Konnektivität im Test: So gut sind Pkw vernetzt

9.7.2021

Nach dem Test in der Kompaktklasse folgt nun die Mittelklasse: Gemeinsam mit der Zeitschrift "Connect" und dem Beratungsunternehmen "Umlaut" hat der ADAC sieben Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid-Antrieb in den Kategorien Infotainment, Navigation, Konnektivität und Bedienkomfort getestet.

7  Mittelklasse Plug-In-Hybride werden auf Konnektivität getestet
Sieben Plug-In-Hybride der Mittelklasse wurden getestet
  • BMW und Mercedes liegen vorn
  • „Augmented Reality“ setzt neue Standards bei der Navigation
  • Bestes Import-Auto auf dem vierten Platz

Wie einfach lässt sich das Smartphone mit dem Entertainment-System des Fahrzeugs koppeln? Welche Displaygröße bieten die Autos, und wie viele Displays sind verbaut? Wie hoch ist die Auflösung, und ist ein Head-up-Display verfügbar? Diesen und vielen anderen Fragen gingen die ADAC Tester im Vergleich der Mittelklasse-Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid auf den Grund.

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7  Mittelklasse Plug-In-Hybride werden auf Konnektivität getestet
Sollte nicht für Ablenkung im Straßenverkehr sorgen: Menüführung im Display

Neben der Ausstattung der Fahrzeuge flossen auch der Funktionsumfang, die Bedienung der verschiedenen Funktionen und der Aufwand zur Gewöhnung an die Bedienung in die Bewertung ein. Daraus resultierten die vier Kategorien Infotainment, Navigation, Konnektivität und Bedienkomfort. Eine Vielzahl zusätzlicher Funktionen mit undurchsichtigen Menüführungen im Fahrzeug erhöhen allerdings das Ablenkungspotenzial für die Fahrzeugführer/innen. Intuitive Anzeige- und Bedienkonzepte werden deshalb immer wichtiger. Darauf legten die Tester daher ein besonderes Augenmerk.

Testsieger glänzt bei Preis und Funktionsumfang

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Gewinner Mercedes beim Konnektivitaetstest 2021
Mercedes CLA: Großer Funktionsumfang, der teilweise extra kostet 

Der Sieger des Konnektivitäts-Vergleichstests in der elektrifizierten Mittelklasse trägt einen Stern: Mercedes liegt mit dem CLA 250 e Shooting Brake und der ADAC Gesamtnote 1,7 am Ende vorn. Der Kombi überzeugt mit großen, hochaufgelösten Displays inklusive optionalem Head-up-Display und einem großen Funktionsumfang wie z.B. Internet-Browser, E-Mail und Kalenderfunktion. Darüber hinaus sind mehrere Smartphone-Apps mit zahlreichen weiteren Funktionen erhältlich.

Um den getesteten Konnektivitätsumfang nutzen zu können, müssen zum Grundpreis des getesteten CLA 250 e Shooting Brake für Head-up-Display und MBUX High-End-Paket allerdings noch 4730 Euro zusätzlich bezahlt werden. Dank „Augmented Reality“-Funktion setzt der CLA aber auch neue Standards bei der Darstellung der Navigation.

0,6 bis 1,5
sehr gut
1,6 bis 2,5
gut
2,6 bis 3,5
befriedigend
3,6 bis 4,5
ausreichend
ab 4,6
mangelhaft

BMW 3er nur knapp geschlagen

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7  Mittelklasse Plug-In-Hybride werden auf Konnektivität getestet
Im BMW 330e lassen sich die Funktionen auch über Gesten steuern

Dass die deutschen Premiumhersteller in Sachen Konnektivität dominieren, beweist der BMW 330e auf Platz zwei, der ebenfalls mit dem ADAC Urteil „gut“ (Gesamtnote 2,1) abschneidet. Erstaunlich beim Zweitplatzierten: In der aktuellsten Version des 3er-BMW sind einige Funktionen wie das elektronische Fahrtenbuch und die E-Mail-Integration nicht mehr enthalten. Daher kann der BMW nicht ganz mit dem Testsieger CLA Shooting Brake mithalten. Punkten kann der 3er dagegen mit der spurgenauen Positionierung auf der Autobahn sowie einer Satellitendarstellung bei der Navigationskarte, die z.B. auch der Jaguar E-Pace bietet.

