Klima und Umwelt: Mobilität wird nachhaltiger

Mehr grüner Strom – essenziell für die Nachhaltigkeit des Verkehrs
Mehr grüner Strom – essenziell für die Nachhaltigkeit des Verkehrs© Shutterstock/geniusksy

Von 2015 bis 2019 gab es bei den Auswirkungen des Verkehrs auf die Umwelt eine Tendenz zur Nachhaltigkeit. Aber beim Klimaschutz ist noch viel zu tun. Das zeigt der erste ADAC Mobilitätsindex.

  • Der Ausstoß von Treibhausgasen stagniert, der Energieverbrauch steigt

  • Luftschadstoffe konnten deutlich reduziert werden

  • Weniger Menschen leiden unter Verkehrslärm

Die Auswirkungen des Verkehrs auf die Lebensräume für Flora, Fauna und Menschen sowie sein Anteil am Klimawandel bildet der ADAC Mobilitätsindex ab.

Die Dimension Klima und Umwelt

Zur Bewertungsdimension Klima und Umwelt wurden Daten zu fünf sogenannten Leitindikatoren ausgewertet: Treibhausgase, Luftschadstoffe, Lärm, Flächen- und Energieverbrauch. Letzterer trägt zum Klimawandel bei, weil der Verkehr noch zu rund 94 Prozent von fossilen Brenn- beziehungsweise Kraftstoffen abhängig ist. Die Leitindikatoren wurden unterschiedlich stark gewichtet. Am stärksten ist mit 30 Prozent der Ausstoß von Treibhausgasen berücksichtigt.

Das Beispiel Freiburg im Breisgau

Dass wachsende Mobilität nicht zu Lasten von Klima und Umwelt gehen muss, zeigt sich in Freiburg im Breisgau. Die Stadt priorisiert den Radverkehr schon seit Langem und hat allein 2020 acht Fahrradstraßen in Betrieb genommen. Während 1982 nur 15 Prozent der Wege mit dem Rad zurückgelegt wurden, waren es bei der letzten Zählung 2016 schon 34 Prozent. Rechnet man Strecken zu Fuß, mit Bus und Bahn dazu, liegt der Anteil "autofreier" Wege bei 79 Prozent.

Das ist der ADAC Mobilitätsindex

Vielspurige Autobahnen können wichtige Lebensräume zerschneiden © Shutterstock/ms_pics_and_more

Der ADAC Mobilitätsindex ist eine aus vielen einzelnen Indikatoren berechnete Zahl, die den Stand in den fünf Bewertungsdimensionen zusammenfasst. Als Ausgangsbasis für das Jahr 2015 wurde der Wert 100 festgesetzt. Durch die Berechnung des Index für die folgenden Jahre ist auf einen Blick ersichtlich, ob die Nachhaltigkeit der Mobilität in Deutschland Fortschritte macht. Eine Verbesserung der Situation würde sich – so die Definition – beim Gesamtindex und den fünf Teilbereichen in einem Wert zeigen, der über 100 liegt. Eine Verschlechterung zeigt sich in einer Zahl, die unter 100 liegt.

So hat sich die Mobilität auf Klima und Umwelt in Deutschland von 2015 bis 2019 ausgewirkt:

2019 lag der Teilindex in der Bewertungsdimension Klima und Umwelt bei 105. Daher kann man von einer Tendenz in Richtung Nachhaltigkeit zwischen 2015 und 2019 sprechen. Das trifft, nach einer Stagnationsphase zwischen 2015 und 2017, besonders auf die Zeitspanne 2017 bis 2019 zu.

