Rekord zur Mittagszeit: Spritpreise steigen wieder deutlich an
Von Sabrina Doschek

Der Krieg in Nahost hat Rekordpreise bei Benzin und Diesel verursacht. Die Bundesregierung hat daraufhin eine Senkung der Energiesteuer verkündet. Kurz vor dem geplanten Start des Tankrabatts ziehen die Preise nun wieder kräftig an. Plus: die aktuellen Spritpreise im Tages- und Wochenverlauf.
Rekord zur Mittagszeit: Spritpreise steigen wieder deutlich an
Ölpreis steigt im Vergleich zur Vorwoche auf rund 98 US-Dollar
Dieselpreis sinkt gegenüber Vorwoche um 15,7 Cent je Liter, Preis für Super E10 um 4,8 Cent
Bundesregierung einigt sich auf Entlastung, aber Tankrabatt könnte sich verzögern
Tagesverlauf: Preise für Diesel und E10 steigen wieder
An den sechs Tagen nach Einführung des sogenannten Österreich-Modells (1. April 2026) hatte der Dieselpreis im Tagesdurchschnitt jeweils ein neues Allzeithoch erreicht. Zuletzt waren, erstmals seit fast zwei Wochen, sowohl Superbenzin der Sorte E10 als auch Diesel etwas billiger geworden. Doch rund eine Woche vor dem geplanten Start des Steuerrabatts ziehen die Preise nun wieder kräftig an.
Am heutigen Donnerstag, 23. April, verteuerte sich Super E10 zur Mittagszeit im bundesweiten Durchschnitt um 13,1 Cent je Liter. Damit fiel der Anstieg so stark aus wie nie seit Einführung der 12‑Uhr‑Regel (Österreich-Modell). Noch deutlicher legte Diesel zu: Der Preis sprang um 14,9 Cent – der zweithöchste Anstieg seit Beginn des Modells.
Sowohl vor als auch nach dem Preissprung lagen die Kraftstoffpreise klar über dem Niveau des Mittwochs, 22. April. Vermutlich wird auch der Tagesdurchschnittspreis am Donnerstag spürbar höher ausfallen.
Bereits am Mittwoch, 22. April, hatte sich E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt leicht um 0,4 Cent auf 2,063 Euro je Liter verteuert. Diesel verbilligte sich hingegen minimal um 0,4 Cent auf 2,127 Euro.
Am Ostermontag, 6. April, erreichte E10 mit 2,192 Euro je Liter den höchsten Stand des Jahres. Zum höchsten E10-Preis aller Zeiten, am 14. März 2022, kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, fehlte an diesem Tag nur noch 1 Cent.
Als möglicher Treiber der aktuellen Entwicklung gilt der Ölpreis: Die für Europa maßgebliche Sorte Brent ist zuletzt wieder auf mehr als 100 US‑Dollar je Barrel gestiegen.
Benzinpreis und Dieselpreis im Wochenvergleich
Betrachtet man die Spritpreise im wöchentlichen Vergleich, ergibt sich folgendes Bild: Diesel hat sich im Vergleich zur Vorwoche sehr deutlich verbilligt: Wie die ADAC Auswertung vom Dienstag, 21. April, zeigt, ist der Preis für Diesel gegenüber der Vorwoche um 15,7 Cent je Liter, Super E10 um 4,8 Cent gesunken. So kostete Super E10 am Dienstag, 21. April, 2,059 Euro, vor einer Woche lag der Preis noch bei 2,107 Euro. Für Diesel mussten die Autofahrerinnen und Autofahrer am Dienstag 2,129 Euro (Vorwoche: 2,286 Euro) bezahlen. Seit dem Allzeithoch (2,447 Euro/Liter) vor rund zwei Wochen ist der Dieselpreis damit um 31,8 Cent gesunken.
Ölpreis: Entwicklung im Vergleich zur Vorwoche
Der Rohölpreis als wichtigster Faktor bei der Bewertung der Kraftstoffpreise lag mit rund 98 US-Dollar (ca. 83 Euro) für die Sorte Brent am Dienstag, 22. April, über dem Niveau der Vorwoche. Vor dem Hintergrund des Ölpreises und des aktuellen Dollarkurses ist der Benzinpreis immer noch zu hoch und sollte stärker sinken, als dies in den letzten Tagen der Fall war. So lag der Preis von Super E10 vor gut einem Monat niedriger, obwohl der Ölpreis höher und das Wechselkursverhältnis schlechter war.
