60 P+R-Anlagen im ADAC Test

6.8.2019

Mit dem Auto bis zur Stadtgrenze fahren, parken und dann weiter mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Für viele Pendler ist das der tägliche Weg zur Arbeit. Aber wie gut sind Park-and-Ride-Anlagen? Wie komfortabel ist die Ausstattung, wie gut die Anbindung? Das wollten wir wissen und haben 60 Anlagen in zehn deutschen Städten getestet.

parkhaus
Erhielt im Test die Note sehr gut: Die P+R-Anlage Fröttmaning                                                                                                                                                                          ©ADAC

Das Ergebnis: Ganz leicht wird Autofahrern der Umstieg auf den ÖPNV nicht gemacht, dennoch ist das Gesamtbild positiv. Ein Drittel der getesteten P+R-Anlagen erhielt die Wertung gut oder sehr gut. Beste Anlage im Test war das gebührenpflichtige Parkhaus Österfeld in Stuttgart, dicht gefolgt von den Anlagen Messestadt Ost und Fröttmaning in München sowie Haus Borsigallee in Frankfurt. 16 Anlagen schnitten gut ab, 26 mit "ausreichend". Am unteren Ende der Skala kamen 13 Anlagen nicht über ein Mangelhaft hinaus. Testverlierer war die P+R-Anlage Plovdiver Straße in Leipzig mit dem Gesamturteil "sehr mangelhaft". Ladestationen für Elektrofahrzeuge sind generell noch Mangelware – nur sieben Anlagen boten diesen Service.

Gewinner: Parkhaus – Verlierer: Matschwiese 

Parkhäuser schnitten im Test insgesamt besser ab als Parkplätze. So gab es in den Parkhäusern der Anlagen Messestadt Ost in München und Österfeld in Stuttgart durchgängig Fußwege entlang der Fahrgassen und Farbkonzepte zur Orientierung. In München Ost und im Haus Borsigallee in Frankfurt gab es vor Ort Personal. In allen drei Anlagen war bereits an der Zufahrt ersichtlich, ob es freie Plätze gab, Österfeld nannte sogar die Zahl der verfügbaren Stellflächen. Wermutstropfen in Österfeld: Im dortigen Parkhaus waren die Stellplätze mit deutlich unter 2,50 Metern Breite viel zu schmal. 

Ganz anders präsentierte sich der Testverlierer Plovdiver Straße in Leipzig mit seinen zwei getrennten Parkplätzen. Einer davon war komplett unbefestigt, ohne jegliche Kennzeichnung von Parkflächen oder Fahrbahnen. Zum Testzeitpunkt machten Matsch und Pfützen Teile des Parkplatzes unbenutzbar. Der zweite Parkplatz war zwar gut befestigt und deutlich markiert, Glascontainer und herumliegende Scherben beeinträchtigten allerdings die Nutzung einiger Stellplätze. Darüber hinaus war die ÖPNV-Anbindung ans Zentrum schlecht. Pendler sind hier mit dem Auto schneller in der Innenstadt als mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

++
sehr gut
+
gut
o
ausreichend
-
mangelhaft
--
sehr mangelhaft

Mängel vor allem bei der Ausstattung der P+R-Anlagen

Auch andere P+R-Anlagen wiesen Mängel auf – die meisten davon waren fehlende Ausstattungsmerkmale: 

  • Videoüberwachung fanden die Tester kaum, auch Prognosen zur Belegung im Internet waren rar. 
  • Kein Parkplatz hatte durchgehende Fußwege und sichere Trennung zwischen Fußgängern und Autos. 
  • Bei einem Viertel waren nicht genug Stellplätze frei – Angebot und Nachfrage klafften auseinander. 
  • Negativ fiel zum Teil auch das ÖPNV-Angebot auf: Wer länger als 20 Minuten auf den nächsten Zug warten muss, steuert den P+R-Platz beim nächsten Mal womöglich nicht mehr an.

