31 Kindersitze im Test: Hier sitzt Ihr Kind sicher

21.5.19

Im aktuellen Test wurden 31 verschiedene Kindersitze auf Sicherheit, Bedienung, Ergonomie und Schadstoffgehalt geprüft. Vier der getesteten Kindersitze sind optional mit Alarmsystem erhältlich, das verhindern soll, dass Kinder im Auto vergessen werden. Alle Tops und Flops des Tests sowie nützliche Tipps von unseren Sicherheitsprofis für Eltern finden Sie hier.

Kindersitztest
Die Testmodelle sind bereit zur Handhabungsprüfung.
  • 23 Modelle sind "gut", ein Modell ist "sehr gut"
  • Ein Modell versagt beim Frontalaufpralltest, eines wegen hoher Schadstoffwerte
  • Alarmsysteme überzeugen nicht

 

Die Ergebnisse

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 Hersteller/Modell  Preis  Isofix  Note
 bis ca. 1 Jahr      
 Maxi-Cosi Jade + 3wayFix  420 €                    ja  1,5
 Maxi-Cosi Pebble Pro i-Size   230 €  nein  1,7
 Maxi-Cosi Pebble Pro i-Size + 3wayFix   430 €  ja  1,8    
 Maxi-Cosi Pebble Pro i-Size + FamilyFix One  410 €  ja   1,8
 Inglesina Darwin i-Size   199 €  nein  2,0 
 Inglesina Darwin i-Size + Darwin i-Size Base  400 €  ja  2,3
 bis ca. 1,5 Jahre      
 Peg Perego Primo Viaggio i-Size + i-Size Base  370 €  ja  1,6
 Cybex Cloud Z i-Size  260 €  nein  1,7
 Cybex Cloud Z i-Size + Base Z  460 €  ja  1,8
 Avionaut Pixel  219 €  nein  2,0
 Avionaut Pixel + IQ base  400 €  ja  2,1
 Baby Jogger City Go i-Size + i-Size base  455 €  ja  2,3
 Nania Beone SP  50 €  nein  2,3
 Baby Jogger City Go i-Size  275 €  nein  2,4
 Chicco Oasys i-Size Bebecare + i-Size Base  400 €  ja  5,5
 bis ca. 4 Jahre      
 Cybex Sirona Z R i-Size + Base Z  520 €  ja  1,9
 Cybex Sirona Z i-Size + Base Z  520 €  ja  2,1
 Nuna Norr  450 €  ja  2,2
 Nachfolger Hy5.1 TT  350 €   nein  2,7
 Heyner Multifix Twist  350 €  ja  3,1
 bis ca. 12 Jahre      
 Apramo All Stage  430 €  ja  3,8
 ca. 1 bis 4 Jahre      
 Besafe iZi Modular RF i-Size + iZi Modular Base  570 €  ja  2,0
 Maxi-Cosi Pearl Pro i-Size + 3wayFix  450 €  ja  2,3
 Peg Perego Viaggio FF105 + i-Size Base  350 €  ja  2,5
 Maxi-Cosi TobiFix  230 €  ja  4,6
 ca. 1 bis 7 Jahre      
 Britax Römer Max-Way Plus  350 €  nein  3,6
 ca. 1 bis 12 Jahre       
 Britax Römer Advansafix IV R  300 €  ja  2,3
 Maxi-Cosi Titan Pro   300 €  ja  2,7   
 ca. 4 bis 12 Jahre      
 Britax Römer Kidfix III M  230 €  ja  1,7
 Britax Römer Adventure  80 €  nein  2,1
 Safety 1st Road Fix  120 €  ja  2,4

 

Notenschlüssel: 0,5 - 1,5: "sehr gut"; 1,6 - 2,5: "gut"; 2,6 - 3,5: "befriedigend"; 3,6 - 4,5: "ausreichend"; 4,6 - 5,5: "mangelhaft" 

Erfreulich: 27 Modelle übertreffen die gesetzlichen Vorschriften zum Teil deutlich und werden mit "befriedigend" oder besser bewertet. Es gab aber auch zwei Ausreißer, deren besonders schlechte Leistung abgestraft wurde.

