Carsharing-Vergleich: Anbieter mit Elektroautos

19.8.2019

Welcher Carsharing-Dienst hat Elektroautos im Angebot? Und was kostet eine Fahrt damit? Die ADAC Redaktion hat recherchiert: Anbieter, Preise und Beispielfahrten im Überblick.

E-Car-Sharing VW E-Golf
Der neue Anbieter WeShare von VW startet mit einer rein elektrischen Flotte in Berlin
  • ShareNow ist der größte Anbieter im (elektrischen) Carsharing
  • Die Fahrtkosten setzen sich meist aus Zeit- und Kilometerpreis zusammen
  • Preisvergleich: Was bestimmte Fahrten mit Elektroautos bei 14 Anbietern kosten 

 

In Deutschland existieren viele Carsharing-Angebote, die sich in ihren Konzepten, Preismodellen, Standorten und ihrer Fahrzeugflotte unterscheiden. Doch die Gemeinsamkeit liegt auf der Hand: Sie bieten vor allem Gelegenheitsfahrern eine bequeme und oftmals preisgünstige Alternative zum eigenen Pkw. Umwelt- und klimaschonend wird Carsharing aber erst mit emissionsfreien Elektrofahrzeugen.

Wer hat Elektroautos in seiner Flotte?

Alle großen Carsharing-Unternehmen haben Elektrofahrzeuge im Programm. Die zwei größten Anbieter DriveNow von BMW und car2go von Daimler haben sich im Februar 2019 zu ShareNow zusammengeschlossen. Eine einheitliche App ist noch nicht erschienen, deshalb gibt es weiterhin zwei unterschiedliche Preismodelle. Die Fahrzeugflotte von ShareNow besteht aus Verbrennern und Stromern, der Anteil der Elektroautos soll bis Ende 2019 aber europaweit deutlich erhöht werden.

Der zweitgrößte Carsharer Flinkster, eine Tochter der Deutschen Bahn, liegt mit einer deutlich niedrigeren Kundenanzahl klar hinter ShareNow. Trotz der vielfältigen Fahrzeugflotte vom Kleinstwagen bis zum Sprinter ist der Anteil an Elektroautos eher gering. Die meisten Elektroautos werden von Flinkster-Partnern bereitgestellt, z.B. von teilAuto oder Drive-CarSharing. Zu finden sind sie in vielen deutschen Städten, oft an festen Stationen in Bahnhofsnähe.

Neben Anbietern mit gemischter Flotte gibt es auch Unternehmen, die nur auf Elektrofahrzeuge setzen. So ist zum Beispiel WeShare von Volkswagen vor Kurzem mit einer rein elektrischen Flotte von 1500 Elektrogolfs in Berlin gestartet. E-Wald hat sich mit über 200 Elektroautos vor allem im ländlichen Raum etabliert. Weitere Player finden Sie in unseren Vergleichstabellen.

Sind e-Autos teurer?

Nein. Die meisten Carsharing-Dienste haben unterschiedliche Preisklassen. Ein Kleinwagen ist billiger als ein Auto der Oberklasse. Elektrofahrzeuge sind bei allen Anbietern entsprechend ihrer Klasse eingeordnet und damit nicht teurer als modellgleiche Autos mit Verbrennungsmotoren. Eine Ausnahme macht stadtmobil in Hannover, dort werden alle Elektroautos der nächst höheren Klasse zugeteilt.

Was kostet eine Fahrt mit einem Elektroauto?

Die Fahrtkosten der Anbieter setzen sich meist aus Zeitpreis und Kilometerpreis zusammen. Bei stationsbasierten Anbietern müssen die Autos an ihren festen Standort zurückgebracht werden, sie werden für einen Stundenpreis (plus Kilometerpauschale) angeboten. Bei stationsunabhängigen Anbietern, den Free-Floatern, wird pro gefahrene Minute (plus Kilometerpauschale) abgerechnet. Letztere sind vor allem für One-Way-Fahrten geeignet, denn das Fahrzeug kann an einem beliebigen Ort innerhalb des Geschäftsgebiet abgestellt werden.

