Erste Hilfe bei Verkehrsunfällen

31.10.2018

Zahlreiche Unfallopfer sterben innerhalb der ersten Minuten nach ihrem Unfall. Daher ist es essenziell, dass andere Verkehrsteilnehmer in diesen wichtigen ersten Minuten effektiv Erste Hilfe leisten. Wir zeigen, wie es geht.

ADAC Erste Hilfe
Wer Erste Hilfe leistet, kann Leben retten.

Bis professionelle Helfer eintreffen, befinden sich an einer Unfallstelle häufig nur Menschen ohne besondere medizinische Kenntnisse. Viele von ihnen trauen sich aus Unsicherheit nicht zu helfen. Die ersten Minuten nach einem Unfall sind jedoch entscheidend für den Erfolg der Erstversorgung von Verletzten und deren weiterer Behandlung im Krankenhaus. Leisten Sie daher unbedingt Erste Hilfe, wenn Sie zu einem Unfall kommen! Niemand wird Ihnen einen Vorwurf machen, wenn Sie nicht die gleichen Kenntnisse haben wie ein professioneller Helfer. Nur Nicht-Helfen ist garantiert die falsche Entscheidung. Sie sollten auch regelmäßig Ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischen.

 

Erste Hilfe: Die richtige Reihenfolge Schritt für Schritt

Bevor Sie handeln: Schließen Sie aus, dass Sie sich und/oder andere gefährden! Verschaffen Sie sich einen Überblick darüber, was passiert ist. Beurteilen Sie, welche Gefahren drohen.

Faltblatt zum Ausdrucken mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Ersten Hilfe
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Unfallstelle absichern

  • Schalten Sie die Warnblinkanlage ein
  • Bremsen Sie nicht plötzlich und fahren Sie auf der Autobahn auf keinen Fall rückwärts
  • Stellen Sie Ihr Fahrzeug auf dem Pannenstreifen oder am äußersten rechten Fahrbahnrand ab – in sicherem Abstand zur Unfallstelle
  • Ziehen Sie Ihre Warnweste an
  • Mitfahrer sollten zu ihrer eigenen Sicherheit nur auf der verkehrsabgewandten Seite aussteigen
  • Nehmen Sie Mobiltelefon, Verbandskasten und Warndreieck aus dem Auto mit
  • Stellen Sie das Warndreieck in angemessenem Abstand vor dem Unfallort auf. Laufen Sie dazu hinter der Schutzplanke oder zumindest am äußersten Straßenrand mit aufgeklapptem Warndreieck dem Verkehr entgegen
  • Fordern Sie andere Autofahrer per Handzeichen auf, langsam zu fahren

 

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Notruf absetzen

Veranlassen Sie, dass so früh wie möglich mit einem Notruf weitere Hilfe verständigt wird. Dazu 112 wählen (europaweit). 

Inhalt des Notrufs:

  • Wo ist etwas geschehen?
  • Was ist passiert?
  • Wie viele Menschen sind betroffen?
  • Welche Verletzung/Erkrankung liegt vor?
  • Warten Sie auf Rückfragen!
  • Bei einem Unfall mit Gefahrgut: Weisen Sie darauf hin
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Verletzten aus der Gefahrenzone bringen

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Mit dem Rautek-Rettungsgriff können Sie Unfallopfer bergen.

Ist ein Verunglückter am Unfallort lebensgefährlich bedroht, sollten Sie ihn mit dem sogenannten Rautek-Rettungsgriff aus dem Auto ziehen, sofern Sie sich damit nicht in Gefahr bringen.

  • Öffnen Sie die Fahrzeugtür, beobachten Sie den Betroffenen und sprechen Sie ihn an
  • Schalten Sie die Zündung des Wagens aus, öffnen Sie den Sicherheitsgurt
  • Bringen Sie bei nicht ausgelöstem Airbag Ihren Kopf niemals zwischen Armaturenbrett und Körper des Unfallopfers
  • Achten Sie darauf, dass die Füße des Opfers nicht eingeklemmt sind
  • Umgreifen Sie den Betroffenen in Sitzflächenhöhe von außen, drehen Sie seinen Rücken zu sich hin
  • Legen Sie einen Unterarm des Unfallopfers vor dessen Bauch
  • Greifen Sie mit Ihren Händen durch die Achselhöhlen des Opfers und umfassen Sie dessen Unterarm
  • Ziehen Sie den Betroffenen vom Sitz an einen sicheren Ort
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Zustand des Opfers feststellen

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So prüfen Sie, ob der Verunfallte noch atmet.

Bewusstsein:

  • Ist der Verletzte ansprechbar?
  • Bewegt er sich?
  • Reagiert er (auf Rütteln an der Schulter)?

Der Verletzte hat einen Helm auf? Dann runter damit, aber vorsichtig! So nehmen Sie einem verletzten Motorradfahrer richtig den Helm ab.

