Indian FTR 1200 S: Power-Roadster im Fahrbericht

24.6.2019

Geballte Kraft über einen breiten Drehzahlbereich – das ist eine der Stärken der neuen FTR 1200 S der US-Legende Indian. Der Fahrbericht unserer Test-Redaktion – dazu technische Daten, Bilder, Verbrauch, Preise.

Indian FTR 1200 fahrend Schräglage
Schickes Bike: Die neue Indian FTR 1200 S
  • Starkes und agiles Naked Bike, abgeleitet vom Flat-Track-Renner FTR 750 
  • Extrem durchzugsstarker, akustisch sehr präsenter V2-Motor
  • Der Einstieg ins Power-Bike-Segment soll neue Kundschaft bringen

 

Sie ist ein gut 120 PS starkes Naked Bike, abgeleitet von den kräftigen und sehr schnell zu bewegenden Flat Track-Motorrädern: Die FTR 1200 S. Mit ihr will die traditionsreiche US-Marke Indian Motorcycles  neue Zielgruppen ansprechen und ihre weltweite Präsenz ausweiten. Im Stil der Yamaha MT-01 (150 Nm, gebaut von 2005 bis 2012) oder der aktuellen Ducati Diavel (129 Nm) fährt die neue Indian mit großer und beständiger Kraft in einem breiten Drehzahlbereich. Gleichzeitig bietet sie ausreichend Agilität, um flott durch Kurven zu flitzen.

Die Indian hat 90 kW/123 PS Leistung

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Seitenansicht der Indian FTR 1200 stehend
Drei Lackierungen stehen zur Verfügung. Hier die Variante "Race Replica"

Etwa ab 3000 U/min bricht die 120 Nm starke Drehmomentwelle so richtig los, findet bei 5900 ihren nominellen Höhepunkt und reißt bis über 8000 U/min nie so richtig ab. Power in allen Lebenslagen – das ist spür- und hörbar, denn dank Akrapovic-Endschalldämpfern verströmt die Maschine ein sonores bis markerschütterndes V2-Bollern. Das ist der standesgemäße Soundtrack zur Performance des 1,2-Liter-Motors. Der profitiert beim Gasgeben von einer relativ kurzen Übersetzung, die ihn bei 100 km/h etwa 3500 U/min drehen lässt.

Als Teil der Polaris-Gruppe imponiert Indian seit 2011 mit einer wahren Wiederauferstehung. 1953 ging die Traditionsmarke in Konkurs, in den Jahrzehnten danach waren diverse Wiederbelebungsversuche gescheitert. Doch seit fast einem Jahrzehnt machen die US-Amerikaner richtig ernst. 
Zuletzt sicherten sie sich sogar die Dienste des ehemaligen Chef-Designers von BMW Motorrad, Ola Stenegard, der sich vor allem mit der Gestaltung des überaus erfolgreichen Retro-Bikes BMW R nineT einen Namen gemacht hatte. 

Sowohl FTR 1200, als auch die hier getestete, besser ausgestattete FTR 1200 S, profitieren vom kraftvollen Antrieb durch einen neu entwickelten V2-Motor. Mit 90 kW/123 PS Leistung und 120 Nm Drehmoment scheint er ideal für ein klassisches Power Bike. Die von Indian angekündigte, flache Drehmomentkurve versprach im Vorfeld eine gleichmäßige Leistungsabgabe und deshalb stets hohe Durchzugskraft – das ist bei der FTR 1200 S voll erfüllt. Verstärkt durch die Akustik ist die Urgewalt des V2-Kraftpakets stets präsent. 

TFT-Display, Bluetooth und Infotainment

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Display der Indian FTR 1200
Das Display ist gut ablesbar, allerdings muss man deutlich den Kopf neigen

Wie maßgeschneidert fühlt sich die Sitzposition in 840 mm Höhe an, wenn man nicht mehr als 1,85 m misst. Immerhin: Selbst größere Piloten können sich mit der Geometrie der FTR arrangieren. In jedem Fall ist die Haltung der Arme fahraktiv weit nach vorne orientiert, der Oberkörper dennoch relativ aufrecht. 

Über den breiten, geraden Lenker hat man das Naked Bike sehr gut unter Kontrolle. Beim kürzeren Landstraßenstrecken über kurvige Straßen ist dies ideal, nur auf längerer Fahrt verhindert ein relativ enger Kniewinkel dauerhaften Fahrkomfort.

Kuppeln, Schalten, Bremsen – alles prima. Der Blick aufs TFT-Display muss sich deutlich nach unten richten, aber alles ist gut erkennbar, die Menüführung einfach und logisch. Der 4,3 Zoll große Touchscreen steht für modernste Connectivity. Die Verbindung zum Smartphone erfolgt wahlweise über einen USB-Schnellladeanschluss oder kabelfrei über Bluetooth. 

Das gut ablesbare Display lässt sich nach persönlichen Vorlieben konfigurieren. Das damit verbundene Infotainment-System "Indian Ride Command" gehört zum erweiterten Serienumfang der teureren Indian FTR 1200 S, ebenso ein voll einstellbares Fahrwerk, drei Fahrmodi ("Sport", "Standard" und "Rain"), sowie eine schräglagenabhängige Stabilitäts-, Traktions- und Wheelie-Kontrolle.

