Mehr Reichweite mit dem E-Auto – auf Lang- und Kurzstreckenfahrten

Langstrecken-Challenges, wie der ED 1000, bringen Klarheit zu Alltagstauglichkeit von E-Autos. ∙ Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © ADAC SE

Autofahrer legen in Deutschland pro Tag im Durchschnitt 40 Kilometer an Strecke mit dem Pkw zurück - ein passendes Einsatzszenario also für ein E-Auto. Aber wie sieht es mit der Reichweite auf der Langstrecke aus?

  • Effizient und energiebewusst fahren auf Lang- und Kurzstrecken

  • Individuelle Fahrweise beeinflusst Reichweite

  • Energiemanagement und Reiseerlebnis kombinieren

Mr. Ride und Dr. E haben interessante Erkenntnisse für die Praxis aus der ED 1000, einer E-Auto Langstrecken-Fahrt und dem ADAC 24-Stunden-Rennen gewonnen. Anbei der Fahrbericht der ED 1000 und Tipps von Dr. E, wie man mit dem E-Auto die Reichweite erhöhen kann.

Härtetest auf der 1.000 Kilometer Strecke

Bei der zum zweiten Mal ausgerichteten ED 1000 ging es nicht darum, ein Rennen zu fahren, sondern zu zeigen, wie gut sich bereits heute Langstrecken mit E-Autos absolvieren lassen. Dafür galt es eine Route mit mehr als 1.000 Kilometern zumeist auf Autobahnen zurückzulegen. Start- und Ausgangspunkt war die Königsallee in Düsseldorf. Von dort aus führt die Route über Lüttich/Belgien in die Niederlande an die Küste bei Hoek van Holland und dann zurück nach Deutschland über Bielefeld nach Düsseldorf. Tempolimits in Belgien und in den Niederlanden, die Abwägung zwischen Geschwindigkeit und Verbrauchseffizienz auf deutschen Autobahnen sowie natürlich die Leistung und Verweildauer an den bis auf zwei Checkpoints frei wählbaren Ladestationen waren für die Ergebnisse der ED 1000 entscheidend.

Für den ADAC mit an Bord waren „Mr. Ride“ Thomas Biersack als Strecken-/Ladestratege und Schauspieler Thomas M. Held (u.a. Sat.1 „Sechserpack“) als erfahrener E-Auto-Lenker. Ihre Fahr-Strategie bestand darin, möglichst die reine Netto-Fahr- und Ladezeit so kurz wie möglich zu halten.

„Ich bedanke mich bei Kia Deutschland, dass wir an diesem Verbrauchsrennen teilnehmen konnten und ein tolles Team gebildet haben. Der Kia EV6 ist ein spannendes E-Auto, das richtig schnell laden kann und daher durch seine Alltagstauglichkeit besticht. Kurz: Auto, Team, Tempo, Verbrauch und Ladestrategie - alles hat einfach gepasst,“  so Markus Groiß, Geschäftsführer der ADAC Autovermietung.

Mit dem KIA EV6 und dessen leistungsstarker 800 Volt-Ladetechnologie verfolgte das KIA/ADAC-Team eine 3-Stopp-Strategie zum schnell laden und schnell fahren. Damit gelang es dem Team eine Gesamtzeit innerhalb der Wertung von überraschend flotten 10 Stunden und 23 Minuten zu realisieren.

Das „Thomas & Thomas“-Team erreichte mit dem KIA EV 6 so den zweiten Platz, denkbar knapp hinter dem Erstplatzierten Porsche Taycan GTS mit 10:18 Stunden. Von 18 teilnehmenden Autos erreichte das zweite KIA Team mit dem KIA e-Niro immerhin Platz acht in der Gesamtwertung. Den KIA e-Niro gibt es neu auch im ADAC E-Leasing-Programm

