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Der ADAC

Vergleichstest: Ford Fiesta oder VW Polo?

Ford Fiesta und VW Polo nebeneinander stehend
Kleinwagen im Vergleich: VW Polo oder Ford Fiesta? ∙ © ADAC/Test und Technik

Ford Fiesta und VW Polo gehören zu den meistverkauften Kleinwagen in Deutschland. Doch welcher ist besser? Der ADAC hat verglichen. Alle Messwerte, Verbrauch, Testergebnisse.

Kleinwagen sind schon längst keine reinen Stadtautos mehr. Über die Jahre wurden sie immer größer und sind in jeder Hinsicht gereift. Ob bei Platzangebot, Sicherheit, Ausstattung oder Fahrleistungen – Kleinwagen stehen größeren Fahrzeugen in nichts mehr nach.

Ford Fiesta und VW Polo gelten als gute Beispiele, sie können problemlos als Erstautos zum Einsatz kommen. Im ADAC Test treten die Kleinwagen mit mittlerer Ausstattung und Dreizylinder-Turbomotoren mit Leistungen um 100 PS an.

Hier kommen die Einzelheiten in den ADAC Testkategorien:

Karosserie / Kofferraum

Bei der Verarbeitung liegen Fiesta und Polo auf ähnlichem Niveau mit leichten Vorteilen bei Spaltmaßen und Passgenauigkeit für den VW. Die Materialien im Innenraum sind in beiden Fällen recht einfach gehalten, auch wenn sich Ford etwas mehr bemüht und die Oberseite des Armaturenbretts geschäumt hat.

Der Fiesta ist alltagstauglicher, was am größeren Tank und der damit verbundenen größeren Reichweite sowie an der höheren Zuladung liegt. In den Fiesta dürfen nach ADAC Messungen 500 kg eingeladen werden (Polo 470) – üppig für einen Kleinwagen. Die Rundumsicht ist ebenfalls etwas besser als im Polo.

Der Ein- und Ausstieg gelingt hier wie dort in der ersten Reihe unproblematisch, im Fond dürfte die Rückbank des Polo etwas höher positioniert sein. Beim Kofferraumvolumen punktet der Polo. Nach ADAC Messung schluckt er standardmäßig 25 Liter mehr als der Kofferraum des Fiesta; bei umgeklappter Rückbank sogar 115 Liter mehr als im Fiesta, bei dem die Kofferraumklappe nicht sonderlich weit nach oben öffnet. Taschenhaken und kleinere Staufächer gibt es in beiden Autos, aber jeweils nur eine Lichtquelle zur Ausleuchtung des Kofferraums.

Nachholbedarf bei den serienmäßigen Halogenlichtern beider Testwagen: Die des Fiesta strahlen nicht sehr hell und das Licht des Polo verteilt sich nicht ideal.

Innenraum

Die Gestaltung aufgeräumter und leicht bedienbarer Armaturenbretter ist seit vielen Jahren eine Domäne von Volkswagen. Das wird auch in diesem Vergleich deutlich. Alle Grundfunktionen lassen sich leicht bedienen. Doch Ford hat aufgeholt, und so steht der Fiesta dem Polo in nichts nach.

Auch im Bereich Multimedia sind die Kontrahenten ähnlich gut aufgestellt. Es gibt jeweils die Anbindungsmöglichkeit für Android-und Apple-Smartphones, DAB-Tuner, CD-Laufwerk, AUX- und USB-Anschlüsse sowie Echtzeit-Verkehrsdaten. Das meiste allerdings gegen Aufpreis. Serienmäßig bietet der Fiesta etwas mehr als der Polo.

Der Polo hat dafür mehr Platz, besonders in der zweiten Reihe. Beim direkten Umstieg in den Fiesta fällt hauptsächlich die geringere Beinfreiheit auf. Vorne steht jedoch in beiden Autos viel Platz – auch für große Personen – zur Verfügung. Die Anzahl an Ablagen ist in beiden Fahrzeugen überschaubar, im Polo vermisst man zudem eine Beleuchtung im Handschuhfach.

Komfort

In Sachen Komfort liegen die Bewertungen nah aneinander. Die Federung ist im Fiesta etwas straffer ausgelegt als im Polo. Beide Fahrwerke bieten aber genügend Komfort und sind somit auch für lange Strecken geeignet. Die Sitze sind in beiden Fahrzeugen gut gepolstert, der Seitenhalt könnte aber besser ausfallen. Hinten sitzt es sich im Polo etwas bequemer, da die Rückbank besser ausgeformt ist.

