BMW R18: Der Super-Boxer kommt 2020

8.7.2019

BMW will neue Märkte erobern und schickt Mitte 2020 die R18 ins Rennen um die weltweite Cruiser-Kundschaft. Mit drehmomentstarkem 1,8-Liter-Boxermotor fordert das Big Bike Rivalen wie Harley-Davidson und Honda heraus.

BMW R18 stehend
Mit der Serienversion des Prototypen "Concept R18" will BMW den Markt der Big Cruiser erobern
  • 1,8 Liter Hubraum sollen für starken Anrieb sorgen
  • Beim Motor spricht BMW von einer "mechanischen Schönheit"
  • Neue R18 soll erfolgreicher sein als die bis 2004 gebaute R 1200 C

Skulptur, Monument oder nur ein Motor? Der neu entwickelte 1,8-Liter-Boxer ist das Herzstück des Prototypen "BMW Concept R18". Ab Mitte 2020 soll er den ersten Big Cruiser der bayerischen Marke antreiben. Was vom derzeitigen Motor bleiben wird, ist noch unklar, denn offene Vergaser werden kaum für Euro 5 genügen.

Der R18-Boxer punktet in Optik und Drehmoment

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Der Hinterreifen vom BMW R18
Typisch Big Cruiser: Der sehr präsente Hinterreifen der BMW R18 

Aber schon jetzt ist klar: Mit rund 1800 cm3 erfüllt der sicher extrem drehmomentstarke Antrieb ein entscheidendes Kriterium. Mindestens 1,8 Liter sind nötig, um die auf dem US-Markt entscheidende Grenze von 100 cubic inch Hubraum zu erreichen. 

Spätestens hier wird klar: BMW zielt mit der R18 nicht in erster Linie auf den deutschen oder europäischen, sondern auf die USA und den gesamten Weltmarkt. Hier hat das Segment der Big Cruiser eine weitaus größere Bedeutung: Von rund 1 Mio. verkauften Motorrädern über 500 cm3 waren 2018 weltweit mehr als 350.000 Cruiser. BMW will also nicht nur Harley-Davidson, Honda oder auch Triumph und Indian Konkurrenz machen – man will vom riesigen Kuchen ein stattliches Stück abbekommen.

Mit so einem Versuch sind die Bayern schon mal ziemlich gescheitert. Aber offenbar haben sie aus den bescheidenen Erfolgen der ersten Cruiser-Baureihe R 1200 C (1997 bis 2004, ab 1999 auch R 850 C) gelernt. Die R18 ist mit ihrem hubraumstarken Motor besser gewappnet für die besonderen Anforderungen an einen Big Cruiser. 

BMW Motorrad-Chef Dr. Markus Schramm erklärte uns im Exklusiv-Interview: "Von Beginn der Entwicklung zur R18 war immer klar, dass der Antrieb ein Boxer sein muss. Dahinter stecken Marktforschungen, bei denen auch für uns überraschend herauskam: Die Kunden interessieren sich hier gar nicht so sehr für die Technologie der Motoren, sondern legen vor allem Wert auf Optik und Drehmoment. In beidem ist der R18-Boxer über jeden Zweifel erhaben."

Pures Motorradfahren: Fühlen statt denken

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BMW R18 von vorne
Wohl nicht serientauglich: Kupplungs- und Bremshebel am Lenkerende

Mit 1800 cm3 Hubraum sollte das Thema Drehmoment keines sein, davon wird die R18 jederzeit genug haben. Für die 225 Nm des momentan Hubraum- und Drehmoment-stärksten Power Cruisers Triumph Rocket III wird es zwar nicht reichen, aber ein ähnlich hoher Wert sollte für die BMW R18 durchaus drin sein. Grund: Beim 1,25-Liter-Boxer der aktuellen R 1250 GS erzielten BMW-Motorenentwickler immerhin 143 Nm Drehmoment. Dabei spielt die variable Ventilsteuerung "ShiftCam" eine wichtige Rolle. Kommt sie auch beim 1,8-Liter-Boxer zum Einsatz, wären hochgerechnet 205 Nm möglich. Gangwechsel werden beim entspannten Dahingleiten jedenfalls Seltenheitswert haben.

