Kosten für Gepäck, Sitzplatz und Co. beim Fliegen

23.5.2019

Die Nebenkosten, die bei der Online-Buchung von günstigen Flügen für Posten wie Gepäck oder Sitzplatzreservierung entstehen, werden immer mehr. Wir haben sie untersucht und festgestellt: Es gibt große Unterschiede und es kann teuer werden. Worauf Sie achten sollten und wie Sie sparen können.

Frau steht am Flughafen und beobachtet Flugzeug
Wer günstig in den Urlaub fliegen will, sollte bereits bei der Flugbuchung ein paar Punkte beachten ©Fotolia/Matej Kastelic

Flugtickets zum Schnäppchenpreis finden sich viele im Internet. Doch leider trügt der Schein hier häufig, denn fast immer kommen bei der Buchung günstiger Tickets Kosten hinzu, die den Endpreis deutlich steigen lassen. Das zeigt unser Flugnebenkostenvergleich 2019.

Dafür haben unsere Experten diejenigen Airlines ausgewählt, die von den von Urlaubern am häufigsten genutzten deutschen Flughäfen zu den beliebtesten Urlaubszielen in Italien, Spanien, Griechenland und der Türkei fliegen. Die Flüge sollten nicht länger als 3 Stunden dauern und direkt gehen. Anschließend verglichen unsere Experten Preise und Regelungen der 12 ermittelten Airlines.

Die Gesamtkosten für die Flüge variierten stark. Sie waren abhängig von Ziel und Buchungszeitpunkt, aber vor allem auch von den Nebenkosten wie Sitzplatzreservierungen und Gepäck.

Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick

  • Im Schnitt kam zum Flugpreis noch rund ein Drittel des Preises an Zusatzkosten dazu
  • In jeder Kostenkategorie gab es erhebliche Preisunterschiede
  • Der nächsthöhere Tarif mit mehr inkludierten Leistungen war in 4 der 12 untersuchten Fälle günstiger als der preiswerteste Tarif plus Zusatzkosten
  • Keine Airline hatte durchgehend hohe oder niedrige Flugnebenkosten
  • Der Buchungsvorgang unterschied sich von Website zu Website und war nicht immer verbraucherfreundlich
  • Babys kosteten bis zu einem Drittel des Erwachsenenpreises, durchschnittlich 17 Prozent
  • Für ein fünfjähriges Kind war bei zwei Dritteln der Fluggesellschaften der Erwachsenenpreis fällig, bei einem Drittel ca. 80 Prozent davon

 

Alle Einzelergebnisse finden Sie hier

Vergleich der Kosten für eine Sitzplatzreservierung

Die günstigsten Reservierungen boten die Airlines Vueling mit 3,99 Euro und Ryanair sowie deren Tochtergesellschaft Laudamotion mit 4 Euro, die teuerste kostete mit 12,99 Euro bei Condor gut dreimal so viel. Bei Aegean waren Standardsitzplätze erst 48 Stunden vor Abflug reservierbar (kostenlos). Vor diesem Zeitpunkt konnten die Kunden nur besondere, kostenpflichtige Sitzplätze buchen, etwa solche mit extra Beinfreiheit.

Vergleich der Kosten für Aufgabegepäck

Einen 20 Kilogramm schweren Koffer mit auf die Reise zu nehmen, kostete bei unserem Vergleich bis zu 34,77 Euro extra (Easyjet). Nur bei Sunexpress war das kostenlos. Wer Sperrgepäck aufgeben wollte – in unserem Fall ein Surfbrett unter 2 Metern Länge – musste zwischen 40 Euro (Pegasus, Sunexpress) und 80 Euro (Lufthansa) berappen. Nicht besonders verbraucherfreundlich: Bei Pegasus und Lufthansa konnte das Brett nicht direkt online hinzugebucht werden. Bei Pegasus war dafür ein Anruf im Callcenter erforderlich, bei Lufthansa muss Sportausrüstung ebenfalls im Servicecenter angemeldet werden, da die Kontingente dafür begrenzt sind.

