Höhenkontrollen vor Tunnel

21.6.2019

Ein großes Ärgernis für Autofahrer: Sie stehen in einem langen Stau vor dem Tunnel, weil mal wieder die Höhenkontrolle ausgelöst und daraufhin die Autobahn gesperrt wurde. Was ist das überhaupt? Wie diese genau funktioniert und warum sie zwingend nötig ist, erklären wir hier.

Höhenkontrolle vor Tunnel
Wenn ein Lkw die Höhenkontrolle ausgelöst hat, geht oft lange Zeit nichts mehr auf der Autobahn.

Auf Deutschlands Fernstraßen gibt es mehr als 250 Tunnel und davon über 70 mit einer Länge von mindestens einem Kilometer. Zu den längsten und bekanntesten zählen der Rennsteigtunnel auf der A 71 in Thüringen (7,916 km), der Neue Elbtunnel auf der A 7 in Hamburg (3,325 km) oder auch der Tunnel Königshainer Berge auf der A 4 in Sachsen (3,281 km). Alle Röhren verfügen gemäß den Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln - kurz RABT - über automatische Höhenmessanlagen. Diese befinden sich im Zulauf der Tunnel. 

Tipp Icon

Zahlen aus der Verkehrsredaktion

2018 musste unsere Verkehrsredaktion mehr als 400 Mal melden: „Tunnel gesperrt, Höhenkontrolle wurde ausgelöst“. Spitzenreiter waren die Tunnel Allach und Aubing auf der A 99 (149 Mal), der Elbtunnel auf der A 7 (98 Mal)) sowie die Tunnel Eching und Etterschlag auf der A 96 (66 Mal).

Warum gibt es die Höhenkontrolle vor den Tunneln?

Höhenkontrollen sind aus Sicherheitsgründen zwingend erforderlich. Nur so können Fahrzeuge, die zu hoch beladen sind, vor den Tunneln erkannt und dadurch Beschädigungen der Tunnel und infolgedessen massive Gefährdungen der Verkehrssicherheit - beispielsweise durch herabfallende Einrichtungsteile - verhindert werden. Gerade Tunnelunfälle sind äußerst gefährlich und müssen mit allen Mitteln verhindert werden.

Bei welcher Fahrzeughöhe wird die automatische Höhenkontrolle ausgelöst?

Die Sensoren für die Höhenkontrollen sind in der Regel auf eine Höhe von 4,40 m eingestellt. Gemäß Straßenverkehrszulassungsordnung dürfen Lkw (ohne Sondergenehmigung) nur bis zu einer Höhe von maximal 4,00 m die Autobahn befahren. Damit löst die Höhenkontrolle erst aus, wenn die maximal zulässige Fahrzeughöhe um rund 40 cm überschritten ist!

Tipp Icon

Richtiges Verhalten im Tunnel

Ganz wichtig: Wenden Sie niemals im Tunnel, fahren Sie nicht rückwärts, halten Sie nur im Notfall an. Achten Sie stets auf die Anweisungen und Informationen des Tunnelpersonals.

Was passiert, wenn die Höhenkontrolle auslöst?

Nach dem Auslösen der Höhenkontrolle schalten die Ampeln an den Tunnelportalen auf Rot. Die Tunnel bleiben bis zum Eintreffen der Polizei (dies kann je nach Anfahrtszeit schon mal 30 Minuten dauern) und anschließender Freigabe gesperrt. Dadurch kommt es leider immer wieder zu langen Staus vor den Tunneleinfahrten. Die Polizei entscheidet vor Ort, ob das Fahrzeug abgesenkt und mit verminderter Geschwindigkeit durch den Tunnel fahren kann oder vor den Portalen umkehren muss. Manchmal wird auch die Mittelleitplanke geöffnet, sodass der Lkw eine Kehrtwende machen kann. Dies führt dann auf der Gegenfahrbahn ebenfalls zum Stillstand. Bis zu einer Stunde kann diese Prozedur dauern.

Gibt es auch blinden Alarm?

Nicht selten stehen Autofahrer in einem Stau, der leicht vermeidbar wäre. Nachlässigkeit oder Schlamperei mancher Fahrer führen mitunter zu blindem Alarm. Im Fahrtwind flatternde Abdeckplanen zum Beispiel können die Höhenkontrolle auslösen. Oder auch Fahrzeuge mit Anhängern, die einen großen Bagger geladen haben, der sich dann während der Fahrt aufschaukelt. Vögel können hingegen nicht – wie oftmals vermutet – Auslöser der Höhenkontrolle sein. Das schließen Tunnelexperten aus. Selbst wenn ein Vogel durch die Sensoren fliegt, erfolgt innerhalb von Millisekunden eine weitere Messung in der Straße. Dort nämlich sind sogenannte Kontaktschleifen installiert, die eben nur dann auslösen, wenn beide Messungen ein Fahrzeug auf der Straße erkennen. Prinzipiell möglich sind auch technische Defekte an der Messanlage, die zu Fehlalarm führen.

Welche Geldbußen drohen Verkehrsteilnehmern, die die Höhenkontrolle auslösen?

Das Fahren mit zu hohen Kraftfahrzeugen ist grundsätzlich eine Ordnungswidrigkeit. Ignoriert man ein Verbotsschild für zu hohe Fahrzeuge (Verkehrszeichen 265) droht laut Bußgeldkatalog (BKat) ein Verwarngeld von 20 Euro. Bei Auslösung der Höhenkontrolle werden bis zu 240 Euro fällig. Löst eine Abdeckplane einen Fehlalarm aus, wird der nachlässige Fahrer mit 160 Euro zur Kasse gebeten. Richtig teuer kann es werden, wenn man beispielsweise Verkehrsbarken, die Ein- und Ausleitungen anzeigen, oder andere Verkehrseinrichtungen auf der Fahrbahn missachtet. In diesen Fällen beträgt das Bußgeld 500 Euro. Überdies gibt es zwei Monate Fahrverbot. 

Was Fahrer von sehr hohen Fahrzeugen darüber hinaus wissen sollten: Allein schon die Inbetriebnahme kann den Lenker 60 Euro kosten und den Halter 75 Euro. Und: Das Nutzen der Autobahn mit einem Fahrzeug von mehr als 4,20 Meter Höhe kann mit einem Bußgeld von 70 Euro geahndet werden.

Tipp Icon

ADAC Tunneltest für mehr Sicherheit

Unsere Experten testeten im Juli 2015 20 Tunnel in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Italien. Alle Tunnel wurden entweder mit „gut“ oder „sehr gut“ ausgezeichnet. Die Sicherheit – auch bei einem Tunnelbrand oder einem Unfall im Tunnel – ist also gewährleistet. Die Geschichte des ADAC Tunneltests begann 1999. Damals konnten wir unmittelbar nach einem verheerenden Brand im Tauerntunnel erste Testergebnisse aus Röhren in ganz Europa vorlegen. Seitdem haben wir bei annähernd 400 Röhren in 21 europäischen Ländern unter anderem Brandschutz, Lüftung, Beleuchtung sowie Flucht- und Rettungswege unter die Lupe genommen. Seit 2004 gibt es eine klare Tendenz zur Besserung. Das erste Jahr ohne negative Ergebnisse war 2009. Die neuesten Untersuchungen waren so gut, dass unsere Experten beschlossen hatten, bis auf weiteres keine Tests mehr vorzunehmen.

ADAC Tipps: Richtiges Verhalten im Tunnel

ADAC Maps

Foto: © imago images/giovannini

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de