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Wie der Road Zipper Baustellen-Staus minimiert

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Autobahndirektion Südbayern

Deutschland-Premiere auf der stark befahrenen A9 München – Nürnberg: Im Zuge eines Pilotversuchs ist seit Dezember in der Großbaustelle zwischen dem Autobahndreieck Holledau und der Anschlussstelle Langenbruck ein sogenannter Road Zipper im Einsatz. Er soll die Baustellen-Staus minimieren und für mehr Sicherheit sorgen.

So funktioniert der Road Zipper

"Road Zipper" heißt auf Deutsch "Straßen-Reißverschluss". Er kann je nach Verkehrsaufkommen die Fahrbahn an einer Baustelle verbreitern oder verschmälern, das heißt, aus zwei Fahrstreifen drei oder aus drei zwei Fahrstreifen machen.

Das rund 13 Meter lange und etwa 22 Tonnen schwere System, das einem Lastwagen ähnelt, nimmt die Betonschutzwand zwischen den Richtungsfahrbahnen auf und verschiebt sie bei einer Fahrgeschwindigkeit von rund acht Kilometern pro Stunde auf einer Schiene unter
dem Fahrzeug rund drei Meter auf die andere Seite. Dieser Vorgang erinnert stark an einen Reißverschluss. Das alles geschieht vollautomatisch und während der Verkehr läuft. Der Road Zipper schafft damit in einer Stunde, was normalerweise mehrere Tage dauert.

Was das den Pendlern auf der A9 nutzt

In der Baustelle zwischen Holledau und Langenbruck stehen den Autofahrern derzeit statt wie bisher drei Fahrspuren pro Richtung nur zwei zur Verfügung – zwei in Richtung Nürnberg, zwei in Richtung München. Eine weitere Fahrspur wird bedarfsabhängig einmal der einen und einmal der anderen Fahrtrichtung zugeordnet.

Konkret bedeutet dies: Wenn morgens viele Pendler nördlich der Anschlussstelle Holledau in Richtung Ingolstadt/Nürnberg fahren, werden mithilfe des Road Zippers drei Fahrstreifen in Richtung Norden zur Verfügung gestellt. Mittags setzt der Road Zipper die Schutzwand um, wodurch sich nachmittags drei Fahrstreifen in Richtung München ergeben. Die Fahrspuren können somit je nach Verkehrslage zur Verfügung gestellt werden.

Was sich die Experten davon versprechen

Road Zipper haben sich bereits in den USA, in Österreich und in den Niederlanden bewährt. Unbestritten ist, dass sich damit speziell der Berufsverkehr in einem Baustellenbereich besser managen lässt. Komplett vermeiden lassen sich Staus aber nicht, darin sind sich die Experten einig. Erste Ergebnisse aus dem Pilotprojekt auf der A9 erhofft sich das Bayerische Verkehrsministerium nach Fertigstellung der Dauerbaustelle und der anschließenden Auswertung 2021. 

Was sagt der ADAC dazu?

Die Baustellen-Experten des ADAC begrüßen generell das System einer Baustellen-Wechselverkehrsführung. Schon vor Jahren hatte man damit gute Erfahrungen auf der A95 (Garmisch-Partenkirchen – München) gemacht. Während der viermonatigen Bauzeit konnten dort mehr als 200.000 Staustunden vermieden werden.

Allerdings war dort noch kein Road Zipper im Einsatz. Und es gab auch keine Schutzeinrichtungen zwischen den Fahrbahnen. Mit dem Road Zipper kann die bestehende Schutzwand relativ schnell zwischen den Fahrtrichtungen über die gesamte Länge und nach Bedarf versetzt werden. Dies schützt vor Gegenverkehrsunfällen und dient somit der Sicherheit der Kraftfahrer.

Dauerbaustelle A9 Holledau – Langenbruck

Die Autobahn A9 zählt zu den am stärksten befahrenen Autobahnstrecken Deutschlands. Die Verkehrsbelastung ist im Baustellenabschnitt Dreieck Holledau – Langenbruck mit bis zu 90.000 Fahrzeugen pro Tag fast doppelt so hoch wie im bayerischen Durchschnitt, entsprechend anspruchsvoll ist das Baustellen-Management. Bis Ende 2021 werden im rund 9 Kilometer langen Abschnitt beide Fahrbahnen und insgesamt 12 Unterführungen erneuert, die noch aus den 1930er Jahren stammen.

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Katharina Dümmer
Redakteurin
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