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- Winterdiesel im Kältetest -

Schlechter Diesel als Pannenursache?

Wenn ein Auto mit Dieselmotor bei extremer Kälte streikt, ist oft der Kraftstofffilter mit feinsten Paraffinpartikeln aus dem Sprit blockiert. Wenn keine technischen Mängel offensichtlich sind, stellt sich zwangsläufig die Frage nach dem Schuldigen. Liegt es am Auto oder am Sprit? Deshalb hat der ADAC die Kältetauglichkeit von Winterdiesel untersucht.
  • Dieselkraftstoff taugt nicht für arktische Temperaturen
    Pannen bei extremer Kälte sind kein Vergnügen: Eine Erfahrung, auf die sicher viele Dieselfahrer gern verzichtet hätten. Bei der Pannenhilfe wird die Ursache meistens schnell klar: Feinste Paraffinkristalle (Wachs) verstopfen den Kraftstofffilter und der Motor stirbt zwangsläufig ab. Dieser unerfreuliche Effekt zeigt sich bei normalem Dieselkraftstoff (Sommerware) bereits bei etwas unter Null Grad. Damit in der kalten Jahreszeit nicht gleich jedes Dieselauto erstarrt, schreibt der Gesetzgeber in den Spezifikationen für Dieselkraftstoffe (DIN EN 590) auch eine Filtrierbarkeit (CFPP) vor. So muss der Dieselkraftstoff in der Übergangszeit, vom 1. Oktober bis 15. November sowie vom 1. März bis 14. April eine Filtrierbarkeit bis minus 10 Grad Celsius gewährleisten. Für die Winterzeit vom 16. November bis zum 28. (29.) Februar fordert der Gesetzgeber eine Filtrierbarkeit bis minus 20 Grad Celsius. Diese Vorschriften gelten auch für Biodiesel. 

    Doch woran liegt es, wenn bei extremer Kälte einige Dieselautos fahren und andere nicht? Laut den Autoherstellern sollen für dieses Problem die Mineralölanbieter verantwortlich sein. Diese beteuern hingegen stets einen mindestens normgerechten Sprit zu verkaufen. Probleme bekommen naturgemäß auch Wenigfahrer, die noch mit Sommerware im Tank in der kalten Jahreshälfte unterwegs sind. 

    Grund genug für den ADAC, die Qualität des Winterdiesels genauer unter die Lupe zu nehmen. Im Frühjahr 2009 auf dem Prüfstand: Zehn Proben aus den Zapfsäulen süddeutscher Tankstellen, eine Probe von einer Billig-Tankstelle aus dem Bundesland Sachsen und sechs Proben aus den Alpenländern Österreich und Schweiz. Alle 2009 untersuchten Dieselkraftstoffe sind in Punkto Wintertauglichkeit mindestens normgerecht. Bei fünfzehn Proben lag der CFPP, also der Temperaturgrenzwert für die Filterfähigkeit, sogar bei jenseits von minus 26 Grad Celsius. Noch in der Norm, aber für extreme Kälte (also jenseits minus 20 Grad) eigentlich unbrauchbar, sind zwei Kraftstoffproben mit einem CFPP von minus 20 Grad beziehungsweise minus 21 Grad Celsius. Zusammen mit den in den meisten Autos eingebauten Filterheizungen funktioniert derartiger Normkraftstoff bestenfalls bis zu 25 Minusgraden. 

    Im Februar 2012 führte eine längere Kälteperiode mit Temperaturen unter minus 20 Grad wieder zu vielen liegengebliebenen Dieselfahrzeugen – auch im Bereich Landsberg am Lech. Experten vom Technik Zentrum expedierten sofort Kraftstoffproben von den verdächtigen Tankstellen in das Labor. Doch wiederum lagen die Wintereigenschaften des Dieselkraftstoffes deutlich über den gesetzlichen Anforderungen: Der schlechteste CFPP lag bei immerhin minus 24 Grad und der beste bei minus 33 Grad Celsius.