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Crashtest mit dem Chicco Oasys i-Size
Beim Chicco Oasys i-Size reißt das Gurtschloss.

Die Testverlierer

Zwei Sitzmodelle werden in diesem Vergleichstest mit „mangelhaft“ bewertet. Beim Frontalaufpralltest mit dem „Oasys i-Size Bebecare“ von Chicco in Verbindung mit der Duofix i-Size Base reißt der Hosenträgergurt aus der Babyschale, und der Kinder-Dummy wird herausgeschleudert. Der Schutz beim Frontalaufprall wird daher mit „mangelhaft“ bewertet, das ADAC Urteil abgewertet.

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Maxi Cosi Tobifit
Der Maxi-Cosi TobiFix enthält Schadstoffe.

Der Bezugsstoff des „Maxi-Cosi TobiFix“ enthält das Flammschutzmittel TCPP. Da der Messwert den für Spielzeuge geltenden Grenzwert der Richtlinie 2014/79/EU überschreitet, wird sein Schadstoffgehalt mit "mangelhaft" bewertet. Dies führt zur Abwertung des ADAC Urteils.

Tipp Icon

Tipps zum Kindersitz-Kauf

  • Wichtig ist, mit Kind und Auto beim Fachhandel vorzufahren, um die zur Auswahl stehenden Modelle vor dem Kauf auszuprobieren.
  • Der Kindersitz muss sich möglichst stramm und standsicher im Fahrzeug einbauen lassen. Vor allem bei älteren Fahrzeugen können z.B. lange Gurtschlossbefestigungen dazu führen, dass sich der Sitz nicht stabil anschnallen lässt.
  • Achten Sie darauf, dass Gurte möglichst geradlinig verlaufen und keine Falten werfen.
  • Besonders bei Babyschalen sollte geprüft werden, ob die Gurtlänge im Fahrzeug ausreicht, um den Sitz sicher anschnallen zu können. Ist der Gurt zu kurz für eine herkömmliche Babyschale, lässt sich eventuell eine Schale mit separater Basis montieren.
  • Bei Sitzerhöhungen mit Rückenstütze kann es vorkommen, dass sich der Gurt nicht mehr selbstständig aufrollt, wenn sich das Kind nach vorne beugt. Probieren Sie dann ein anderes Modell aus.
  • Kindersitzmodelle mit semi-universaler Zulassung (z.B. alle Kindersitze mit Stützfuß) können nicht in allen Autos montiert werden. Diesen Produkten liegt eine Typliste bei, mit der man überprüfen kann, ob das Produkt im eigenen Fahrzeug verwendet werden darf.
  • Beachten Sie auch immer die Hinweise und Angaben in der Bedienungsanleitung des Kindersitzes und im Handbuch des Fahrzeugs

Der ADAC testet seit vielen Jahren neue und beliebte Kindersitzmodelle. In jüngster Zeit beobachen unsere Tester folgende Entwicklungen:

Trends bei Kindersitzen

"Mitwachsende" Sitze

Noch bis vor einigen Jahren nutzten Eltern für ihre Sprösslinge alters- und wachstumsbedingt typischerweise drei Kindersitze (1. Babyschale für gut ein Jahr, 2. integraler Kindersitz, z.B. mit Hosenträgergurt bis ca. 4 Jahre, 3. Sitzerhöhung, idealerweise mit Rückenstütze bis zum Ende der Kindersitzpflicht). Inzwischen kommen immer mehr Sitze in den Handel, die so konzipiert sind, dass sie deutlich länger verwendet werden können. Im aktuellen Test sind folgende „Allrounder“:

  • von der Geburt bis 4 Jahre: Cybex Sirona Z R i-Size + Base Z (gut), Cybex Sirona Z i-Size + Base Z (gut), Nuna Norr (gut), Nachfolger Hy5.1 TT (befriedigend), Heyner Multifix Twist (befriedigend)
  • nach der Babyschale bis zum Ende der Kindersitzpflicht: Britax Römer Advansafix IV R (gut), Maxi-Cosi Titan Pro (befriedigend)

Der Apramo All Stage kann sogar von der Geburt bis zum Ende der Kindersicherungspflicht (je nach Wachstum des Kindes bis 12 Jahre) genutzt werden.