Bundesregierung beschließt Entlastungsmaßnahmen
Angesichts der stark gestiegenen Spritpreise hatte die Koalition am Montag, 13. April, Entlastungsmaßnahmen beschlossen. So soll die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für einen Zeitraum von zwei Monaten um rund 17 Cent brutto pro Liter gesenkt werden. Zudem soll es Arbeitgebern ermöglicht werden, eine steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie in Höhe von 1000 Euro zu zahlen. Eine ähnliche Prämie gab es in der Corona-Pandemie.
Der ADAC begrüßt die befristete Senkung der Energiesteuer um 17 Cent, mit der die Bundesregierung eine Forderung des Clubs aufgenommen hat, fordert aber auch, dass sich die vollen 17 Cent an den Zapfsäulen niederschlagen.
Hohe Spritpreise: Tankrabatt könnte sich verzögern
Ob sich der Start des Tankrabatts durch die Steuersenkung im Mai unmittelbar und vollumfänglich auf die Kraftstoffpreise auswirken wird, ist fraglich. Laut ADAC ist davon auszugehen, dass die Kraftstoffpreise erst sukzessive um den Steuerentlastungsbetrag von 16,7 Cent je Liter sinken werden.
2022, als schon einmal ein Tankrabatt gewährt wurde, sind die Preise nicht sofort in voller Höhe der Steuersenkung gefallen. Ein Grund dürfte sein, dass viele Tankstellen noch Kraftstoff in ihren Tanks lagern, der mit der bisherigen, höheren Energiesteuer eingekauft wurde.
Umgekehrt erwartet der ADAC aber auch, dass mit Wegfall des Tankrabatts die Kraftstoffpreise nicht umgehend wieder um den vollen Betrag der Steuersenkung steigen werden – denn dann ist zum Teil noch einige Tage lang der günstiger versteuerte Kraftstoff in den Tanks.
Versorgungsengpässe rund um den 1. Mai sind jedoch unwahrscheinlich: Das sei auch beim Tankrabattmodell von 2022 befürchtet worden, aber dann nicht eingetreten.
Hoher Spritpreis: So lässt sich beim Tanken sparen
Die Erfahrungen nach den ersten drei Wochen des Österreich-Modells zeigen, dass die Spritpreise kurz vor 12 Uhr stark ansteigen und dann bis zum Abend in abnehmender Geschwindigkeit fallen. Nachts gibt es kaum Preisbewegungen. Erst ab dem nächsten Morgen sinken die Preise wieder etwas, bis erneut der Anstieg um 12 Uhr mittags vollzogen wird. Somit ist der günstigste Tankzeitpunkt im Tagesverlauf kurz vor dem einmaligen Erhöhungszeitpunkt am Mittag.
Neben einer spritsparenden Fahrweise lassen sich die Tankkosten mit diesen Tipps reduzieren:
Die erstbeste Tankstelle ist nicht immer die günstigste: Autofahrende sollten deshalb vor dem Tanken Spritpreise vergleichen und an teuren Anbietern vorbeifahren. Die Preisunterschiede der Tankstellen betragen im Normalfall bis zu 7 Cent je Liter, im Vergleich zu Autobahntankstellen sogar noch deutlich mehr. So spart man nicht nur, sondern fördert auch den Wettbewerb auf dem Kraftstoffmarkt.
Auf teures Super E5 verzichten: In der Regel vertragen alle Benziner ab Produktionsdatum November 2010 Super E10. Daher sollte man auf das teurere Super E5 nach Möglichkeit verzichten. So lassen sich je Liter im Schnitt weitere 5 bis 6 Cent sparen.
Eine praktische Hilfe bei der Suche nach günstigen Tankstellen bietet die Spritpreis-App "ADAC Drive". Hier lassen sich rund um die Uhr die aktuellen Preise an den mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland vergleichen.
Mitarbeit: Katharina Dümmer
Mit Material von dpa.