Sprit im Ausland: Benzinpreise in Europa weiter hoch

Reisende, die jetzt mit dem Auto ins Ausland fahren oder auf dem Heimweg sind, können trotz der derzeit sehr hohen Kraftstoffpreise je nach Reiseland Geld sparen. Warum Tanken in anderen Ländern immer noch günstiger ist.
Einige Länder deckeln die Spritpreise
Tanktourismus nicht immer ratsam
Auch im Ausland regionale Unterschiede
Wer zu einer Autofahrt ins Ausland startet, tankt häufig hinter der Grenze billiger. Insbesondere wenn es in Richtung Osten oder Südosten geht, sind die Spritpreise fast immer deutlich niedriger als in Deutschland. Dies geht aus Daten der EU-Kommission hervor. Dieser Trend setzt sich derzeit auch trotz des Konflikts im Nahen Osten fort.
Das kosten Benzin und Diesel in Europa
In Deutschland sinken seit Einführung des Tankrabatts am 1. Mai die Spritpreise nur leicht. Reisende sollten beachten, dass die Kraftstoffpreisentwicklung auch im Ausland weiterhin sehr dynamisch ist.
Es ist weiter keine kurzfristige Entspannung an den Tankstellen zu erkennen. Einige Länder haben darauf mit Steuersenkungen oder Preisbremsen reagiert. Die oben in der Grafik gezeigten Preise sind daher nur ein grober Anhaltspunkt für das Preisgefüge innerhalb beliebter europäischer Urlaubsländer.
Europa: Wo man generell günstiger tankt
Es gibt jedoch – nicht nur wegen der aktuellen Maßnahmen – Länder, in denen man sein Fahrzeug günstiger als in Deutschland betanken kann. Dazu gehören auch jetzt Luxemburg, Österreich, Polen, Slowenien und Tschechien.
Teurer als in Deutschland tankt man – immer bezogen auf landesweite Durchschnittspeise – in den Niederlanden, in Dänemark und häufig auch in der Schweiz. Dies war auch vor Beginn des Irankriegs der Fall.
Österreich: Spritpreisbremse bleibt
Sprit in Österreich ist wegen der niedrigeren Mineralölsteuer dort generell etwas günstiger als in Deutschland. Aber auch hier sind die Preise gestiegen.
Österreich hatte den Rekordpreisen unter anderem eine Senkung der Mineralölsteuer entgegen gesetzt. Medienberichten zufolge wird die Ende April ursprünglich ausgelaufene Spritpreisbremse bis Ende Mai fortgesetzt. Allerdings soll bei der Mineralölsteuer im Mai nur noch um zwei statt bisher fünf Cent pro Liter reduziert werden.
Weiter gilt auch die Verordnung der österreichischen Bundesregierung zur Dämpfung reiner Krisenmargen. Diese begrenzt für Diesel und Super E10 krisenbedingte Margen entlang der Treibstoff-Wertschöpfungskette. Verpflichtete Unternehmen müssen den Netto-Verkaufspreis seit 2. April 2026 um 5 Cent je Liter senken.
Polen: Preisgrenze und Steuersenkung
Die polnische Regierung hat die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel von 23 auf 8 Prozent gesenkt und das Energieministerium legt täglich einen Höchstpreis für die Kraftstoffe fest. Beide Maßnahmen gelten zunächst bis 15. Mai.
Beschränkungen beim Kraftstoffverkauf gibt es nicht. Allerdings will die polnische Regierung im Falle von Tanktourismus Gegenmaßnahmen durchsetzen.
Slowenien: Günstig tanken mit Deckelung
Derzeit ist Sprit in Slowenien vergleichsweise günstig, da der Preis gedeckelt wird. Ein Liter Super E10 kostet derzeit 1,64 Euro (an Autobahnen 1,80 Euro), Diesel 1,71 Euro (bzw. 1,84 Euro).