Der Vorteil: Eltern sparen Geld, weil sie nicht alle paar Jahre wechseln müssen (wobei die mitwachsenden Sitze teilweise recht teuer sind). Es gibt aber auch einige Nachteile: Die Sitze sind oft schwerer. Das Kind mitsamt Sitz einfach mal so zum Auto zu tragen, ist nicht so einfach. Sie haben auch keine Tragebügel. Offen bleibt außerdem die Frage, wie ein Sitz nach 12 Jahren täglicher Nutzung aussieht, beziehungsweise ob er das überhaupt aushält. Die bisherigen Modelle sind meist sehr teuer (Apramo All Stage 430 Euro). Zu berücksichtigen ist auch, dass für Geschwisterkinder eventuell ein Doppelkauf nötig ist.

Produkt-Familien

Auf dem Vormarsch sind immer mehr Kombiprodukte eines Herstellers, bei der Sitz und Basis getrennt sind. Käufer erwerben eine Isofix-Station, auf der dann im Laufe der Jahre zwei oder drei Sitze desselben Herstellers montiert werden können. Im aktuellen Test: 

  • 3wayFix  von Maxi-Cosi für: Jade, Pebble Pro i-Size und Pearl Pro i-Size
  • Base Z von Cybex für: Cloud Z i-Size, Sirona Z R i-Size beziehungsweise Sirona Z i-Size
  • i-Size Base von Peg Perego für: Primo Viaggio i-Size und Peg Perego Viaggio FF105
  • iZi Modular Base von Besafe für: iZi Go Modular i-Size (im Test 2016) und iZi Modular RF i-Size
 

Die Eltern sparen Geld bei der Isofix-Station. Durch die Trennung von Sitz und Basis sind die Einzelteile etwas leichter und weniger sperrig. Wer sich dafür entscheidet, muss sich bewusst sein, dass er sich auf einen Hersteller festlegt. Und bei mehreren Kindern muss man eventuell doch noch weitere Isofix-Stationen erwerben.

Drehbare oder umsteckbare Schalen

Dem Wunsch nach mehr Komfort vor und während der Autofahrt – sowohl für Eltern als auch Kinder –wird ebenfalls mehr Rechnung getragen. Daher nimmt auch das Angebot an drehbaren oder umsteckbaren Schalen zu. Diese erlauben eine rückwärtsgerichtete Nutzung nach der Babyschale, die in nach UN ECE Reg. 129 zugelassenen Sitzen bis 15 Monate gesetzlich vorgeschrieben ist. Bis ca. 2 Jahre ist das ein Sicherheitsgewinn, die anschließende Nutzung in Fahrtrichtung bietet dem Sprössling mehr Platz. Drehbare Schalen erleichtern das Hineinsetzen und Anschnallen von kleinen Kindern.

Sitze werden teurer

Eltern müssen immer mehr hinblättern. Der Großteil der aktuell getesteten Modelle ist nicht unter 200 Euro erhältlich. Das teuerste kostet sogar 500 Euro! Dass aber Preis und Qualität nicht zwingend zusammenhängen müssen, zeigt der im Test durchgefallene Chicco Oasys i-Size Bebecare, der mit 400 Euro zu den teureren Modellen in seiner Klasse zählt. Gleichzeitig gibt es Kandidaten, die für unter 100 Euro zu haben sind und dabei von unseren Testern gute ADAC Urteile erhalten wie der Nania Beone SP oder der Britax Römer Adventure.