10 Tipps: E-Auto-Reichweite optimieren

Tipp 1: Mehr Reichweite durch angepasste Fahrweise

Generell gilt, wie auch bei Verbrennern, dass gleichmäßiges und vorausschauendes Fahren Energie einspart. Zum vorausschauenden Fahren gehört, auch aus Sicherheitsgründen, genug Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen zu halten. Laden dauert länger als tanken. Daher achten erfahrene E-Autofahrer, auch um nicht zu oft aufladen zu müssen, intuitiv auf eine vorausschauende Fahrweise und damit auf den Verbrauch. Regelmäßiges und frühzeitiges Laden zuhause, am Arbeitsplatz oder an einer öffentlichen Ladestation verhindert auch in der Stadt „Ladestress“.

Tipp 2: Rekuperation spart im Stop-and-Go-Verkehr

Gerade im Stadtverkehr, der viele Stop-and-Go-Momente enthält, kostet Beschleunigung immer Reichweite. Sanftes Beschleunigen hilft in puncto Energiesparen und schont außerdem die Batterie eines Elektroautos. Beim häufigen Aufeinanderfolgen von Beschleunigungs- und Bremsvorgängen ist Rekuperation der Schlüssel, d.h. eine hervorragende Möglichkeit, um Strom zu sparen.

Tipp 3: Mehr Energie durch Bremsen

Rekuperation impliziert Energierückgewinnung, etwa beim Bremsen. Bremsen bedeutet allgemein beim Pkw, dass Bewegungsenergie in Reibungswärme umgewandelt wird, die ungenutzt verpufft. Für den Elektroantrieb ist Bremsen dagegen sogar eine Möglichkeit der Energiegewinnung: Sobald im Elektroauto „vom Gas“ gegangen wird, wird der Elektromotor zum Generator und speist so die Bremsenergie wieder in die Batterie ein. Erfahrene E-Mobilisten können in der Stadt durch Rekuperation 20 Prozent mehr Reichweite erzielen.

Tipp 4: One-Pedal-Driving für mehr Reichweite nutzen

Das Fahren mit einem Pedal sollte weder bezüglich seiner energiesparenden Wirkung noch in seiner oft abrupten Bremswirkung unterschätzt werden. Der rechte Fuß reicht dabei aus, um die Geschwindigkeit ausschließlich über das eine Pedal zu steuern. Das Fahren mit einem Pedal benötigt allerdings Gewöhnung. Der Akku lädt sich, beispielsweise auf dem Weg zu einer roten Ampel, durch Rekuperation auf. Verschiedene Stufen der Rekuperation können dabei so eingestellt werden, dass während der Geschwindigkeitsreduzierung möglichst viel Energie zurückgewonnen werden kann. Entsprechend stark ist dann der Bremseingriff des Motors/Generators. Die jeweilige Einstellung sollte zum Fahrverhalten des Autofahrers und zur Verkehrssituation passen.

Tipp 5: Segeln spart Strom

Die optimale Form des energiesparenden Fahrens ist das sogenannte Segeln, also das freie Rollen lassen des Autos. Dabei wird die Schwungenergie des Pkw genutzt. Hierbei ist dann sogar die Rekuperation deaktiviert. Ob gesegelt oder rekuperiert wird, ist eine Entscheidung, die aufgrund der Fahrerfahrung und der Verkehrslage getroffen wird. Ungeübte Elektroautofahrer sollten sich aber nicht von den verschiedenen Fahrmodi-Funktionen ablenken lassen. Der ECO-Modus von Elektrofahrzeugen kann in bestimmten Fahrsituationen automatisch in den Segelmodus schalten. Dadurch wird die Aufmerksamkeit des Fahrzeuglenkers weniger beansprucht. Zu den Energiesparmodi sollte unbedingt die Betriebsanleitung des Fahrzeugs zu Rate gezogen werden.

Tipp 6: Klimaanlage und Heizung reduzieren Reichweite  

Verbraucher wie Klimaanlagen oder im Winter Innenraum-, Sitz- und Lenkradheizung sollten bewusst eingesetzt oder ausgeschaltet werden. Von Vorteil ist eine Wärmepumpe, sie erhöht die Energieeffizienz beim Heizen des Wageninneren in der kalten Jahreszeit.