Am besten schnitten die Anlagen in der Kategorie Information und Preise ab. Zwei Drittel verfügten über klare Beschilderungen und informierten auf ihren Webseiten verständlich über Lage, Größe und Preise. Besonders positiv fielen die Stuttgarter und Münchner Betreiber auf: Sie veröffentlichten online Prognosen über freie Stellplätze, sodass Autofahrer vorab einschätzen können, wann es noch Parkplätze gibt. Einen cleveren Service bot die P+R-Anlage Bremen-Burg: Dort zeigte eine Anzeigetafel freie Stellplätze und die Abfahrtszeiten der nächsten beiden Züge. 

P+R-Anlagen: kostenfrei oder gebührenpflichtig? 

Insgesamt waren zwölf der 60 P+R-Anlagen im Test kostenpflichtig. Dazu zählten alle sechs Anlagen in München, vier Anlagen im Stuttgarter Raum und je eine in Frankfurt und Hannover – sie schnitten im Test insgesamt deutlich besser ab als die kostenfreien. Bei allen zwölf gab es Tages- und Monatstickets, bei elf auch Jahreskarten. In Köln waren vier von sechs Anlagen kostenlos, wenn man ein ÖPNV-Ticket zur Weiterfahrt vorweisen konnte. Eine Stellplatzgarantie gab es selbst für Dauerkarteninhaber nirgends. 

In der Kategorie Nutzerkomfort bescheinigten die Tester 19 P+R-Anlagen sehr gute und acht Anlagen gute Leistungen. Zehnmal gab es aber auch ein "Sehr mangelhaft" und dreimal ein "Mangelhaft". Grundlegend für Pendler ist, dass es genug freie Parkmöglichkeiten gibt. Wichtig sind zudem saubere, befestigte und markierte Stellplätze sowie klare Beschilderungen. Überdachte Parkschein- und Kassenautomaten schützen vor Wind und Wetter, sind aber noch nicht überall Standard. Auch Aufzüge sucht man in mancher mehrgeschossigen Anlage vergebens. 

Schneller und sicherer im Büro mit ÖPNV oder Auto? 

Im Berufsverkehr wollen Pendler nicht lange auf ihre Bahn warten. Die Taktung des ÖPNV wirkt sich deshalb wesentlich darauf aus, ob eine P+R-Anlage überhaupt angenommen wird. 24 Anlagen hatten gute oder sehr gute Bedingungen und bei 16 Anlagen waren diese zumindest ausreichend. Bei einem Drittel der Anlagen war die Anbindung (Reisezeitverhältnis, Taktung, Wege zum Bahnhof) ans öffentliche Verkehrsnetz mangelhaft oder sehr mangelhaft. 

Neben Taktung ist auch Sicherheit ein großes Thema

Die Tester prüften Beleuchtung, digitale oder persönliche Überwachung, erkennbare Trennung zwischen Stellplätzen und Fahrbahn und ob der Übergang vom Parkplatz zum Bahnhof sicher war. Die Stuttgarter P+R-Anlagen Österfeld und Leonberg wiesen in der Kategorie Sicherheit Spitzenwerte auf, während die Leipziger Anlage Lausen das Schlusslicht war. Insgesamt herrscht großer Nachholbedarf beim Thema Sicherheit: Die Tester vergaben 21-mal die Note "ausreichend", 19-mal "mangelhaft" und viermal "sehr mangelhaft". Nur 16 Anlagen waren gut oder sehr gut.