Mehr als jedes andere BMW-Modell verkörpert der künftige Big Cruiser das pure Motorradfahren. Design-Chef Edgar Heinrich: "Mit ihrer klar lesbaren Ästhetik verkörpert sie für mich genau das, was Motorradfahren im Kern ausmacht: Fühlen statt Denken, und Technologie nicht als Selbstinszenierung, sondern als Raum für Fantasie. Dieses Concept Bike begeistert, du willst es unbedingt fahren. Und wenn du abgestiegen bist, stellst du es nicht einfach in die Garage und gehst weg – du drehst dich noch mal um und schaust zurück."

Was vom Prototypen bis zur Serienreife bleibt, deutet sich bereits an. Nicht in die Produktion werden es Details wie der Fischschwanz-Auspuff schaffen. Er stammt aus längst vergangenen Zeiten, lang bevor es strikte Lärm-Vorschriften gab. Auch die klassisch an den Lenkerenden befestigten Kupplungs- und Bremshebel halten heutigen Sicherheitsstandards keinesfalls stand.

Motorblock und das Getriebe aus glasperlengestrahltem Aluminium

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Der Auspuff und die Radgabel vom BMW R18
Eine offen liegende Kardanwelle überträgt bei der R18 die Antriebskraft 

Optimistischer gibt sich Edgar Heinrich hingegen in Bezug auf die im Stil von BMW-Klassikern chromblitzende, offen liegende Kardanwelle: "Gut möglich, dass das für die Homologation so bleiben kann. Das ist schließlich auch nicht gefährlicher, als eine offen liegende Kette." 

Und weitere Komponenten wie eine hochmoderne Upside-Down-Gabel lassen sich für die künftige Serienmaschine auf klassisch trimmen – allen voran die markentypische schwarze Lackierung mit handgezogenen Zierlinien. Beim Motor spricht Heinrich von einer "mechanischen Schönheit". Wer den mächtigen Boxer genau betrachtet, kann nur beipflichten: Ein Augenschmaus sind zum Beispiel der Motorblock und das Getriebe aus glasperlengestrahltem Aluminium. Das gilt auch für handpolierte Alumiuniumteile wie die wuchtigen Ventildeckel. Die lassen kaum erahnen, ob sich dahinter Zwei- oder Vierventiltechnik verbirgt.

Motorrad-Chef Schramm geriet regelrecht ins Schwärmen, als er von seinen ersten Fahreindrücken mit dem künftigen Big Cruiser berichtete – und speziell von der Optik des Antriebs: "Wenn man auf dem Prototypen Concept R18 sitzt, ist der Blick unweigerlich auf dieses Unikat von Motor gerichtet. Sie sitzen da wirklich auf einem Kunstwerk. Da müssen sie direkt aufpassen, dass Sie die Augen auf der Straße lassen und sich nicht dauernd an dieser Skulptur erfreuen." Aber auch dieses "Sicherheitsrisiko" wird BMW bis zum Verkaufsstart der R18 in den Griff bekommen.

Fazit: R18 – Inspiration durch BMW-DNA von 1923

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BMW R18 historischer Vorgänger
Offene Vergaser, verchromte Ansaugrohre, glasperlengestrahlter Motor

Quer zur Fahrtrichtung eingebauter Boxermotor, Kardanantrieb, schwarzer Lack mit weißen, handgezogenen Zierlinien – so lautet im Wesentlichen seit 1923 die DNA von BMW Motorrad, damals begründet durch die R32. Fast 100 Jahre später wird Mitte 2020 nach exakt diesem Strickmuster ein sogenannter Big Cruiser auf den Markt kommen. Neben den typischen Grundmerkmalen werden die R18 weitere Details auszeichnen, die an frühere Modelle der Marke erinnern. Zu den historischen Vorbildern gehören die R5 von 1936 sowie die ein Jahr jüngere R17. 

Text: Ralf Schütze. Fotos: BMW, Ralf Schütze

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