Tschechien: Gedeckelte Spritpreise
Tschechien deckelt nun auch die Spritpreise an den Tankstellen. Es gelten zulässige Höchstpreise. Die Vorgaben werden täglich aktualisiert. Die Spritpreis-Deckelung wirkt sich insbesondere in der Hauptstadt Prag und entlang der Autobahnen aus, wo normalerweise die höchsten Preise gezahlt werden. Der Preisdeckel macht nun keine Unterschiede mehr zwischen Premiumstandorten und der Provinz.
Kroatien: Staatlich regulierte Höchstpreise
Auch Kroatien hat abseits von Autobahnen und Schnellstraßen staatlich regulierte Höchstpreise, die deutlich unter den deutschen Durchschnittspreisen liegen. Super E10 kostet derzeit 1,64 Euro, Diesel 1,78 Euro, an Autobahnen können die Preise etwas höher ausfallen.
Italien senkt die Kraftstoffpreise bis 23. Mai
Derzeit tankt man auch in Italien deutlich günstiger als bislang. Die italienische Regierung hat den Tankrabatt inzwischen zum dritten Mal verlängert, nimmt dabei jedoch eine klare Anpassung vor. Die neue Regelung gilt bis vorerst 23. Mai.
Die Senkung der Verbrauchssteuer auf Diesel bleibt unverändert bei rund 20 Cent pro Liter (mit Mehrwertsteuer etwa 24,4 Cent), während die Entlastung bei Benzin deutlich reduziert wird und künftig nur mehr rund sechs Cent pro Liter beträgt. Während Autofahrende bei Benzin nun mit steigenden Preisen rechnen müssen, bleibt die Entlastung bei Diesel vergleichsweise hoch.
Spritpreisdeckel für Total-Tankstellen in Frankreich
Einen landesweiten und gesetzlich geregelten Spritpreisdeckel hat Frankreich nicht. Aber der Energiekonzern Total hat Anfang April einen Spritpreisdeckel für Frankreich eingeführt und will diesen solange weiterführen, bis die Krise im Nahen Osten infolge des Irankriegs beendet ist. Für Mai werde der Preis für Benzin auf 1,99 Euro und der für Diesel auf 2,25 Euro pro Liter gedeckelt, teilte Total in Paris mit.
Diese Höchstpreise wendet der Konzern an seinen 3300 Tankstellen in Frankreich an. Während des langen Wochenendes rund um den 8. Mai (Feiertag zum Ende des Zweiten Weltkriegs) wird der Preis für Diesel auf 2,09 Euro gedeckelt. Bei einer günstigen Entwicklung der internationalen Ölpreise verpflichte sich das Unternehmen, jede Preissenkung bei Diesel und Benzin unverzüglich weiterzugeben, teilte Total weiter mit.
Der Preisdeckel sorgt laut französischen Medienberichten für gut frequentierte Total-Tankstellen, weil die Preise bei der Konkurrenz zwischenzeitlich tendenziell höher waren. Normalerweise ist es umgekehrt.
Ungarn: Obergrenze gilt nicht für Ausländer
Ungarn reagiert auf die hohen Kraftstoffpreise mit einem Preisdeckel. Zudem gibt die Regierung staatliche Öl-Reserven frei.
Wichtig für Reisende: Laut der Deutschen Presse-Agentur gelten die maximalen Treibstoffpreise "nicht für die Betankung von Fahrzeugen mit ausländischen Kennzeichen". Urlauber und Urlauberinnen profitieren demnach nicht von den gedeckelten Preisen und müssen teurer tanken.
Slowakei hebt höhere Spritpreise für Ausländer auf
Nach Treibstoff-Engpässen hatte die Slowakei Treibstoffe rationiert und höhere Preise für Ausländer verlangt. Nun gibt sie dem Druck der EU nach und hob die umstrittene Tankverordnung wieder auf. Ab Freitag, 8. Mai, gelten wieder gleiche Preise für alle. Außerdem werden auch die derzeit geltenden Treibstoffrationierungen aufgehoben. Die für Ausländer geltenden Preise wurden zu Beginn der Krise als Durchschnitt der Preise in den Nachbarländern Österreich, Tschechien und Polen berechnet.
