Formel E: Alle Infos zur Saison 2019/2020

19.11.2019

Erst Audi und BMW, jetzt auch Mercedes und Porsche: In der neuen Saison starten vier deutsche Hersteller in der Formel E. Mitte Juni 2020 gastiert der Rennzirkus mit Elektroantrieb in Berlin.

Formel E Vorschau Porsche Lotterer fahrend
Neuling Porsche: Hier mit André Lotterer am Steuer 
  • 14 Rennen auf vier Kontinenten 
  • Insgesamt 10 Autohersteller am Start, davon vier deutsche
  • Mercedes und Porsche neu in der Formel E

 

Am 22. November beginnt die sechste Saison der Formel E. Insgesamt 14 Rennen auf vier Kontinenten werden in der neuen Saison geboten. Los geht es im saudi-arabischen Riad, weitere Veranstaltungsorte sind das mittelamerikanische Mexiko Stadt, die US-Metropole New York, das asiatische Jakarta sowie die europäischen Großstädte Rom, Paris und Berlin. 

In Berlin wird der Kurs auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof nun schon zum sechsten Mal aufgebaut. Mitausrichter des am 21. Juni 2020 stattfindenden Rennens ist der ADAC Berlin/Brandenburg. "Wir freuen uns, dass die Zukunftsserie erneut in Berlin Station macht", so Janko Garbsch, Abteilungsleiter Motorsport. "Wir als ADAC übernehmen sehr gern wieder die sportliche Organisation!"

Porsche-Piloten mit viel Erfahrung 

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Formel E Vorschau Porsche Jani einsteigen
Der zweite Porsche-Fahrer Neel Jani auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz

Die Rennkurse sind zwischen zwei und drei Kilometer lang, enthalten bis zu 21 Kurven. Für die Fahrer heißt das: Hunderte Male beschleunigen und bremsen, beschleunigen und bremsen. Im Gegensatz zur großen Schwester Formel 1 wird bei der Formel E in Innenstädten gefahren.

Gut für die Ökobilanz: Die Zuschauer können zu Fuß oder mit dem ÖPNV kommen. So haben sie keinen Stau und keinen Stress – weder bei der Anfahrt noch beim Heimweg. In der Stadt zu fahren wird möglich, weil die Elektro-Boliden keinerlei Emissionen ausstoßen und weil sie im Vergleich zu anderen Rennautos leise sind. 

Diese Stille ist für den traditionsbewussten Motorsportfan mindestens gewöhnungsbedürftig. Trotzdem wird in der Formel E beinharter Motorsport geboten.

Der Deutsche André Lotterer, 38, fährt für das neue Werksteam von Porsche. Er erklärt: "Als Fahrer bist du in der Formel E viel mehr gefordert, weil sich das Auto viel bewegt und unruhig ist. Für mich ist das Racing in der Formel E der schwierigste Job in meiner Rennkarriere!" 

Der zweite Porsche-Fahrer heißt Neel Jani. Er kommt aus der Schweiz und ist auch schon 36 Jahre alt. Porsche setzt bei seinem Debüt offensichtlich auf Erfahrung.

Mercedes durch Formel 1-Erfolg motiviert

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Formel E Fahrzeug von Mercedes
Mission Titelgewinn: Mercedes-Pilot Stoffel Vandoorne bei einer Testfahrt

Das Mercedes EQC-Team ist ebenfalls neu dabei. Ob die beiden Fahrer Stoffel Vandoorne aus Belgien, 27, und Nyck de Vries, 24, aus den Niederlanden ähnlich erfolgreich sein werden wie die Kollegen um Lewis Hamilton in der Formel 1? 

Teamchef Ian James sagt: "Wir blicken bei Mercedes-Benz auf 125 Jahre im Motorsport zurück. Aber wir wissen, dass die Formel E ganz anders ist als alle anderen Rennserien, in denen wir bislang angetreten sind. Vor uns liegt eine steile Lernkurve."

Audi ist mit dem Team Abt seit 2014/2015 in der Formel E am Start, BMW seit der letzten Saison. Als Favorit gilt der amtierende Champion Jean-Éric Vergne am Steuer eines DS Techeetah.

Titelchancen rechnen sich auch Virgin Racing und Nissan aus. Beide Teams haben in der letzten Saison oft ganz vorn mitgemischt. Bekanntester Pilot der Serie ist Felipe Massa. Er tritt für das Venturi Team an. Der Brasilianer kämpfte 2008 im Ferrari um den Titel in der Formel 1. Und blieb damals in der Endbabrechnung nur einen Punkt hinter Lewis Hamilton.