Treibhausgase

2019 fielen im innerdeutschen Flugverkehr pro Personenkilometer 214 Gramm Treibhausgase an © iStock.com/guvendemir

Die CO₂-Emissionen im Verkehr sind eng an die Art und die Menge der eingesetzten Energie gekoppelt. Bislang ist es nicht gelungen, sie nachhaltig zu senken. 2019 waren sie sogar noch etwas höher als in den Jahren 2015 und 2018. Das zeigte sich im Indexwert von 99 für den wichtigsten Leitindikator Treibhausgase im Jahr 2019. Ursachen dafür sind die gestiegene Verkehrsleistung und der damit einhergehende gestiegene Verbrauch von Diesel, Benzin und Kerosin.

Luftschadstoffe

Auch wenn es hier nicht so aussieht: Autos werden immer "sauberer" © Shutterstock/NadyGinzburg

Die durch Verkehr verursachten Emissionen von Luftschadstoffen wie Stickstoffdioxid und Feinstaub nehmen seit 2018 stark ab. Daher stieg der Indexwert 2019 auf 126. Bei steigender Verkehrsleistung gelang es dank verbesserter Fahrzeugtechnik, Verbrennungsprozesse sauberer zu gestalten und die Freisetzung von Schadstoffen zu verringern. So verfügten 2015 nur zwei Prozent der Pkw über die Euro-6-Norm, 2019 waren es 26 Prozent. Auch in den Fahrzeugflotten der Kommunen sind immer mehr saubere Fahrzeuge im Einsatz.

Lärm

Begrünte Lärmschutzwände – zum Schutz der Anwohner sehr effektiv © imago images/biky

Erfreulicherweise ist seit 2015 der Indexwert dieses Leitindikators auf 103 im Jahr 2019 gestiegen. Immer weniger Menschen sind von durch Verkehr verursachten Lärm beeinträchtigt. Dazu tragen Flüsterasphalt, Lärmschutzwände und neue Verordnungen bei. Der Aufschwung der Elektromobilität dürfte weitere positive Effekte bringen. Kaum verbessert hat sich die Lage beim Luft- und Schienenverkehr. Entlang der Gleise sind jedoch in den nächsten Jahren Entlastungen durch die verstärkte Nutzung von Flüsterbremsen zu erwarten.

Flächenverbrauch

Von 1992 bis 2019 nahmen die Verkehrsflächen um fast zehn Prozent zu © imago images/Harry Koerber

Der Indexwert der Flächeninanspruchnahme stagniert seit 2015 bei 100. Das gilt für beide der gleich gewichteten Indikatoren, die Verkehrsfläche und die Zerschneidung von Biotopen. Der Zuwachs der Verkehrsflächen ist gering, kann aber von Jahr zu Jahr stark schwanken, da er deutlich von Großbauprojekten beeinflusst wird. Erklärtes politisches Ziel ist es, die Neuversiegelung durch Siedlungs- und Verkehrsflächen auf 30 Hektar pro Tag zu begrenzen.

Energieverbrauch

Auch auf den Güterverkehr geht ein großer Teil des Energieverbrauchs zurück © Shutterstock/vladdon

Nicht in die gewünschte Richtung hat sich der Endenergieverbrauch im Verkehr entwickelt, hier liegt der Index 2019 bei 95. Grund dafür ist die gestiegene Fahrleistung aller Verkehrsträger. Gut 30 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland – ungefähr 2700 Petajoule im Jahr 2019 – entfallen auf den Verkehr, davon 85 Prozent auf den Straßenverkehr, davon wiederum zwei Drittel auf den Personen- und der Rest auf den Güterverkehr. Besonders energieintensiv ist auch der Luftverkehr: Das in Deutschland verbrauchte Kerosin macht rund ein Sechstel des Gesamtenergieverbrauchs im Verkehr aus.

Das sagt der Experte

Alle Akteure müssen jetzt ambitioniert und schnell handeln. Die klimaverträglichen Alternativen zum Pkw- und Lkw-Verkehr müssen massiv ausgebaut, der Straßenverkehr noch schneller elektrifiziert und eine verursachergerechte CO₂-Bepreisung des Verkehrs umgesetzt werden.