Die Preisbausteine

Zoom-In
E-Car-Sharing Renault Zoe
Bei my-e-car laden Sie den Renault Zoe kostenfrei mit erneuerbarem Strom
  • Zeitpreis: Stationsgebundene Anbieter berechnen einen Stundenpreis je nach Tarif, Fahrzeugmodell, Tageszeit und Standort. Free-Floater rechnen pro Minute ab und bieten meist Stundenpakete zum Festpreis an.
  • Kilometerpreis: Je nach Wagenmodell und Tarif wird pro gefahrenen Kilometer abgerechnet, meist ist eine bestimmte Kilometeranzahl inklusive. Manche Carsharing-Dienste erheben keine Kilometerpauschale.
  • Anmeldegebühren: In der Regel verlangen die Dienstleister bei der ersten Anmeldung eine Gebühr, etwa 10 bis 30 Euro. Einige verrechnen sie teilweise als Fahrtguthaben.
  • Grundgebühren: Manche Anbieter erheben für jede Fahrt eine Grundgebühr von 1 bis 2 Euro, unabhängig von Nutzungsdauer und Fahrzeug.
  • Laden/Strom: Stationsgebundene Elektroautos befinden sich immer an einer Ladestation und müssen dort nach der Nutzung kostenfrei wieder aufgeladen werden. Free-Floater-Dienste übernehmen das Aufladen selbst. Einige belohnen die Nutzer, wenn sie ein Fahrzeug mit einem Ladestand unter 25 Prozent an eine Partner-Ladesäule hängen.
  • Sonstige Kosten: Stationsbasierte Dienste bieten oft Sondertarife für bestimmte Nutzergruppen an. Dabei werden monatliche Gebühren fällig, die vor allem für Vielfahrer die Fahrtpreise erheblich senken können. Bei manchen Anbietern wird außerdem eine Kaution verlangt, die bei Vertragsende wieder erstattet wird.

Kostenübersicht Free-Floater

Die angegebenen Preise zeigen die Spanne vom niedrigsten bis zum höchsten Betrag pro Minute für ein Elektroauto, abhängig von Fahrzeugmodell, Zeit, Ort und Nachfrage. Vor allem SIXT Share hat eine dynamische Preisberechnung, so kann der genaue Minutenpreis für eine bestimmte Fahrt nur in der App ermittelt werden. WeShare hat bis Ende Dezember einen Einstiegspreis, der sich danach erhöhen wird.


Anbieter Zeitpreis pro Minute & Grundgebühr Kilometerpreis Anmeldegebühr
car2go (ShareNow) 0,19 bis 0,39 € 0,29 €, inkl. 200 km  9 € (ADAC Mitgliedervorteil: kostenlose Registrierung und 10 € Startguthaben)
DriveNow (ShareNow) ca. 0,36 € und 1 € Grundgebühr pro Fahrt 0,29 €, inkl. 200 km 29 € (ADAC Mitgliedervorteil: kostenlose Registrierung und 30 Freiminuten)
Sixt Share
ab 0,19 € 0,34 €, inkl. 200 km 29 €
WeShare (Preise nur bis Ende Dezember 2019) 0,19 € und 1 € Grundgebühr pro Fahrt - Aktuell kostenlos

Beispielrechnungen: Free-Floater

Alle vier hier aufgeführten Anbieter befinden sich derzeit in einer Umstrukturierungs- oder Einstiegsphase oder haben eine dynamische Preisberechnung, die je nach Zeit, Ort und Auslastung sehr stark variiert. Wir haben zwei Fahrtbeispiele für Sie durchgerechnet. Es lohnt sich aber, sich individuell in der jeweiligen App einen Preis ermitteln zu lassen.