Teams und Fahrer: Saison 2019/2020

Team Fahrer (Nation) Start-Nr.   Alter Platz
Vorsaison
Audi Lucas di Grassi (BRA) #11 35  3.
Audi Daniel Abt (D) #66 27 7. 
BMW Maximilian Günther (D) #27 22  17. 
BMW Alexander Sims (GB) #28 31  13. 
DS* Jean-Éric Vergne (F)* #25 29  1. 
DS António Félix da Costa (P) #13  28  6. 
Dragon Brendon Hartley (NZ)  #6  30 
Dragon  Nico Müller (CH)  #7  27  – 
Jaguar Mitch Evans (NZ)  #20  25  5. 
Jaguar  James Calado (GB) #51  30  – 
Mahindra Jérôme d´Ambrosio (B)  #64  34  11. 
Mahindra  Pascal Wehrlein (D)  #94 25  12. 
Mercedes Stoffel Vandoorne (B)   #5  27  16. 
Mercedes  Nyck de Vries (NL)  #17  24  – 
Nio  Oliver Turvey (GB)  #3  32  20. 
Nio Ma Qing Hua (CHN)   #33  22  – 
Nissan Sebastian Buemi (CH)  #23  31  2. 
Nissan  Oliver Rowland (GB)  #22  27  10. 
Porsche  André Lotterer (D)   #36  38  8. 
Porsche  Neel Jani (CH)   #18  36 
Venturi  Felipe Massa (BRA)  #19  38  15. 
Venturi   Edoardo Mortara (CH)   #48  32  14. 
Virgin  Sam Bird (GB)   #2  32 9. 
Virgin  Robin Frijns (NL)  #4 28  4. 
* Vergne und DS sind amtierende Fahrer- und Konstrukteurs-Champions

Wer siegen will, muss mit der Energie haushalten

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Formel E Fahrzeug von Mercedes
Nyck de Vries ist mit 24 Jahren der Youngster im Mercedes EQ Team

Schnell sein ist in der Formel E allerdings nur das eine. Denn wer immer Vollgas fährt, kommt nicht ins Ziel. Und das soll auch so sein, schließlich geht es auch bei "normalen" E-Autos um den sinnvollen Einsatz der gespeicherten Energie.

Porsche-Pilot Lotterer erklärt: "Man ist ständig mit dem Verbrauch beschäftigt. Wir haben Töne im Ohr, die uns sagen, dass wir jetzt vom Gas gehen müssen. Und dann heißt es, jetzt musst du die Energie zurückgewinnen. Das Display zeigt, ob du über dem Verbrauch bist oder drunter. Idealerweise fährt man über die Ziellinie mit null Energie."

Ebenso wichtig wie das Können der Fahrer ist die Technik der Boliden. Und da kommt es auf die Unterschiede im Detail an. Zwar wird der McLaren-Akku als Standardbauteil allen Teams zugeliefert, die Konfiguration des Antriebsstrangs obliegt aber den Teams. Ihre Ingenieure entwickeln den Elektromotor, die Spannungswandler, die Kühlung sowie alles, was die Rekuperation betrifft. 

Erfolgreich als Fahrer ist, wer durch geschicktes Energiemanagement die Ladung des Akkus am effizientesten bis ins Ziel nutzt. Nicht zuletzt entscheidet aber auch die entwickelte Software über Sieg oder Niederlage. Ein Bereich, in den die Motorsport-Fans leider nicht hineinschauen können – trotz aller Nähe zum Geschehen.

Formel E 2019/2020: Strecken und Termine

14 Läufe in Metropolen weltweit

Lauf Termin Ort  Länge Kurven/
Schikanen 
1 & 2 22./23.11.2019 Riad (Saudi-Arabien)  2,494 km 21/3
3 18.1.2020 Santiago (Chile)  2,348 km 14/2
4 15.2.2020 Mexico City 2,093 km 18/3
5 29.2.2020 Marrakesch (Marokko)   2,971 km 12/1
6 21.3.2020 Sanya (China)   2,236 km 11/2 
7 4.4.2020 Rom (Italien)   2,860 km 21/3
18.4.2020 Paris (Frankreich)   1,920 km 14/2 
3.5.2020  Seoul (Südkorea)   2,860 km 21/3 
10  6.6.2020  Jakarta (Indonesien)   2,400 km 13/4 
11  21.6.2020  Berlin (Deutschland)   2,377 km 10/- 
12 11.7.2020  New York (USA)   2,373 km 14/2 
13 & 14  25.7.2020  London (England)  2,925 km   15/5 

Text: Wolfgang Rudschies. Fotos: PR.

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