Gute Schräglagenfreiheit

Hochwertige Fahrwerkskomponenten sollen mit zum aktiven Fahrspaß beitragen. Dazu zählt eine 43 mm starke Upside-Down-Vorderradgabel, die ebenso voll einstellbar ist wie das direkt angelenkte Mono-Federbein hinten. Auch die Geometrie des Stahl-Gitterrohrrahmens trägt zu relativ hoher Agilität bei. Trotz kurzem Radstand von 1524 mm wirkt die FTR rein optisch recht langgestreckt. Und an der Schräglagenfreiheit gibt's ohnehin nichts zu mäkeln.

Tipp Icon

Legendärer US Hersteller: Indian Motorcycles

Indian Motorcycle war einst eine größere US-Marke als Harley-Davidson und zwei Jahre älter – gegründet wurde sie 1901. Bis heute genießen die ehemals meist blutrot lackierten Bikes den Ruf schier unverwüstlicher Zuverlässigkeit. Dieses Image hat sich Indian bei uns vor allem durch die Steilwandfahrer auf Volksfesten erworben, die meist uralte Motorräder dieser Marke für ihre halsbrecherischen Manöver nutzen. 

Jüngst besann sich Indian Motorcycles auch auf seine sportlichen Wurzeln. So fuhren die Amerikaner mit der Rennmaschine FTR 750 schon einige Fahrer- und Konstrukteurstitel in der "American Flat Track"-Meisterschaft ein. Das 750er Renngerät und das Concept Bike "FTR 1200 Custom" von 2017 waren die Vorstufen zu den Serienmotorrädern FTR 1200 und 1200 S, die seit Sommer 2019 in den Showrooms deutscher Händler stehen.

Hier finden Sie die Homepage von Indian Motorcycles*

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Die Reichweite ist suboptimal

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Seitenansicht der Indian FTR 1200
Naked Bike: Die Indian ist eine gute Kombi aus Cruiser und Sportmaschine

Radial montierte Hochleistungs-Bremsen von Brembo sorgen dafür, dass die 222 kg schwere Indian schnell und gut dosierbar verzögert. Der Tank liegt unter dem Fahrersitz zwar fahrdynamisch günstig, mit bescheidenen 13 Litern Volumen senkt dies den Schwerpunkt aber kaum. 

Und die Reichweite liegt zwar nach Normverbrauch wenigstens bei rund 220 km, kann aber je nach Gaseinsatz schnell unter die 200 km-Marke rutschen. Nach dem Vorbild der Flat-Track-Rennmaschine FTR 750 sitzt der Luftfilter der 1200 S direkt über dem Motor, versteckt in der Tankattrappe. Unter dieser sind einige Kabel sichtbar.

Den positiven Gesamteindruck der FTR 1200 S bei Verarbeitung und Qualitätsanmutung beeinträchtigt das nicht so sehr, wie der wuchtige Kennzeichenhalter, der das gesamte Hinterteil beherrscht. Eine klassische Befestigung über dem Reifen gibt's wenigstens im reichhaltigen Zubehör.

Ein "Flat Tracker für die Straße" soll die FTR laut Indian sein. Nun wird niemand ernsthaft in Deutschland mit einer Indian FTR auf einer Sandbahn herumdriften wollen. Dennoch hat sich Indian das Flair des artistischen Motorradsports zunutze gemacht. Dafür sprechen die speziell gefertigten Dunlop DT3-R Radial-Reifen mit charakteristischem Profil.

Fazit: Die FTR ist kein schwerfälliger Cruiser und kein nervöser Sportler, sondern sie vereint deren Eigenschaften zu einer spannenden Kombination.

 

Technische Daten
 Indian FTR 1200 S
Motor Flüssigkeitsgekühlter 60 Grad-V2-Viertaktmotor, vier Ventile pro Zylinder, Hubraum 1203 ccm, max. Leistung 90 kW/ 123 PS bei 8250 U/min, max. Drehmoment 120 Nm bei 5900 U/min, Sechsganggetriebe, Kette
Fahrleistungen Höchstgeschwindigkeit 190 km/h (abgeregelt)
Fahrwerk Vorn Stahl-Gitterrohrrahmen, Upside-Down-Gabel 43 mm, hinten Stahl-Zweiarmschwinge
Bremsen Vorn Doppelscheibenbremse 320 mm, hinten Einzelscheibenbremse 265 mm, ABS  
Reifen Vorn 120/70 R 19 60V, hinten 150/80 R 18 70V
Maße und Gewichte
Radstand 1524 mm, Tankinhalt 13 Liter, Sitzhöhe 840 mm, Trockengewicht 222 kg
Verbrauch
kombiniert 5,9 l/100 km, CO2-Ausstoß 136 g/km
Preis 15.990 Euro (Race Replica 17.290)

 

Text: Ralf Schütze. Fotos: Ralf Schütze (7), Indian Motorcycles (3).

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