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Auto und Fahrrad: Für mehr Miteinander

11.4.2018

Jetzt sind wieder deutlich mehr Radfahrer auf den Straßen unterwegs. Deshalb kommt es auch häufiger zu Missverständnissen zwischen Radlern und Autofahrern. Die wichtigsten Tipps, damit es im täglichen Miteinander besser klappt. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit zum Lesen – denn mehr Verständnis heißt weniger Konflikte

Ein Autofahrer übersieht einen Fahrradfahrer auf dem Radweg
Eine vermeidbare Situation: Ein kurzer Blick nach rechts und der Autofahrer hätte den Radler rechtzeitig gesehen

Die Zahl der Radfahrer steigt seit Jahren. Allerdings verändert sich die Infrastruktur für Zweiräder nicht in der gleichen Geschwindigkeit: Ein Grund, warum es zwischen Rad- und Autofahrern immer wieder zu Streitereien und Missverständnissen kommt. Oft liegt es auch daran, dass nicht jeder alle Verkehrsregeln kennt – sich aber jeder im Recht fühlt.

Was Radfahrer beachten sollten

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Ein Fahrradfahrer fährt bei viel Verkehr über eine rote Ampel
Auch für Radfahrer heißt es an der roten Ampel Stopp!

Oft werden Radler schlicht übersehen. Deshalb: Kleiden Sie sich als Radfahrer möglichst auffällig und schalten Sie bei Dämmerung und Dunkelheit Ihr Licht an.

Zeigen Sie Ihre Absicht immer eindeutig an: Ein Autofahrer kann nicht wissen, dass Sie abbiegen wollen, wenn Sie kein Handzeichen geben.

Benutzen Sie den Radweg, wo ein blaues Schild es erfordert (siehe unten). Fahren Sie nur in die zugelassene Richtung: Auch erfahrene Autofahrer rechnen meist nicht mit Geisterfahrern.

Versuchen Sie für Pkw- und Lkw-Lenker mitzudenken: Nicht immer ist diesen klar, dass ihr Fahrzeug einen toten Winkel hat. Meiden Sie den toten Winkel beim Fahren und beim Stehen.

Auch wenn Sie Recht haben: Pochen Sie nicht darauf! Im Zweifel sind Radfahrer die schwächeren Verkehrsteilnehmer.

In für Fahrradfahrer freigegebene Einbahnstraßen dürfen Sie auch in die Gegenrichtung fahren. Allerdings sind diese Straßen oft relativ eng. Halten Sie Blickkontakt mit den entgegenkommenden Fahrern – so lassen sich Gefahrensituationen mit wenigen Gesten entschärfen.

Wann Sie den Radweg benutzen müssen

Eine Übersicht von für Fahrradfahrer wichtige VerkehrszeichenJedes dieser Schilder weist einen benutzungspflichtigen Radweg aus – als reinen Radweg (1), als eigene Spur neben dem Fußweg (2) oder zusammen mit Fußgängern auf einem gemeinsamen Weg (3). Überall hier müssen Radfahrer den ausgewiesenen Weg benutzen. Dabei gilt bei Schild 3 besondere Vorsicht, denn hier teilt man sich den Weg mit Fußgängern – da ist gegenseitige Rücksichtnahme gefordert.

Ausnahme: Ist der Radweg – etwa im Winter oder wegen einer Baustelle – unpassierbar, dürfen Radfahrer trotz der Schilder die Fahrbahn benutzen. Daher sollten Autofahrer stets mit Radfahrern auf der Straße rechnen.

Was Autofahrer über Radfahrer wissen sollten

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Frau öffnet die Beifahrertür und trifft Radfahrer auf dem Radweg
Vor dem Öffnen der Autotür sollte der Blick kurz nach hinten gehen

Besonders an Engstellen haben Autofahrer manchmal den Eindruck Radler würden absichtlich weit in der Mitte der Staße fahren: Aber Radfahrer müssen zum rechten Fahrbahnrand und zu parkenden Autos genügend Sicherheitsabstand einhalten.

Halten Sie beim Überholen selbst mindestens 1,5 Meter Abstand zum Radfahrer. Bei höherem Tempo und wenn Sie Kinder überholen wollen, sollte der seitliche Sicherheitsabstand mindestens 2 Meter betragen.

Radfahrer dürfen auf Radwegen oder auf Straßen fahren. Außer ein blaues Verkehrsschild (siehe oben) schreibt ihnen vor, dass sie den Radweg benutzen müssen.

Selbst wenn es vor der roten Ampel eng ist: Radfahrer dürfen laut §5 der Straßenverkehrsordnung wartende Autos rechts überholen – allerdings "mit mäßiger Geschwindigkeit und besonderer Vorsicht".

Schutzstreifen für Radfahrer sind meist nur durch eine Markierung von der Fahrbahn abgetrennt, doch das heißt nicht, dass Autofahrer sie zum Ausweichen oder Parken benutzen dürfen: Auf Radfahrstreifen haben Autos nichts verloren!

Im Radfahrerland Holland lernen Neulinge es bereits in der Fahrschule: Öffnen Sie die Fahrertür von innen mit der rechten Hand. So dreht sich der Oberkörper automatisch leicht in Richtung des nachfolgenden Verkehrs –  dadurch sehen Sie auch in den toten Winkel. Bei unseren Nachbarn knallen dadurch wesentlich seltener Radfahrer gegen unachtsam geöffnete Autotüren. Wie genau der "Dutch Reach" funktioniert, sehen Sie in diesem englischsprachigen Youtube-Video*.

Auch wenn Sie Recht haben: Pochen Sie nicht darauf! Was nützt es, wenn Sie Recht hatten und es dennoch einen Unfall gibt? Die Hauptschuld trägt in der Regel immer der "stärkere" Autofahrer.

Text: Stefan Sielaff. Fotos: Simon Kratzer, Raffaele Celentano (2), PR (3). (acfo)

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