Erste Hilfe bei Motorradunfällen

9.4.2019

Es ist für viele eine missliche Situation: Als Erster am Unfallort zu sein und dort einen schwer verletzten Motorradfahrer vorzufinden. Weit und breit ist niemand zu sehen und Ihr Erste Hilfe-Kurs ist lange her. Trotzdem: Zögern Sie nicht, helfen Sie!

Erste Hilfe kann Menschen das Leben retten, und niemand wird Ihnen einen Vorwurf machen, wenn Sie nicht die gleiche fachmännische Expertise an den Tag legen wie ein studierter Notarzt oder ein professioneller Helfer. Nur Nicht-Helfen ist garantiert die falsche Entscheidung.

Jeder zehnte verunglückte Biker erleidet bei einem Unfall Verletzungen im Halswirbelbereich. Deshalb sind Ersthelfer am Unfallort oft unsicher, ob sie den Helm des Verunglückten abnehmen sollen.

Im Fall eines verletzten Motorradfahrers heißt helfen: Der Helm muss runter. Nur dann kann der Verletzte in die Seitenlage gebracht werden, wenn er bewusstlos ist und atmet – oder bei keiner normalen Atmung wiederbelebt werden. Auch bei leichteren Verletzungen ist es zumindest für eine bessere Atmung und den Wärmehaushalt wichtig, dass der Helm vom Kopf kommt.

Wenn das Unfallopfer den Helm nicht selbst abnimmt

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Erstversrogung nach einem Motorradunfall
1. Schritt: Überprüfen Sie, ob das Unfallopfer auf Ansprache reagiert. 

"Ein Motorradfahrer, der nach dem Unfall seinen Helm noch auf hat, geht es nicht gut", sagt Dirk Lampl von "ADAC gelbhilft", dem Ausbildungsunternehmen für Erste Hilfe. Wer einen Motorradunfall unbeschadet überstanden hat, wird in aller Regel den Helm von selbst abnehmen. Sitzt der Helm noch auf dem Kopf, besteht vermutlich zumindest ein Schock und damit die Gefahr, dass der Betroffene kollabiert.

Liegt der Motorradfahrer bereits am Boden, gilt folgende Vorgehensweise: Klappen Sie das Visier hoch, sprechen Sie ihn an und rütteln Sie leicht an beiden Schultern des Verletzten. Kommt keine Reaktion, schreien Sie laut um Hilfe, um Menschen in der Umgebung aufmerksam zu machen. Dann beginnen Sie mit der Helm-Abnahme.

"Alles, was bunt ist, benutzen"

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Erstversrogung nach einem Motorradunfall
2. Schritt: Lösen Sie alle beweglichen Teile des Helms.

Versuchen Sie, im Helm möglichst viel Platz zu schaffen. Entfernen Sie alle Schals, Halstücher, o.ä., die sich problemlos lösen lassen. Öffnen Sie den Verschluss am Kinnriemen. Wenn es sich um einen Klapphelm handelt, kippen Sie die Kinnpartie nach oben. Entfernen sie bei Integralhelmen den Kinnschutz; bei einigen neueren Modellen (siehe unten) lassen sich auch die Wangenpolster an beiden Seiten des Helms entfernen.

Meistens sind Punkte, an denen sich etwas öffnen oder herausnehmen lässt, rot oder gelb markiert. Daher gilt: "Alles, was bunt ist, benutzen", sagt Dirk Lampl. Stellen Sie den Helm anschließend möglichst gerade auf, also im 90 Grad-Winkel zum Boden, damit die Öffnung möglichst weit und der Kopf des Verletzten gerade ist.

So ziehen Sie den Helm schonend ab

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Erstversrogung nach einem Motorradunfall
3. Schritt: Versuchen Sie, den Helm vorsichtig vom Kopf abzuziehen.

Idealerweise sind Sie spätestens jetzt zu zweit, notfalls versuchen Sie aber auch alleine, den Helm möglichst schonend abzuziehen. In diesem Fall knien Sie sich ans Kopfende und ziehen Sie den Helm vorsichtig so weit in Ihre Richtung ab, bis Sie mit einer Hand den Hinterkopf des Verunfallten abstützen können. Ziehen Sie dann den Helm ganz ab und legen Sie den Kopf des Motorradfahrers vorsichtig ab.