Bei 130 km/h fährt der Fiesta mit gemessenen 67,8 dB (A) zwar etwas leiser als der Polo, bei niedrigen Drehzahlen wirkt der Ford-Motor aber wesentlich brummiger als der des VW. Während beim VW Fahrer und Beifahrer in der getesteten Ausstattungslinie die Temperatur getrennt regeln können, gibt es im Fiesta nur eine Klimazone. Die im Fiesta verbaute Frontscheibenheizung zeigt zwar gute Wirkung, kann aber bei ungünstigem Lichteinfall störende Reflexionen verursachen.

Motor / Antrieb

Beide Testwagen werden von Dreizylinder-Turbobenzinern mit einem Liter Hubraum (95 und 100 PS) und angetrieben. Seine fünf PS mehr Leistung kann der VW aber nicht in merkbar bessere Fahrleistungen umsetzen. Vielmehr stört bei ihm das verhältnismäßig schlechte Ansprechverhalten im unteren Drehzahlbereich. In Summe bieten aber beide Motoren für die Fahrzeuge passende Antriebseinheiten mit ausreichenden Fahrleistungen.

Die Getriebe lassen sich in den zwei Fahrzeugen präzise und leichtgängig schalten. Dass der Polo nur fünf statt sechs Gänge (wie der Ford) hat, stört im Alltag nicht. Eher schon die schwer dosierbare Kupplung, die das Losfahren in Kombination mit der Anfahrschwäche des Motors erschwert. Dies ist der ausschlaggebende Punkt, warum der Fiesta beim Antrieb besser abschneidet als der Polo.

Fahreigenschaften

Ford-Entwickler sind echte Fahrwerksprofis. Das zeigt sich auch am Fiesta, dessen Fahrwerk alle Situationen ausgewogen meistert und stets ein gutes Sicherheitsgefühl vermittelt. So auch im ADAC Ausweichtest, den der Kölner sicher, gut kontrollierbar und merklich souveräner als der Polo durchfährt. Der VW drängt dabei mit dem Heck nach außen und das ESP hat jede Menge Arbeit, um den Kleinwagen auf Kurs zu halten.

Anzukreiden ist dem Fiesta nur die zu geringe Rückstellkraft der Lenkung bei höherem Tempo. Hier gefällt die geschwindigkeitsabhängige Servounterstützung im VW besser, zumal sie mehr Rückmeldung vermittelt und spontaner anspricht.

Einen Fauxpas leistet sich der Polo aber: Ein Bremsweg von durchschnittlich 37,6 Metern aus 100 km/h ist heutzutage auch bei einem Kleinwagen zu viel. Der des Fiesta ist 2,8 Meter kürzer. Kapitelsieg ganz klar für den Fiesta.

Sicherheit

Aktive Sicherheit wird im Polo groß geschrieben. So hat er eine Abstands- und Kollisionswarnung sowie ein vorausschauendes Notbremssystem, das sogar Fußgänger erkennt, serienmäßig an Bord. Beim Fiesta sind diese Systeme nur gegen Aufpreis zu haben.

Im ADAC Crashtest nach Euro NCAP Norm erreicht der Fiesta gute 87 Prozent der möglichen Punkte. Noch besser: Der VW Polo, der mit 96 Prozent ein hervorragendes Sicherheitspotenzial bietet. Die Kopfstützen sind in beiden Fahrzeugen so weit einstellbar, dass sie selbst relativ große Personen schützen.

Bei der Kindersicherheit holt sich der Polo mit 85 Prozent der möglichen Punkte einen mehr als der Fiesta. Das Befestigen von Kindersitzen geht auf der Rückbank des VW deutlich einfacher von statten als bei seinem Kontrahenten. Der Mittelplatz ist aber in beiden Autos nicht für eine Kindersitzmontage geeignet.

Deutliche Schwächen zeigt der Fiesta beim Fußgängerschutz. Er kann hier nur 64 Prozent der möglichen Punkte erreichen, weil die äußeren Flächen der Motorhaube sowie die A-Säulen zu wenig nachgeben. Der Polo macht das besser und holt 12 Prozentpunkte mehr, auch wenn seine A-Säulen ebenfalls zu hart ausgeführt sind. Der serienmäßige Notbremsassistent bringt dem Polo aber zusätzliche Punkte.

Umwelt / Ecotest

Beim Verbrauch liegen die beiden Kleinwagen auf dem gleichen Niveau. Im ADAC Ecotest reichen den Dreizylinder-Turbomotoren jeweils 5,4 Liter pro 100 km. Ein respektabler Wert.

