Triumph Scrambler 1200 XE: Fahrbericht, Daten, Preis

5.6.2019

Die neue Triumph 1200 XE Scrambler setzt die Traditionsreihe geländegängiger Maschinen der britischen Motorradmarke fort. Unser Fahrbericht klärt, was das Bike bietet. Plus: Technische Daten, Bilder, Verbrauch, Preise.

Motorradfahrer fährt in der Wüste auf der Triumph Scrambler 1200 XE
Die Triumph Scrambler 1200 XE fühlt sich auf losem Untergrund genauso gut an wie auf Asphalt
  • Triumph ist "Erfinder" der Klasse der leichten geländegängigen Motorräder 
  • Die 1200 XE tritt u.a. gegen BMW R nineT Scrambler und Ducati 1100 Scrambler an
  • In Sachen Connectivity haben die Briten die Nase vorn

 

Was kann eine Scrambler besser als andere Motorräder? Die Antwort gibt zum Beispiel Steve McQueen im Film "Gesprengte Ketten" aus dem Jahr 1962. Mit einer Triumph TR6 Trophy gelingt ihm darin über Straßen und unwegsames Gelände die halsbrecherische Flucht aus deutscher Kriegsgefangenschaft. Doch dann wurde es bei Triumph ruhig um die Gattung der leichten geländegängigen Bikes.

Erst 2007 nahmen die Briten sie wieder ins Programm. Begründung: "Wir haben die Scrambler gebaut, um die Lust auf Freiheit und Ausbruch zu wecken und an unbeschwerte Zeiten zu erinnern, als ein Motorrad und ein Fahrziel alles war, was man brauchte."

Crossover im Retro-Look

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Zwei Fahrer mit Beifahrer auf der Triumph Scrambler 1200 XE
Die Triumph Scrambler fährt sich agil und unkompliziert 

Die Zeiten haben sich geändert, geblieben sind die Hauptmerkmale dieser populären Straßenmaschinen mit Offroad-Touch: Breiter Lenker, höhergelegte Auspuffanlage, grobstollige Reifen. Kurz: ein Crossover aus Straßenmotorrad und Geländemaschine.

Das trifft auch auf Triumphs neue Scrambler 1200 XE zu, die BMW R nineT Scrambler oder Ducati Scrambler 1100 ihre Grenzen aufzeigen soll. Ob das gelingen wird, muss sich zeigen. Erstbereifung für die Scrambler 1200 XE ist übrigens der straßenorientierte Metzeler Tourance, ideal für den Einsatz als klassische Reise-Enduro. Wer's gerne staubiger und im Gelände heftiger mag, greift alternativ zum grobstolligeren Pirelli STR Rallye.

Generell bedient Triumph abenteuerlustige Tourenfahrer, die auch mal richtiges Gelände bewältigen wollen – und nicht nur ebene Schotterpfade, die man zur Not auch mit einem Superbike befahren könnte. Dafür gaben die Ingenieure reichlich Federweg mit: Satte 250 mm vorne wie hinten.

Die Triumph 1200 XE Scrambler ist ein Allrounder

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Nahaufnahme der Seiten Ansicht der Triumph Scrambler 1200 XE
Der Sitzkomfort auf der Scrambler 1200 XE ist für zwei Personen sehr gut

Unter anderem daraus ergibt sich die schwindelerregende Sitzhöhe von 870 mm. Man muss also deutlich über 1,80 m groß sein oder zumindest relativ lange Beine haben, um sich problemlos auf die bequeme Sitzbank zu schwingen. Dazu kommen der lange Radstand von 1570 mm und eine längere Aluminium-Schwinge (579 mm), die dem Bike eine stattliche Erscheinung verschaffen.

Ein Allrounder ist sie wirklich: Denn zum voll einstellbaren Fahrwerk gehören eine 47 mm starke Upside Down-Vorderradgabel von Showa und eine ebensolche Hinterradaufhängung vom Öhlins. Dazu Kurven-ABS und optimierte Traktionskontrolle samt Trägheitsmesseinheit (IMU). Die sechs Fahrmodi der Triumph Scrambler 1200 XE sind auch auf extremes Gelände vorbereitet: "Straße", "Regen", "Sport", "Off-Road", ein individuell programmierbarer Modus sowie "Off-Road Pro".