Atmung:

  • Machen Sie die Atemwege des Verletzten frei, indem Sie seinen Kopf nach hinten neigen und gleichzeitig sein Kinn anheben
  • Beobachten Sie, ob der Brustkorb sich hebt und senkt. Oder legen Sie Ihr Ohr über Mund und Nase des Betroffenen und hören Sie auf Atemgeräusche. Oder prüfen Sie mit der Wange, ob Sie einen Luftstrom spüren.
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Seitenlage bei Bewusstlosem

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Die Seitenlage bewahrt den Bewusstlosen vor dem Ersticken.

Ist das Unfallopfer bewusstlos, atmet aber normal, bringen Sie es in die stabile Seitenlage:

  • Legen Sie den zu Ihnen gewandten Arm des Opfers angewinkelt nach oben
  • Legen Sie die Hand des anderen Arms an die zu Ihnen zeigende Wange des Betroffenen und halten Sie sie fest
  • Greifen Sie den von Ihnen weiter entfernt liegenden Oberschenkel des Verletzten, winkeln Sie das Bein an und drehen Sie das Unfallopfer zu sich
  • Legen Sie das Bein rechtwinklig zur Hüfte ab
  • Strecken Sie den Kopf des Verunfallten nach hinten, öffnen Sie dessen Mund
  • Prüfen Sie regelmäßig die Atmung des Unfallopfers. Im Falle eines Atemstillstands müssen Sie es sofort in Rückenlage bringen und wiederbeleben
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Wiederbelebung bei Atemstillstand

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Das ist die richtige Haltung bei der Herzdruckmassage. 

Herzdruckmassage und Atemspenden im Wechsel halten den Kreislauf des Unfallopfers aufrecht. Wenn Sie noch keinen Notruf abgesetzt haben, tun Sie das vor Beginn der Wiederbelebung! 

  • Zur Wiederbelebung knien Sie sich neben den Betroffenen, in Höhe seines Brustkorbs
  • Legen Sie Ihre Handballen übereinander und auf das untere Drittel des Brustbeins des Verletzten in die Brustmitte
  • Führen Sie 30 Herzdruckmassagen durch. Drücken Sie dazu das Brustbein mit gestreckten Armen schnell und kräftig rund fünf Zentimeter nach unten und entlasten Sie es danach wieder vollständig (Geschwindigkeit: 100 bis 120 Mal pro Minute)
  • Öffnen Sie danach die Atemwege des Verunfallten, indem Sie seinen Kopf nach hinten neigen
  • Halten Sie die Nase des Betroffenen zu und öffnen Sie seinen Mund (bei angehobenem Kinn)
  • Atmen Sie ein und legen Sie Ihre Lippen dicht um den Mund des Verunfallten
  • Blasen Sie eine Sekunde lang Luft in den Mund des Unfallopfers, sodass sich dessen Brustkorb sichtbar hebt
  • Wiederholen Sie den Vorgang, wenn sich der Brustkorb wieder gesenkt hat
  • Führen Sie diese Wiederbelebungsmaßnahmen (30 Mal Herzdruckmassage, zwei Mal Beatmung) so lange fort, bis professionelle Helfer übernehmen oder der Betroffene wieder normal atmet

Wenn Sie sich nicht in der Lage fühlen zu beatmen, führen Sie durchgehend die Herzdruckmassage durch, bis professionelle Helfer übernehmen oder der Betroffene normal zu atmen beginnt.

Tipp Icon

ADAC Position: Regelmäßige Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse ist wichtig! 

Dem ADAC ist es ein wichtiges Anliegen, die Erste-Hilfe-Kenntnisse in der Bevölkerung und hier insbesondere der Kraftfahrer zu verbessern. Dadurch sollen Unsicherheiten und Hemmungen im Ernstfall genommen und die Bereitschaft zur Hilfeleistung gestärkt werden. 

Die Einführung verpflichtender Erste-Hilfe-Kurse ist wenig erfolgversprechend. Vielmehr ist eine regelmäßige Auffrischung der Kenntnisse auf freiwilliger Basis zielführend. In diesem Zusammenhang ist besonders die Politik gefordert, Kampagnen zu starten, um die Bevölkerung nachhaltig über das Thema aufzuklären und dafür zu sensibilisieren. 

Zudem sollten gezielt Projekte gefördert werden, die schon im Kindes- und Jugendalter ein Bewusstsein für die Bedeutung der Ersten Hilfe schaffen und die grundlegenden, einfach durchzuführenden Maßnahmen vermitteln.

Neben stabiler Seitenlage und klassischer Wiederbelebung mit Herzdruckmassage und Beatmung lernen die Teilnehmer eines Erste-Hilfe-Kurses weitere wichtige Maßnahmen wie das Stillen einer Blutung oder die Anwendung der Schocklage.