Fahrbericht Triumph Speed Twin: Motorrad pur

13.5.2019

Die neue Triumph Speed Twin verspricht Motorradfahren in Reinform. Wie gut sie das einlöst, verrät der Fahrbericht unserer Test-Redaktion. Plus: Technische Daten, Bilder, Verbrauch, Preise.

Das Motorrad Triumph Speedtwin fahrend
Reduktion auf das Wesentliche: Die neue Triumph Speed Twin
  • Die Speed Twin füllt die Lücke zwischen der sportlichen Thruxton und der Bonneville T120
  • Der kultivierte und kräftige Reihen-Zweizylinder klingt markant wie ein V2
  • Technisch und beim Thema Sicherheit ist die Retro-Britin up to date

 

So muss es sich anfühlen, wenn man im Nordwesten Londons auf das sagenumwobene "Ace Café" zusteuert. Hier wurden im Nachkriegs-England die legendären und heute wieder beliebten Café Racer geboren. Hauptmerkmal: Kein modischer oder technologischer Schnickschnack, sondern die Reduktion aufs Wesentliche. Und genau so präsentiert sich die neue Triumph Speed Twin – zwar mit einigen zeitgemäßen Ergänzungen, trotzdem verkörpert sie "Motorradfahren pur".

Alu und Stahl statt Plastik

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Das Motorrad Triumph Speedtwin
Sitzbank, Tank, Motor, zwei Räder – mehr braucht's nicht

Die Speed Twin ist kein Streetfighter, Café Racer, Scrambler oder Cruiser, sondern ein klassischer Roadster: Nostalgisch gezeichnet, bestehend aus nicht viel mehr als Tank, Sitzbank, Motor und zwei Rädern. Der Verzicht bringt in Summe Gewinn, denn alle Teile sind hochwertig und hinreißend schön verarbeitet und bestehen aus Materialien wie in guter alter Zeit: Alu und Stahl statt Kunststoff oder Carbon. 

Aber: Zu ungetrübter Nostalgie gehört heute unweigerlich ein Schuss Moderne, schon aus Sicherheitsgründen. Und deshalb gibt's in dieser Triumph Zutaten wie eine elektronische Drosselklappensteuerung (Ride-by-Wire), ABS sowie eine abschaltbare Traktionskontrolle, die drei Fahrmodi "Straße", "Regen" und "Sport", LED-Beleuchtung, ein digital angereichertes Doppelinstrument und eine USB-Ladebuchse. Weiteres Zubehör wie etwa ein Reifendruckkontrollsystem ist gegen Aufpreis erhältlich.

Motor mit imposanter Schubkraft

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der Motorblock vom Motorrad Triumph Speedtwin
Ein guter alter Bekannter: der kraftvolle 1200er-Zweizylinder  

Beim Blick aufs Runduhren-Cockpit offenbart sich sofort die gelungene Mixtur aus Klassik und Moderne: Analoge Zeiger-Instrumente werden um digitale Infos ergänzt, so dass es an nichts fehlt. Wenn irgend möglich, geht nostalgische Gestaltung vor, so etwa beim grünen Lämpchen für den Leerlauf, das weitaus charmanter leuchtet, als ein ein digitales "N" in einem TFT-Display. Angenehm: Den Leerlauf findet man sehr leicht im geschmeidig und exakt zu schaltenden Sechsgang-Getriebe. Da verzeiht man sogar dem analogen Drehzahlzeiger, dass er im Leerlauf gerne ein bisschen auf und ab pendelt.

Der Motor ist ein guter Bekannter aus anderen "Modern Classic"-Modellen von Triumph. Zwei Zylinder ergeben zusammen 1197 ccm Hubraum; diese liefern 97 PS – genug, um das trocken 196 kg leichte Bike stets in Schwung zu halten. 112 Nm Drehmoment liegen zwar laut Datenblatt erst bei 4950/min an, doch übers gesamte Drehzahlband hinweg setzt sich der Twin mit imposanter Schubkraft in Szene. Charakteristisch ist der unregelmäßig polternde und stets sonore Klang. Der rührt daher, dass 270 Grad Hubzapfenversatz einen V2-ähnlichen Sound erzeugen, ohne dass die Laufkultur des Zweizylinders darunter leidet.

Tipp Icon

Speed Twin – die Rückkehr einer Legende 

1938 brachte Triumph sein erstes Motorrad mit Paralleltwin-Motor auf den Markt. Damals dominierten weltweit noch Einzylinder die Motorradszene, und so galt die Triumph Speed Twin schnell als bahnbrechend. Sie war schlank und dennoch kraftvoll. Ein innovativ konstruiertes Fahrwerk brachte gut beherrschbares und dennoch sehr sportliches Handling. Der Zweizylinder glänzte durch spontanes Ansprechverhalten und ist bis heute die Grundlage für alle Twin-Modelle von Triumph. 2019 feiert der traditionsreiche Modellname Speed Twin Wiederauferstehung bei Triumph.

