BMW R 1250 RT: Der Super-Tourer im Fahrbericht

27.5.2019

Mit der R 1250 RT hat BMW ein komfortables Reisemobil geschaffen. Doch der Tourer kann auch sehr agil sein. Hier der Fahrbericht unserer Testredaktion. Plus: Technische Daten, Bilder, Verbrauch, Preise. 

BMW R 1250 RT fahrend in der Kurve
Kurven räubern, Autobahnkilometer abspulen: Die RT kann beides
  • Bärenstarker 1,25-Liter-Boxer mit 136 PS
  • Fast 500 km Reichweite mit einer Tankfüllung
  • 112 Liter Stauvolumen reichen für die Reise zu zweit

 

Windgeschützt bei 160 km/h auf dem Motorrad sitzen, relaxtes Reisen genießen, soweit der Tank reicht: Wer dieses Gefühl kennt, ist vielleicht schon mal eine BMW RT gefahren oder besitzt sogar eine. Seit 1978 ist das bayerische Tourenbike berühmt für seinen Langstreckenkomfort, zu dem der kräftige, kultivierte und dabei recht genügsame Boxermotor bestens passt. Auch wenn's kaum möglich erscheint: Mit der der jüngsten RT-Version, der R 1250 RT, hat sich der Reisekomfort nochmals gesteigert. 

Der Verbrauch des 1,25-Liter-Boxers ist gesunken, Reichweite und Durchzugskraft haben dagegen zugelegt. Und so bringt das 279 kg schwere Motorrad seine Passagiere hinter dem elektrisch verstellbaren Windschild höchst bequem an weit entfernte Ziele. Trotzdem taugt die RT auch zur flotten Kurvenjagd, wie man sie diesem Dickschiff nie zutrauen würde. Kehren und Serpentinen sind dank der vertrauenerweckenden Straßenlage und ausgewogenen Gewichtsverteilung pures Vergnügen, leicht und zielgenau folgt das Bike der angepeilten Linie.  

Sportliches Fahrwerk, druckvoller Motor

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BMW R 1250 RT Cockpit
Cockpit mit Navi und Audiosystem: Musikgenuss bis Tempo 100

Wem das nicht unterhaltsam genug ist: Auch ein Radio ist optional an Bord – eines jener Ausstattungsdetails, die man in ersten Moment nicht gerade für sinnvoll hält. Aber gerade auf längeren Strecken lässt sich das Musikprogramm aus den Lautsprechern durchaus genießen. Bis 100 km/h jedenfalls, bei höherem Tempo "siegt" akustisch der Fahrtwind. Das Audiosystem muss einem freilich 1085 Euro Aufpreis wert sein.

In Seitenkoffern und Topcase lassen sich 32 + 31 + 49 Liter Gepäck verstauen. Macht 112 l Kofferraum – prima für das Wochenendgepäck von zwei Personen. Die Sitzposition für Sozius oder Sozia ist bequem, für den RT-Fahrer fällt sie recht aktiv aus. Das passt zum (auf Wunsch) sportlichen Fahrwerk und zum druckvollen Antrieb: Nur 3,7 Sekunden vergehen beim Sprint von 0 auf 100 km/h. Und wer's tatsächlich so ungestüm mag, sollte sich die Anschaffung der Fahrmodi Pro (180 Euro) gönnen, denn im Dynamik-Modus spielt die RT ihre Sportlichkeit erst richtig aus.

Wartungsfreier Kardanantrieb

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BMW R 1250 RT stehend von der Seite
Reisemotorrad mit Gepäckraum: 112 Liter passen in die drei Koffer

Für die Performance der neuen R 1250 RT gibt es eine Zauberformel: "ShiftCam". Dahinter steckt eine variable Ventilsteuerung, die für viel Kraft sorgt: Je nach Lastzustand und Drehzahl öffnen oder schließen sich die beiden Einlassventile jedes Zylinders unterschiedlich. Die Folge: Höhere Durchzugskraft bei geringen wie auch bei hohen Drehzahlen, niedrigerer Verbrauch, sauberere Verbrennung. 

Bei unseren Testfahrten hielt die R 1250 RT, was ihre Papierform verspricht: Der Motor fühlt sich sehr impulsiv an, bringt aber seine schiere Kraft geschmeidig auf den Antriebsstrang samt wartungsfreundlichem Kardanantrieb. Wenn man Gas wegnimmt, fällt das Nachlassen des Vortriebs sanfter aus als bisher, das Vorderrad nickt so gut wie gar nicht ein. Die Bremsen sind auch nach dem Wechsel auf einen US-Lieferanten (nur vorne) wirkungsvoll und gut dosierbar. 

Kurven-ABS jetzt serienmäßig

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BMW R 1250 RT Schalter am Lenker
Schaltzentrale: Knöpfe und Drehrad zur Bedienung der vielen Features

Angenehm: Der "klassische" laute Schlag beim Einlegen des ersten Ganges ist dezenter geworden. Wer sich für 425 Euro den Schaltassistent Pro gönnt, genießt besonders sanftes Rauf- und Runterschalten – und zwar ohne eigenes Dazutun an Kupplung oder Gasgriff. 

