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- E5 Benzin bleibt, E10 kommt dazu -

Ottokraftstoff E10

Seit Anfang 2011 neu an den Tankstellen: Ottokraftstoffe mit der Zusatzbezeichnung „E10“. "E" steht für Ethanol, die Zahl "10" für max. 10 Vol.%. Im Gegensatz zu den bisherigen Ottokraftstoffen (E5) ist E10 jedoch nicht für alle Fahrzeuge geeignet!
  • Was ist E10?

    Mit dem Zusatz "E10" werden Ottokraftstoffe bezeichnet, die gegenüber den bisherigen Ottokraftstoffen einen höheren Anteil an Ethanol enthalten. Der Buchstabe "E" steht für Ethanol, die Zahl "10" für max. 10 Vol.%. Bisher war der zulässige Ethanolanteil in Ottokraftstoffen auf  max. 5 Vol. % beschränkt (E5).

    Die Qualitätsanforderungen an E10-Kraftstoffe wurden in der nationalen Norm E DIN 51626-1, Ausgabe November 2010, erstmalig festgeschrieben. Nach Anpassung der europäischen Norm für Ottokraftstoffe wurde diese von der DIN EN 228, Ausgabe Januar 2013 abgelöst. Diese Anforderung wurde in die Kraftstoffqualitätsverordnung aufgenommen



  • Trotz E10: E5-Sprit bleibt im Angebot
    In Deutschland sind die Kraftstoffanbieter per Verordnung verpflichtet, an allen Tankstellen Super E5 weiterhin anzubieten und zwar zeitlich unbefristet. Ausnahmeregelungen sind nur für sehr kleine Tankstellen vorgesehen. Diese Pflicht könnte nur durch eine Änderung der Verordnung zurückgenommen werden, was aber nicht geplant ist. Damit geht Deutschland über die EU-Vorgaben hinaus: Die EU verlangt nur ein verpflichtendes Anbieten bis 2013.
    Quelle: Bundesumweltminister Röttgen in der ADAC Motorwelt 12/2010
  • Kennzeichnung von E10-Zapfsäulen

    Um Fehlbetankungen von E10-unverträglichen Fahrzeugen zu vermeiden, ist eine eindeutige und auffällige Kennzeichnung von E10 sowohl unmittelbar an der Zapfsäule als auch an der Ausschilderung der Preise notwendig. 

    Laut Verordnung (10. BImSchV) sind E10-Zapfpistolen mit einem runden Aufkleber "Super E10 schwefelfrei" bzw. "Super Plus E10 schwefelfrei" zu kennzeichnen. Beispiel für Super E10 siehe Abbildungen (links: Kraftstoff nach bisheriger nationaler Qualitätsnorm E DIN 51626-1; rechts: Kraftstoff nach europäischer Norm DIN EN 228).

    Ottokraftstoff_Aufkleber_350x174.jpg
    Zusätzlich müssen an den Zapfsäulen folgende Hinweise deutlich angebracht werden: „Enthält bis zu 10 % Bioethanol“ und „Verträgt Ihr Fahrzeug E10? Herstellerinformation einholen! Im Zweifel Super oder Super Plus tanken!“ 
    Die Zapfsäulen mit E5-Kraftstoffen werden wie bisher mit "Super schwefelfrei" bzw. "Super Plus schwefelfrei" gekennzeichnet.

  • E10 im Ausland
    In den europäischen Nachbarländern ist E10 bisher nur selten erhältlich. Bis dato haben nur Frankreich (SP95-E10), Finnland und Schweden (95E10) E10 eingeführt. Beim Tanken sollte darauf geachtet werden, dass der Kraftstoff die europäische Norm EN 228 für Ottokraftstoffe erfüllt. Diese beinhaltet seit Oktober 2012 auch einheitliche Qualitätsanforderungen für E10-Kraftstoffe.
  • Nicht jedes Auto verträgt E10
    E10 kann insbesondere bei hohem Druck und hohen Temperaturen unter Ethanolat-Bildung korrosiv auf Aluminium wirken. Besonders problematisch ist, dass der Korrosionsangriff bereits nach einer einmaligen Betankung mit E10 ausgelöst werden kann und dann nicht mehr aufzuhalten ist. Hierbei möglicherweise auftretende Leckagen im Kraftstoffsystem stellen zudem ein hohes Sicherheitsrisiko dar. Hinzu kommen Probleme durch die Lösungseigenschaften von Ethanol für anorganische Komponenten, wodurch das Risiko erhöhter Metallwerte im Kraftstoff gegeben ist. Auch die Verträglichkeit von Dichtungsmaterialen und Schläuchen im Kraftstoffsystem kann problematisch sein. Deshalb sollten nur vom Hersteller freigegebene Modellreihen mit E10 betankt werden (siehe Verträglichkeit)!
    Vor der Verwendung von speziellen Additiven, die im Zubehörhandel angeboten werden und die E10-Tauglichkeit auch bei nicht „freigegebenen“ Modellen gewährleisten sollen, ist abzuraten!