Aktuell sind die slowakischen Preise annähernd gleich wie in Tschechien, wie die slowakische Wirtschaftsministerin Sakova am Mittwoch, 6.Mai, vorrechnet: "Der durchschnittliche Dieselpreis liegt in der Slowakei bei 1,86 Euro pro Liter, bei Benzin bei 1,79 Euro." Damit sei Diesel in Tschechien nur um drei Cent billiger, dafür koste Benzin in der Slowakei drei Cent weniger.
Griechenland: Gewinndeckelung
Die griechische Regierung vermutet Wucher hinter den drastisch gestiegenen Spritpreisen und hat deshalb eine Gewinndeckelung verfügt. Raffinerien dürfen ab sofort höchstens 5 Cent pro Liter Kraftstoff Gewinn machen. Tankstellen haben eine Gewinnspanne von 12 Cent.
Wer gegen die Verordnung verstößt, muss mit Strafen in Millionenhöhe rechnen. Die Verordnung gilt bis zum 30. Juni 2026. Auch in Griechenland sind seit Beginn des Irankriegs die Preise drastisch gestiegen.
Warum Tanken im Ausland oft günstiger ist
Selbst wenn der Literpreis aufgrund des Irankriegs in vielen Ländern Europas deutlich steigt, bleibt er vorerst oft unter den Kraftstoffpreisen in Deutschland. Fast immer liegt das daran, dass in solchen Ländern deutlich geringere Steuern und Abgaben auf Benzin und Diesel fällig sind – dafür gibt es dort aber in der Regel andere Einnahmequellen für den Staat, wie zum Beispiel eine Zulassungssteuer, die es in Deutschland nicht gibt.
Hinzu kommt, dass auch der Wechselkurs eine Rolle spielen kann, wie etwa in Polen. "Gewinnt die dortige Währung gegenüber dem Euro an Wert, schlägt sich das auch in den Spritpreisen nieder und sie erscheinen – wie beim Beispiel Polen – auf den ersten Blick noch mal ein wenig günstiger als bei uns", erklärt ADAC Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer.
Tanktourismus ins Nachbarland nicht immer ratsam
Viele Autofahrer und Autofahrerinnen überlegen, ins benachbarte Ausland zum Tanken zu fahren. In Tschechien führte dies bereits zu langen Warteschlangen an den Zapfsäulen. In der Slowakei wurde der Kraftstoff knapp.
Die günstigen Spritpreise in Slowenien, Polen, der Slowakei und Tschechien lösten in der Vergangenheit eine Art Tanktourismus aus. Doch während der Sprit im Tank (und bis zu 20 Liter in Reservekanistern) zollfrei die Grenze passieren darf, müssen größere Mengen verzollt werden. Der deutsche Zoll führt deshalb vermehrt Stichprobenkontrollen durch. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Grenzgebieten Brandenburgs, Sachsens und Bayerns.
Der ADAC rät davon ab, lange Strecken oder größere Umwege nur zum Tanken zurückzulegen. Dies lohnt aufgrund des Kraftstoffverbrauchs für diese Strecken und auch wegen des Zeitaufwands selten. Wenn man allerdings sowieso in einem günstigen Land unterwegs ist, lohnt es sich natürlich, den Tank – zum Beispiel auch vor der Heim- oder Weiterreise – noch einmal vollzumachen. Wer zusätzlich Reservekanister füllen möchte, sollte die erlaubte Menge an Kraftstoff keinesfalls überschreiten.
Auch im Ausland regionale Unterschiede
Auch im Ausland gibt es zum Teil starke regionale Unterschiede. In manchen Ländern ist der Sprit außerdem – genau wie in Deutschland – an den Autobahnen sehr viel teurer als hinter der jeweils nächsten Ausfahrt. Darauf sollte man auch als Tourist achten. Wer für Deutschland die Spritpreise in Echtzeit verfolgen möchte, dem hilft die ADAC Drive App.
Mit Material von dpa.