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Indian Challenger: Der bärenstarke Tourer im Fahrbericht

Indian Challenger fahrend auf der Straße
Stressfrei unterwegs: Der Fahrkomfort der Challenger stimmt ∙ © Indian

Mit dem neuen Powercruiser Challenger fordert die Motorradmarke Indian den US-Dominator Harley-Davidson heraus. Die Argumente sind stark: ein überaus potenter V2-Motor, ein cooler Look und hohe Reisetauglichkeit. Fahrbericht, Daten, Preis.

  • Überzeugender 122-PS-Motor

  • Hoher Fahrkomfort

  • Viele Assistenzsysteme

Der Name des neuesten Cruiser-Bikes von Indian ist Programm: Die US-Firma zielt mit der Challenger (deutsch "Herausforderer") auf die Road Glide von Harley-Davidson. Mit knapp 31.000 Euro kostet die Indian allerdings rund 2000 Euro mehr als ihre Wettbewerberin.

Der 122-PS-Motor begeistert

Ein Highlight ist eindeutig der neue Motor: Der flüssigkeitsgekühlte V2 mit 1768 Kubikzentimetern Hubraum arbeitet weitestgehend vibrationsfrei und ist mit 90 kW/122 PS bei 5500 U/min extrem kräftig. Auch das maximale Drehmoment von 178 Nm bei 3800 U/min beeindruckt. Das sehr ansehnliche Vierventil-Triebwerk glänzt mit Drehfreude, Laufkultur und Durchzugsstärke.

Perfekt präsentiert sich der Sound des Power Plus V2: ausdrucksstark, doch weder für Fahrer noch Umgebung lästig. So kann man bis etwa 140 km/h selbst ohne Kopfhörer recht gut Radio hören. Dabei helfen der elektrisch verstellbare Windschild und die 6,5 Zoll großen 100-Watt-Lautsprecher.

Einzig die Gasannahme könnte besser gelöst sein: Nur im Regen-Fahrprogramm geht der V2 kultiviert ans Gas, bei Standard und Sport löst spontanes Gasgeben einen kräftigen Ruck aus. Auch auf die Feinjustierung des Tempomats reagiert das riesige 381-Kilogramm-Bike etwas ruppig.

Der Verbrauch der Challenger wird laut WMTC-Test mit 6,1 Liter/100 km angegeben. Über 2000 Testkilometer lag er, abhängig von der Fahrweise, zwischen 5,0 und 6,9 Litern. Dank des großen 22,7-Liter-Tanks sind 350 Kilometer Reichweite drin.

Gutes Fahrwerk und viele Assistenzsysteme

Absolut gefällig gibt sich das Fahrwerk. Sowohl die 43er-USD-Gabel als auch das in der Vorspannung einstellbare Zentralfederbein bieten dank guter Abstimmung und ausreichender Federwege ansprechenden Fahrkomfort. Die Challenger erreicht hier eindeutig die Spitzenposition im Segment.

Der breite Lenker liegt gut zur Hand, fürs Einlenken in Kurven genügt ein leichter Druck. Überhaupt packt die Indian Kurven souverän und stabil, der Geradeauslauf ist bis zur abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 177 km/h einwandfrei.

Als eher anspruchsvoll erweist sich die hochwertige Brembo-Bremsanlage: Die Frontbremse braucht die volle, kräftige Hand, um gut zu verzögern; die hintere Bremse macht ihre Sache gut. Weil modernste Stabilisierungstechnik von Bosch an Bord ist, verfügt der Fahrer über Kurven-ABS und eine dynamische Traktionskontrolle. Einen Berganfahrassistenten gibt es allerdings nicht.

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Weniger schön: Die beiden runden Anzeigen im Cockpit spiegeln und sammeln bei Regen das Wasser, die beiden voluminösen Ablagefächer in der Frontverkleidung sind nicht absperrbar, und das gut bedienbare Navigationssystem verfügt zwar über ein riesiges Display, doch nervt die Menge der nutzlosen Ansagen auf Dauer enorm. Die anderen Elemente des fülligen Rider Command Systems können dagegen überzeugen.