Anbieter Geschäftsgebiete Einkauf nach Hause fahren (5 km, 10 Minuten) Fahrt zum Flughafen (10 km, 30 Minuten)
car2go (ShareNow) Stuttgart (rein elektrisch), Hamburg
1,90 bis 3,90 € (smart EQ fortwo, Mercedes B-Klasse ED) 11,60 bis 15,20 € (smart EQ fortwo)
DriveNow (ShareNow) Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln, München
4,60 € (BMW i3) 18,80 € (BMW i3)
Sixt Share Berlin, Hamburg, München
ab 1,90 € (Renault Zoe) ab 13,70 € (Renault Zoe)
WeShare Berlin 2,90 € Einstiegspreis (VW e-Golf) 6,70 € Einstiegspreis (VW e-Golf)

Im ersten Beispiel werden nach einem Einkauf die schweren Tüten mit einem Carsharing-Elektroauto nach Hause transportiert. Die 10-Minuten-Fahrt kommt bei car2go und SixtShare am günstigsten, bei beiden werden mindestens 1,90 Euro berechnet. Mit 4,60 Euro ist DriveNow deutlich teurer, dafür ist man mit einem BMW i3 unterwegs. Die Strecke von 5 Kilometern wird bei keinem der Anbieter angerechnet.

Das zweite Beispiel ist eine typische One-Way-Fahrt zum Flughafen, in diesem Fall nehmen wir den Flughafen Hamburg. Bei allen Anbietern fällt ein Flughafenzuschlag zwischen 5,90 Euro (car2go) und 8 Euro (Sixt Share) an. Nur WeShare bietet zum Start eine gebührenfreie Anfahrt des Flughafens (in Berlin) und ist für eine Fahrt von 30 Minuten mit 6,70 Euro sehr günstig. Bei DriveNow bezahlen Sie mit 18,80 Euro am meisten.

Kostenübersicht stationsgebundene Anbieter

Der Stundenpreis für ein e-Auto enthält alle möglichen Buchungsvarianten je nach Tarif (evtl. kommen Monatsgebühren hinzu), etwa Fahrzeugmodell, Zeit, Ort, Wochentag und verbrauchte Kilometer. Von der Preisangabe ausgenommen sind die Teslamodelle bei E-Wald und Ruhrauto-e.


 Anbieter Zeitpreis pro Stunde & Grundgebühr Kilometerpreis Anmelde- und Tarifgebühren
E-Wald 3,99 bis 9,99 €
0,15 €, inkl. 300 km 10 €
my-e-car 5 €, ab der zweiten Stunde 2 € bzw. 4 € 0,25 €, inkl. 50 km je gebuchte Stunde -
deer 4,50 bis 6,50 € - Jährliche Grundgebühr 29,90 bis 34,90 €
Ruhrauto-e 3,50 bis 4,90 € 0,10 bis 0,20 €, inkl. 30 km
40 € (davon 20 € Guthaben)
Flinkster 1,50 bis 8 €
0,18 bis 0,20 € 29 € (ADAC Mitgliedervorteil: 15 € Anmeldegebühr und 15 € Startguthaben)
cambio 0,50 bis 7,30 € 0,20 bis 0,37 € (bis 100 km), 0,14 bis 0,22 € (ab 101 km) 30 €, monatliche Gebühr 0 bis 25 €
stadtmobil 0 bis 3,70 € und Grundgebühr je nach Stadt 0 bis 2 €
0,13 bis 0,32 € 0 bis 70 €, monatliche Gebühr 0 bis 29 €
Drive-CarSharing 1,50 bis 7 €
0,16 bis 0,20 € 20 € (davon 10 € Guthaben)
book-n-drive 2,64 bis 5,50 € und Grundgebühr je nach Tarif 0 € bzw. 2 €
0,27 bis 0,31 € (bis 50 km), 0,22 bis 0,25 € (ab 51 km) Aktuell kostenlos, monatliche Gebühr 0 bis 9,90 €
teilAuto 0,40 bis 2,88 €
0,19 bis 0,34 € (bis 199 km), 0,13 bis 0,23 € (ab 200 km)
25 €, monatliche Gebühr 0 bis 30 €

Beispielrechnungen: Stationsgebundene Anbieter

Die stationären Dienste glänzen vor allem mit einer großen Vielfalt an Fahrzeugmodellen. Der Renault Zoe ist dabei das beliebtestes e-Auto und wurde beispielhaft für den Preisvergleich genommen. Die Kosten der jeweiligen Fahrten sind immer mit den Stundenpreisen berechnet, die tagsüber, unter der Woche und mit Tarifen ohne monatliche Gebühren gelten.