Dazu kommt ein 21 Zoll großes Vorderrad, das bekanntermaßen Geländeeinsätze immens erleichtert. Weitere Offroad-Hilfen: 207 kg Trockengewicht sind für die Klasse moderat. Die schräglagenabhängige Traktionskontrolle gewährt je nach Einstellung bis zu 50 Prozent Schlupf.

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Scrambler: Hintergrund einer Motorradgattung

Der Begriff Scrambler, zu Deutsch "Kletterer", greift in der Motorradwelt derzeit immer mehr um sich: Leicht geländegängige Bikes mit breitem Lenker und hohem Auspuff, die sich im Alltag als ausgesprochene Gute-Laune-Maschinen erweisen. 

In den 1950er und 60er Jahren entstanden Scrambler durch den Umbau normaler Straßen-Bikes. Sie wurden im Laufe der Zeit durch offroad-orientiertere Enduros oder spezialisierte Motorcross-Maschinen verdrängt. Ab 2007 vollzog sich durch Triumph die Wiederbelebung dieser vielseitigen Art Motorrad, später zogen Marken wie Ducati oder BMW mit "Scrambler" genannten Modellen nach.

Ausstattung: Auf dem neuesten Stand der Technik

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Tacho der Triumph Scrambler 1200 XE
Das TFT-Display lässt sich individuell konfigurieren 

Neben nostalgischen Elementen gibt es jede Menge moderne Technik: Über einen Joystick lassen sich die Menüs des TFT-Displays bedienen. Damit steuert man ab Herbst 2019 unter anderem Bluetooth-Connectivity und erstmals weltweit in einem Motorrad das GoPro-Steuerungssystem. Auch Smartphone-Navigation und die Bedienung von Telefonie sowie und Musikwiedergabe werden hinzukommen. Für Käufer der ersten ausgelieferten Modelle wir es ein Update geben.

Das konfigurierbare Display ist sehr übersichtlich und gut ablesbar. Die Bedienung findet man größtenteils von selbst heraus. Den Blinker kann man sich nach persönlichen Vorlieben konfigurieren: Kurzes Antippen heißt dreimal Blinken für Spurwechsel, erst bei längerem Antippen bleibt der Blinker länger aktiv.

Die ganze Grundausstattung ist großzügig (Voll-LED-Beleuchtung, TFT-Bildschirm, USB-Ladebuchse), dazu hat die Scarmbler eine ausgewogene Ergonomie, wie man sie von klassischen Enduros gewohnt ist und zu schätzen weiß.

Entspannt sitzend hat man den 905 mm breiten Lenker fest im Griff, relativ aufrecht lassen sich viele Kilometer am Stück bequem abspulen. Einzig der Kniewinkel ist enger, als man das vom hoch aufgeschossenen Motorrad erwartet – vor allem für jene Sitzriesen, die überhaupt mit diesen Dimensionen zurechtkommen.

Motor: 90 PS, Verbrauch: 4,9 l/100 km

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Motor der Triumph Scrambler 1200 XE
Dank 270°-Hubzapfenversatz klingt der 1200er-Twin knackig wie ein V2 

Die Sitzposition erlaubt entspanntes Reisen bis 130 km/h. Bei diesem Tempo dreht der bullige 1200er-Twin rund 4000/min. und agiert immer noch relativ ruhig und stets souverän. 66 kW/90 PS Leistung sind absolut ausreichend für diese Art Motorrad, denn satte 110 Nm Schubkraft liegen bei 3950/min an, und drumherum liegt das Drehmoment nicht viel niedriger.

Der Verbrauch des 1,2-Liter-Twins hat sich bei unseren Testfahrten bei 5,4 Liter/100 km eingependelt – also rund ein halber Liter mehr als die Herstellerangabe von 4,9 Litern. Bei forscher Gangart sind 6,5 Liter realistisch, im Cruiser-Modus kann auf Dauer auch eine 4 vor dem Komma stehen. 

