Motorradpflege in der Winterpause

12.02.2019

Wir haben die wichtigsten Tipps zu Pflege und technischer Wartung Ihrer Maschine in den Wintermonaten zusammengetragen. Außerdem: Nützliche Umbauten, sinnvolles Zubehör und Reinigungsanleitungen.

Ein Mann macht sein Motorrad winterfit
©iStock.com/mediaphotos

Viel Wissen hilft viel: Bedienungs- und Pflegeanleitung

Egal, ob Reinigungs-, Pflege-, Service- oder Umrüstungsarbeiten: Ohne richtiges Werkzeug, einen guten (beheizbaren) Bastelplatz und die nötigen Kenntnisse sollte niemand mit dem Schrauben anfangen. Deshalb – auch wenn es schwerfällt: Wartungs- und Pflegehinweise in Bedienungsanleitung bzw. Fahrerhandbuch beachten. Für viele Modelle gibt’s auch ausführliche Reparaturhandbücher.

Bürste, Spray & Co.: Reinigung und Pflege

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Lackpflege beim Motorrad
Neuer Glanz: Gepflegter Lack erhält den Wert des Bikes und erfreut das Auge

Selbst wenn das Bike während der Saison regelmäßig gewaschen wird, bleiben schlecht zugängliche Bereiche oft schmutzig. Bei vollverkleideten Maschinen zählen hierzu besonders die Vorderseite des Motors und die Unterseite der Auspuffanlage. Auch die Auspuffkrümmer verlieren schnell ihren ursprünglichen Glanz.

Bei Maschinen mit Kettenantrieb verteilt sich das Kettenfett gerne im Bereich des Ritzels auf dem Motorgehäuse und der Schwingenlagerung. Das Gute: Für all diese "Spezialfälle" gibt es im Zubehörhandel passende Mittelchen.

Lackierte Flächen, Chromteile, Plastik-Komponenten und Sitzbank werden gründlich mit auffrischenden oder konservierenden Pflegetinkturen behandelt – demontierte Verkleidungsteile am besten von beiden Seiten. Außerdem sollte man die übers Jahr eingesammelten Steinchen aus dem Verkleidungsbug entfernen. Schwarze Kettenfett-Spuren an Motor und Schwinge lassen sich mit Kettenreiniger wegwischen.

Bei Auspuffreinigern ist jedoch Vorsicht angesagt: Teilweise sind diese Mittel so aggressiv, dass man nur mit Handschuhen und Schutzbrille arbeiten sollte. Der Aufwand lohnt sich, da am Ende die Edelstahl-Auspuffanlage wie neu erstrahlt. Alternativ bieten sich Politurpasten an; das macht aber meist mehr Arbeit.

Nicht vernachlässigen: Schalter, Armaturen

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Zahnbürste zur Armaturenpflege und dem Reinigen kleiner Ecken am Motorrad
Armaturenpflege: Eine alte Zahnbürste ist ideal zum Reinigen kleiner Ecken

Besondere Pflege verdienen – gerade bei älteren Maschinen – Bowdenzüge, Schalter und Lenkerarmaturen. Fette und Öle können in diesen Bereichen verharzen oder Schmutz aufnehmen. Soweit möglich werden Reste des alten Schmierstoffs entfernt und durch neues, nicht verharzendes Schmiermittel ersetzt. Zeigen Bowdenzüge oder deren Hüllen Rostansätze, sollten sie erneuert werden.

An Kupplungs- und Bremshebeln können über längere Nutzungsdauer die Gleitlager verschleißen. Dadurch lockern sich die Hebel, und gelegentlich leidet darunter auch die Dosierbarkeit. Auch hier bietet sich ein Ersatz des Hebels und der entsprechenden Bolzen an.

Ein bisschen Aufmerksamkeit benötigen außerdem die Verriegelungen für Tankdeckel und Sitzbank. Eine gute Versorgung der Batterie sollte selbstverständlich sein: Am besten ausbauen, trocken und nicht zu kalt lagern, regelmäßig kurz ans Ladegerät.

