Honda Africa Twin: Alles an Bord

21.10.2019

Honda hat sein Erfolgsmodell Africa Twin aufgerüstet und spendiert nicht nur mehr Leistung, sondern vor allem eine Menge elektronische Assistenzprogramme

   

Honda Africa Twin AftricaTwin im Gelände
Die Africa Twin ist jetzt auf dem neuesten Stand der Technik
  • viele neue Assistenzsysteme wie Kurven-ABS und ESS
  • leistungsstärkerer Motor
  • TFT-Farbtouchscreen zur Fahrmodus-Steuerung


Sie ist der größte Erfolg der letzten Jahre für den japanischen Zweirad-Giganten Honda auf den mitteleuropäischen Märkten: die 2016 erschienene CRF1000L mit dem Beinamen ”Africa Twin“. Trotz guter Verkaufszahlen hat Honda nun das Nachfolgemodell vorgestellt: Die CRF1100L Africa Twin verheißt auf den ersten Blick keine wesentlichen Änderungen.

Hinter der geänderten Typenbezeichnung steckt aber nicht nur ein vergrößerter und erstarkter Motor. Die zwei Versionen Africa Twin und Africa Twin Sports Adventure wurden deutlicher auseinandergerückt, verfügen über einen neuen Rahmen und jede Menge Elektronik.

Ganz anders als das Vormodell, das mit einer bewussten elektronischen Zurückhaltung angetreten war, bietet die neue Reiseenduro alles an Fahrassistenzsystemen auf, was der Markt bereithält – und was die Wettbewerbsmodelle von BMW, Ducati, KTM und Triumph bereits offerieren.

Honda Africa Twin: 102-PS-Motor

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Honda Africa Twin AftricaTwin close up des Motors
Der neue Motor reagiert schneller und präziser

Motorisch unterscheidet sich die Elfhunderter mit 998 Kubikzentimetern Hubraum noch am wenigsten von ihrer Vorgängerin: Die Leistung steigt moderat von 70 kW/95 PS auf 75 kW/102 PS, das maximale Drehmoment legt von 99 auf 105 Nm bei 6250 U/min. zu.

Der neue, im Hub verlängerte Zweizylinder-Reihenmotor hält also zu den Donnerbolzen aus München, Mattighofen, Bologna und Hinckley weiter einen Respektabstand, liegen die Leistungswerte von deren 1200er- bis 1300er-Motoren doch jenseits von 125 PS und 120 Nm.

Für sich betrachtet ist der neue Honda-Antrieb jedoch ein wesentlicher Fortschritt: Die zur Verfügung stehende Leistung lässt sich bestens nutzen, das Triebwerk zieht spürbar souveräner durch. Zudem ist es zukunftssicher: Mit optimierten Abgaswegen, größerem Ventilhub und Auspuffklappe ausgerüstet, ist der um etwa zwei Kilogramm erleichterte Twin bereits nach der künftigen Euro-5-Norm homologiert.

Beim Fahren im Gelände lässt sich das Triebwerk bis auf etwa 1500 Umdrehungen herunterwürgen ohne abzusterben, zugleich hat die Drehwilligkeit unter der Hub-Verlängerung nicht merkbar gelitten.

Zusätzlich zum schon zuvor überzeugenden Sechsganggetriebe bietet Honda weiterhin optional das erneut überarbeitete Doppelkupplungsgetriebe DCT inklusive eines speziellen Geländeprogramms an – ein ausschließlich von Honda offeriertes Extra. Hierfür wird ein Mehrpreis von 1100 Euro fällig, dafür arbeitet das neue DCT jetzt nochmals deutlich besser.

Neues Display und viele Assistenzsysteme

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Honda Africa Twin AftricaTwin close up
Das Display gibt es jetzt als Touch-Screen

Von der Sechsachsen-IMU profitieren auch das neue Kurven-ABS, die dreistufige Wheelie-Kontrolle und die jetzt siebenstufige dynamische Traktionskontrolle. Um alle Parameter optimal einstellen zu können, ist allerdings ein ausgiebiges Studium des Fahrerhandbuchs vonnöten: Der linke Lenkersatellit weist 16 Tasten und Knöpfe auf…

Das neue, endlich einwandfrei ablesbare TFT-Display ist als Touch-Screen ausgelegt. Damit lassen sich die vier vorkonfigurierten Fahrprogramme Road, Urban, Gravel und Offroad modifizieren; zusätzlich kann der Fahrer zwei Individualprogramme auf seine Bedürfnisse anpassen.