Das Schalten durch die sechs Gänge des geschmeidigen und exakten Getriebes hat Seltenheitswert. Das Fahren mit der Scrambler 1200 XE gestaltet sich ein bisschen wie eine offene Beziehung: Alles kann, nichts muss.

Man hat eine riesige Bandbreite technischer Gimmicks zur Verfügung. Man kann aber auch getrost Biken pur genießen und fühlt sich nicht behelligt von aufgezwungenen Hightech-Spielchen. Große Reserven, die der typische Scrambler-Pilot nicht abrufen wird, bieten die Highend-Doppelstopper von Brembo, die sich erfreulicherweise im alltäglichen Leistungsabruf sehr gut dosieren lassen.

Viele Assistenzsysteme und ein zusätzlicher Fahrmodus

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Motorrad Fahrer auf der Triumph Scrambler 1200 XE in der Wüste
Fürs Gelände gut gerüstet mit hochwertigen Fahrwerkskomponenten 

Wer sich in erster Linie sportlich auf Asphalt bewegen will und eine Triumph Scrambler 1200 wegen ihres Retro-Flairs schätzt, ist wohl mit der straßenorientierten Version XC besser bedient und spart dabei 1000 Euro. Die sind bei der XE allerdings sehr gut investiert, denn mit dieser komfortableren und geländegängigeren Version erhält man nicht nur das größere Motorrad mit deutlich mehr Federweg, sondern auch ab Werk Kurven-ABS und einen zusätzlichen Fahrmodus sowie praktische Details wie Handprotektoren oder Heizgriffe.

Wenn man ihr etwas anlasten muss, dann die Hitzeentwicklung am rechts oben verlegten Auspuff. Der Sozius bleibt davon unbehelligt, aber das rechte Bein des Fahrers fühlt sich schon bei zivilen Temperaturen an, als würde man zu nah an einem Grill stehen. Den Hitzeschutz hätte Triumph besser hinbekommen müssen.

Und Keyless Go ist zwar recht und schön, aber dass man den Schlüssel fürs Lenkradschloss dann doch aus der Jackentasche ziehen muss, erscheint unnötig. Denn das geht bei anderen Motorradmarken noch komfortabler. 

Fazit: Die Triumph Scrambler 1200 XE ist ein Bike für alle Fälle. In der Großstadt ist sie ein bequemes, agiles und cooles Retro-Motorrad, dennoch kann man mit ihr auch auf Weltreise gehen. Gegenüber den vergleichbaren Rivalen wie Ducati Scrambler 1100 oder BMW R nineT Scrambler sticht sie mit einzigartiger Geländetauglichkeit hervor. Und mit der ab Herbst erhältlichen vollen Connectivity ist die 1200 XE die Benchmark für alles, was sich derzeit Scrambler nennt.

 

Steckbrief                     Triumph Scrambler 1200 XE 
Motor  Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile, zwei Ausgleichswellen, 270° Hubzapfenversatz, 1200 cm3 Hubraum, max. Leistung 66 kW / 90 PS bei 7400 U/min, max. Drehmoment 110 Nm bei 3950 U/min, Sechsganggetriebe, Kette 
Fahrleistungen  Höchstgeschwindigkeit: k.A.
Fahrwerk  Stahl-Zentralrohrrahmen mit Unterzügen, USD-Gabel 47 mm mit 250 mm Federweg, Aluminium-Zweiarmschwinge, voll einstellbare Öhlins-Federbeine mit Ausgleichsbehälter, 250 mm Federweg
Bremsen  Doppelscheibenbremse 320 mm vorn, Einzelscheibenbremse 225 mm hinten, Kurven-ABS
Reifen  90/90-21 vorn, 150/70 R 17 hinten
Maße/Gewichte  Radstand 1570 mm, Tankinhalt 16 Liter, Sitzhöhe 870 mm, Trockengewicht 207 kg
Verbrauch  kombiniert 4,9 l/100 km, CO2-Ausstoß 113 g/km
Preis 14.550 Euro

 

Text und Fotos: Ralf Schütze.

Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de