Oldtimer und Sicherheit

10.2019

Weder Airbags noch Sicherheitsgurte: Oldtimer sind beim Thema Sicherheit mit aktuellen Modellen nicht vergleichbar. Doch Nachrüstungen können klassische Fahrzeuge sicherer machen.

Oldtimer fährt auf Landstraße
Oldtimer-Tour auf Traumstraßen: Dazu muss der Klassiker möglichst verkehrssicher sein
  • Unterwegs mit Oldtimern: Geringeres Unfallrisiko, aber höhere Verletzungsgefahr
  • Sicherheitsgurte und ein Bordnetzumbau auf 12 Volt erhöhen die Sicherheit
  • Der FIVA "Drivers Code" als Verhaltenskodex für Oldtimer-Fahrer

 

Ältere Automodelle sind zwangsläufig mehr oder weniger weit vom Sicherheitsstandard entfernt, den wir heute als selbstverständlich ansehen. Scheibenbremsen, Antiblockiersysteme, Airbags, elektronische Fahrstabilitätsregelungen, Sicherheitsgurte, Gurtstraffer, Kopfstützen und crashoptimierte Karosseriekonzepte sucht man meist vergebens. Welches Modell man auch betrachtet, etliche Jahrzehnte Automobil-Entwicklung sind nicht einfach wegzudiskutieren.

 

Weniger Unfälle, höhere Verletzungsgefahr

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Crashtest Oldtimer Käfer Baujahr 1983
Crashtests zeigen: Das Verletzungsrisiko ist etwa 30 Prozent höher

Entschärfend wirkt aber, dass Oldtimer-Fahrer eigentlich ideale Verkehrsteilnehmer sind: Die Fahrweise ist (überwiegend) deutlich defensiv, die zurückgelegten Kilometer pro Jahr sind meist gering, bei extrem ungünstigen Wetter- und Verkehrsverhältnissen dürfen die Fahrzeuge in der Garage bleiben. 

Der Oldtimer als Unfallverursacher ist eine absolute Rarität: Die Ergebnisse aus der Unfallforschung belegen, dass das Risiko eines Unfalls mit einem Oldtimer rund 11-mal seltener ist als mit einem modernen Pkw. Im Fall der Fälle ist das Verletzungsrisiko im Oldtimer allerdings ca. 30 Prozent höher. Mit Nachrüstungen, Umbauten und bestimmten Verhaltensregeln können Sie die Fahrt im Oldtimer trotzdem sicherer machen.

Sicherheitsgurte nachrüsten

Ob Erwachsener oder Kind: Sich ungesichert im Fahrzeug in den Straßenverkehr zu begeben, ist äußerst riskant. Während ein Erwachsener in der Lage ist (oder sein sollte), diese Risiken für sich selbst abzuschätzen, hat ein Kind als Beifahrer diese Chance nicht. Vor der Kindermitnahme sollte man sich deshalb genau informieren, inwieweit Gurtnachrüstungen beim konkreten Automodell machbar sind. Bei vielen Modellen aus den 60er und 70er Jahren waren Befestigungspunkte dafür häufig schon hinter Türsäulen-Verkleidungen und am Unterboden vorhanden.

Die Kindermitnahme in gurtlosen Fahrzeugen wurde mittlerweile neben einigen anderen Vorgaben gesetzlich schärfer gefasst (Ausrüstungsvorschriften § 35a StVZO und Anschnallpflicht § 21a StVO): In Kraftfahrzeugen ohne Sicherheitsgurt (zum Beispiel Oldtimer) dürfen nur so viele Personen befördert werden, wie Sitzplätze vorhanden sind. Kinder unter 3 Jahren dürfen ohne Rückhaltesysteme (Kindersitze) nicht mitgenommen werden.

Junge sitzt im Kindersitz

Kindersitzpflicht

Kinder müssen im Auto richtig gesichert werden und brauchen einen geeigneten Sitz. Doch wann können sie ohne Kindersitz mitfahren? 

Kindersitzpflicht: Wann sie gilt
   

Umbau des Bordnetzes von 6 auf 12 Volt

Ein kontrovers diskutiertes Thema unter Oldtimer-Fahrern: Soll man auf die Originalität verzichten und die bis in die 50er Jahre weit verbreiteten 6-Volt-Bordnetze auf zeitgemäße 12 Volt umrüsten? Die "sichtbare Originalität" zumindest leidet kaum: Nur die Batterie mit ihren sechs (anstelle von drei) Zellen-Stopfen offenbart die Aufrüstung.