Eine derart aufwendige Kartendarstellung findet man beim Volkswagen Arteon nicht, der in großem Abstand zu den Erstplatzierten mit dem Urteil „befriedigend“ (Gesamtnote 2,8) auf Rang drei kommt. Bei den übrigen Testkandidaten ist der KIA Sorento hervorzuheben. Er belegt als bestes Importauto den vierten Platz im Gesamtranking. Knapp dahinter folgen der Jaguar E-Pace auf Rang fünf sowie der Skoda Octavia auf Platz sechs. Nach Abschluss sämtlicher Tests führte ein Systemabsturz beim Skoda leider zu einem Ausfall von Entertainment und Navigation.

Testverlierer Peugeot 508 bietet zu wenig Konnektivität

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Verlierer Peugeot beim Konnektivitaetstest 2021
Verfügt nur über Grundfunktionen zur Konnektivität: Peugeot 508
Etwas abgeschlagen von den übrigen Kandidaten im Feld bildet der Peugeot 508 das Schlusslicht im Vergleich. Der französische Kombi kann gerade noch das Urteil "befriedigend" (Gesamtnote 3,5) einfahren, da er lediglich eine Grund-Konnektivität bietet. Im Vergleich zur Konkurrenz fehlen einfach zu viele Funktionen, auch ein Head-up-Display ist für den 508 nicht lieferbar.

Im direkten Vergleich zum Konnektivitäts-Vergleichstest 2020 in der Kompaktklasse fällt auf, dass die Ausstattungsumfänge der Testfahrzeuge in der Mittelklasse ähnlich sind, sodass sich im direkten Vergleich für den Fahrzeugnutzer hinsichtlich der Dienste kein nennenswerter Mehrwert ergibt, wenn man zu einem teureren Mittelklassefahrzeug greift. Besonders ärgerlich: Alle Testkandidaten bieten nicht einmal gegen Aufpreis ein CD-Laufwerk. Und das, obwohl in Deutschland im Jahr 2020 immerhin noch 32,2 Mio. CD-Alben verkauft wurden. Natürlich setzt sich der Trend in Richtung Streaming von Musik weiter unaufhaltsam fort, doch viele Kunden würden sich auch heute noch über ein CD-Laufwerk im Fahrzeug freuen.

Wie smart sind die Smartphone-Apps?

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7  Mittelklasse Plug-In-Hybride werden auf Konnektivität getestet
Wichtige App-Funktion bei Plug-in-Hybriden: Überwachung der Batterieladung
Deutliche Unterschiede gibt es beim Funktionsumfang der Smartphone-Apps zu den Autos. Im Vergleich schneidet die App von Mercedes-Benz am besten ab, da sie die meisten Funktionen inklusive Fernsteuerung, Zielübertragung, Statusinformationen und Push-Benachrichtigungen bietet. Bei Plug-in-Hybriden zählt das Überwachen des Ladevorgangs (Start/Stopp) zu den wichtigsten Funktionen einer App – das ist jedoch beim Jaguar mit der Remote-App nicht möglich.

