Fahrradanhänger oder Kindersitz: Was ist sicherer?

24.5.2019

Solange Kinder noch nicht selbst Radfahren können, fahren sie bequem im Fahrradanhänger oder im Kinderfahrradsitz mit. Auch größere Radtouren sind damit kein Problem. Jedes System hat Vor- und Nachteile. Worauf Sie beim Kauf achten sollten, haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Frau fährt auf Fahrrad und zieht Fahrradanhänger
©Fotolia/Alexander Rochau

Eltern, die ihre Kleinen mit dem Rad mitnehmen wollen, sollten überlegen, welches System am besten zu den Anforderungen ihres Alltags passt. Im Wesentlichen gibt es vier Systeme: Kindersitze, Fahrradanhänger, sogenannte Nachziehräder und Lastenräder. Beliebt sind besonders Fahrradanhänger und Kindersitze. Das Radfahren mit Anhänger kann aber auf engen Fahrradwegen, im Fall von Gegenverkehr oder beim Rangieren wegen der Breite des Gespanns durchaus schwierig werden. Eltern, die sich für einen Kindersitz entscheiden, müssen sich mehr auf die eigene Balance konzentrieren. Das gilt besonders, wenn hinten ein kleiner Zappelphilipp sitzt. Spurwechsel oder enge Kurven können auch hier wackelig werden, vor allem beim Anfahren und bei langsamer Fahrt.

In jedem Fall aber gilt: Kinder sollten immer einen Fahrradhelm tragen und angegurtet sein. Und gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr ist – egal für welches System man sich entscheidet – ein Muss. Außerdem muss der Fahrer selbst, wenn er Kinder auf dem Rad mitnimmt, mindestens 16 Jahre alt sein.

Fahrradanhänger - komfortabel und sicher

Die Vorteile

  • oft passen zwei Kinder in den Anhänger. Zudem können Eltern gut zusätzlich Gepäck, Proviant oder Spielzeug unterbringen
  • ideal für längere Fahrten
  • Kinder sitzen entspannt, können spielen und auch schlafen
  • Verletzungsrisiko bei Unfällen ist geringer als beim Kindersitz – allein aufgrund geringerer Fallhöhe
  • Kind ist vor Wind und Regen geschützt

Die Nachteile

  • Fahren auf Radwegen ist wegen der Breite nicht optimal, dies gilt besonders innerorts
  • Handhabung beim Bremsen und Rangieren ist gewöhnungsbedürftig
  • nicht jeder Fahrradanhänger bzw. jede Anhängerkupplung passt an jedes Fahrrad
  • nicht überall kann ein Rad mit Anhänger abgestellt werden und benötigt mehr Platz

Fahrradsitz - praxistauglich und unkompliziert

Die Vorteile

  • Hinterradsitze werden sicherer eingestuft als Sitze, die vor dem Lenker angebracht werden
  • verstellbare Gurtsysteme und Fußhalterungen ermöglichen problemlos eine Anpassung je nach Größe des Kindes
  • schnell und leicht zu montieren
  • Montage von zwei Halterungen für den Sitz an zwei Fahrrädern ermöglicht einen problemlosen Wechsel des Sitzes
  • für den täglichen Gebrauch sehr praktisch – besonders wenn man mit nur einem Kind unterwegs ist
  • der Nachwuchs ist den Eltern näher als im Anhänger
  • kostengünstiger als der Fahrradanhänger

 

Die Nachteile

  • erst wenn das Kind sicher aufrecht sitzen kann, kann es im Kindersitz auf dem Fahrrad mitfahren
  • für Kinder wird es schnell unbequem, da die Sitzposition nicht verändert werden kann
  • die Mitnahme von zusätzlichem Gepäck ist schwer möglich
  • kein Schutz vor Regen und Wind
  • höhere Verletzungsgefahr durch höhere Fallhöhe bei Unfall

 

Was ist sicherer?

Zwar haben beide Systeme im Alltag wenig generelle Vor- und Nachteile. Ob Kinder jedoch beim Radfahren mit den Eltern gut geschützt sind, hängt im Wesentlichen vom Können des Fahrers, der richtigen Bedienung, dem Einsatzort und dem technischen Zustand des Fahrrads ab. 

 

Erst testen, dann kaufen

Beim Radfahren mit Fahrradanhänger oder Kindersitz sollten Sie zunächst die veränderten Fahreigenschaften ohne Kinder (mit unempfindlicher Beladung) testen bevor Sie sich für ein System entscheiden. Bei einem Kindersitz müssen Speichen und zum Beispiel Sattelfedern des Fahrrads so gesichert sein, dass das Kind sich nicht verletzten kann. Vor dem Kauf eines Fahrradanhängers unbedingt prüfen, wie viel zulässiges Gesamtgewicht laut Herstellerangaben ihr Fahrrad ziehen darf. Sonst kann es bei zu viel Gewicht zu einem Rahmenbruch am Fahrrad kommen. Zudem kann nicht jede Anhängerkupplung an jedes Fahrrad montiert werden. Eine Beratung im Fachhandel ist damit unverzichtbar.

Nicht jedes Fahrrad ist für einen Fahrradanhänger geeignet.

 

Das fordert der Gesetzgeber

Kinder dürfen bis zum vollendeten siebten Lebensjahr mit Kindersitzen auf dem Fahrrad befördert werden.

Bis zu zwei Kinder dürfen bis zum vollendeten siebten Lebensjahr in einem Anhänger mit geeigneten Sitzen und Rückhaltesystemen mitfahren. Für das Gesamtgewicht des Anhängers gelten die Vorgaben des Herstellers in der Bedienungsanleitung. Fehlen Herstellerangaben, sollte der ungebremste Anhänger ein Gesamtgewicht von 40 Kilogramm nicht überschreiten. 

Fahrradrahmen und Bremsanlage müssen so solide beschaffen sein, dass sie den erhöhten Anforderungen standhalten.

Die Gestaltung der Beleuchtungsanlagen für Fahrradanhänger ist in der Straßenverkehrszulassungsordnung festgelegt. Wie bei der Beleuchtungsanlage von Fahrrädern müssen vorgeschriebene bauartgenehmigte lichttechnische Einrichtungen angebracht sein. Diese dürfen nicht verdeckt sein.

Nach vorne müssen die Anhänger folgende Beleuchtungen haben:

  • bei einer Breite von mehr als 60 Zentimetern einen paarweise angebauten weißen Rückstrahler mit maximalem Abstand von 20 Zentimeter zur Außenkante
  • bei einer Breite des Anhängers von mehr als einem Meter zusätzlich eine Leuchte für weißes Licht auf der linken Seite

Nach hinten müssen die Anhänger ausgestattet sein:

  • mit einer Schlussleuchte für rotes Licht auf der linken Seite, wenn mehr als 50 Prozent der leuchtenden Fläche der Schlussleuchte des Fahrrades durch den Anhänger verdeckt wird
  • mit zwei roten Rückstrahlern der Kategorie „Z“ mit einem maximalen Abstand von 20 Zentimetern zur Außenkante

Nach beiden Seiten benötigen sie:

  • ringförmig zusammenhängende retroreflektierende weiße Streifen an Reifen oder Felgen oder Rädern. Oder weiß retroreflektierenden Speichen oder Speichenhülsen an jedem Rad. Möglich sind auch zwei gelbe Speichenrückstrahler an jedem Rad (um 180 Grad versetzt angebracht).

Achtung: Diese Vorgaben gelten nicht für Fahrradanhänger, die vor dem 1. Januar 2018 in Verkehr gebracht wurden.

 

Text: Andrea Piechotta.

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