Alle Akteure müssen jetzt ambitioniert und schnell handeln. Die klimaverträglichen Alternativen zum Pkw- und Lkw-Verkehr müssen massiv ausgebaut, der Straßenverkehr noch schneller elektrifiziert und eine verursachergerechte CO₂-Bepreisung des Verkehrs umgesetzt werden.

Prof. Dr. Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes©UBA/Susanne Kambor

Das müsste sich verbessern

Um weitere Fortschritte bei Klima und Umwelt zu erreichen, sind unter anderem die folgenden Schwerpunkte und Empfehlungen zu nennen:

Die Energiewende muss in Deutschland mit dem Ausbau von Wind- und Solarenergie Fahrt aufnehmen.

Auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist zu beschleunigen.

Abgasgrenzwerte sollen sich am technisch Machbaren orientieren, Emissions- und Immissionsgrenzwerte zusammenpassen.

Flächenversiegelung kann durch die Optimierung des Betriebes vermieden werden, zum Beispiel durch die Digitalisierung der Infrastruktur.

Fragen und Antworten

Wie wird der ADAC Mobilitätsindex berechnet?

Der ADAC Mobilitätsindex ist eine Kennzahl, zu der mehrere Kenngrößen verdichtet wurden. Insgesamt wurden dafür 1535 individuelle statistische Merkmale erfasst, das entspricht über 143.000 individuellen Datenreihen. Alle Daten sind zu fünf Bewertungsdimensionen zusammengefasst: Verfügbarkeit, Verkehrssicherheit, Zuverlässigkeit, Bezahlbarkeit sowie Klima und Umwelt. Diese Bewertungsdimensionen bestehen wiederum aus mehreren Leitindikatoren. Sowohl Bewertungsdimensionen als auch die Indikatoren wurden im Juni 2021 vom ADAC Verkehrsausschuss und vom ADAC Arbeitskreis Verkehr und Umwelt in ihrer Bedeutung gewichtet und fließen damit in unterschiedlicher Stärke in den ADAC Mobilitätsindex ein.

Was sagt der Mobilitätsindex aus?

Das Ergebnis des Index wird in einer einzigen Zahl ausgedrückt. Dieser Wert ermöglicht Rückschlüsse darauf, wie sich die Nachhaltigkeit der Mobilität seit einem bestimmten Jahr verbessert oder verschlechtert hat. Dieser Zeitpunkt wird als Index-Basisjahr bezeichnet und liegt beim ADAC Mobilitätsindex im Jahr 2015. Da das Bezugsjahr der Veröffentlichung 2019 ist, sind Aussagen darüber möglich, wie sich die Nachhaltigkeit der Mobilität im gesamten sowie in den untergeordneten Dimensionen von 2015 bis 2019 verändert hat.

Aus welchen Daten wird der Mobilitätsindex ermittelt?

Der Großteil der Daten für den Mobilitätsindex stammt aus öffentlich zugänglichen Statistiken etwa des Bundesamts für Statistik (DESTATIS), des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), des Bundes-Verkehrsministeriums und des Kraftfahrt-Bundesamts. Insgesamt wurden mehr als 1500 Datensätze recherchiert und für die Bildung der Indikatoren sowie die Analyse und die Erläuterung der aufgezeigten Entwicklungen herangezogen.

Wie wurde der Index entwickelt?

Die Entwicklung erfolgte in mehreren und aufeinander aufbauenden Schritten. Zunächst wurde definiert, welche Inhalte durch den Index abgebildet und zusammengefasst werden sollen, bevor daraus die notwendigen Bewertungsdimensionen abgeleitet wurden. In den nächsten Schritten wurden Daten recherchiert und ihre Qualität geprüft, bevor über ihre Zusammenstellung und Gewichtung entschieden wurde. Abschließend wurden mehrere Qualitätsprüfungen durchgeführt.

Weshalb werden die Bewertungsdimensionen unterschiedlich gewichtet?