Eine weitere smarte Funktion bietet vor allem im Sommer zusätzlichen Komfort: Einige Fahrzeuge im Test lassen sich per App vor dem Fahrtantritt klimatisieren. Diese Möglichkeit bieten Jaguar und KIA nicht. Peugeot dagegen klimatisiert standardmäßig auf 21 Grad Celsius, BMW übernimmt die jeweils letzte Temperatureinstellung im Fahrzeug. Mercedes-Benz, Skoda und Volkswagen ermöglichen eine individuelle Einstellung der gewünschten Temperatur. Bei Jaguar und Peugeot bietet die Fahrzeug-App ein detailliertes Fahrtenbuch mit Export-Funktion. Bei Mercedes-Benz übernimmt das eine separate App. Im Jaguar kann das Fahrtenbuch an die hinterlegte E-Mail-Adresse des Jaguar InControl-Accounts exportiert werden, bei Mercedes und Peugeot kann die Export-Datei per Smartphone beliebig geteilt werden. 
 

Keine Chance für eigene SIM-Karten

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Die Online-Dienste im Kia Sorento sind für sieben Jahre inklusive

Um überhaupt Konnektivität zu gewährleisten und z.B. Echtzeit-Verkehrsinformationen bei der Routenplanung berücksichtigen zu können, müssen die Fahrzeuge mit dem Internet verbunden sein. Bei den meisten Herstellern sind die Online-Dienste für Neufahrzeuge in den ersten drei Jahren inklusive.

Möchte man diese Dienste nach diesem Zeitraum weiter nutzen, werden die Pakete kostenpflichtig. Vorteil bei KIA: Die Koreaner statten den Sorento serienmäßig gleich für sieben Jahre mit Online-Funktionen aus. Allerdings verfügt keines der getesteten Fahrzeuge über einen Steckplatz für eine SIM-Karte, sodass man keinen Vertrag bei einem Mobilfunkanbieter eigener Wahl abschließen kann und damit ausnahmslos auf Verträge des jeweiligen Fahrzeugherstellers angewiesen ist.

"Hey BMW!": Wie gut hören die Autos zu?

Kaum ein modernes Entertainment- oder Navigationssystem kommt noch ohne Spracheingabe aus. Beim Verstehen der Sprachbefehle gibt es deutliche Unterschiede im Feld der Testkandidaten. Während viele Hersteller nach einem Tastendruck am Lenkrad lediglich mit vordefinierten Anweisungen umgehen können, reagieren BMW, Mercedes-Benz, Skoda und Volkswagen bereits nach einer Aufforderung wie „Hey BMW!“, „Hey Mercedes!“, „Okay Laura!“ oder „Hallo Volkswagen!“ komplett ohne Tastendruck.

Bei diesen Sprachsteuerungen sind zudem keine festgelegten Inhalte erforderlich. Eine natürliche Aussage wie „Mir ist kalt!“ genügt, um eine Anpassung der Temperatur und eine Aktivierung der Sitzheizung zu veranlassen. Hinsichtlich der Reaktionsschnelligkeit ist der Mercedes führend, beim natürlichen Sprachverstehen (inklusive Dialekten) liegt der BMW 3er vorn. Die Sprachbedienung erfordert teilweise eine aktive Online-Verbindung, sodass der Funktionsumfang bei deaktiviertem Online-Dienst (beispielsweise bei KIA recht deutlich) eingeschränkt ist.

Tipp Icon

Tipps für Verbraucher

  • Aufgrund des erhöhten Ablenkungspotenzials die Bedienung sämtlicher Funktionen ausschließlich bei stehendem Fahrzeug vornehmen
  • Ausstattungsmerkmale hinsichtlich des eigenen Bedarfs überprüfen und Zusatzkosten bei Sonderausstattungen berücksichtigen
  • Folgekosten durch eventuelle Online-Datendienste (mit den entsprechenden Laufzeiten) bedenken
  • Vor der Anschaffung des Fahrzeugs das Bedien- und Anzeigekonzept hinsichtlich der eigenen Präferenzen ausgiebig (auch bei einer Probefahrt) testen
Text: Jochen Krauß. Fachliche Unterstützung: Andreas Pfeffer/ADAC Technik Zentrum Landsberg. Fotos: Connect/Lennart Holtkemper

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de

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