Tipp 7: Richtiger Reifendruck für mehr Reichweite

Klassische Spar-Tipps gelten auch für Stromer. Beispielsweise sollte kein unnötiges Gewicht im Kofferraum oder auf dem Dach transportiert werden. Auch auf den Reifendruck ist zu achten. Aus Komfortgründen wird von Herstellern oft nur der Mindestdruck angegeben. Eine Erhöhung um 0,2 bar ist beim Fahrkomfort kaum zu spüren, reduziert aber den Verbrauch, ohne dass es Einbußen an Sicherheit gibt. Wichtig: Einsparbemühungen durch Reifendruckregulierung dürfen nie zu Lasten der Sicherheit gehen.

Tipp 8: Batteriegröße nach Bedarf auswählen

Die für das individuelle Mobilitätsverhalten passend dimensionierte Batterie ist entscheidend. Ist man nur in der Stadt und im Umland unterwegs, genügt oft eine moderate Akkugröße. Zu bedenken: je größer die Batterie desto schwerer das Fahrzeug und desto höher der Stromverbrauch. Gewicht kostet immer Reichweite. Auch zu bedenken: Eine kleinere Batterie ist umweltschonender in der Herstellung. Eine größere Batterie gibt dafür mehr Freiheit
in Sachen Reichweitenradius.

Tipp 9: Energiemanagement und Reiseerlebnis kombinieren

Bei Langstreckenfahrten kommt es auf das richtige Energiemanagement an, das heißt: Energie über die Distanz einteilen! Gleichmäßig fahren und Ladestopps vorausplanen. Beim Fahren immer auf die Batterie- und Ladekapazität achten. Bei der Ladeplanung für die Urlaubsfahrt bedenken, dass eine Ladesäule zugeparkt oder defekt sein kann. Plan B oder C sind dann entscheidend. Beim Laden auf einer Urlaubsfahrt lässt sich die Zeit nutzen, um touristische Sehenswürdigkeiten zu besuchen oder eine andere Art der Freizeitgestaltung einzuplanen. Ganz nach dem Motto „der Weg ist das Ziel“.

Tipp 10: Schnellladen - wichtig für den Urlaub

Schnellladen mit 50 Kilowatt oder noch mehr Leistung ist im Alltag oder Urlaub sinnvoll. Generell sollte es aber dosiert eingesetzt werden, da zu häufiges Schnellladen auf die Lebensdauer des Akkus schlagen kann. Trotzdem sollte ein E-Auto immer einen CCS-Anschluss haben, der schnelles Laden ermöglicht. Damit wird die Flexibilität eines Strom-Pkw im Alltag deutlich erhöht. Schonender für den Akku ist das regelmäßige Laden bei geringen Ladeleistungen via AC (Wechselstrom). Viele E-Autos haben auch Apps, mit denen sich das Laden programmieren lässt. Der Akku erreicht dann schonend den gewünschten Ladezustand.

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Learnings für die Langstrecke: ADAC 24-Stunden-Rennen

Egal ob in diesem oder im nächsten Urlaub: Wenn die Fahrt mit dem E-Auto zurückgelegt wird, sind Erkenntnisse zur Langstrecke wichtig. Dr. E war gemeinsam mit Comedian und Schauspieler Thomas M. Held bei der ersten ADAC 24h e-competition auf dem 4,6 Kilometer langen Grand-Prix-Kurs in Hockenheim.

