Kawasaki Ninja 400: Testfahrt, Daten, Preis

Kawasaki hat die Einstiegs-Ninja überarbeitet. Hubraum und Leistung des Twins wuchsen, der nun von einem Gitterrohrrahmen umspannt wird. Viel Aufwand. War es das wert? Fahrbericht aus MOTORRAD 09/2018.

 

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Kawasaki Ninja 400 KRT-Edition auf der Straße
Die neue Kawasaki ist sieben Kilo leichter geworden

Ein wenig stolz sind sie bei Kawasaki schon. Schließlich war es die Ninja 250 R, die ab 2008 dafür sorgte, dass die Zweirad-Jugend fürs Erstbike wieder zu einem Einstiegssportler greifen konnte. Auf die 250er folgte die Ninja 300, die allerdings 2016 ohne Euro 4-Zulassung aufs Abstellgleis kam.

Nun ist die kleinste Ninja im Kawasaki-Programm als Neuentwicklung wieder da. In der Ninja 400 werkelt ein vollkommen neuer Motor. Aus den 296 cm³ der Ninja 300 wurden 399 cm³. Der neue Twin leistet 45 PS bei 10.000/min. Bohrung (von 62 auf 70 mm) sowie Hub (von 49 auf 51,8 mm) nahmen zu – ohne dass der Motor größer ausfällt. Das ist gut so, schließlich wollte Kawasaki die kleine Ninja gleich ein wenig abspecken. Wog die 300er noch 177 Kilogramm vollgetankt, sind es bei der 400er nur noch 170 kg.

Woran liegt’s? Unter anderem am neuen Stahl-Gitterrohrrahmen. Der nimmt den Zweizylinder als tragendes Element auf, fällt leichter als der Stahlbrückenrahmen zuvor aus.

Neben den Unterschieden weist die Ninja 400 aber auch Gemeinsamkeiten zum Vorgänger auf, beispielsweise beim Sitzarrangement. Obwohl die 400er im Sportler-Look daherkommt, spannt sie ihren Piloten nicht zu sehr über den 14 Liter großen Tank. Mit den oberhalb der oberen, durchbrochenen Gabelbrücke befestigten Lenkerstummeln, dem 785 Millimeter hohen Sitzpolster und den nicht zu weit hinten platzierten Rasten reicht die Ninja 400 ihrem Dompteur einladend die Hand. Versammelt, aber sehr bequem sitzt dieser auf ihr.

Kurzbeinige freuen sich zudem über das um 30 Millimeter schmaler geschnittene Polster, das den sicheren Bodenkontakt vereinfacht. Den Daumen nach oben zeigen hingegen alle bei der Beurteilung des schmalen Knieschlusses.

Der neue Motor hat 45 PS

Kawasaki Ninja 400 (Schwarz) Seitenansicht
Der Hubraum der Ninja ist jetzt größer

Für ein Grinsen im Gesicht sorgt zudem die Kupplung. Zwar ist weder der Bremshebel noch sein Pendant auf der linken Seite einstellbar, die Bedienkräfte zur Unterbrechung der Kraftübertragung fallen aber vorbildlich aus. Ein Finger genügt fürs Betätigen und die Dosierung. Dank weniger Kupplungsscheiben und deren kleinerem Durchmesser (von 139 auf 125 mm geschrumpft) fällt sie darüber hinaus kompakter aus.

Spätbremser dürfen wie bisher schon forsch vor der nächsten Kurve die Gänge runtersteppen – die Anti-Hopping-Kupplung verhindert das Stempeln des Hinterrads. Wobei die Ninja 400 mit dem Mehr an Hubraum und Leistung selbst dem Thema Alltag sehr aufgeschlossen gegenübersteht. Klar kann sie noch jubeln. Bei Bedarf stoppt sie erst der Begrenzer kurz hinter der 12.000er-Marke.

Beeindruckender ist aber, dass sie nicht mehr zwingend den Schreihals geben muss, um manierlich voranzukommen. Dank Hubraumzuwachs, einer Ansaugung in Fallstromanordnung sowie der größeren Airbox entwickelt der Twin unten heraus genug Power, um im Verkehr ordentlich mitzuschwimmen. Ab 3000/min tritt er in allen Gängen sauber an, ruckelt selbst beim abrupten Öffnen des Gasgriffs nicht und schwingt sich bis zur Drehzahlmitte zu einem klaren Leistungsplus gegenüber der 300er auf: Bis zu zehn PS mehr liefert die Ninja 400 dann.

