Pedelecs: Alles zu Kauf, Bedienung & Akku

19.3.2018

Elektrofahrräder bzw. Pedelecs (Pedal Electric Cycles), also Fahrräder mit einem elektrischen Zusatzantrieb, erleben einen unveränderten Aufschwung. Nicht mehr nur ältere, sondern zunehmend auch jüngere Fahrradfahrer wählen dieses Verkehrsmittel, das körperliche Bewegung an der frischen Luft mit integriertem Rückenwind ermöglicht. Wir sagen Ihnen, was Sie rund um Kauf, Bedienung und Akku wissen müssen.

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Foto: iStock.com/Halfpoint

Pedelec, schnelles Pedelec und e-Bike

Grundsätzlich lassen sich Elektrofahrräder in drei Kategorien einteilen: Pedelecs, schnelle Pedelecs und e-Bikes. Ein Pedelec unterstützt auf Wunsch den Fahrer beim Treten. Die Stärke der Unterstützung ist dabei einstellbar, verringert sich mit zunehmender Geschwindigkeit und endet bei 25 Stundenkilometern. Diese am weitesten verbreitete Variante der Elektrofahrräder wird daher auch als Pedelec 25 bezeichnet. Für das Anfahren verfügen manche Modelle über eine zusätzliche Schiebehilfe, die das Pedelec auch ohne Pedaleinsatz bis auf 6 Stundenkilometer beschleunigen kann. Das ist insbesondere am Berg komfortabel.

Das schnelle Pedelec (Speed-Pedelec, S-Pedelec oder Pedelec 45) ist stärker motorisiert und bietet eine Unterstützung bis 45 Stundenkilometer. Diese Variante kann auch ohne Tretarbeit bis auf 20 Stundenkilometer beschleunigen und zählt daher rechtlich nicht mehr zu den Fahrrädern, sondern zu den Kleinkrafträdern. Auch sind für den Betrieb eine Fahrerlaubnis sowie ein Versicherungskennzeichen erforderlich. Dazu müssen die Fahrer einen Helm tragen und dürfen die Radwege nicht benutzen.

Bei e-Bikes arbeitet der Motor komplett unabhängig vom Treteinsatz, sie sind damit am ehesten mit einem Elektromofa zu vergleichen. Je nach zulässiger Höchstgeschwindigkeit gelten für e-Bikes entsprechende Führerscheinanforderungen und Verhaltensvorschriften.

 
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Das Display zeigt Geschwindigkeit und Akkuleistung. Foto: iStock.com/123ducu

Herzstück der Pedelecs: der Akku

Die Reichweite, die mit einem Akku erzielt werden kann, hängt einerseits von der Kapazität ab, andererseits aber auch von den Einsatzbedingungen wie Steigung, Treteinsatz, Temperatur, Geschwindigkeit, Gang, Gegenwind, Beladung, Fahrergewicht oder gewählter Unterstützungsstufe. Mit einer Akkuladung können Sie meist zwischen 30 und 100 Kilometer fahren. Spätestens danach muss der Akku zwei bis acht Stunden an die Steckdose. Sollte der Akku bereits während der Fahrt komplett leer werden, kann ein Pedelec immer noch mit reiner Muskelkraft bewegt werden, was jedoch aufgrund des höheren Gewichts etwas schwerer fällt als mit einem normalen Fahrrad.

Akku, Sensorik, Bremse: Die Technik entscheidet

Die Technik ist das entscheidende Element von Pedelecs, insbesondere Antrieb, Sensorik, Bremse und Akku bestimmen über die Qualität:

  • Antrieb

Beim Antrieb gibt es drei Varianten: den Vorderrad-Nabenmotor, den zentralen Tretlagermotor und den Hinterrad-Nabenmotor. Durchgesetzt hat sich trotz des höheren Preises der zentrale Tretlagermotor, weil dieser ein stabiles und wendiges Fahren ermöglicht. Durch den niedrigen Schwerpunkt fährt sich das Pedelec ähnlich wie ein herkömmliches Fahrrad. Auch ein Reifenwechsel ist bei diesem Antriebskonzept wie gewohnt möglich. Der Heckantrieb eignet sich wegen der guten Traktion vor allem für sportliche Pedelecs, erschwert allerdings das Heben über Treppen oder in den Zug. Der Frontmotor ist besonders bei preisgünstigen Pedelecs verbreitet, kann aber besonders auf rutschigem Untergrund oder in Kurven zu einem Durchdrehen oder Wegrutschen führen.

  • Sensorik

Die Motoren von Pedelecs werden über Sensoren gesteuert. Hier gibt es zwei Typen: den Trittfrequenzsensor und den Drehmomentsensor. Der Trittmomentsensor findet sich bei den günstigeren Modellen und erkennt lediglich die Pedalbewegung. Die Intensität, mit der man in die Pedale tritt, erfasst dieser Sensor nicht. Folglich kann die Motorleistung stärker oder schwächer ausfallen als gewünscht. Der Drehmomentsensor, der in hochwertigeren Pedelecs eingebaut ist, misst dagegen die Kraft, mit der der Fahrer in die Pedale tritt. Dementsprechend wird, in Verbindung mit der gewählten Stufe, die Motorunterstützung gesteuert: viel Leistung bei kräftigem Treten, geringe Trethilfe bei schwachem Pedaldruck.