Voraussetzungen um Potenziale voll auszuschöpfen

  • P+R-Anlagen sind umso attraktiver, je besser sie an den ÖPNV angebunden sind. Hier sehen wir Optimierungsbedarf vor allem hinsichtlich des Taktes, der Fahrzeugkapazität und der Festlegung der Tarifgrenzen.
  • P+R-Anlagen müssen ausreichend bemessen sein. Die Verfügbarkeit von Parkplätzen lässt sich dadurch verbessern, dass durch eine Begrenzung der Parkdauer, durch die Erhebung von Parkgebühren oder durch die Kopplung der Nutzungsberechtigung mit einem ÖPNV-Fahrschein Dauerparker ferngehalten werden.
  • P+R sollte stets Baustein kommunaler Parkraumkonzepte sein und nach Möglichkeit auch das Umland mit einbeziehen.
  • Anlagen müssen befestigt sein, markierte Bereiche für das Parken und Gehen aufweisen und beleuchtet sein.
  • Für gut ausgelastete P+R-Anlagen am Stadtrand sollten höhere Nutzungsgebühren gelten als für Anlagen im weiter entfernten Umland. Dadurch lässt sich verhindern, dass Nutzer vielfach bis zum Stadtrand fahren. Gleichzeitig sollten die ÖPNV-Tarife so angepasst werden, dass durch das Anfahren entfernterer Anlagen keine größeren Tarifsprünge entstehen.
  • P+R-Anlagen sollten stets mit einer ausreichenden Zahl von sicheren und witterungsgeschützten Fahrradabstellplätzen (B+R) versehen werden. Damit wird verhindert, dass die P+R-Plätze von Autofahrern blockiert werden, die in der Nähe der Anlage wohnen.
  • Mit Blick auf einen steigenden Anteil an Elektrofahrzeugen sollten – auch staatlich geförderte – Lademöglichkeiten eingerichtet werden.

Unsere Empfehlungen

Empfehlungen für Autofahrer

  • Ausschließlich auf gekennzeichneten Flächen parken
  • Auch andere P+R-Anlagen und Stellplätze entlang der Pendlerstrecke nutzen
  • P+R-Anlagen mit hoher Auslastung nur zur Weiterfahrt mit dem ÖPNV nutzen
  • Prüfen, ob die ÖPNV-Haltestelle an der P+R-Anlage anstatt mit dem Pkw auch zu Fuß oder per Rad bequem erreicht werden kann – so können mehr weiter entfernt Wohnende die Anlage nutzen und auch auf den ÖPNV umsteigen
  • Über Fahrgemeinschaften nachdenken: Sie helfen Geld sparen und die knappen P+R-Plätze effizienter zu nutzen
  • Prüfen, ob P+R-Nutzung Reisezeit- und/oder Kostenvorteile gegenüber der Fahrt mit dem eigenen Pkw bietet

Empfehlungen für Betreiber

  • Im Internet Informationen über P+R-Anlage anbieten
  • Gesamte P+R-Anlage befestigen, regelmäßig pflegen und säubern – auch provisorisch angelegte Stellplätze
  • Parkplätze mindestens 2,50 Meter breit gestalten, damit Nutzer problemlos ein- und aussteigen können
  • Fußwege kurz halten und sicher von der Fahrbahn trennen, Stellplätze deutlich sichtbar kennzeichnen und verblichene Markierungen regelmäßig nachziehen
  • Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge bereitstellen
  • In Parkhäusern durch Video-Überwachung, gute Einsehbarkeit, funktionierende Notrufe und eine umfassende Beleuchtung für mehr Sicherheit sorgen
  • P+R-Anlagen bei hoher Auslastung bewirtschaften (Nutzungsgebühren, Parkdauerbeschränkung), um Fehlbelegung zu vermeiden

Empfehlungen für Kommunen & ÖPNV

  • Bereits bei der Erschließung von Flächen für P+R-Anlagen großräumig und regional planen
  • Wo der Bedarf besonders groß ist und Platzreserven vorhanden sind, mehr P+R-Stellplätze schaffen – möglicherweise auch durch Errichten von Parkdecks
  • Für eine gute ÖPNV-Anbindung an die Innenstadt mit kurzen Takten sorgen
  • Größere Tarifsprünge vermeiden, ggf. ausgewählte P+R-Anlagen in günstigere Tarifgruppen integrieren
  • Bike+Ride- und P+R-Anlagen kombinieren, um zu ermöglichen, dass Bewohner aus der nahen Umgebung die Anlage nicht mit dem Auto, sondern mit dem Fahrrad anfahren

