Gepäcksysteme für Motorräder

28.8.2019

Gepäck auf dem Motorrad zu transportieren bringt ein paar Herausforderungen mit sich: Das entsprechende System soll praktisch sein, dabei aber möglichst gut aussehen und auch zum Bike passen. Wir stellen alle Möglichkeiten vor und zeigen deren Vor- und Nachteile auf.

Motorradfahrer mit Gepäck
Gerade auf langen Touren ist es wichtig, viel Gepäck gut verstauen zu können (Foto: ADAC/Roman Königshofer) 

Rucksack

Der Rucksack ist und bleibt das wohl universellste Gepäcksystem. Jeder hat einen, aber es gibt mittlerweile auch viele speziell für Motorradfahrer entwickelte Modelle. Ausgerüstet mit breiten Schulterriemen, einstellbaren Gurten um Hüfte und Oberkörper und Transportfach für einen Helm eignen sie sich bestens für Kurztrips, auch mit hohen Geschwindigkeiten. Von längeren Fahrten ist allerdings abzuraten, denn der Stauraum von Rucksäcken ist begrenzt und der Rucksack kann schnell zur Belastung für den Rücken werden. Abgesehen davon besteht bei einem Unfall hohe Verletzungsgefahr. Fährt ein Sozius mit, muss natürlich er den Rucksack umschnallen.

Tankrucksack

Vor dem Kauf eines Tankrucksacks sollten Sie sich Ihren Tank genau ansehen. Denn die Modellpalette ist zwar vielfältig, aber nicht universell. Magnetsysteme beispielsweise halten schlecht auf einem Kunststofftank. Modelle mit Halteringen werden am Tankdeckel mit einem extra Schnellverschluss fixiert - das geht bei nahezu jedem Motorrad. Tankrucksäcke mit Klettverschlüssen, Riemen oder Tankschutzhaube halten an jedem Bike. Mittlerweile gibt es die Modelle wasserfest und in allen Varianten mit verschiedenen Taschen, so dass sich für jedes Motorrad das Passende findet. Manche lassen sich sogar zu einem Rucksack für den Rücken umwandeln. Der Vorteil von Tankrucksäcken ist, dass ihre Lagerung direkt auf dem Schwerpunkt des Gefährtes es ermöglicht, darin auch ein paar Kilo mehr zu transportieren. Manche Systeme erweisen sich allerdings als enorm nachteilig, wenn die Maschine betankt werden muss. 

Gepäckrolle

Eine ebenfalls einfache Variante ist die Gepäckrolle. Mit Spanngurten ist sie sehr schnell am Bike befestigt. Sie ist in wasserfesten Modellen unterschiedlicher Größe und schon für weniger als zehn Euro erhältlich. Allerdings ist bei der Nutzung einer Gepäckrolle meist kein Platz mehr für einen Sozius, da sie auf dessen Sitz befestigt wird. Mit einem zusätzlichen Träger kann die Gepäckrolle auch am Heck verzurrt werden. Ordnungsliebende werden mit ihr ein Problem haben, denn mit nur einem Fach gibt es nicht viele Sortiermöglichkeiten. 

Gepäcknetz

Das Netz ist eine noch einfachere Möglichkeit als die Rolle, Gepäck zu transportieren. Es handelt sich dabei um ein engmaschiges elastisches Netz mit meist sechs Haken. Es ist eher zum Transport von größeren Dingen geeignet, wie beispielsweise einem Helm für den Mitfahrer. 

Topcase

Das Topcase ist der heimliche Favorit der Motorradfahrer. Mit einem Trägersystem oder mit Schnellverschlüssen ist der kleine Koffer flugs am Heck des Bikes angebracht. Ebenso schnell kann er auch wieder abgenommen werden, so dass der Fahrer ihn mitnehmen kann, wenn er das Motorrad verlässt. Oder das Topcase bleibt am Motorrad und kann diebstahlsicher verschlossen werden, was gerade auf längeren Touren, z. B. bei einem Autozugtransport, nicht zu unterschätzen ist. Die Motorradbreite beeinflusst das Topcase nicht, allerdings wirkt sich der kleine Koffer auf das Fahrverhalten aus. Er ist hoch und weit hinten angebracht, so dass eine ungünstige Gewichtsverteilung vorherrscht. Mittlerweile gibt es auch wasserdichte, größenverstellbare Softvarianten. 

Softbags/Hecktasche

Die Softbags, auch Hecktaschen genannt, sind die weiche Variante des Topcase. Der Sozius freut sich, denn bei Softbags findet auch er genug Platz. Dank Klettverschlüssen oder Gurten passen die Softbags auf jedes Motorrad. Und vor allem Sportbikes sehen damit richtig gut aus. Doch gerade bei hohen Geschwindigkeiten heißt es Vorsicht, denn die Taschen neigen gerne zur Seite oder geraten ins Flattern. Meist sind sie leider auch nicht wasserdicht, dafür aber variabel in der Größe. Und es gibt auch eine Luxusvariante der Softbags: Nimmt man sie ab, können sie mit wenigen Handgriffen zu praktischen Trolleys umfunktioniert werden, mit denen man ganz schick einchecken kann.

Koffer

Koffersysteme haben viele Vorteile: Koffer links und rechts am Motorrad bieten viel Platz. Sie sind äußerst robust, abschließbar und wasserdicht. Vom Preis her allerdings liegen sie im Vergleich zu den übrigen Systemen ganz oben. Außerdem sind sie teilweise sehr ausladend, was durchaus ein Unfallrisiko darstellt. Sie werden mit speziellen Trägern am Bike befestigt. Mittlerweile gibt es optisch durchaus ansprechende Modelle. Die Luxusvariante bietet sogar Fernentriegelung und Alarmanlage. 

Packtaschen/Satteltaschen

Pack- oder Satteltaschen sind die weiche Variante eines Koffersystems, bestehend aus zwei Taschen, die links und rechts der Sitzbank hängen. Da sie mit zwei Gurten verbunden sind, eignen sie sich vor allem für Motorräder, die keinen Gepäckträger haben, oder für Biker, die in kein anderes Montagesystem investieren wollen. Eine Lederversion macht sich vor allem auf Choppern oder Cruisern hervorragend.

Fragen Sie beim Motorradhersteller oder alternativ bei den bekannten Zubehörhändlern nach dem passenden Gepäcksystem.

Wichtig: Das Motorrad richtig vorbereiten und beladen

Wichtig ist nicht nur die Wahl des richtigen Gepäcksystems, sondern auch die entsprechende Vorbereitung der Maschine, beispielsweise bei längeren Touren. Gepäck bedeutet immer Zusatzgewicht. Kommt noch ein Sozius hinzu, kann das zulässige Gesamtgewicht schnell überschritten sein. Das sollten Sie vermeiden. Außerdem gilt es, das Bike symmetrisch zu beladen. Ebenso sollten Sie den Reifenfülldruck erhöhen und gegebenenfalls die Fahrwerkskomponenten auf das Zusatzgewicht abstimmen, um ein gefährliches Fahr- und Kurvenverhalten der Maschine auszuschließen.

Weitere Informationen zur richtigen Beladung Ihres Motorrads finden Sie hier