Blockabfertigung vor Tunneln

13.6.19

„Achtung Autofahrer, Blockabfertigung auf der A 7 vor dem Grenztunnel Füssen!“ Diese Radiodurchsage kennen leidgeprüfte Autourlauber auf dem Weg nach Österreich vor allem von den Ferienwochenenden. Warum Blockabfertigungen nötig sind und wie Autofahrer sich richtig verhalten. 

Blockabfertigungen sind oft mit stundenlangen Wartezeiten verbunden.

2018 musste unsere Verkehrsredaktion mehr als 200 solcher Verkehrsmeldungen an die Radiosender beziehungsweise die Autofahrer weitergeben. Besonders viele dieser Blockabfertigungen gab es vor dem Grenztunnel Füssen auf der A 7, vor dem Aubinger und dem Allacher Tunnel auf der Westumfahrung München A 99 sowie vor den Röhren Prüfening (auf der A 93 bei Regensburg) und Farchant (auf der B 2 bei Garmisch-Partenkirchen).

Blockabfertigungen sind aber auch auf den Hauptstaurouten im Ausland ein notwendiges Übel: Vor allem vor Gotthard- und San-Bernardino-Tunnel auf den Schweizer Hauptreiserouten A 2 (Luzern - Chiasso) beziehungsweise A 13 (Chur - Bellinzona) müssen Autofahrer diese Maßnahme immer wieder über sich ergehen lassen. Auch vor dem Karawankentunnel auf dem Weg nach Slowenien (A 11) ist sie gängige Praxis. In Österreich kannte man Blockabfertigungen in früheren Jahren vor allem vom Tauern- und vom Katschbergtunnel (Tauernautobahn A 10 Salzburg - Villach). 

Was bedeutet Blockabfertigung eigentlich?

Blockabfertigung wird immer dann verhängt, wenn durch hohes Verkehrsaufkommen die Kapazität des Tunnels ausgeschöpft ist. Die Autos werden dann nur noch in Schüben – meist per Ampelregelung – in die Röhre gelassen. Damit werden im Wesentlichen drei Ziele verfolgt: 

  • Die Staugefahr im Tunnel selbst wird minimiert
  • Die Unfallgefahr im Tunnel wird reduziert
  • Die Luftqualität im Tunnel wird verbessert


Blockabfertigungen sind bei einröhrigen Tunneln, also Tunneln mit Gegenverkehr, wie zum Beispiel dem Grenztunnel Füssen oder dem Schweizer Gotthard-Tunnel, besonders häufig. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Der Verkehr, der auf der zweispurigen Autobahn ungestört fließt, wird vor dem Tunnelportal verengt. Die Fahrzeuge müssen sich plötzlich eine Fahrspur teilen. Das führt dann zwangsläufig zu einem Stau. Das Abfangen dieses Ansturms direkt vor dem Tunnelportal erspart den Autofahrern den Verkehrskollaps im Tunnel. Den will man aus Gründen der Verkehrssicherheit unbedingt vermeiden. 

Bei zweiröhrigen Verkehrsbauwerken (eine Röhre pro Fahrtrichtung) wie dem Aubinger und dem Allacher Tunnel sind Blockabfertigungen deutlich seltener. Sie finden oft statt, wenn die ohnehin schon angespannte Verkehrssituation durch Baustellen, Unfälle oder Pannen verschärft wird. Bei Tauern- und Katschbergtunnel auf der A 10 in Österreich, der wichtigsten Nord-Süd-Achse des Landes, ist diese Sicherheitsmaßnahme seit Inbetriebnahme der jeweils zweiten Röhre (2011 bzw. 2009) so gut wie passé. Früher mussten Autourlauber dort nicht selten mehrere Stunden ausharren.

Wie genau funktioniert Blockabfertigung?

Meistens funktioniert Blockabfertigung automatisch per Computer, wie zum Beispiel beim Grenztunnel Füssen. Dort zählen Schleifen im Asphalt vor und hinter dem Tunnel die Fahrzeuge und messen deren Geschwindigkeit. Sie schlagen automatisch Alarm, wenn es zum Stau kommt. Die Ampel vor dem Tunnel schaltet auf Rot. Die Leitzentrale überwacht mithilfe von Tunnelkamera und Videoübertragung den Verkehrsfluss und gibt den Tunnel erst wieder frei, wenn sich dahinter genügend Freiraum gebildet hat, so dass die Fahrzeuge wieder aus dem Tunnel herausfahren können.

Wie verhalte ich mich bei Blockabfertigung?

Bei vielen Tunnelblockabfertigungen haben Autofahrer mangels nahe gelegener Ausweichmöglichkeiten wenig Alternativen: Entweder weiträumig umfahren oder abwarten. Unser dringender Rat an Autourlauber:

  • Schon bei stockendem Verkehr eine Rettungsgasse bilden. Das kann Leben retten!
  • Motor abschalten!
  • Unbedingt genügend Essen und Trinken mitnehmen!
  • Kinder beschäftigen: Quengelnde Kinder stressen den Fahrer und gefährden dadurch die Verkehrssicherheit!
Tipp Icon

Blockabfertigung bei Autofahrern verhasst - aber nötig

Die Verkehrsexperten sind sich einig: So lästig es sein mag, sich stundenlang vor dem Tunnel anzustellen, der Nutzen dieser Regelung rechtfertigt die Maßnahme. Staus im Tunnel gefährden die Verkehrssicherheit mehr als Staus vor dem Tunnel. Bei Gefahrenlagen wie Unfällen oder Pannen kann der Tunnel nicht immer schnell genug geräumt werden.

Blockabfertigung auf der A 93 bei Kiefersfelden

Blockabfertigungen mit stundenlangen Wartezeiten gibt es aber nicht nur vor Tunnelportalen. Ein Lied davon singen können Urlauber und Pendler, die über die A 93 (Inntaldreieck - Kufstein) nach Tirol fahren wollen. Das Nadelöhr ist in diesem Fall kein Tunnel: Die österreichischen Behörden haben auf der Inntalautobahn A 12 in Richtung Süden in Höhe der Ausfahrt Kufstein-Nord eine sogenannte Dosierstelle eingerichtet, um den Lkw-Verkehr zu regulieren. Diese Stelle dürfen pro Stunde maximal 250 Lkw passieren. Wird diese Grenze erreicht, müssen die Brummis anhalten. Da dann für den übrigen Verkehr nur noch ein Fahrstreifen zur Verfügung steht, sind die Folge beträchtliche Staus. Diese reichen oft bis auf die deutsche A 8 (München - Salzburg) zurück.

Mit der Blockabfertigung will Österreich verhindern, dass sich der Lkw-Verkehr auf der Inntalautobahn A 13 und im Raum Innsbruck staut. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Lkw-Fahrer wegen eines Feiertags in Österreich auf deutscher Seite warten und nach dem Auslaufen des Lkw-Fahrverbots alle nahezu gleichzeitig losfahren. Dafür nimmt Tirol Verkehrsbehinderungen in Deutschland in Kauf.

Gefahren im Tunnel

Richtiges Verhalten im Stau

Rettungsgasse richtig bilden

 

Foto: © dpa Picture-alliance / Andreas Reimund

Kontakt zur Redation: redaktion@adac.de