Kindersitze mit Alarmsystem

Voraussichtlich im Frühjahr 2020 tritt in Italien eine neue Vorschrift in Kraft, die verhindern soll, dass Kinder allein im geparkten Auto zurückbleiben und zum Beispiel aufgrund der Sonneneinstrahlung überhitzen. Es dürfen dann für Kinder bis zum Alter von vier Jahren nur noch Kindersitze verwendet werden, die mit einem Alarmsystem ausgestattet sind, das anspricht, wenn sich der Fahrzeugführer entfernt und den Sprössling im Auto zurücklässt.

Allerdings gilt die Pflicht der Verwendung von Kindersitzen mit Alarmsignal nur für in Italien zugelassene Fahrzeuge. Nur ausnahmsweise müssen im Ausland zugelassene Fahrzeuge mit den speziellen Sitzen ausgestattet sein: Dies ist der Fall, wenn der Fahrzeugführer seinen Wohnsitz in Italien hat

Dass schon 15 Minuten bei praller Sonne im geschlossenen Auto für Babys und Kleinkinder lebensgefährlich sein können, zeigt unsere Grafik. Deshalb kommen derzeit einige Alarmsysteme in den Handel, die es ermöglichen, die Kindersitzbelegung zu überwachen. Vier der 31 Kindersitzmodelle aus dem aktuellen Test sind mit optionalen Sensoren erhältlich, die erkennen, wenn ein Kind im Sitz sitzt (Chicco Oasys i-Size Bebecare) beziehungsweise im Sitz angeschnallt ist (Cybex Cloud Z i-Size mit Sensor Safe, Cybex Sirona Z i-Size mit Sensor Safe und Cybex Sirona Z R i-Size mit Sensor Safe).

Die Alarmsysteme werden jeweils über Bluetooth mit einem Mobiltelefon verbunden und funktionieren nur, wenn die zugehörige App installiert und sie mit dem Mobiltelefon gekoppelt sind. Sie warnen dann, wenn sich der Fahrer aus der Reichweite des Bluetooth-Signals entfernt, und können über das Mobiltelefon auch eine Warnmeldung an Dritte (in der App zu hinterlegende Kontakte) schicken. 

Die Erkenntnis aus unserem Kurzcheck: Die Alarmsysteme können nicht restlos überzeugen.

Die Nachteile

  • Zur Installation der Apps müssen umfangreiche Berechtigungen erteilt werden
  • Teilweise fehlt eine klare Rückmeldung zum Systemstatus
  • Sie sind nicht nachrüstbar, sie können jeweils nur gemeinsam mit einem neuen Sitz gekauft werden

Unsere Experten befürchten zudem, Eltern könnten sich zu sehr auf das Alarmsystem verlassen.
Übrigens: Im Handel gibt es inzwischen auch Nachrüstsysteme, die den Vorteil haben, dass bereits vorhandene Kindersitze weiterhin genutzt werden können. Aber die Frage bleibt offen, ab wann eine Nachrüstlösung eine unzulässige Veränderung am Kindersitz darstellt, und deshalb die Zulassung eines Kindersitzes (nach UN ECE Reg. 44 beziehungsweise 129) beeinträchtigt beziehungsweise erlöschen lässt.

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Unser Appell: Kinder niemals allein im Auto lassen

Ob mit oder ohne Alarmsystem gilt: Kinder niemals allein im Auto lassen! Auch nicht nur für kurze Stopps und auch dann nicht, wenn das Auto im Schatten geparkt wurde. Denn durch den sich ändernden Sonnenstand kann es schnell in der prallen Sonne stehen. Kleine Kinder können die Wärme schlechter ausgleichen, weil sie eine recht geringe Körperoberfläche im Vergleich zu ihrem Körpervolumen haben. Es kann zum Hitzestau kommen. Das ist lebensgefährlich!