Bremsen: Weniger Gefahr durch Nissin-ABS

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Kawasaki Ninja 400 (Grün) Seitenansicht
Die neue Technik ist ihr Geld wert

Ab 6000/min folgt anschließend der richtige Wohlfühlbereich des Reihen-Zweiers, denn trotz verbesserter Alltagstugenden versprüht der Motor immer noch sportlichen Tatendrang. So wie ab dieser Drehzahl die niederfrequenten Vibrationen zunehmen, sich bei 10.000 Touren zu hochfrequenten entwickeln, steigert sich der Elan des 400ers. Überraschend flott marschiert er voran, lässt mit fünfstelliger Lebensfreude sogar bergauf Pkw rechts liegen. Allerdings: Wer die Ninja bis zum Limit ausquetscht, erntet neben abnehmender Dynamik nur noch mehr Vibrationen – trotz Ausgleichswelle. Lieber spätestens bei 10.500/min schalten. Das klappt sicher und zuverlässig.

Beim Abbau von Speed setzt sich die Ninja 400 nicht ganz so gut in Szene. Der Doppelkolbenschwimmsattel vorne samt 310er-Einzelscheibe liefert eine angemessene Verzögerung, die genügt, um mit der handlichen Ninja 400 einen flotten Strich hinzulegen. Für den ganz sportlichen Eifer fallen aber die Handkräfte zu hoch aus, bleibt die Wirkung etwas zu stumpf. Gut hingegen: Das Nissin-ABS beugt einem Überbremsen vor, hält die Ninja beim Verzögern am Limit auf Kurs.

Dennoch ist jetzt mal eine Pause fällig. Kawasaki schwört zwar Stein und Bein, dass die Sitzbank fast doppelt so dick gepolstert ist wie das Pendant der 300er-Ninja, der Hintern schmerzt nach 130 Kilometern aber schon. Was auch am rumplig ansprechenden Federbein liegt, das klar unsensibler als die neue 41er-Gabel agiert. Nutzen wir die Pause und schenken der 400er gleich Sprit nach. 5,15 Liter hat sie sich gegönnt. Macht im Schnitt 3,9 Liter auf 100 Kilometern. Wo sie damit im Vergleich zur Konkurrenz steht, klärt der Test in der nächsten Ausgabe.

So bleibt’s jetzt beim kurzen Fazit: Die 400er-Ninja von Kawasaki hat sich vom Teen zum Twen entwickelt, ist ein ganz heißes Eisen für A2-Sportler-Fans. Die müssen jetzt noch irgendwie 5995 Euro auftreiben. Oma, Opa, Ferienjob? Es lohnt sich – die 400er-Ninja ist das wert.

Was ist neu?

Optik
Scheinwerfer mit LEDs, beide Seiten mit Abblend-, Fern und Positionslicht ausgerüstet
Verkleidung mit Sicken unterhalb der Scheinwerfer an H2 angelehnt Sitzbank bei gleicher Sitzhöhe (785 mm) stärker gepolstert und schmaler geschnitten

Fahrwerk
Gitterrohrrahmen, nimmt Motor tragend auf
Gabel Standrohrdurchmesser auf 41 mm angewachsen

Motor
Hubraum nun mit 399 cm³ (Bohrung x Hub: 70,0 x 51,8 mm)
Leistung auf 45 PS gestiegen

Technische Daten Kawasaki Ninja 400 (2018)

Motor             

Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, 2 x Ø 32 mm, geregelter Katalysator, Lichtmaschine 322 W, Batterie 12 V/8 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung (Anti-Hopping), Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 2,929

Bohrung x Hub 70,0 x 51,8 mm 
Hubraum 399 cm³ 
Verdichtungsverhältnis 11,5:1 
Nennleistung 33,4 kW (45 PS) bei 10.000/min 
Max. Drehmoment 38 Nm bei 8000/min 

Fahrwerk Gitterrohrrahmen aus Stahl, Motor mittragend, Telegabel, Ø 41 mm, Zweiarmschwinge aus Stahl, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Scheibenbremse vorn, Ø 310 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 220 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, ABS

Alu-Gussräder 2.75 x 17; 4.00 x 17 
Reifen 110/70 R 17; 150/60 R 17
Maße & Gewicht Radstand 1370 mm, Lenkkopfwinkel 65,3 Grad, Nachlauf 92 mm, Federweg v/h 120/130 mm, Sitzhöhe 785 mm, Gewicht vollgetankt 170 kg*, zulässiges Gesamtgewicht 348 kg, Tankinhalt 14,0 Liter
Garantie & Preis

Garantie zwei Jahre 
Farben Grün (KRT-Edition), Schwarz 
Preis 6195 Euro** (Schwarz: 5995 Euro**) 
Nebenkosten 195 Euro** 
Höchstgeschwindigkeit 188 km/h 
Beschleunigung* 0 –100 km/h5,3 sek 0 –140 km/h 11,1 sek Durchzug*** 60 –100 km/h 5,7 sek 100 –140 km/h 6,1 sek 

*** Herstellerangaben

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  ** Die Preise beziehen sich auf den Veröffentlichungszeitpunkt des Fahrberichts und können sich inzwischen geändert haben.


Fotos: Kawasaki.

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