrischen Autos und bei Plug-in-Hybriden sind laut Kraftfahrtbundesamt insgesamt um 230 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen

  • E-Autos müssen jetzt ein Sound-Warnsystem haben

  • Laden mit Wechsel- und Gleichstrom möglich

  • Reichweite im Alltag meist kein Problem

Obwohl die Elektromobilität boomt, gibt es immer noch Vorbehalte. Es fehlt zudem an praktischen Erfahrungswerten. Aus diesem Grund bietet der ADAC seinen Mitgliedern nicht nur günstige Leasingangebote an, sondern gibt auch nützliche Tipps aus der Praxis für die Praxis.

Für alle neu zugelassenen elektrifizierten Autos gilt seit 1. Juli 2021 eine EU-Verordnung, nach der alle neuen Elektroautos, Hybrid-Pkw oder auch Wasserstofffahrzeuge ein Sound-Warnsystem haben müssen. Die künstlichen Töne, die beim E-Auto natürlich ohne Mitwirkung eines Motors entstehen, sollen vor allem Fußgänger und Radfahrer schützen, die E-Autos überhören könnten. Bei Geschwindigkeiten bis 20 km/h und beim Rückwärtsfahren wird das AVAS-System aktiviert. Es darf aus Sicherheitsgründen nicht ausgeschaltet werden.

Was bedeutet AVAS ?

AVAS heißt "Acoustic Vehicle Alerting System" - auf Deutsch etwa "Fahrzeug-Warngeräusch-Generator". Dr. E erklärt, wie es funktioniert:

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Fürs E-Auto haben die Hersteller ganz verschiedene Sounds auf Lager - allerdings nie lauter als 75 Dezibel. Und: sie basteln weiter an den Tonkonstruktionen. „The art of noise“ eines Pkw ist eben - wie das Auto selbst – emotional getriggert und daher an Bedeutung nicht zu unterschätzen.

Warum wird AVAS nur bis 20 km/h eingesetzt?

Über 20 km/h ist das Abrollgeräusch der Reifen bei modernen Fahrzeugen meistens lauter als der Motor selbst. Ein zusätzliches Geräusch ist für die Verkehrssicherheit nicht mehr unbedingt relevant und würde für mehr Lärm sorgen.

Aus der Praxis für die Praxis: Tipps für den Alltag

Wie und wo kann ich laden?


● Zu Hause: Elektroautos können hier mit einer fest installierten Wallbox geladen werden. Eine Box kostet rund 600 Euro zuzüglich Installation. Vom Laden an einer herkömmlichen Steckdose raten Experten ab. Derzeit gibt es für eine Wallbox auch eine Förderung von 900 Euro.

● Unterwegs: Unterwegs können Besitzer eines Elektroautos die Batterie an öffentlich zugänglichen Ladepunkte aufladen. Eine Ladesäule lässt sich per Smartphone-App
freischalten. Bezahlt wird ebenfalls per Smartphone-App, mit der Netzkarte des Anbieters oder mit einer sogenannten Mobilitäts-Karte, wie ADAC e-charge. Das Laden mit Wechselstrom (AC) dauert länger als mit Gleichstrom (DC). Für das schnelle Laden mit Gleichstrom gibt es zwei Ladestecker-Varianten: CCS und CHAdeMO. An Ladesäulen mit Wechselstrom gibt es eine Steckdose "Typ 2". Mit einem entsprechenden Adapter können auch E-Autos geladen werden, die über einen Stecker "Typ 1" verfügen.

Reicht die Reichweite?

Heute sind Elektroautos mit einer Alltagsreichweite von 300 Kilometern Standard. Die Energiedichte der Batterien hat zugenommen, Akkus können mehr Strom speichern. Um zwölf Prozent stieg laut Unternehmensberatung Horvàth & Partners die Reichweite jährlich im Schnitt. Auch die Ladeinfrastruktur wird ausgebaut. Im vierten Quartal des Jahres 2020 lag die Anzahl der Ladestationen in Deutschland bei rund 216.200. Im Vorjahresquartal waren es noch etwa 17.600 (Statista). 80 Prozent der E-Auto-Fahrer legen laut NPE (Nationale Plattform Elektromobilität) ca. 40 Kilometer täglich mit dem Auto zurück. Das technisch Erreichte reicht dafür allemal.

Was kostet der Unterhalt?

Eine grundsätzliche Aussage über die Unterhaltskosten eines Elektroautos im Alltag lässt sich ebenso wenig treffen wie über die Anschaffungskosten. Eine Vielzahl von Faktoren spielt hierbei eine Rolle – Modell, Konfiguration, Kilometerleistung. Der Unterhalt eines Elektroautos ist aber günstiger ist als der eines vergleichbaren Verbrenners. Elektroautos sind wesentlich einfacher aufgebaut und benötigen beispielsweise kein Motoröl oder Abgassystem. Mit nur rund 200 beweglichen Teilen am Motor haben sie im Vergleich zu Verbrennern (bis zu 1500 Teile) deutliche Kostenvorteile bei Reparatur und
Wartung.

Bremst Du noch oder rekuperierst Du schon?

Das Zauberwort zum Energiesparen beim Elektroauto heißt Rekuperation. Aus der Bewegungsenergie die beim leichten Bremsen wird Strom gewonnen, mit dem dann die Batterie wieder geladen und die Reichweite erhöht wird.

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Elektroauto und Umwelt

Im städtischen Bereich haben E-Autos in Bezug auf ihre Umweltfreundlichkeit Vorteile. Sie sind lokal emissionsfrei und hinsichtlich des Lärms unschlagbar – es gibt nur das Geräusch der Reifen ab etwa 35 km/h.  Bei der Lebenszyklus-Analyse kommen auch die CO₂-Emissionen, die bei der Produktion des jeweiligen Fahrzeugs anfallen, hinzu. Durch die energieaufwendige Produktion der Batteriezellen sind E-Autos aber nicht ohne „Nebenwirkungen“.

Im Fahrbetrieb holt das Elektroauto allerdings wieder auf – je sauberer der Betriebsstrom hergestellt wird, umso schneller. Also: Wird der Strom grüner, bringt das E-Auto noch mehr Entlastung für die Umwelt. Außerdem versuchen die Hersteller bei der Produktion der Batterien immer weniger kritische Rohstoffe zu nutzen. Recycling und Second-Life-Anwendungen machen das E-Auto außerdem in Sachen Umwelt noch besser. Durch
bidirektionales Laden, was immer mehr zum Thema wird bei den Herstellern, wird das E-Auto zum Energiespeicher und somit in Effizienz-Fragen noch interessanter.