Menü
Rund ums Fahrzeug
Verkehr
Reise & Freizeit
Versicherungen & Finanzen
Mitgliedschaft
Services
Der ADAC

KBA genehmigt Diesel-Nachrüstung: Aber wer zahlt für die SCR-Kats?

ADAC Technikchef Dr. Reinhard Kolke beim Hardware Abgas-Test im Interview
ADAC Technikchef Dr. Reinhard Kolke im Motorwelt-Interview ∙ Ralph Wagner

Vermutlich ab Oktober werden Hardware-Nachrüstsysteme für Euro-5-Diesel verfügbar sein, sagt ADAC Technikchef Dr. Kolke. Wer die SCR-Katalysatoren zahlt, ist indes zum Teil noch offen.

ADAC Redaktion: Anfang 2019 hat das Verkehrsministerium die Richtlinie für die Hardware-Nachrüstung von Diesel-Pkw vorgelegt. Ende Juli 2019 wurde das erste System vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) genehmigt. Warum hat es so lange gedauert?

Dr. Reinhard Kolke: Man muss bedenken, dass das KBA keine Prototypen genehmigt, sondern Bauteile aus Produktion im Serienstand. Mit anderen Worten: Die Phase der Zulassung ist ein komplexer Prozess. Und der benötigt Zeit. Die gute Nachricht ist, dass die ersten Systeme wahrscheinlich im Oktober zu kaufen sein werden. Richtig ist aber auch, dass wir das Ganze schon vor einem Jahr hätten haben können, wenn die Richtlinie des Ministeriums früher vorgelegen hätte.

Ist die Technik der genehmigten SCR-Kats eine andere als die der Prototypen, die der ADAC getestet hatte?

Die Technik der Prototypen musste noch weiterentwickelt werden, weil die Anforderungen in der finalen Richtlinie noch einmal hochgeschraubt wurden.

Den SCR-Katalysator zum Nachrüsten gibt es vorerst nur für Modelle von Volvo. Nun hat der Autohersteller aber die Zusage, die Kosten von rund 3000 Euro zu übernehmen, zurückgenommen. Wissen Sie warum?

Volvo hat sehr früh die Entwicklung von Nachrüst-Hardware in Auftrag gegeben, aber nach meiner Kenntnis bisher keine Zusage der Kostenübernahme gemacht. Natürlich wäre es wünschenswert, dass Volvo die jetzt gibt.

ADAC: Hersteller sollen Kosten übernehmen

Sollte die Politik die Hersteller zwingen, die Nachrüstkosten zu übernehmen? 

Mann beim Testen des Dieselnachrüstsatzes im ADAC Testzentrum Landsberg
Der Prototyp des Dieselnachrüstsatzes wurde beim ADAC geprüft ∙ ADAC/UweRattay

Die Bundesregierung und der Bundesminister für Verkehr haben die deutschen Autohersteller und die Importeure bekanntlich nachdrücklich aufgefordert, die Kosten der Nachrüstung zu übernehmen. Der Forderung nachgekommen sind bisher lediglich Mercedes und VW. Und natürlich sollte die Regierung weiterhin Druck ausüben. Rechtlich hat die Regierung – jedenfalls nach deren eigener Einschätzung – keine Handhabe. Insofern muss die Regierung weiter an die Moral und die Verantwortung der Autohersteller appellieren. Das tut der ADAC aktuell auch. 

Gibt es tatsächlich keine rechtliche Handhabe?

Ich kann nur sagen, was das KBA von den Herstellern verlangt. Es fordert im Falle zu hoher Emissionen eine Nachbesserung zur Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen, fordert aber bisher keine Nachrüstung eines SCR-Kats. Somit hat der Hersteller mit einem Softwareupdate möglicherweise alles getan, wozu er rechtlich verpflichtet ist. Ob das wirklich reicht, müssen Juristen klären.

Wenn jetzt ein Run auf die Produkte einsetzen würde, gäbe es überhaupt die Produktionskapazitäten, die Nachfrage zu bedienen?

Wir denken, dass die Nachfrage zügig bedient werden kann. Für den Autofahrer ist es wichtiger zu wissen, wo er die Systeme bekommt, wer sie einbaut und wie er an die Förderung kommt. Es gibt ja ohnehin nur einen eingeschränkten Kreis von Dieselbesitzer, denen eine Kostenübernahme gewährt wird. Der ADAC hat übrigens im Internet alle Informationen zur Hardware-Nachrüstung mit SCR-Kat zusammengestellt.

Hier finden Sie mehr zum Thema Abgas- und Dieselproblematik und einen Vergleich der NOx-Emissionen nach Herstellern

Wolfgang Rudschies
Redakteur
Kontakt

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?