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Seit Januar ist Alexander Möller, 41, einer der Geschäftsführer des ADAC, zuständig unter anderem für die Mitglieder, die Bereiche Compliance, Rechtsberatung und Tourismus. Die Motorwelt sprach mit ihm über Chancen und Aufgaben des Clubs.

Herr Möller, der ADAC will künftig seine Mitglieder stärker einbinden. Wie soll das aussehen?
Alexander Möller: Wir werden noch intensiver für die regionalen Mitgliederversammlungen werben und besser erklären, wie sich unsere Mitglieder aktiv im Club engagieren können. Dazu schaffen wir Plattformen, über die verkehrspolitische Meinungen deutlich an den ADAC adressiert werden können – etwa bei Fragen zum Tempolimit oder Alkohol am Steuer. Parallel dazu fragen wir auch weiterhin die Stimmung in repräsentativen Befragungen ab. Ganz wichtig ist auch der persönlichen Dialog, etwa durch Veranstaltungen, die nicht nur Fachleuten, sondern allen Mitgliedern offen stehen.

Wie wollen Sie noch besser mit den Mitgliedern kommunizieren?   
Zum einen über unsere Mitgliederzeitschrift ‚Motorwelt’, in der wir Clubthemen künftig noch prominenter aufgreifen. Außerdem entwickeln wir gerade Online-Plattformen, über die wir in den Dialog kommen möchten.  Attraktive Angebote ohne hohe Hürden, das muss der Weg sein. So schaffen wir es hoffentlich, dass Mitglieder ihr Wissen zu einzelnen Themen mit uns teilen und wir so gemeinsam noch stärker werden - das fände ich toll.

Der Begriff Transparenz ist ja derzeit sehr in, was heißt das für den Club? 
Jedes Mitglied wird die neue Struktur des ADAC kennen und verstehen: Verein, Aktiengesellschaft und Stiftung –das sind unsere drei Säulen für die Zukunft. Darüber werden wir berichten und erklären was wir tun, was wir planen. Unsere Leistungen kommunizieren wir klar,  wir sind kein Club des Kleingedruckten. Der ADAC hat Mitglieder, keine Kunden. Was mich im vergangenen Jahr – damals noch als Außenstehender – etwas irritiert hat, wie verklausuliert der ADAC eine notwendige Preiserhöhungen kommuniziert hat. Das sollte es so nicht nochmal geben. Auch wenn heute kein Anlass besteht, über Beitragserhöhungen nachzudenken: sollte es irgendwann erforderlich sein, werden wir das nicht im Kleingedruckten verbergen. 

Viele Mitglieder wollen, dass ihre Meinung, ihre Interessen vom Club stärker vertreten werden...
Der ADAC hat eine lange demokratische Kultur. Das gewählte Ehrenamt bildet zum Beispiel die verkehrspolitischen Meinungen des ADAC nach innen und außen. Dabei greift es natürlich auch auf repräsentative Mitgliederbefragungen zu zentralen Themen zurück. Unser Beitrag als hauptamtliche Geschäftsführung ist es, diese Meinungsbildung zu begleiten, durch fachliche Expertise zu untermauern und Vorschläge zur Umsetzung zu machen. Ich denke, wir sind da in der Interessenvertretung gut, wo wir fachliche Expertise mit einem Schuss Deutlichkeit verbinden.

Zu den Angeboten des Clubs gehören die unterschiedlichsten Formen von fachlicher Beratung... ? 
Das ist richtig, ganz stark ist die zum Beispiel die Rechtsberatung. Wir bekommen allein in der Münchner Zentrale täglich mehr als 1.000 Anfragen, per Telefon, E-Mail oder Brief. Unsere Juristen beantworten den Mitgliedern jede rechtliche Frage rund um ihre persönliche Mobilität. Das ist die eine Säule des ADAC Eine andere Säule sind unsere ADAC-Vertragsanwälte, die den Mitgliedern kostenlose Erstberatungen bieten. Von ihnen haben wir über 600  - sie sind die Anwälte unseres Vertrauens. Deren Qualität wird von den Mitgliedern immer wieder zu Recht als sehr hoch bewertet.