Vorsicht Verschleiß: Kette und Ritzel

Das Kettenfett nimmt im Lauf des Betriebs Schmutzpartikel auf, die den Rollen, O-Ringen und den Zahnflanken von Kettenrad und Kettenritzel arg zusetzen. Jetzt ist die Gelegenheit für eine ordentliche Säuberungsaktion mit einem Reinigungs-Set. Anschließend die geputzten Teile mit Kettenspray ölen. Außerdem sollten die Ritzel auf Verschleiß geprüft werden. Sind die Zähne spitz und haben asymmetrische Flanken, am besten Kette und Ritzel im Set erneuern. Das gelingt auch Nicht-Profis mit etwas Geschick.

Rost am Rahmen: Säubern und lackieren 

Ist die Lackierung des Stahlrahmens beschädigt, kann dieser schnell Rost ansetzen. Besonders häufig tritt dies auf der Rahmenunterseite z.B. durch Steinschlag und am Heckrahmen unter der Sitzbank auf. Auch die Bereiche, an denen Kabelbäume, Bowdenzüge oder Motorradstiefel reiben, sind gefährdet. Nach dem Reinigen der Korrosionsstellen wird Grundierung und Lack aufgetragen.

Für Profis: Service- und Wartungsarbeiten

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Reifen und Bremsbeläge des Motorrads in der Winterpause kontrollieren
Bremsen-Check: Sind die Beläge gut für eine weitere Saison?

Wer sich richtig auskennt, kann die Wintermonate für eine intensive Analyse des technischen Zustands seiner Maschine nutzen. Service- und Wartungsarbeiten müssen entsprechend den Herstellervorgaben in den Bedienungs- oder Reparaturanleitungen ausgeführt werden.

In der Regel zählen hierzu Motorölwechsel, Kontrolle von Reifen und Bremsbelägen, Füllstand von Kühlmittel- und Bremsflüssigkeitsbehälter, Zustand von Zündkerzen und Luftfilter, Überprüfung der Beleuchtungsanlage und der Fahrwerkslager.

Wer das lieber einem Fachbetrieb überlässt oder wer neue Reifen braucht, sollte wissen: Motorradwerkstätten haben im Winter meist wenig zu tun und locken deshalb oft mit Sonderpreisen. Sie haben ein Saisonkennzeichen? Kein Problem: Viele Händler bieten eine Abholung der Maschine an.

Für Komfort und eigene Note: Umbauten und Zubehör

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Schrauben am Bike und Umbauten am Motorrad am besten im Winter vornehmen
Schrauben verbindet: Optimieren und Pflegen stärkt die Beziehung zum Bike

Mini-Blinker, Federbeine, Auspuffanlagen – der Zubehörmarkt hält jede Menge Umbauteile bereit. Und weil Umbauten Zeit kosten, ist die Winterpause ideal dafür: Das Fahrwerk z.B. lässt sich durch hochwertigere Gabelfedern oder Federbeine optimieren. Je nach Körpergröße ist eine Höher- oder Tieferlegung des Bikes sinnvoll, zudem können ein anderer Lenker oder eine veränderte Fußrastenanlage die Ergonomie verbessern.

Höhere Frontscheiben oder aufgesetzte Spoiler sorgen für mehr Windschutz, Sturzbügel oder Sturzpads mindern den Schaden im Fall der Fälle. Wer mit dem Bike oft länger unterwegs ist, wird über ein Gepäcksystem oder die Anbringung von Softbags nachdenken.

Einen riesigen Markt gibt es für Blinker oder alternative Auspuffanlagen. Beides dient vor allem dazu, seinem Bike eine individuelle optisch-akustische Note zu verpassen. Die Montage ist meistens gut zu bewerkstelligen. Aber Achtung: Unbedingt erkundigen, ob Umbauteile zugelassen sind. Mit einer ABE oder EG-ABE (E-Prüfzeichen) können sie ohne Eintragung in die Papiere montiert werden; liegt ein TÜV-Gutachten bei, muss der Umbau abgenommen und eingetragen werten. Im Zweifelsfall einfach einen TÜV-Experten fragen.

Text: Claus Christoph Eicher. Mitarbeit: Ruprecht Müller. Fotos: Getty Images (1), Shutterstock (3), AutoBild (1).