Zwischen den einzelnen Bewertungsdimensionen können Zielkonflikte herrschen. So führen möglicherweise eine hohe Zuverlässigkeit und eine hohe Verfügbarkeit zu erhöhten Schadstoffausstößen, die dann die Entwicklung der Bewertungsdimension Klima und Umwelt negativ beeinflussen. Durch die Gewichtung können nun die Erwartungen an die Entwicklung der Dimensionen berücksichtigt werden. Das heißt, dass die Relevanz der einzelnen Dimensionen gegeneinander abgewogen wird, um unerwünschte Effekte von einzelnen Entwicklungen zu verringern.

Zur Ermittlung der unterschiedlichen Gewichte wurde ein Kreis von Expertinnen und Experten definiert, der sich aus den Mitgliedern des ADAC Verkehrsausschusses und dem ADAC Arbeitskreis für Verkehr und Umwelt zusammensetzte. Als Ergebnis dieses Prozesses wird die Verkehrssicherheit mit 30 Prozent am stärksten berücksichtigt, darauf folgen mit 25 Prozent Klima und Umwelt sowie mit jeweils 15 Prozent Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Bezahlbarkeit. Alle Infos zu den Methoden bei der Erarbeitung finden Sie auch auf den Seiten des Prognos Instituts.

Warum endet der Index mit dem Jahr 2019?

Das Jahr 2019 ist das Bezugsjahr für die Erstveröffentlichung des Mobilitätsindex. Für 2019 gibt es einen vollständigen Datenbestand für alle Index-Indikatoren, während für 2021 beispielsweise noch nicht alle Statistiken der Ämter und anderer Datenquellen vorliegen. Außerdem zeichnet es sich als ein normales Jahr auf der Zeitachse aus, das letzte ohne coronabedingte Einflüsse. Somit ist es für das Startjahr des Mobilitätsindex eine sichere Grundlage.

Warum hat der ADAC den Mobilitätsindex erstellt?

Mit dem ADAC Mobilitätsindex wurde erstmalig eine wissenschaftlich basierte Grundlage erstellt, mit der die nachhaltige Entwicklung der Mobilität in Deutschland umfassend beobachtet und analysiert werden kann. Damit soll zur Versachlichung der in Politik und Gesellschaft kontrovers geführten Diskussionen zu diesem Thema beigetragen werden. Zugleich stellt sich der ADAC damit seiner gesellschaftlichen Verantwortung für Verkehrssicherheit, Klima und Umwelt sowie für die Zukunft der Mobilität.

Wie kann der Mobilitätsindex optimiert werden?

Der ADAC ist überzeugt, mit dem Mobilitätsindex ein fundiertes und methodisch innovatives Instrument zur Bewertung der Nachhaltigkeit der Mobilität entwickelt zu haben. Wie bei jeder wissenschaftlichen Arbeit gibt es jedoch auch Punkte, die weiter optimiert werden können. Dazu gehören etwa die teilweise ausbaufähige Datenverfügbarkeit insbesondere auf der Kreisebene oder auch im Zeitverlauf. Bei verbesserter Verfügbarkeit der Daten – etwa vom Bundesamt für Statistik – kann der Index künftig potenziell weiter ausgebaut werden.

Wer hat den Mobilitätsindex erarbeitet?

Mit der Entwicklung des ADAC Mobilitätsindex wurde die Prognos AG beauftragt. Prognos ist ein unabhängiges Wirtschaftsforschungsunternehmen mit Hauptsitz in Basel. Ziel war es, zusammen mit den Experten des ADAC die Veränderung der Mobilität wissenschaftlich gesichert zu ermitteln und verständlich darzustellen.

Das sind die Ergebnisse im Detail

Die vollständigen Ergebnisse des ADAC Mobilitätsindex und Details zu seiner Methodik finden Sie in diesem PDF zum Download:

Der ADAC Mobilitätsindex
PDF, 10,5 MB
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Helmuth Meyer
Helmuth Meyer
Redakteur
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