Wenn Sie aber Hilfe haben, gehen Sie zu zweit vor. Ein Helfer kniet sich hinter den Kopf des Unfallopfers – er sorgt für den nötigen "Freiraum". Hat das Unfallopfer noch eine Brille auf, nimmt er sie ihm ab, dann spreizt er den Helm mit beiden Händen an den Seiten links und rechts des Unterkiefers so weit wie möglich auseinander und beginnt langsam, den Helm nach oben zu sich hin vom Kopf zu ziehen.

Im Idealfall zu zweit helfen

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Erstversrogung nach einem Motorradunfall
4. Schritt: Stabilisieren Sie den Kopf des verunglückten Motorradfahrers.

Der andere Helfer kniet seitlich zu dem verletzten Motorradfahrer. Er folgt mit beiden Händen am Unterkiefer entlang und rückt in gleichem Tempo nach, in dem der andere Helfer den Helm nach oben zieht. Am Ende des Unterkiefers angekommen sollten die Daumen dann oberhalb der Ohren liegen, die anderen vier Finger jeder Hand stützen unterhalb den Hinterkopf.

Überprüfen Sie, ob der Motorradfahrer atmet

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Erstversrogung nach einem Motorradunfall
5. Schritt: Entfernen Sie Halstücher etc. die die Atmung behindern könnten.

Wenn der zweite Helfer den Helm vollständig entfernt hat, legen Sie den Kopf vorsichtig ab. Einer der Helfer kann nun den Notruf an die Rettungskräfte absetzen. Der andere kontrolliert die Atmung des Betroffenen. Überstrecken Sie dazu dessen Hals leicht.

Dann beugen Sie sich mit dem Ohr dicht über Nase und Mund des Motorradfahrers – mit Blickrichtung Brustkorb. Überprüfen Sie gleichzeitig, ob Sie sehen können, wie sich der Brustkorb hebt und senkt, ob Sie Atemgeräusche hören und ob Sie einen Luftzug von der Atmung auf der Wange spüren. Falls ja, bringen Sie den Verletzten in die Seitenlage. Wenn nicht, beginnen Sie mit Wiederbelebungsmaßnahmen.

Die neueste Motorrad-Helm-Generation

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Herausnehmbare Wangenpolster erleichtern die Abnahme des Helms.

Einige Helm-Modelle wie zum Beispiel der HJC RPHA 11 Carbon sind mittlerweile mit herausnehmbaren Wangenpolstern ausgestattet. Diese können die Helm-Abnahme bei einem verletzten Motorradfahrer deutlich erleichtern, weil ohne die Polster links und rechts am Kopf jeweils etwa zwei Zentimeter mehr Platz zur Verfügung stehen, um in den Helm zu greifen und ihn dem Verunfallten abzustreifen.

Um das Wangenpolster herauszunehmen, entfernen Sie am besten zunächst den Kinnschutz im Helm. In aller Regel haben abtrennbare Wangenpolster eine kleine Lasche an der Vorderseite. Fahren Sie mit dem Zeigefinger hinein und ziehen sie kräftig an. Der Widerstand ist einigermaßen hoch, da das Wangenpolster ja im Alltagsgebrauch gut sitzen und sich nicht ständig von selbst lösen soll. Halten Sie deshalb mit der anderen Hand den Helm fest, damit Sie nicht zu sehr an dem Verletzten herumreißen. Wenn ein Wangenpolster entfernt ist, wiederholen Sie den Vorgang auch auf der anderen Seite.

ADAC gelbhilft: So unterstützt Sie der Club

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Dirk Lampl zeigt in seinem Kurs die wichtigsten Handgriffe der Ersten Hilfe.

Der ADAC hat sich schon immer der Hilfe für Verkehrsteilnehmer in Not verschrieben. Seit 1970 hat der Club auch die medizinische Notfallhilfe zunehmend ausgebaut. Die ADAC Luftrettung wurde eingerichtet, wenig später auch der Ambulanzdienst und 2011 kam ADAC gelbhilft hinzu. Engagierte Ausbilder wie Dirk Lampl bieten kompetent und praxisnah Erste-Hilfe-Kurse mit unterschiedlichen Schwerpunkten für verschiedene Gruppen an, zum Beispiel für Unternehmen, Schulklassen, Kindergärten, Fahrschulen und Privatpersonen.

Das Angebot reicht von klassischen Erste-Hilfe-Kursen über einen Safety-Day für Unternehmen und Basis-Notfalltrainings für Arztpraxen bis hin zu Fortbildungen für Erste-Hilfe-Ausbilder.

Hier finden Sie eine Übersicht über die Arbeit von ADAC gelbhilft* sowie die Kursangebote und -termine.

Text: Stefan Sielaff. Fotos: ADAC/Peter Neusser.

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de

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