  • Besteht die Gefahr von Motorschäden auch bei freigegebenen Fahrzeugen?
    Bei von den Fahrzeugherstellern freigegebenen Fahrzeugen sind keine Schäden durch Verwendung von E10 zu erwarten. Sollten trotz Freigabe dennoch Schäden auftreten, so ist nach Ansicht des ADAC der Fahrzeughersteller für diese haftbar, wenn der Schaden auf die Betankung mit E10 zurückzuführen ist. Bis dato sind dem ADAC jedoch keine Schadensfällen bekannt, die auf eine Betankung mit E10 zurückzuführen sind.
  • E10 und E5-Kraftstoff abwechselnd tanken
    Fahrzeuge, die E10-tauglich sind, können auch abwechselnd oder auch als Mischung von E10- mit E5-Kraftstoff betankt werden.
  • Was tun bei Fehlbetankung von nicht E10-tauglichen Fahrzeugen mit E10?
    Nur Ford und Mercedes Benz haben keine Vorbehalte gegen eine einmalige Fehlbetankung mit E10 – nachtanken mit E5 genügt in diesem Fall.
    Für alle anderen Marken gilt weiterhin: Bereits eine einzige irrtümliche Tankfüllung mit E10 kann bei nicht dafür freigegebenen Fahrzeugen zu ernsten, nachhaltigen Schäden führen. Wichtig ist, dass das Fahrzeug auf jeden Fall nicht gestartet wird, damit der Kraftstoff nicht in das gesamte System kommt. Bleibt der Motor aus, muss üblicherweise nur der Tank leer gepumpt werden und geeigneter Kraftstoff aufgefüllt werden. Genaue und verbindliche Informationen hierzu können jedoch nur vom Fahrzeughersteller kommen. Wir empfehlen daher, sich umgehend an eine Vertragswerkstatt oder den Kundendienst des Fahrzeugherstellers zu wenden.


  • Mehrverbrauch durch E10
    Der Kraftstoffverbrauch wird kraftstoffseitig von zwei Faktoren beeinflusst. Zum einen beträgt der Energiegehalt von Ethanol nur etwa zwei Drittel des Energiegehalts von Ottokraftstoff, zum anderen hat Ethanol bessere Verbrennungseigenschaften und erhöht die Oktanzahl. Aufgrund der verschiedenen Motor- und Regelungstechniken sind einheitliche Angaben über den Kraftstoffverbrauch bei der Zumischung von Ethanol daher nicht möglich. Als Richtwert kann man von ca. 3 % ausgehen im Vergleich zu Ottokraftstoff ohne Ethanolbeimischung. Da jedoch auch der derzeitige Ottokraftstoff bereits bis zu 5 Vol.-% Ethanol enthält, liegt der zusätzlich Mehrverbrauch bei ca. 1,5 %.
    Auch Kraftstoffverbrauchsmessungen auf dem ADAC Abgasprüfstand bestätigen diesen "theoretischen" Wert. So ergaben Vergleichsmessungen mit E10- und E5-Kraftstoffen (E10: 9,1 Vol.% Etha-nol, E5: 4,9 Vo.% Ethanol) im Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) einen Kraftstoffmehrverbrauch von 1,5 % (4,85 l/100km zu 4,78 l/100 km) bei der Verwendung von E10. Als Testfahrzeug diente ein Opel Agila 1,2 l (69 kW, Euro 5). Die CO2-Emissionen wurden dagegen um 0,9 % (110,59 g/km zu 111,65 g/km) reduziert. Zusätzlich zu dieser Reduktion ist zu berücksichtigen, dass das bei der Verbrennung von Ethanol frei werdende CO2 vorher von den Pflanzen aus der Atmosphäre entzogen wurden. Der CO2-Einsparungseffekt ist also größer als am Auspuff gemessen.
    Abweichungen im Alltagsbetrieb nach oben und unten sind möglich, denn die größten Verbrauchsunterschiede sind nach ADAC Erfahrung auf unterschiedliche Fahrweise und auf äußere Einflüsse (Verkehrsfluss, Witterung, Streckenführung und Topographie, Außentemperatur usw.) zurück zu führen.