Zu den wichtigsten RT-Neuerungen gehört das serienmäßige Kurven-ABS sowie die Möglichkeit, das elektronische Fahrwerk Dynamic ESA "Next Generation" gegen Aufpreis zu ordern. Als Teil des empfehlenswerten Touring-Pakets kostet es 1370 Euro – inklusive Sitzheizung, Tempomat und Navi-Vorbereitung. In der Einstellung "Auto" erkennt Dynamic ESA selbstständig den Beladungszustand – vom Solofahrer bis zur Doppelbesatzung samt Gepäck.

Was stört an der RT? Nicht viel. So könnte man sich über Spiegelungen im unteren Display mokieren, weil die direkt dahinter liegende Lenkerbrücke Sonnenlicht stark reflektiert. Oder über die Rückspiegel: Sie bieten zwar gute Sicht nach hinten, sind aber sehr tief platziert.

Bildergalerie BMW R 1250 RT

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Ein Overdrive wäre schön

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BMW R 1250 RT fahrend mit Sozius
Auch zu zweit kommod unterwegs: Das Elektronik-Fahrwerk denkt mit 

Auf längeren Strecken kommt uns der sechste Gang etwas kurz übersetzt vor. Bei Tempo 120 dreht der Boxer immerhin rund 3500/min. Angesichts des bärenstarken Antriebs könnte der höchste Gang also gerne stärker in Richtung Overdrive ausgelegt sein. Der versprochene Verbrauch von 4,75 l/100 km bestätigt sich nicht ganz bei unserem Test-Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahn.

Trotzdem erweist sich die RT als genügsam. Entspannt lässt sie sich mit wenig mehr als 5 l/100 km bewegen, eine Reichweite von annähernd 500 Kilometern ist also drin. Schnelle Autobahnfahrten steigern den Verbrauch auf bis zu 7 l/100 km – aber selbst dann liegen beruhigende 350 km Distanz zwischen zwei Tankstopps.

Sorgenfreies Reisen ermöglichen die automatische Erkennung des Ladezustands sowie die Berganfahrhilfe und Standbremse Hill Start Control (HSC). Versierte Tourenfahrer mögen es als Bevormundung empfinden, wenn der Steigungs- und Gefälle-Assistent beim Anfahren relativ spät seine Bremskraft löst, mancher Motorradreisende aber wird heilfroh darüber sein. Wie auch immer: Die Hilfe ist abschaltbar.

Viele edle Extras – zum Extrapreis

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BMW R 1250 RT Front
"Blueplanet metallic"-Lack, braune Sitzbank: Diese Optik kostet extra

Und jetzt zur Kasse: Wer sich eine BMW R 1250 RT mit reichlich Touren-Sonderausstattung gönnt, treibt den Preis seines Motorrad locker auf über 20.000 Euro – mit der 1700 Euro teuren und außergewöhnlichen Lackierung "Option 719 Blueplanet metallic" unseres Testmotorrads und weiteren Extras auch spielend leicht in Richtung der 25.000-Euro-Marke. Überhaupt bietet die neue "Option 719" viele Möglichkeiten, eine einzigartige RT zusammenzustellen – dazu gehören z.B. edle Alu-Frästeile (für stolze 1750 Euro) oder die braune beheizte Sitzbank der Testmaschine, deren Aufpreis (205 Euro) fast schon gnädig erscheint.

Fazit: Die jüngste RT ist ein extrem komfortabler Autobahn-Tourer und zugleich ein überraschend agiler Landstraßenflitzer – für gutes Geld erhält der Kunde das Beste aus zwei Welten.

Technische Daten

Steckbrief   BMW R 1250 RT
Motor

Luft-/flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor mit variabler Einlass-Nockenwellensteuerung ShiftCam, Hubraum 1254 cm3, max. Leistung 100 kW/136 PS bei 7750 U/min, max. Drehmoment 143 Nm bei 6250 U/min, klauengeschaltetes Sechsganggetriebe, Kardan

Fahrleistungen Höchstgeschwindigkeit "über 200 km/h"
Fahrwerk Zweiteiliges Rahmenkonzept aus Haupt- und daran angeschraubtem Heckrahmen, Motor mittragend, BMW Motorrad Telelever, Zentralfederbein 
37 mm vorn, Aluminiumguss-Einarmschwinge mit BMW Paralever, WAD Federbein, Federvorspannung stufenlos einstellbar, Zugstufendämpfung per Handrad einstellbar hinten, BMW Motorrad-Integral ABS (teilintegral), abschaltbar
Bremsen Doppelscheibenbremse, schwimmend gelagerte Bremsscheiben 320 mm, Vier-Kolben-Radialbremssättel vorn, Einscheibenbremse 276 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel hinten
Maße/Gewichte Radstand 1485 mm, Tankinhalt 25 Liter, Sitzhöhe 805/825 mm (optional 760 bis 850 mm), Leergewicht fahrfertig 279 kg
Verbrauch kombiniert 4,75 l/100 km, CO2-Ausstoß 110 g/km
 Preis ab 18.000 Euro (zuzüglich Nebenkosten) 

Text: Ralf Schütze. Fotos: BMW AG (5), Ralf Schütze (6) 

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