KTM 1090 Adventure: Testfahrt, Daten, Preis

125 PS sollen der KTM 1090 Adventure mehr Fahrspaß und bessere Markt-Chancen bringen. Unsere erste Testfahrt zeigt, was die Maschine leistet. Fahrbericht aus MOTORRAD 05/2017.

 

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KTM 1090 Adventure (Orange)
Die neue KTM 1090 Adventure fährt in auffälligem Orange vor.

KTM lässt die Korken knallen und schaltet die 1090er auf freien Durchzug. 125 statt bisher 95 PS sollen der Einstiegs-Adventure mehr KTM-Feeling, mehr Fahrspaß und bessere Chancen am Markt bringen als der abgeriegelten 1050er. Eine Erfolgsmeldung jagt bei KTM die andere. Es gelingt einfach alles, was sie in Mattighofen anfassen – könnte man meinen. Doch manchmal, wenn auch selten, versemmeln die Österreicher auch mal etwas.

Und schon sind wir beim Thema, nämlich bei der ab 2015 angebotenen 1050 Adventure. Eigentlich ein recht ordentliches Motorrad. Die Idee, unterhalb der damals mindestens 150 PS starken Adventure-Reihe eine Maschine mit überschaubarer Leistung anzubieten, war im Grunde vollkommen richtig. Schließlich will, ja muss eine expansive Firma wie KTM ja auch in einer eher vernunftbetonten Klientel nach Kunden fischen. Allerdings war der Preis damals einfach zu dicht an der 1190er. Für 1300 Euro weniger musste man gewaltige, sofort augenfällige Abstriche bei Ausstattung und Verarbeitung hinnehmen. Dass sogar allerbilligste Spiegel angeschraubt wurden, das Rahmenheck einfach im Rohzustand ohne Lackschutz angeschraubt wurde, machte den Rotstift allzu offensichtlich.

Nachdem im Handel vom Start weg nur wenig ging, wurden schon ein Jahr später Lagerbestände für läppische 9000 Euro verramscht. Doch als die Dumping-Adventures vergriffen waren, setzte KTM überraschenderweise den Listenpreis gar noch rauf. Da konnte man nur noch mit dem Kopf schütteln, das Modell war nun endgültig mausetot.

V2-Motor mit 125 PS

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KTM 1090 Adventure Frontansicht
Die Auspuffanlage der KTM blieb unverändert und der Motor ist ein alter Bekannter.

Zudem kam die Tatsache, dass das aufwendige Triebwerk elektronisch auf nur 95 PS gedrosselt war, nicht besonders gut an. Wer will schon eine orangefarbene Maschine mit asthmatischen Beschwerden? Zumal nicht verengte Kanäle oder zahme Steuerzeiten den Korken bildeten, sondern allein die Elektronik, die die Drosselklappen bei Vollgas schlicht und einfach nicht öffnete. Ein Motor, der eigentlich kann, aber nicht darf: Das schmerzt.

Unverkorkt sollen die 1050er-Triebwerke damals rund 115 PS geleistet haben. Zumindest lieferte der Drosselmotor ordentlich Drehmoment bei astreinen Umgangsformen – wir wollen jetzt auch nicht nachkarten und alles schlechtreden. Nun also der zweite Anlauf, bei dem die Marketingstrategen frühere Fehler nicht wiederholen wollen.

In Bezug auf den Motor hat man gelernt. Der 1090er-V2 ist zwar hardwaremäßig der alte Bekannte aus der 1050er, darf nun aber endlich frei drehend 125 Pferde aufgaloppieren lassen. Kleine Änderungen gab es bei Steuerzeiten, Brennräumen und in der Peripherie. Die ohnehin fällig waren, schließlich galt es ja, Euro 4 einzuhalten. Das schafft er ohne große Eingriffe, selbst die Auspuffanlage blieb unverändert.

Plus an PS und Laufkultur für mehr Fahrspaß

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KTM 1090 Adventure auf Kurvenfahrt
Das Fahrwerk und die schmalere Bereifung tragen zur Agilität der KTM bei.

Bezüglich Leistung und Charakter ist das nun auf jeden Fall eine ganz andere Sache. Dazu mal kurz ein Rückblick: Als KTM die Adventure-V2-Baureihe 2003 mit der 950er startete, war die Begeisterung gewaltig, auch bei MOTORRAD. Dieser wunderbare Spaßmotor leistete aber „nur“ 98 PS.

Die aktuelle 1050 besitzt eine ähnlich drehzahlorientierte Charakteristik, drückt aber beinahe 30 PS mehr und hat in Sachen Laufkultur zwischenzeitlich Quantensprünge hinter sich. Und das macht auf den winkligen Passstraßen am Fuße des Ätna enorm viel Spaß. Wunderbar, wie der „kleine“ V2 bei jeder Drehzahl gierig loshämmert, quicklebendig durchs Drehzahlband sprintet und mit Wonne in den Begrenzer dreht. Dass unten viel weniger Druck als bei den 1290ern da ist, mindert den Fahrspaß auf winkligen Landstraßen dritter Ordnung überhaupt nicht. Der kleinere ist eben ein Drehmotor, während der größere zwar alles kann, aber in der Praxis der Drehmomentmotor ist.

