E-Auto: Die wichtigsten Praxis-Tipps für mehr Reichweite

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Reicht die Reichweite? Das fragen sich viele E-Autofahrer. Dr. E vom ADAC gibt Tipps - aus der Praxis für die Praxis:

Tipp 1: Mehr Reichweite durch angepasste Fahrweise

Generell gilt, wie auch bei Verbrennern, dass gleichmäßiges und vorausschauendes Fahren Energie einspart. Zum vorausschauenden Fahren gehört, auch aus Sicherheitsgründen, genug Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen zu halten. Laden dauert länger als tanken. Daher achten erfahrene E-Autofahrer, auch um nicht zu oft aufladen zu müssen, intuitiv auf eine vorausschauende Fahrweise und damit auf den Verbrauch. Regelmäßiges und frühzeitiges Laden zuhause, am Arbeitsplatz oder an einer öffentlichen Ladestation verhindert „Ladestress“.

Tipp 2: Rekuperation spart im Stop-and-Go-Verkehr

Gerade im Stadtverkehr, der viele Stop-and-Go-Momente enthält, kostet Beschleunigung immer Reichweite. Sanftes Beschleunigen hilft in puncto Energiesparen und schont außerdem die Batterie eines Elektroautos. Beim häufigen Aufeinanderfolgen von Beschleunigungs- und Bremsvorgängen ist Rekuperation der Schlüssel, d.h. eine hervorragende Möglichkeit, um Strom zu sparen.

Tipp 3: One-Pedal-Driving für mehr Reichweite nutzen

Das Fahren mit einem Pedal sollte weder bezüglich seiner energiesparenden Wirkung noch in seiner oft abrupten Bremswirkung unterschätzt werden. Der rechte Fuß reicht dabei aus, um die Geschwindigkeit ausschließlich über das eine Pedal zu steuern. Das Fahren mit einem Pedal benötigt allerdings Gewöhnung. Der Akku lädt sich, beispielsweise auf dem Weg zu einer roten Ampel, durch Rekuperation auf. Verschiedene Stufen der Rekuperation können dabei so eingestellt werden, dass während der Geschwindigkeitsreduzierung möglichst viel Energie zurückgewonnen werden kann. Entsprechend stark ist dann der Bremseingriff des Motors/Generators. Die jeweilige Einstellung sollte zum Fahrverhalten des Autofahrers und zur Verkehrssituation passen.

Tipp 4: Mit dem E-Auto segeln spart Strom

Die optimale Form des energiesparenden Fahrens ist das sogenannte Segeln, also das freie Rollen lassen des Autos. Dabei wird die Schwungenergie des Pkw genutzt. Hierbei ist dann sogar die Rekuperation deaktiviert. Ob gesegelt oder rekuperiert wird, ist eine Entscheidung, die aufgrund der Fahrerfahrung und der Verkehrslage getroffen wird. Ungeübte Elektroautofahrer sollten sich aber nicht von den verschiedenen Fahrmodi-Funktionen ablenken lassen. Zu den Energiesparmodi sollte unbedingt die Betriebsanleitung des Fahrzeugs zu Rate gezogen werden.

Tipp 5: Klimaanlage reduziert Reichweite

Verbraucher wie Klimaanlagen oder im Winter Innenraum-, Sitz- und Lenkradheizung sollten bewusst eingesetzt oder ausgeschaltet werden. Von Vorteil ist eine Wärmepumpe, sie erhöht die Energieeffizienz beim Heizen des Wageninneren in der kalten Jahreszeit.

Tipp 6: Richtiger Reifendruck für mehr Reichweite

Klassische Spar-Tipps gelten auch für Stromer. Beispielsweise sollte kein unnötiges Gewicht im Kofferraum oder auf dem Dach transportiert werden. Auch auf den Reifendruck ist zu achten. Aus Komfortgründen wird von Herstellern oft nur der Mindestdruck angegeben. Eine Erhöhung um 0,2 bar ist beim Fahrkomfort kaum zu spüren, reduziert aber den Verbrauch, ohne dass es Einbußen an Sicherheit gibt. Wichtig: Einsparbemühungen durch Reifendruckregulierung dürfen nie zu Lasten der Sicherheit gehen.

Tipp 7: Energiemanagement und Reiseerlebnis

Bei Langstreckenfahrten kommt es auf das richtige Energiemanagement an, das heißt: Energie über die Distanz einteilen! Gleichmäßig fahren und Ladestopps vorausplanen. Beim Fahren regelmäßig einen Blick auf den Stand der Batteriekapazität werfen. Bei der Ladeplanung für die Urlaubsfahrt bedenken, dass eine Ladesäule zugeparkt oder defekt sein kann. Plan B oder C sind dann entscheidend. Beim Laden auf einer Urlaubsfahrt lässt sich die Zeit nutzen, um touristische Sehenswürdigkeiten zu besuchen oder eine andere Art der Freizeitgestaltung einzuplanen. Ganz nach dem Motto „der Weg ist das Ziel“.

Tipp 8: Schnellladen - wichtig für den Urlaub

Schnellladen mit 50 Kilowatt oder noch mehr Leistung ist im Alltag oder Urlaub sinnvoll. Generell sollte es aber dosiert eingesetzt werden, da zu häufiges Schnellladen auf die Lebensdauer des Akkus schlagen kann. Trotzdem sollte ein E-Auto immer einen CCS-Anschluss haben, der schnelles Laden ermöglicht. Damit wird die Flexibilität eines Strom-Pkw im Alltag deutlich erhöht. Schonender für den Akku ist das regelmäßige Laden bei geringen Ladeleistungen via AC (Wechselstrom). Viele E-Autos haben auch Apps, mit denen sich das Laden programmieren lässt. Der Akku erreicht dann schonend den gewünschten Ladezustand.

Auf einer langen Fahrt, in der man möglichst wenig Zeit für das Schnellladen verstreichen lassen will, kann es Sinn machen, mehrmals, z.B. auf 60 Prozent aufzuladen, statt die Batterie auf 100 Prozent zu füllen und dann weiterzufahren. Der Grund hierfür ist, dass das Laden von 80 Prozent auf 100 Prozent länger dauert als beispielsweise von 10 auf 60 Prozent oder von 10 auf 80 Prozent. Dass sich die Batterie bei den letzten 20 Prozent viel Zeit nimmt, liegt in der technischen Eigenheit der Batterie begründet. Auf langen Reisen kann es daher sinnvoll sein öfters kurz zu laden als einmal ganz auf 100 Prozent.