Comedian Thomas M. Held überzeugt sich gemeinsam mit Dr. E von der Langstreckentauglichkeit von E-Autos © ADAC SE

Beim Langstreckenwettbewerb ging es nicht allein um Geschwindigkeit, sondern vor allem um effizientes Energiemanagement - also Fahrstil und Reichweite. „Es gilt, in 24 Stunden am meisten Runden zu fahren, und das inklusive der Ladezeiten,“ fasst Alexander Nieland von e4 Testival, Organisator der ADAC 24h e-competition, eine Hauptregel zusammen. Und ADAC Motorsportchef Thomas Voss ergänzt: „Elektrische Fahrzeuge werden zukünftig vermehrt den Weg auf Rennstrecken finden und wir entwickeln gemeinsam mit der e4 Qualification GmbH ein interessantes Veranstaltungsformat. Die Serie ist optimal, um die Langstreckentauglichkeit und nicht zuletzt den Fahrspaß von elektrischen Automobilen zu demonstrieren. “

© ADAC SE

E-Auto bis zu 50 Prozent günstiger als Benziner

Mit dabei war auch der Kia e-Soul, der im ADAC E-Leasing angeboten wird. Pro Stunde Fahrzeit verbrauchte er rund 20 Prozent Batteriekapazität bei einer Geschwindigkeit zwischen 60 und 90 km/h. Der e-Soul konsumierte auf den 257 Runden, die er in 24 Stunden schaffte, insgesamt 212 kWh.

Die Stromkosten für diese 257 Runden lagen bei rund 68 Euro (bei 0,32 Euro pro kWh). Wenn man diesen Stromverbrauch auf ein vergleichbares Auto mit Benzinmotor umrechnet, sind dafür rund 69 Liter Benzin nötig und dafür müssten 140 Euro ausgegeben werden (bei Super E10 ca. 2,03 Euro/L). 100 km Fahrstrecke kosten im Elektroauto also nur knapp halb so viel wie beim Benziner.

Gewonnen hat das 24-Stunden-Rennen am Ende übrigens ein Stromer, den man in Elektroautodimensionen schon fast einen Oldtimer nennen kann, nämlich der Tesla Roadster. Alle Ergebnisse des Rennens hier*

Der Kia e-Soul beim 24-Stunden-Rennen © ADAC SE

Fazit für die Langstrecke

E-Autos sind schon lange keine Stadtmobile mehr. Der Kia e-Soul funktioniert auch auf der langen Strecke und der Urlaubsfahrt ohne Probleme. Die Leistung von 204 PS gibt genug Power für flotte, elektrische Überholvorgänge. Die Realreichweite im Sommer reicht, je nach Fahrweise, an die 400 Kilometer heran. Das Aufladen am Schnelllader von 20 Prozent auf über 80 Prozent dauert etwa eine Stunde.

Ideale Bedingungen für E-Auto-Akkus sind Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad Celsius und eine Geschwindigkeit zwischen 60 und 90 km/h. Laut Aussage der Rennorganisatoren lag die Temperatur an Tag 1 des Rennens tagsüber bei 15 Grad, also eine Temperatur im „Wohlfühlbereich“. Für das Rennen wurde von dem Team, das mit dem Kia e-Niro unterwegs war, ein optimaler Geschwindigkeitsbereich von 60 km/h bis 90 km/h angegeben. Gerade bei 90 km/h scheint auch für den Alltag der „Sweet Spot“ zu sein

Außerdem: Auch Sturmböen und Starkregen - wie beim 24-Stunden-Rennen - machen E-Autos nichts aus. Trotz Extremwetter und zeitlicher Dauerbelastung gab es keine Fahrzeugausfälle.

Mehr Reichweite in der Stadt

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Moderne Elektroautos mit einer Reichweite von 300 Kilometern und darüber sind keine reinen Stadtmobile. Dennoch spielen E-Autos ihre Vorteile, vor allem durch effiziente Rekuperation, lokale Emissionsfreiheit und wenig Geräusch, im Stadtverkehr und innerhalb von Metropolregionen gut aus. Wir haben die wichtigsten Tipps von ADAC Spritspar-Trainer Rainer Jung, der für uns zum Stromspar-Trainer wurde, zusammengestellt.

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Quelle: Eigene Recherche und TCS