Ein Tempomat ist nun Serie, auch Apple Car Play ist integriert. Eine Navi-App macht ein separates GPS-System damit überflüssig, außerdem können unterwegs sämtliche Smartphone-Funktionen genutzt werden. 

Das neue Kunststoff-Koffersystem zeigt ebenfalls, dass Honda die Modellüberarbeitung der Africa Twin ernst genommen hat. Die von Honda selbst gefertigten Behälter lassen sich weitaus geschmeidiger handhaben und fühlen sich wertiger an. Alternativ gibt es von einem Zulieferer bezogene Aluminium-Behälter, auch passgenaue Innentaschen sowie ein Tankrucksack sind lieferbar. 

Africa Twin: Preis ca. 14.000 Euro

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Honda Africa Twin AftricaTwin im Gelände
Die neue Honda ist ein bisschen teurer als das Vorgängermodell

Mit einem Grundpreis von 14.165 Euro ist die CRF1100L Africa Twin des Modelljahres 2020 exakt 1000 Euro teurer als das Vormodell. Dafür erhält der Kunde viel Gegenwert: Außer der eher bescheidenen Mehrleistung des Motors ein Gewichtsminus von insgesamt vier Kilogramm, ein neues, noch besser abgestimmtes Fahrwerk mit souveräner Leistung on- wie offroad, eine prima Ergonomie mit vier Zentimeter schmälerer Sitzbank und schmälerem Tank sowie die schon erwähnten Elektronik-Features plus automatischer Blinkerrückstellung.

Speziell für Fernreisen konzipiert hat Honda die zwölf Kilo schwerere Version Africa Twin Sports Adventure. Sie bietet dieselben üppigen Federwege wie das Standardmodell. Das reduziert die Sitzhöhe gegenüber dem Vormodell deutlich und erleichtert den Umgang mit der Sports Adventure erheblich.

Wesentliche Unterschiede zur Basis-Twin bestehen im 25 Liter-Tank, Schlauchlos-Felgen, einem leider nur mit zwei Händen höhenverstellbaren Windschild, Kurvenlicht und serienmäßigem Gepäckträger.

Der Sports Adventure vorbehalten ist das neu entwickelte semiaktive Fahrwerk EERA (Electronically Equipped Ride Adjustment) von Hersteller Showa. Es erhöht deutlich den Komfort – weniger beim Fahren als bei der Fahrwerks-Einstellung, denn diese lässt sich hier auf Knopfdruck bewerkstelligen.

Allerdings bringt es zwei zusätzliche Kilos auf die Waage und kostet 1600 Euro extra. Womit eine voll ausgestattete CRF1100L Africa Twin Sports Adventure mit DCT und EERA inklusive Liefernebenkosten und Gepäcksystem die 20.000-Euro-Marke überspringt.

Technische Daten Honda Africa Twin

Motor             

Flüssigkeitsgekühlter Parallel-Zweizylinder-Viertaktmotor, 1084 ccm Hubraum, vier Ventile pro Zylinder, SOHC, 75 kW/102 PS bei 7500 U/min, maximales Drehmoment: 105 Nm bei 6250 U/min; Einspritzung, 6 Gänge, Kette

Fahrwerk            

Doppelschleifen-Rohrrahmen, 45 mm Upside-down-Telegabel vorne, Aluminium-Zweiarmschwinge hinten, Gasdruck-Zentralfederbein

Bremsen

310 mm Doppelscheibenbremse vorne, 256 mm Einscheibenbremse hinten

Reifen 90/90-21 mit Schlauch (vorne) bzw. 150/70-18 mit Schlauch (hinten)  
Maße & Gewicht Radstand 1,575 Meter, Sitzhöhe 87/85 cm, Gewicht fahrfertig: 226 kg (DCT-Version: 236 kg), Tankinhalt: 18,8 Liter
Verbrauch Normverbrauch: 4,9 l/100 km (mit DCT: 4,8 l/100 km)  
Preis

ab 14.165 Euro


Text: Ulf Böhringer/SP-X. Fotos: Honda.

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