Vergleich der Vorgaben für Handgepäck

Die Regelungen für Handgepäck unterschieden sich ebenfalls erheblich. Bei Tuifly und Condor durfte es maximal 6 Kilo wiegen, bei Aegean, Pegasus, Sunexpress, Lufthansa und Eurowings 8, bei Vueling und Norwegian 10. Bei Easyjet und Ryanair/Laudamotion gab es keine Gewichtsbegrenzung, allerdings durfte bei Ryanair/Laudamotion das Gepäckstück nicht größer als 40 x 20 x 25 Zentimeter sein – das ist etwa die Größe eines Schuhkartons. Ein weiteres, bis zu 10 Kilo schweres Gepäckstück mit an Bord zu nehmen kostete hier 10 Euro. Bei allen anderen Airlines durften Gepäckstücke von einer Maximalgröße zwischen 55 x 40 x 20 und 56 x 45 x 25 Zentimetern mit in die Kabine.

Kostenfreie Zahlungsmethoden

Seit Januar 2018 gilt in Deutschland die EU-Richtlinie zum Surcharging-Verbot für die gängigsten Zahlungsmittel. Alle untersuchten Fluggesellschaften boten daher kostenfreie Zahlung mit einer gängigen Kreditkarte (Mastercard, Visa) an. Andere Zahlungsarten wie SEPA-Überweisung, Lastschriftverfahren oder Rechnung waren ebenfalls kostenlos möglich.

Tipps für Verbraucher: Das sollten Sie beachten

  • Buchen Sie frühzeitig, denn in der Regel steigen die Preise des Fluges, je näher der Abflugtermin rückt
  • Prüfen Sie vor der Buchung, ob der nächsthöhere Tarif billiger ist als der günstigste Tarif plus Einzelpositionen
  • Prüfen Sie bei Reisen mit der Familie, ob es einen Familientarif gibt
  • Buchen Sie Koffer direkt online dazu, denn das Einchecken am Schalter vor dem Abflug ist immer teurer
  • Achten Sie bei der Reservierung des Sitzplatzes auf die verschiedenen Preiskategorien einzelner Sitzpositionen
  • Überprüfen Sie die Buchung genau und achten Sie auf Hinweise auf den Buchungsseiten oder den Informationsseiten der Fluggesellschaft
  • Halten Sie die vorgeschriebenen Maße und das Gewicht von Handgepäck und Koffern genau ein

Methodik: So haben wir die Daten erhoben

Für unseren Preisvergleich führte die Aproxima Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung Weimar in unserem Auftrag eine Desk-Research-Studie durch. Die Experten ermittelten die beliebtesten in zwei bis drei Stunden zu erreichenden Urlaubs-Flugziele der Deutschen (Palma de Mallorca, Antalya, Thessaloniki, Catania) sowie die deutschen Flughäfen mit den meisten Fluggesellschaften, die diese anfliegen (München und Berlin). 

Anschließend untersuchten sie die Kosten für die preisgünstigsten Hin- und Rückflüge zu diesen Zielen über Ostern zwischen dem 18. und 24. April 2019 bei zwölf Airlines (Aegean Airlines, Condor, Easyjet, Eurowings, Lufthansa, Laudamotion, Norwegian, Pegasus Airlines, Ryanair, Sunexpress, Tuifly und Vueling). 

Dazu durchliefen die Experten zwischen dem 14. und 22. Januar und am 26. und 27. Februar 2019 zwischen 9 und 17 Uhr den Buchungsprozess für einen Hin- und Rückflug auf den Websites der Fluggesellschaften bis kurz vor die kostenpflichtige Buchung. Für jede Airline wurden also vier Preisrecherchen durchgeführt. 

Die fiktiven Fluggäste waren ein Einzelreisender mit einem 20 Kilo schweren Koffer, einem Handgepäck und einem Surfbrett unter zwei Metern Länge sowie ein Paar mit einem fünf Jahre alten Kind und einem acht Monate alten Baby, drei Koffern mit je 20 Kilo Gewicht, einem Klappkinderwagen und drei Handgepäckstücken. Alle Fluggäste reservierten Standardsitzplätze und schlossen zudem eine Reiserücktrittsversicherung ab.

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