Empfehlungen für Arbeitgeber

  • Funktionierende Modelle für Home-Office und flexible Arbeitszeiten anbieten
  • Anreize schaffen, damit Arbeitnehmer nicht mit dem eigenen Auto zur Arbeit zu fahren, zum Beispiel mit Jobtickets, Fahrgemeinschaften, Fahrradstellflächen oder Pedelec-Leasing

Methodik

Die Tester waren in Berlin, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hannover, Köln, Leipzig,  Nürnberg, München und Stuttgart unterwegs. Dort untersuchten sie je sechs am Stadtrand gelegene P+R-Anlagen mit jeweils mehr als 200 Stellplätzen und direkter Anbindung an den öffentlichen Schienenverkehr. 

Die ausgewählten Anlagen hatten unterschiedliche Ausprägungen: Mal fanden die Tester offene Parkplätze vor, mal Parkhäuser und in einem Fall  auch eine Tiefgarage. Wo eine Kombination der verschiedenen Modelle angeboten wurde, überprüften die ADAC Experten jede Teilanlage einzeln und fassten die Einzelergebnisse dann zu einer Gesamtbewertung der ganzen Anlage zusammen. Richtschnur für den Test war das Vorgehen eines Autofahrers, der sich vorab informiert, vor Ort in den Parkbereich einfährt, seinen Wagen abstellt, zur Haltestelle läuft und dort eine Bahn zu seinem Ziel in der Innenstadt nimmt.

Zweigeteilte Erhebung: vor Ort und im Netz

Die Tests wurden von eigens geschulten Experten anhand von einheitlichen Checklisten direkt vor Ort durchgeführt. Sie fanden jeweils unter der Woche jeweils zwischen 8 Uhr und 17 Uhr statt. Sämtliche Tests wurden zwischen dem 14. und 30. Januar 2019 durchgeführt. Zusätzlich erhoben die Tester auf den Webseiten der Betreiber, der Städte und der örtlichen Verkehrsverbünde zum Beispiel Taktfrequenzen des ÖPNV, Informationen zur aktuellen Auslastung oder Angaben zu Parkgebühren. Die Tests führte die Berliner LK Argus GmbH im  Auftrag des ADAC durch. Die LK Argus ist ein überregional tätiges Ingenieur- und Planungsbüro, das sich mit allen Facetten der Straßenverkehrsplanung beschäftigt.

Information, Sicherheit, Kosten und Taktung der Züge

Die einzelnen Prüfkriterien der Checkliste waren in die vier Hauptkategorien „Information und Preise“ (10 Prozent), „Nutzerkomfort“ (30 Prozent), „Sicherheit“ (30 Prozent) und „ÖPNVAngebot“ (30 Prozent) unterteilt. Innerhalb dieser Hauptkategorien waren die Prüfkriterien wiederum in Themenbereichen angeordnet. Zum Beispiel Beschilderung der Anlagen, Preise für Parktickets, Bezahlmöglichkeiten, freie Stellplätze, Überdachungen, Sauberkeit, kurze Wege, Beleuchtung, Videoüberwachung, am Ort stationiertes Personal oder Taktung der Züge. Für jedes einzelne Prüfkriterium gab es Punkte, deren Summe am Ende das Gesamturteil ergab.  Die Ergebnisse des Tests drücken sich in den ADAC-Urteilen sehr gut, gut, ausreichend für den positiven, mangelhaft und sehr mangelhaft für den negativen Bereich aus. Für ein positives Resultat benötigten die P+R-Anlagen mindestens 70 Prozent der möglichen Punkte.

 

Bike and Ride Anlagen im Test

Text: Katharina Luca, Bettina Dommnich

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de