Sitzposition auch für längere Strecken gut

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der Lenker vom Motorrad Triumph Speedtwin
Reduziertes, klassisches Cockpit, Außenspiegel an den Lenkerenden 

Die Ergonomie der relativ kurzen Maschine überrascht: Man sitzt zwar zunächst gefühlt recht niedrig und hat nicht viel Abstand zum Lenker. Trotzdem geht es Fahrer(innen) bis 1,85 m dank ausreichend gepolstertem Sattel auch auf längeren Strecken gut. Erst bei noch größeren Piloten wird der Kniewinkel empfindlich eng.

Beide Hebel sind gut angeordnet und sowohl für Kupplung als auch für Bremse verstellbar. Cool: Die an den Lenkerenden befestigten Außenspiegel bieten erstaunlich gute Sicht nach hinten, machen das Bike allerdings auch breiter. Die Blinkertaste ist etwas zu hoch angebracht. Wer dorthin drückt, wo er sie vermutet, hupt – zumindest am Anfang. 

Dauerhaft fummelig gestaltet sich leider die Suche nach dem winzigen und versteckt platzierten Ausleger des Seitenständers. Immer wieder tastet man mehrmals mit der Ferse herum, um ihn zu erwischen und so den Ständer herauszuklappen. Und wenn wir schon beim Nörgeln sind: Leider kann das Fahrwerk nicht ganz mit dem Motor mithalten, denn einstellbar sind nur die hinteren Federbeine. Hier merkt man der Speed Twin ihr Kompromiss-Dasein zwischen Sport (Triumph Thruxton) und Komfort (Bonneville T120) an. Doch die Grundabstimmung passt, so dass man in der Stadt und auf nicht allzu schnell durchfahrenen Landstraßenkurven gut, sicher und zielgenau unterwegs ist.

Die günstigste 1200er von Triumph

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Das Vorderlicht vom Motorrad Triumph Speedtwin
Blinker mit LED-Technik – da ist die Speed Twin ganz modern

Interessant ist ein Blick aufs Konkurrenzumfeld. Vergleichen kann man die Triumph Speed Twin am ehesten mit der 110 PS starken BMW R nineT Pure, die mit 12.450 Euro etwas mehr kostet als die 12.150 Euro teure Triumph Speed Twin. Die hat zwar mit 97 PS etwas weniger Leistung als die BMW. Doch für den Fahrspaß kommt es ohnehin mehr aufs Drehmoment an, und da liegen Triumph (112 Nm) und BMW (116 Nm) nahezu gleichauf. Die Kawasaki Z 900 RS oder Hondas Nostalgie-Naked Bike CB 1100 EX sind weitere vergleichbare Mitstreiter. Im Hause Triumph ist die Speed Twin das günstigste Angebot aus der 1200er-Modern-Classics-Reihe. 

Apropos Kosten: Als Verbrauchswert gibt Triumph 4,8 l/100 km an. Diesen Wert erreichten wir mühelos. 300 Kilometer am Stück sind drin – schade deshalb, dass es von Triumph (bislang) außer einem Tankrucksack kein Gepäcksystem für längere Touren gibt. Zum Glück ist bereits der deutsche Zubehör-Spezialist Hepco & Becker in die Bresche gesprungen – uns so steht einer Tour auf die Insel zum "Ace Café" nichts im Wege…

Technische Daten

Steckbrief Triumph Speed Twin
Motor

Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile, zwei Ausgleichswellen, 270° Hubzapfenversatz, Hubraum 1200 ccm, max. Leistung 72 kW/97 PS bei 6750 U/min, max. Drehmoment 112 Nm bei 4950 U/min, Sechsganggetriebe, Kette

Fahrleistungen Höchstgeschwindigkeit k.A.
Fahrwerk Stahl-Doppelschleifenrahmen, Telegabel 41 mm mit 120 mm Federweg vorn, Aluminium-Zweiarmschwinge sowie zwei Federbeine mit verstellbarer Basis hinten, 120 mm Federweg
Bremsen    Vorn Doppelscheibenbremse 305 mm, hinten Einzelscheibenbremse 220 mm, ABS
Reifen  Vorn 120/70 ZR 17, hinten 160/60 ZR 17
Maße/Gewichte Radstand 1430 mm, Tankinhalt 14,5 Liter, Sitzhöhe 807 mm, Trockengewicht 196 kg 
Verbrauch kombiniert 4,8 l/100 km, CO2-Ausstoß 109 g/km
Preis ab 12.150 €

Bildergalerie

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Text: Ralf Schütze. Fotos: ADAC/Ralf Schütze (9), Triumph.

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