Das Fahrwerk mit der schmaleren Bereifung steuert einen gehörigen Anteil zum agilen Charakter der 1090 Adventure bei. Sie wirkt handlicher und leichter, als der tatsächliche Gewichtsunterschied, der nur rund 10 kg beträgt, vermuten lässt. Das Phänomen kannten wir bereits von der 1050er. Als Bereifung dienen wie zuletzt Metzeler Tourance Next – äußerst kooperative Pneus mit wirklich erstaunlichem Kalt- und Nassgrip.

Geblieben sind leider auch die etwas schlichten WP-Federelemente. An der Gabel gibt es wie bisher rein gar nichts zu verstellen, hinten allein Federbasis und Zugdämpfung. Die Grundabstimmung ist im Solobetrieb durchaus okay, das Ansprechverhalten dürfte aber gern besser sein.

Schlichtheit statt Hightech-Ausstattung 

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KTM 1090 Adventure mit Fahrer im Gelände
Anpassung an andere KTM-Modelle gab es bei den Spiegeln und beim Rahmenheck.

Das stört aber selbst auf den Schlagloch-Pisten am Fuße des Ätna kaum. Denn immerhin weiß man immer, woran man ist. Etwas schlicht wirkt die „kleine“ Adventure allerdings, wenn daneben die große Maschine mit all ihrer Hightech-Ausstattung steht. Lack gibt es bei der kleinen kaum, stattdessen reichlich Plastikoberflächen, hier und da mit Aufklebern dekoriert. Der Verzicht auf die semiaktive Federung schmerzt weniger, der auf das fantastische Bosch-Display mehr.

Da sieht das alte VDO-Dashboard mit seiner etwas umständlichen Bedienung im Wortsinn ziemlich blass und altbacken aus. Kurven-ABS gibt es auch nicht, da fehlt die nötige Schräglagensensorik. Die Bremsanlage basiert auf einfacheren Brembo-Komponenten, das spürt man natürlich bei Feedback und Bremsperformance. Aber all das lässt sich KTM ja bei den 1290ern schließlich auch teuer bezahlen.

Womit wir wieder bei der Preispolitik wären. Die 1090er kostet ohne Extras rund 13 000 Euro, etwa so viel wie die alte 1050er. Geändert hat sich allerdings der Preisabstand zur großen Maschine. Nach dem Wegfall der 1190 Adventure ist die günstigste 1290er nun stolze 3600 Euro teurer. Obwohl das Motorrad absolut betrachtet beinahe das gleiche ist, sieht die Lage nun relativ betrachtet anders aus. Und im Detail gibt es durchaus Fortschritte: Die Spiegel sind nun die gleichen bei allen Modellen, und das Rahmenheck ist auch schwarz überlackiert.

Technische Daten KTM 1090 Adventure (2017)

Motor              Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-75-Grad-V-Motor, eine Ausgleichswelle, je zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Schlepphebel, Trockensumpfschmierung, Einspritzung, 2 x Ø 52 mm, Lichtmaschine 450 W, Batterie 12 V/11 Ah, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung (Anti-Hopping), Sechsganggetriebe, X-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 2,471. 

Bohrung x Hub 103,0 x 63,0 mm 
Hubraum 1050 cm³ 
Verdichtungsverhältnis 13,0 : 1 
Nennleistung 92,0 kW (125 PS) bei 6500/min 
Max. Drehmoment 109 Nm bei 6500/min
Fahrwerk Gitterrohrrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, Ø 43 mm, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Federbein, direkt angelenkt, verstellbare Federbasis und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 267 mm, Zweikolben-Festsattel, Traktionskontrolle, ABS. 

Alu-Gussräder 3.00 x 19; 4.50 x 17 
Reifen 110/80 R 19; 150/70 R 17
Maße & Gewicht Radstand 1560 mm, Lenkkopfwinkel 64,0 Grad, Nachlauf 120 mm, Federweg vorn/hinten 185/190 mm, Sitzhöhe 850 mm, Trockengewicht 205 kg, zulässiges Gesamtgewicht 440 kg, Tankinhalt/Reserve 23,0/3,5 Liter.
Garantie & Preis

Garantie zwei Jahre 
Farbe: Orange 
Preis 12 895 Euro** 
Nebenkosten 250 Euro**

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   ** Die Preise beziehen sich auf den Veröffentlichungszeitpunkt des Fahrberichts und können sich inzwischen geändert haben.

 

Fotos: KTM.

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