Komfortabel aber teilweise nicht sehr wertig

Mitunter bedurfte es mehrerer Versuche, um den Motor des Testbikes zu starten. Das war ebenso irritierend wie das zweimalige einige Minuten lange Aufleuchten einer Kontrollleuchte, die auf "Fehler am Fahrwerk" hinwies.

Und auch die Benzin-/Reichweitenanzeige neigt zum gelegentlichen Eigenleben: Mit Sprit für noch rund 80 Kilometer abends geparkt, lautete die Reichweitenangabe am nächsten Morgen "1 Kilometer". Das sofortige Volltanken ergab, dass noch sechs Liter im Tank waren.

Für längere Touren eignet sich die Indian Challenger bestens: Der Sitzkomfort ist für Fahrer und Sozius sehr gut, die Fahrer-Trittbretter bieten eine prima Auflagefläche für die Stiefel, auch das LED-Licht überzeugt. Das gelingt den beiden voluminösen Seitenkoffern allerdings nicht: Ihre Aufhängung wie auch der Schließmechanismus wirken nicht vertrauenerweckend.

Das Design des Fullsize-Baggers stieß unterwegs auf viel Lob. Lediglich die Überfrachtung mit Firmenemblemen sowie die mangelhafte Wertigkeit der verwendeten Kunststoffe im Cockpit, am Wasserkühler und an den Fahrzeugseiten fielen negativ auf. Einhellig begeistert waren alle Betrachter von der beim Anhalten aufleuchtenden Unterflur-Illumination.

Ist die Indian Challenger nun die bessere Harley-Davison Road Glide? Jein. Das urwüchsige Bike aus Milwaukee ist in sich stimmiger und wirkt in Details wertiger, während der Herausforderer als das feinere, stärkere und deutlich komfortablere Motorrad daherkommt, mit dem sich besser reisen lässt.

Technische Daten Indian Challenger

Herstellerangaben

Motor/Getriebe

Flüssigkeitsgekühlter 60-Grad-V-Twin, 1769 ccm Hubraum, vier Ventile pro Zylinder, dohc, 90 kW/122 PS bei 5500 U/min, 178 Nm bei 3800/min.; Einspritzung, 6 Gänge, Zahnriemen

Fahrwerk

Verschraubter Aluminiumguss-Rahmen; Upside-down-Telegabel ø 43 mm vorne, 13 cm Federweg; Leichtmetall-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein, Federbasis hydraulisch einstellbar, 11,4 cm Federweg; Leichtmetallgussräder; Reifen Metzeler Cruisetec 130/60 B 19 (vorne) und 180/60 R 16 (hinten). 32 cm Doppelscheibenbremse vorne, 29,8 cm Einscheibenbremse hinten

Maße und Gewichte

Radstand 1,668 m, Sitzhöhe 67,2 cm, Gewicht fahrfertig inkl. Koffer 381 kg, Zuladung 247 kg; Tankinhalt 22,7 Liter

Assistenzsysteme

Zweikreis-ABS mit Kurvenfunktion, dyn. Traktionskontrolle, drei Fahrmodi, aut. Blinkerrückstellung, Keyless Ride, Reifendruckkontrollsystem, Wegfahrsperre, Tempomat, Ride-Command Kommunikationssystem incl. Navigation

Fahrleistungen, Verbrauch

0 – 100 km/h ca. 4,6 s, Höchstgeschwindigkeit 177 km/h. Normverbrauch lt. WMTC-Norm (EU 4) 6,1 l/100 km, im Test 5,3 – 6,9 l/100 km (ohne Korrektur der Tacho-Voreilung)

Preis

ab 30.890 Euro

Ulf Böhringer/SP-X