Ein optimiertes Bordnetz macht die elektrischen Verbraucher leistungsfähiger: Die Scheinwerfer können heller strahlen, der Scheibenwischermotor kann schneller laufen. Die Spannungsverluste sind aufgrund der halbierten Ströme auch in den Leitungen niedriger. Dies gilt umso mehr, als mit fortschreitendem Alter des Fahrzeuges Übergangswiderstände in maroden Kabelsträngen sowie an korrodierten Steckverbindungen (auch an die Masseanschlüsse denken!) zunehmen, womit am Verbraucher nur noch ein Teil der benötigten Spannung ankommt.

Ein 12 Volt-Bordnetz bietet weitere Vorteile: Es kann modernes Zubehör wie etwa Navigationsgeräte, Unfallmeldestecker und Diebstahlwarnanlagen angeschlossen werden. Natürlich kennen und akzeptieren wir die Grenzen zeitgenössischer Autotechnik, über Defizite bei Licht und Sicht sollte man sich aber durchaus Gedanken machen. Besser sehen bedeutet mehr Sicherheit, aber auch das "gesehen werden" wird immer wichtiger.

 

"Drivers Code" von FIVA

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FIVA Logo
Der Weltverband FIVA setzt sich für den Erhalt historischer Fahrzeuge ein

Die Erhöhung der Verkehrssicherheit ist seit vielen Jahrzehnten ein Anliegen des ADAC sowie anderer internationaler Institutionen und Verbände. Der Oldtimer-Weltverband FIVA ist ebenfalls als Vertragspartner der Europäischen Charta für die Straßenverkehrssicherheit "Road Safety Charter" beigetreten. Unfälle mit historischen und klassischen Fahrzeugen sind zwar eher selten, aber der FIVA ist es ein wichtiges Anliegen, dieses von den Oldtimer-Fahrern erreichte hohe Niveau der Straßenverkehrssicherheit aufrechtzuerhalten. Vor diesem Hintergrund hat die FIVA einen Leitfaden zur Nutzung von historischen und klassischen Fahrzeugen entwickelt. Dieser "Drivers Code" stellt eine Sammlung von Verhaltensregeln dar, die Oldtimer-Fahrer beachten sollten, um zur allgemeinen Verkehrssicherheit beizutragen. Einige der Punkte des Leitfadens sind für viele Selbstverständlichkeiten, aber er ist als Zusammenfassung aller Regeln ein sehr guter Verhaltenskodex für alle Oldtimer-Fahrer. Hier die deutsche Fassung des kompletten FIVA Drivers Code: Leitfaden für Inhaber von Historischen Fahrzeugen.

ADAC Fahrsicherheitstraining für Oldtimer

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Oldtimer Fahrsicherheitstraining
Nach dem Spezial-Training fahren Oldtimer-Enthusiasten sicherer

Der ADAC bietet auf zwei Trainingsanlagen (ADAC Fahrsicherheitszentrum in Hannover/Laatzen und Lüneburg) Oldtimer-Fahrern spezielle, auf die Besonderheiten der Fahrzeuge abgestimmte Trainings an. Die Inhalte entsprechen im Wesentlichen dem klassischen ADAC Fahrsicherheitstraining. Natürlich wird beim Oldtimer-Training sowohl in der Theorie als auch in der Praxis auf die technischen Besonderheiten der Fahrzeuge eingegangen.

Die Kursinhalte im Überblick:

  • Optimale Sitzposition
  • Blick- und Lenktechnik
  • Slalomfahren
  • Richtungsstabilität in Theorie und Praxis
  • Bremstechniken aus unterschiedlichen Geschwindigkeiten, bei griffigen und glatten Fahrbahnverhältnissen
  • Kurvenfahren
  • Ausweichmanöver

Mehr Infos zum Thema Oldtimer finden Sie in dieser Broschüre:

ADAC Oldtimer-Ratgeber Online

 

Fotos: Arturo Rivas, ADAC/Test und Technik, FIVA, ADAC Klassik.

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de