BMW R nineT Scrambler: Zweirad-SUV für Hipster

9.5.2019

Die Scrambler-Version der BMW R nineT ist eine Art SUV auf zwei Rädern: Unsere Test-Redaktion ist die Konkurrentin von Ducati Scrambler 1100 und Triumph Scrambler 1200 ausgiebig gefahren. Plus: Technische Daten, Bilder, Preis.

BMW R NineT Scrambler fahrend von der Seite
BMW setzt auf den derzeitigen Scrambler-Trend 

Nach der Retro-Welle kommt der Scrambler-Boom: Urbane Hipster rollen lässig auf ihren leicht geländegängig wirkenden Motorrädern durch die Straßen. Was bei Autos SUVs sind, verkörpert hier die BMW R nineT Scrambler: Sie ist (im Gegensatz zur der zierlicheren R nineT) mit längerem Radstand, höherer Sitzposition und tiefer platzierten Fußrasten auch für Fahrer über 1,85 m bestens geeignet. Weitere klassische Merkmale eines Scrambler-Motorrads: Längere Federwege, entspannte Sitzposition, breiter und hoher Lenker, grobstollige Reifen und eine höhergelegte Auspuffanlage.

Knackiger Boxersound

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BMW R NineT Scrambler Auspuff
Die übereinanderliegenden Auspuffendrohre sind Serie

Zu den handwerklich aufwendigen Details gehören der lackierte Stahlblechtank, die in ”Sattelbraun“ gefärbte, auffallend flache Zweiersitzbank, die hübsche Leichtmetall-Gabelbrücke oder die Alu-Blende mit ”R nineT“-Prägung.

Die typische, leichte Hochbeinigkeit verdankt BMWs Scrambler unter anderem dem großen 19 Zoll-Vorderrad (R nineT: 17 Zoll) und leicht verlängerten Federwegen von vorne 125 und hinten 140 mm (R nineT: 120/120). An der Front kommt eine klassische Telegabel mit Gummifaltenbälgen zum Einsatz, hinten die BMW-typische Paralever-Einarmschwinge mit Zentralfederbein.

Auch wichtig fürs Scrambler-Flair: Eine höhergelegte Doppel-Auspuffanlage vom Spezialisten Akrapovic, aus der ein knackiger Boxer-Sound tönt. Praktisch: Der Heckrahmen ist leicht demontierbar und ermöglicht so den schnellen Umbau der R nineT Scrambler vom Zweisitzer in ein Solo-Motorrad.

Extrem spartanische Instrumente

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BMW R NineT Scrambler Tacho
Fehlanzeige: Drehzahl- oder Ganganzeige

Fans der puristischen BMW stören sich an arg spartanischen Instrumenten, die im Serientrimm nichts über Drehzahl oder den gerade eingelegten Gang verraten. Ganz im Gegenteil.

Das cleane Flair ist sicher ein Grund dafür, dass die Scrambler inzwischen die meistverkaufte von insgesamt fünf BMW R nineT-Varianten ist. Damit gilt sie derzeit als beliebtester Scrambler in Deutschland.

Doch die Konkurrenz nimmt zu: Nach der 2018 lancierten Ducati Scrambler1100 wird Anfang 2019 als weiterer direkter Rivale die Triumph Scrambler 1200 erwartet.

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Exklusive Designdetails

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BMW R NineT Scrambler Tank
Der Stahlblechtank ist lackiert

Der luftgekühlte Boxermotor setzt sich in der R nineT Scrambler mit bauartbedingten Vorteilen in Szene: Tiefer Schwerpunkt, druckvoller Drehmomentverlauf, kerniger Motorsound. Es handelt sich dabei exakt um den luft-/ölgekühlten, Euro 4-konformen Boxermotor aus der R nineT mit 1170 cm³ Hubraum, 110 PS (81 kW) Leistung sowie 116 Nm Drehmoment bei 6000 U/min.

Die letzte, relativ hoch klingende Zahl täuscht: Denn schon knapp über Leerlaufdrehzahl schiebt der Boxer bärenstark an. Allerdings legt sich der 1,2-Liter-Motor teils etwas ruppig ins Zeug. Er hat zwar mehr PS und Nm zu bieten, als zum Beispiel die direkte Konkurrenz Ducati Scrambler 1100 (86 PS, 88 Nm).

Aber die Italienerin zeigt mit ihrem bewährten Zweiventil-V2-Motor, wie sanft und geschmeidig sich Antriebskraft entfalten kann.

Wenig feinfühlige Vordergabel

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BMW R NineT Scrambler Scheinwerfer
Altbewährt: Luft-/Ölkühlung

Das Fahrwerk der R nineT Scrambler zeigt sich zwiespältig: Bei niedrigerem Tempo geht sie ungewöhnlich leicht in Schräglage, bei höheren Geschwindigkeiten verlangt sie einen deutlichen Impuls.
Hier macht sich offenbar der große Durchmesser des 19 Zoll-Vorderrads mit hohen Kreiselkräften bemerkbar.

Die Vorderradgabel könnte feinfühliger ansprechen. Leider ist sie nicht einstellbar, nur hinten lassen sich Zugstufe und Vorspannung verändern. Die vordere Telegabel hätte BMW gut und gerne durch eine höherwertige Upside-Down-Gabel ersetzen können, ohne gleich jeden Preisrahmen zu sprengen.

Denn mit 13.150 Euro liegt die Bayerin ausstattungsbereinigt etwa gleichauf mit der Ducati.

 

Steckbrief
 BMW R nineT Scrambler
Motor Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor, vier Ventile je Zylinder, Hubraum 1170 ccm, Leistung 81 kW/110 PS bei 7750 U/min, max. Drehmoment 116 Nm bei 6000 U/min, klauengeschaltetes Sechsganggetriebe, Kardan
Fahrwerk Stahl-Gitterrohrrahmen, Motor mittragend, vorn Telegabel 43 mm, hinten “Paralever”-Einarmschwinge, vorn hydraulisch betätigte Doppelscheibenbremse 320 mm, hinten Einscheibenbremse 265 mm, BMW Motorrad-ABS, Reifen vorn 120/70 ZR19, hinten 170/60 ZR17
Maße und Gewichte
Radstand 1527 mm, Tankinhalt 17 Liter, Sitzhöhe 820 mm, Leergewicht 220 kg, zulässiges Gesamtgewicht: 430 kg
Messwerte
Höchstgeschwindigkeit ”über 200 km/h“, 0–100 km/h 3,6 s, WMTC-Kraftstoffverbrauch kombiniert: 5,3 l/100 km
Preis  ab 13.150 Euro (zzgl. Nebenkosten)

 

Ob sich ein Fan der großvolumigen Zweizylinder-Scrambler-Bikes für eine Ducati mit V-, eine BMW mit Boxer- oder künftig eine Triumph mit Reihen-Motor entscheidet, wird eher eine Frage des Geschmacks und der Marken-Sympathie sein. Wer zum Boxer greift, schätzt die BMW R nineT Scrambler vor allem für ihren bulligen Antrieb, die gelungene Optik und den knackigen Sound sowie die weitgehend gute Ergonomie. Grenzen beim Langstreckenkomfort nimmt ein urbaner Hipster gerne in Kauf…

Text: Ralf Schütze. Fotos: Ralf Schütze (4), BMW AG.

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