  • Die Ergebnisse der Kraftstoff-Untersuchungen (Stichproben)
    Winterdiesel-Filterfähigkeit Test 2009
    TankstelleQualitätCFPP / °C
    Freie Tankstelle E-Center, Neuburgerstrasse 217, AugsburgStandard-27
    BayWa, Gubener Str. 11, AugsburgBio-Diesel-29
    Aral, Inningerstr. 99, AugsburgStandard-31
    Aral, Inningerstr. 99, AugsburgUltimate-32
    Shell, Bürgermeister-Ackermann-Str. 40, AugsburgStandard-20
    Shell, Bürgermeister-Ackermann-Str. 40, AugsburgV-Power-28
    Jet, Dieselstrasse 12, AugsburgStandard-29
    Total, Donauwörther Str. 102, AugsburgStandard-29
    Agip, Holzweg 21, AugsburgStandard-21
    OMV, Donauwörther Str. 197, AugsburgStandard-33
    Star Tankstelle, Dresdner Str. 40, Reichenberg bei DresdenStandard-32
    Shell, Liechtensteinerstr. 66, A-TisisStandard-33
    OMV, Arlbergstr. 91, A-InnerbrazStandard-26
    coop, Tramstr. 20, CH-DiepoldsauStandard-33
    Shell, Zugerstr. 5, CH-SihlbruggStandard-29
    Avia, Seetal 32, CH-EmmerbrückeStandard-30
    Esso, Fuchsberg Süd, CH-WollerauStandard-28
    Proben in der KW 02/2009 gezapft, Prüfmethode: DIN EN 116

    Winterdiesel-Filterfähigkeit Test 2012
    TankstelleQualitätCFPP / °C
    Bavaria Petrol, Augsburger Straße, Landsberg a. L.Standard-31
    Esso, Augsburger Straße, Landsberg a. L.Standard-29
    Agip, Augsburger Straße,
    Landsberg a. L.
    Standard-27
    Shell, Viktor-Frankl-Straße, KauferingStandard-24
    Shell, Viktor-Frankl-Straße, KauferingV-Power-33
    OMV, Gewerbestraße Nord, HurlachStandard-27
    Proben in der KW 06/2012 gezapft, Prüfmethode: DIN EN 116

  • Autohersteller etwas ratlos
    Naturgemäß sehen die Fahrzeughersteller die Mineralölindustrie in der Pflicht, geeignete Kraft-stoffe anzubieten. Nur wenige Hersteller sichern bei normgerechten Kraftstoffen eine konkrete Betriebsfähigkeit ihrer Diesel-Fahrzeuge bei niedrigen Temperaturen zu: BMW bis minus 25 Grad und Audi, Seat und Volkswagen bis minus 24 Grad Celsius. Alle anderen Fahrzeughersteller treffen hierzu keine Aussage. Subaru rät sogar, bei besonders niedrigen Temperaturen das Auto in der Garage zu lassen. 

    Alle Fahrzeughersteller lehnen grundsätzlich Zumischungen (z. B. Fließverbesserer, Benzin, Petroleum) ab. Die Ausnahmen: Opel und Mercedes Benz (nur Produkte gemäß MB-Betriebsstofffreigabe) erlauben im Bedarfsfall das Zumischen von Fließverbesserern. Mitsubishi erlaubt bei Fahrzeugen ohne Pumpe-Düse- oder Common-Rail-Technik das Zumischen von Ottokraftstoff. Doch diesbzgl. eine wichtige ADAC-Warnung: Bei Autos mit diesen beiden modernen und weitverbreiteten Einspritzsystemen führen Verdünnungsexperimente mittels Benzin oder Petroleum mit Sicherheit zu kapitalen Schäden! 

    Zwei Fahrzeughersteller bieten für Fahrzeuge ohne Filterheizung eine Nachrüstlösung an: Honda für das Modell Civic (Modelljahre 02 bis 05) und Mitsubishi für das Modell L 200. 

    Bei liegengebliebenen Fahrzeugen raten die Hersteller zum „Auftauen“ in einer beheizten Garage, dem Überprüfen der Filterheizung und dem Auftanken mit normgerechten Kraftstoff.

  • Das fordert der ADAC
    Fahrzeuge müssen ab Werk so ausgerüstet sein, dass sie mit normgerechten Kraftstoffen auch bei niedrigsten (mindestens minus 25 Grad Celsius) Temperaturen betriebsbereit bleiben. Das kann beispielsweise mit einer leistungsfähigen Filterheizung problemlos erreicht werden. 

    Die Mineralölhersteller müssen im Winter ausnahmslos Dieselqualitäten anbieten, die eine Verwendungsfähigkeit in Fahrzeugen ohne Filterheizung bis mindestens minus 25 Grad Celsius sicherstellen.

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