Gibt es bestimmte Voraussetzungen, um Vertragsanwalt zu werden? 
Dazu haben das ADAC-Präsidium und der Verwaltungsrat im Zuge des tiefgreifenden Reformprogramms zur Neuausrichtung des Clubs entsprechende Beschlüsse gefasst, Regeln für eine sinnvolle regionale Verteilung definiert und hohe Kriterien für die Qualifikation und Fortbildung festgeschrieben. Insofern kann man wirklich sagen, dass die Vertragsanwälte eines der Alleinstellungsmerkmale des Clubs sind. 

Im Zuge des Reformprozesses tauchte auch immer wieder der etwas sperrige Begriff Compliance auf. Was ist darunter zu verstehen?
Der ADAC holt nach, was es in der deutschen Wirtschaft und vielen Vereinen schon lange gibt. Es geht um die Einhaltung eines für Ehren- und Hauptamt gleichermaßen geltenden Regelwerks in der Zentrale und den 18 eigenständigen Regionalclubs. Unsere  neue Compliance-Richtlinie definiert  zum Beispiel den richtigen Umgang mit Interessenkonflikten, Einladungen oder Geschenken. Ganz neu ist das zwar auch für uns nicht, denn es gab vorher bereits eine entsprechende Ethikrichtlinie. Wir haben aber zentrale Aspekte geschärft und Zweifelsfälle neu geregelt. Was wir noch lernen sollten ist, dass uns solche Regeln nicht einem Generalverdacht unterwerfen, sondern dabei helfen, uns bestmöglich zu schützen.

Sie sind im Club auch für Tourismus zuständig. Warum soll ich beim ADAC buchen, was kann er besser als andere? 
Tourismus beim ADAC heißt mehr als Reisen buchen. Dieses Jahr werden unsere TourSets sagenhafte 40 Jahre alt (siehe auch S.  48, Anm. der Red.). Und sie sind heute beliebter denn je, weil sie verlässlich und aktuell sind. Bei uns bekommen Mitglieder das touristische Wohlfühlpaket: wir kümmern uns um alles, von der Beratung über die Buchung bis hin zum sicheren Weg von und zum Urlaubsort. Ich selbst war vor Ostern zum ersten Mal seit Jahren wieder in einem Reisebüro, natürlich bei ADAC Reisen (schmunzelt). Und ich war tief beeindruckt von der Servicequalität und der individuellen Betreuung. Selbstverständlich müssen wir uns von anderen Anbietern unterscheiden, deswegen gibt es zum Beispiel die exklusiven ADAC Mitgliederreisen. Die sind richtig hochwertig. Mein Eindruck ist, dass unsere Mitglieder bereit sind, bei uns zu buchen, weil sie wissen, dass ihre individuellen Reisen von erfahrenen Spezialisten geplant werden und dass sie sich auf hohe Qualität, Zuverlässigkeit und damit auf ein Stück Sicherheit verlassen können. 

Was sind Ihre nächsten Ziele im Club? 
Wir stehen erst am Anfang eines Veränderungsprozesses. Das gilt für den ADAC. Das gilt für das Auto. Wir erleben gerade nichts Geringeres als eine Mobilitätsrevolution. Dabei sehen wir zwei Trends: Digitalisierung und Individualisierung. Für den ADAC spielt das Auto eine besondere Rolle, aber auch hier erwarten unsere Mitglieder mehr von uns. Wir möchten zur Schnittstelle zwischen unseren Mitgliedern und den unterschiedlichsten Verkehrsträgern werden. Hier sehe ich für uns eine riesige Chance – weil wir ein neutraler Partner sind, bei dem nicht die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund steht, sondern das Interesse unserer Mitglieder.


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