Verkehrssicherheit: Weniger Tote, aber noch viele Herausforderungen

2019 erfasste die Polizei in Deutschland fast 2,7 Millionen Unfälle
2019 erfasste die Polizei in Deutschland fast 2,7 Millionen Unfälle© Shutterstock/Robert Crum

Zwischen 2015 und 2019 ist der Verkehr auf Deutschlands Straßen, Schienen und in der Luft nicht sicherer geworden. Das zeigt der erste ADAC Mobilitätsindex.

  • Die Zahl der Verkehrstoten ging stark zurück

  • Die Unfallzahlen stiegen an

  • Staaten wie Norwegen haben ein höheres Sicherheitsniveau

Während der Fokus bei der Verkehrssicherheit bisher meist auf der Zahl der Getöteten im Straßenverkehr lag, zeichnet der ADAC Mobilitätsindex ein umfassendes Bild: Neben den Verkehrstoten im Straßen-, Schienen- und Luftverkehr berücksichtigt er auch Personenschäden mit Leicht- und Schwerverletzten, Unfälle sowie die Höhe der Sachschäden.

So wurde Verkehrssicherheit definiert

Die Bewertungsdimension Verkehrssicherheit lässt sich über drei sogenannte Leitindikatoren definieren. Diese sind Personen- und Sachschäden sowie das Unfallgeschehen. Sie werden nicht gleich, sondern unterschiedlich stark gewichtet. Die größte Bedeutung haben Personenschäden.

Das Beispiel Oslo

Mit der Zahl von 37 Straßenverkehrstoten je einer Million Einwohnerinnen und Einwohner befindet sich Deutschland international zwar in der Spitzengruppe beim Thema Sicherheit, verfehlt aber das Niveau anderer Länder wie beispielsweise der Niederlande, Dänemark und Norwegen. In Norwegens Hauptstadt Oslo kam 2019 zum ersten Mal kein einziger Fußgänger bzw. Fußgängerin und nicht ein Radfahrer bzw. Radfahrerin ums Leben. Der einzige Verkehrstote war ein Autofahrer.

Das ist der ADAC Mobilitätsindex

Personenschäden sind der wichtigste Leitindikator für Verkehrssicherheit © imago images/Andreas Gora

Der ADAC Mobilitätsindex ist eine aus vielen einzelnen Indikatoren berechnete Zahl, die den Stand in den fünf Bewertungsdimensionen zusammenfasst. Als Ausgangsbasis für das Jahr 2015 wurde der Wert 100 festgesetzt. Durch die Berechnung des Index für die folgenden Jahre ist auf einen Blick ersichtlich, ob die Nachhaltigkeit der Mobilität in Deutschland Fortschritte macht. Eine Verbesserung der Situation würde sich – so die Definition – beim Gesamtindex und den fünf Bewertungsdimensionen in einem Wert zeigen, der über 100 liegt. Eine Verschlechterung zeigt sich in einer Zahl, die unter 100 liegt.

So hat sich die Verkehrssicherheit in Deutschland von 2015 bis 2019 entwickelt:

In der Bewertungsdimension Verkehrssicherheit wurde für 2019 der Wert 101 ermittelt. Die Verkehrssicherheit hat sich also zwischen 2015 und 2019 nur geringfügig verbessert.

Personenschäden

Im Mobilitätsindex berücksichtigt: Personenschäden wie ein Beinbruch © iStock.com/urbazon

Stark zurückgegangen ist die Zahl der Unfalltoten, was der Indexwert 113 für 2019 zeigt. Auch die Zahlen der Schwer- und der Leichtverletzten sind gesunken, was sich in den Werten 104 und 102 ausdrückt. Nach Gewichtung dieser drei Indikatoren ergibt sich durch den Rückgang der Personenschäden bei diesen ein positiver Index von 106.

Unfallgeschehen

Aufwärtstrend: Die Unfallzahlen steigen von Jahr zu Jahr © dpa/SDMG

Hier wird die Anzahl aller Unfälle für die Verkehrsträger Straße, Schiene und Luft erfasst. Da die Polizei 2015 knapp 2,5 Millionen, 2019 aber fast 2,7 Millionen Unfälle registrierte, liegt der Index 2019 deutlich unter 100, nämlich bei 94. Dieser Trend zu mehr Unfällen hängt eng mit der steigenden Fahrleistung auf einem nicht gleichermaßen mitwachsenden Straßennetz zusammen.

Sachschäden

Ein Fahrradunfall – hoffentlich blieb es beim Sachschaden © iStock.com/Katarzyna Bialasiewicz

Dieser Leitindikator erfasst die finanziellen Schäden der Verkehrsunfälle. Die Unfallkosten der Straßenverkehrsunfälle werden jährlich von der Bundesanstalt für Straßenwesen ermittelt. Zu den Schadenshöhen der anderen Verkehrsträger sind keine Aussagen möglich. Inflationsbereinigt stagnieren die Sachschaden-Kosten mehr oder weniger bei einem Indexwert von 101.

Das sagt der Experte

Bei zwei stark wachsenden Verkehrsarten ist die Unfallentwicklung nicht befriedigend: Für Radfahrende fehlen an Ampeln Grünschaltungen, die vom Autoverkehr getrennt sind. Und wer zu Fuß unterwegs ist, braucht mit zunehmendem Alter mehr Zeit, eine Straße zu überqueren und daher längere Grünphasen.

Bei zwei stark wachsenden Verkehrsarten ist die Unfallentwicklung nicht befriedigend: Für Radfahrende fehlen an Ampeln Grünschaltungen, die vom Autoverkehr getrennt sind. Und wer zu Fuß unterwegs ist, braucht mit zunehmendem Alter mehr Zeit, eine Straße zu überqueren und daher längere Grünphasen.

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer©Unfallforschung der Versicherer

Das müsste sich verbessern

Um weitere Fortschritte bei der Verkehrssicherheit zu erreichen, sind unter anderem die folgenden Schwerpunkte und Empfehlungen zu nennen:

Inner- und außerorts sollten eigenständige Radwege weiter ausgebaut werden, um Konflikte mit Fußgängern und Fußgängerinnen und Autofahrenden zu reduzieren.

Die Fahranfängerausbildung ist um bis zu zwei Jahre zu verlängern, das begleitete Fahren auf 16-Jährige auszuweiten.

Im Straßenverkehr braucht es mehr Alkohol- und Drogenkontrollen.

Die Unfallprävention ist zu verstärken, zum Beispiel durch Aufklärung über Fahrradhelme.

Fragen und Antworten

Das sind die Ergebnisse im Detail

Die vollständigen Ergebnisse des ADAC Mobilitätsindex und Details zu seiner Methodik finden Sie in diesem PDF zum Download:

Der ADAC Mobilitätsindex
PDF, 9,07 MB
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Auf dieser Überblicksseite zum Thema Verkehrssicherheit sind viele weitere Artikel zusammengestellt, u.a. zu Verhalten in Gefahrensituationen, Mobilität im Alter und Ablenkung am Steuer.

Helmuth Meyer
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