  • Bremse

Durch höhere Geschwindigkeiten und das höhere Gewicht im Vergleich zum Fahrrad ist beim Pedelec eine gute Bremsleistung außerordentlich wichtig. Daher sind insbesondere bei hohem Körpergewicht oder häufigem Gepäcktransport hydraulische Felgen- oder Scheibenbremsen empfehlenswert, da sie den herkömmlichen mechanischen Felgenbremsen überlegen sind, vor allem wenn diese aus einfachen Bauteilen bestehen. Bei Pedelecs mit Frontantrieb ist auch der Einbau einer Rücktrittbremse möglich. 

  • Akku

Pedelecs können mit unterschiedlichen Energiespeichern ausgerüstet sein. Durchgesetzt haben sich Lithium-Ionen-Akkus (Li-Ion), die mit einem geringen Gewicht, einer kurzen Ladezeit und einer Lebensdauer von etwa 1000 Ladezyklen überzeugen. Einige Hersteller bieten auch preiswertere, aber weniger leistungsfähige Nickel-Metallhydrid-Akkus (NiMH) an. Der Akku ist entweder unterhalb des Gepäckträgers, am Rahmendreieck oder im Rahmen selbst befestigt. Aus Gründen der Diebstahlsicherheit und für einen leichteren Transport sollte darauf geachtet werden, dass der Akku leicht zu entnehmen und abzuschließen ist.

Der richtige Umgang mit dem Akku

Der Akku sollte nur mit dem dazugehörigen Ladegerät im Trockenen und bei den vom Hersteller bestimmten Temperaturen – meist etwa 20 Grad Celsius – geladen werden. Der Akku sollte beim Abstellen des Pedelecs und insbesondere beim Laden vor direkter Hitze geschützt werden. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sollte der Akku während des Parkens abgenommen und in einem geheizten Raum gelagert werden, um Schäden zu vermeiden. Nach dem Laden sollten Akkus wieder vom Stromnetz genommen werden. Übrigens: Eine Fahrt im Regen oder Schnee beeinträchtigt den Akku nicht.
Das Aufladen kann unabhängig vom Ladezustand erfolgen. Teilladungen schaden modernen Li-Ion-Akkus zwar nicht, verringern aber die Lebensdauer. Der ideale Ladezustand des Akkus beträgt je nach Hersteller zwischen 50 und 100 Prozent und ist der Bedienungsanleitung zu entnehmen. 
Wird der Akku über einen längeren Zeitraum gelagert (z.B. im Winter), muss einiges beachtet werden: Generell sollten Sie den Akku getrennt vom Ladegerät und bei Temperaturen von 0 bis 20 Grad Celsius und mit einem Ladezustand von 30 bis 60 Prozent lagern. Falls der Akku einmal herunterfällt, sollte ein Fachhändler kontrollieren, ob er ausgetauscht werden muss. Der gebrauchte Akku muss zum Tauschen oder zur Entsorgung immer zum Fachhändler gebracht werden. Dort erhält man bei Bedarf einen neuen, für den 300 bis 800 Euro zu veranschlagen sind.

 

Tipps zum Kauf

  • Überlegen Sie sich, welche Ausstattung und Eigenschaften das Pedelec haben soll. Reichweite, Gewicht und Akkuladezeit sind wichtige Kriterien für die Wahl eines Pedelecs. Achten Sie auch auf fahrstabile Rahmen, besonders bei Tiefeinsteigern.
  • Lassen Sie sich im Fachhandel beraten. Das Pedelec kann dort entsprechend Ihren Bedürfnissen und Ihrer Körpergröße konfiguriert werden. Nehmen Sie sich Zeit und lassen Sie sich umfassend in die Technik einweisen.
  • Testen Sie verschiedene Modelle, auch bei ausgeschaltetem Antrieb und an Steigungen. So finden Sie heraus, welches Antriebs- und Bremssystem am besten zu Ihnen passt. Zu beachten ist auch, ob sich die Gänge am Berg leicht schalten lassen. Generell sollte das Rad beim Fahren stabil und komfortabel sein.
  • Prüfen Sie die Möglichkeiten zum Parken und Laden. Müssen Sie das Pedelec zum Parken über Treppen tragen, sollten Sie vor dem Kauf auch das Heben testen. Bei einem Gewicht von etwa 25 Kilo und mehr kann dies sehr umständlich sein. An Rampen kann eine integrierte Schiebehilfe von Vorteil sein. Ein herausnehmbarer Akku ist in Bezug auf das Laden flexibler als ein fest eingebauter Stromspeicher.
  • Prüfen Sie, ob der Akku leicht herausnehmbar ist. Wenn er in der Wohnung oder im Büro geladen werden soll, sollte er einfach abnehmbar sein und ein akzeptables Gewicht haben. Fragen Sie außerdem nach der Garantie für den Akku.
  • Machen Sie sich mit dem Display vertraut. Es sollte leicht verständlich, bei jedem Wetter gut lesbar und einfach zu bedienen sein.