Auch bei den Schadstoffen ergibt sich ein sehr ähnliches und insgesamt gutes Bild – nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch bei den Messungen des ADAC auf der Straße. Im Alltag sind die Abgase erfreulich sauber. Lediglich der Partikelausstoß ist im Autobahnteil leicht erhöht. Resultat: gute vier Sterne im ADAC Ecotest für Fiesta und Polo.

Autokosten

Zwar sind Grundpreise von knapp 19.000 Euro für den Fiesta in der getesteten Ausstattung respektive 17.200 Euro für den Polo nicht wenig Geld für einen Kleinwagen. Dafür bekommt man aber gut ausgestattete Autos, die auch als Erstwagen in Frage kommen.

Niedrige Steuern und angenehm günstigen Beiträge für die Versicherungen runden die Kostenbilanz erfreulich ab. Am Ende kann der in der getesteten Ausstattung günstigere Polo etwas überraschend an seinem Widersacher vorbeiziehen.

Fazit: Der VW Polo gewinnt

Der VW gewinnt diesen Vergleichstest, da er in Summe das etwas bessere Auto ist. Vor allem die großzügigeren Platzverhältnisse und die bessere Sicherheit bringen ihn nach vorn. Zudem ist er sogar etwas günstiger im Unterhalt.

Kaum schlechter schneidet im Vergleich der Ford Fiesta ab. Punkten kann er vor allem mit seinen agilen und sicheren Fahreigenschaften.

Technische Daten

HerstellerangabenFord Fiesta 1.0 EcoBoost TitaniumVW Polo 1.0 TSI Comfortline

Motor/Antrieb

Dreizylinder-Turbobenziner, 998 cm³, 74 kW/100 PS, 170 Nm bei 1400 U/min

Dreizylinder-Turbobenziner, 999 cm³, 70 kW/95 PS, 175 Nm bei 2000 U/min

Fahrleistungen

10,5 s auf 100 km/h, 183 km/h Spitze

10,8 s auf 100 km/h, 187 km/h Spitze

Verbrauch (NEFZ)

4,3 l Super/100 km, 97 g CO₂/km

4,4 l Super/100 km, 101 g CO₂/km

Maße

L 4,04 / B 1,74 / H 1,48 m

L 4,05 / B 1,75 / H 1,45 m

Kofferraum

292 – 1093 l

351 – 1125 l

Leergewicht / Zuladung

1164 / 486 kg

1145 / 495 kg

Anhängelast (ungebremst / gebremst)

1000 / 580 kg

1000 / 570 kg

Garantie

2 Jahre

2 Jahre

Preis

18.950 €

17.200 €

Test von 2018. Motoren, Abgasverhalten, Verbrauch und Preise haben sich in der Zwischenzeit verändert.

ADAC Messwerte

AuszugFord Fiesta 1.0 EcoBoost TitaniumVW Polo 1.0 TSI Comfortline

Überholvorgang 60-100 km/h

6,6 s

6,4 s

Bremsweg aus 100 km/h

34,8 m

37,6 m

Wendekreis

10,8 m

10,7 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

5,4 l Super/100 km, 147 g CO₂/km (Well-to-wheel)

5,4 l Super/100 km, 148 g CO₂/km (Well-to-wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

****

Reichweite

775 km

740 km

Innengeräusch bei 130 km/h

67,8 dB (A)

68,4 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

1170 / 500 kg

1140 / 470 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

225 / 545 / 940 l

250 / 635 / 1055 l

ADAC Testergebnis

Ford Fiesta 1.0 EcoBoost TitaniumVW Polo 1.0 TSI Comfortline

Karosserie/Kofferraum

3,0

3,0

Innenraum

2,7

2,4

Komfort

3,2

3,0

Motor/Antrieb

2,6

2,8

Fahreigenschaften

2,4

2,8

Sicherheit

2,5

2,0

Umwelt/Ecotest

2,5

2,4

Gesamtnote

2,7

2,5

Autokosten

1,2

1,0

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppel gewertet; Die Autokosten-Note geht nicht in die Gesamtnote ein, da sie nicht die Produkteingenschaften bewertet und stets variiert

ADAC Zielgruppencheck

Ford Fiesta 1.0 EcoBoost TitaniumVW Polo 1.0 TSI Comfortline

Familie

3,5

3,3

Stadtverkehr

2,8

2,8

Senioren

2,8

2,9

Langstrecke

2,9

2,9

Transport

3,6

3,3

Fahrspaß

2,9

2,9

Preis/Leistung

2,0

1,8

Text: Maximilian Bauer