  • Lagerstabilität von E10
    Die Lagerstabilität von E10-Kraftstoffen unterscheidet sich grundsätzlich nicht von der von E5-Kraftstoffen. Ethanol ist sehr alterungsstabil, sogar besser als fossiler Ottokraftstoff. Die Problematik ist, dass sich unter gewissen Umständen Ethanol und fossiler Kraftstoff entmischen können. 
    Wird zum Beispiel ein Fahrzeug mit nur halb vollem Tank über einen längeren Zeitpunkt nicht bewegt (Einmotten im Winter), wird bei steigender Temperatur des Tanks die warme Luft über die Tankbelüftung herausgedrückt und bei sinkenden Temperaturen feuchte Luft wieder angesaugt. Da Ethanol hygroskopisch ist, bindet es das Wasser. Erreicht der Wassergehalt des Ethanols im Kraftstoff einen bestimmten (temperaturabhängigen) Wert, fällt Ethanol zusammen mit dem Wasser aus dem Kraftstoff aus und bildet am Boden eine Wasser-Alkohol-Phase, die sehr korrosiv ist. E10 ist in diesem Zusammenhang aber sogar unkritischer als E5, da E10 mehr Ethanol enthält und somit auch mehr Wasser aufnehmen kann, bevor es mit diesem zusammen ausfällt. 
    Vermeiden lässt sich dies durch eine konstante Umgebungstemperatur (ist in der Praxis jedoch kaum realisierbar) bzw. in dem man verhindert, dass über die Tankatmung (Belüftung) große Luftmengen bewegt werden. Daher sollte man den Tank bei einer längeren Nichtnutzung des Fahrzeuges stets voll füllen.


  • Nur spezielle Flexible Fuel Vehicles vertragen E85

    Nichts zu tun hat das Thema "E10" mit anderen Ethanol-Mischungen – wie etwa E85 (Ottokraftstoff mit einem max. Anteil von 85 % Ethanol). E85 ist nur für so genannte, von einigen Fahrzeugherstellern angebotene "Flexible Fuel Vehicles" (FFV) vorgesehen, die speziell dafür ausgelegt wurden, über entsprechende Tanksäulen versorgt werden und natürlich anhand ihrer Modellbezeichnung erkennbar sind.

    Weitere Informationen finden sie hier


  • Standheizungen vertragen E10 meist problemlos
    Standheizungssysteme gibt es als Ausstattungsoption ab Werk oder als Zubehör zur Nachrüstung. Bei ab Werk eingebauten Systemen liegt die jeweilige E10-Freigabe beim Fahrzeughersteller, wes-halb hier eine individuelle Abfrage ratsam ist. Die beiden führenden Hersteller von Standheizungen zur Nachrüstung – Webasto und Eberspächer – haben ihre Systeme mit E10-Kraftstoff geprüft. Webasto bestätigt die E10-Verträglichkeit für alle benzinbetriebenen Heizgeräte der Produktfamilien Thermo Top Z/E/C/P, die ab etwa 1997 eingeführt wurden, sowie für Thermo Top Evo. Alle Eberspächer Benzinheizgeräte, Kraftstoffpumpen und Originalzubehöre zur Heizung sind bei bestimmungsgemäßen Einbau E10 verträglich.
  • E10 für Rasenmäher & Co.
    Ob Zweitakt- oder Viertaktmotor: Grundsätzliche Aussagen zur E10-Tauglichkeit von Arbeitsgeräten, Bootsmotoren oder Stromgeneratoren sind nicht möglich. Ohne konkrete Freigabe des Motoren- oder Geräteherstellers sollte keinesfalls E10-Kraftstoff benutzt werden. Im Zweifelsfall ist ein Kraftstoff mit niedrigem Ethanolgehalt – etwa Super E5 oder Super Plus E5 – ratsam.

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