Lediglich bei deer fallen jährliche Gebühren je nach Standort zwischen 29,90 und 34,90 Euro an. Bei Stadtmobil unterscheiden sich sowohl die Stundenpreise als auch die Tarifangebote von Stadt zu Stadt. So gibt es in Karlsruhe, Baden-Baden, Ettlingen und im Rhein-Ruhr-Gebiet keine Tarife ohne monatliche Gebühren.


Anbieter  Geschäftsgebiete Hin- und Rückfahrt zum Einkaufen (10 km, 2 Stunden) Tagesausflug (300 km, 24 Stunden)
E-Wald Überwiegend in Südostbayern
13,98 €
45 €
my-e-car Baden-Württemberg
9 €
60 €
deer (zzgl. jährl. Gebühr) Baden-Württemberg
9 € / 13 € je nach Standort
29,90 bis 39,90 € je nach Standort
Ruhrauto-e Bochum, Dortmund, Essen, Duisburg etc.
9,80 €
72 €
Flinkster Bundesweit
6,40 €
93 €
cambio Aachen, Bielefeld, Bremen, Hamburg, Köln, Saarbrücken etc.
8,50 €
93 €
stadtmobil Hannover, Karlsruhe, Ettlingen, Rhein-Ruhr, Rhein-Neckar, Stuttgart etc.
7,40 € (Rhein-Neckar), 10 € (Stuttgart)
98,80 € (Rhein-Neckar), 130 € (Stuttgart)
Drive-CarSharing In 49 Städten
13,80 €
114 €
book-n-drive Rhein-Main-Gebiet
16,10 €
135 €
teilAuto Chemnitz, Dresden, Erfurt, Halle, Leipzig etc.
8,18 €
105,32 €

Nutzt man ein Carsharing-Auto für eine Hin- und Rückfahrt zum Supermarkt, bietet sich ein stationsgebundenes Fahrzeug an. In unserem Beispiel dauert der komplette Einkauf zwei Stunden bei einer Strecke von zehn Kilometern. Flinkster berechnet dafür 6,40 Euro und ist damit am preiswertesten. Allerdings ist ein Renault Zoe von Flinkster selten zu finden und wird meist von Flinkster-Partnern zu einem höheren Preis angeboten. Für einen Euro mehr ist die Einkaufsfahrt mit stadtmobil im Rhein-Neckar-Gebiet auch sehr günstig. Bei book-n-drive bezahlen Sie mit 16,10 Euro am meisten.

Für Tagesausflüge (24-Stunden) haben alle Anbieter gesonderte Preise. Nur my-e-car gibt einen Tageshöchstpreis von 60 Euro an, der bereits ab der 15. Stunde gilt. Für eine Tagestour mit einer zurückgelegten Strecke von 300 Kilometern bezahlt man bei unserem Beispiel durchschnittlich etwa 86 Euro. Günstig ist der Anbieter deer mit einem Preis zwischen 29,90 Euro und 39,90 Euro, dicht gefolgt von E-Wald mit 45 Euro. Den höchsten Gesamtpreis von 135 Euro berechnet wieder book-n-drive. Insgesamt schneiden die Anbieter mit rein elektrischer Flotte bei den 24-Stunden-Preisen am günstigsten ab.

Fazit

Die Wahl eines bestimmten Anbieters sollte primär vom eigenen Nutzverhalten abhängen. Wer eine einfache, kurze Fahrt plant und flexibel in der Stadt unterwegs sein will, sollte auf Dienste zurückgreifen, die ihre Elektroautos nach dem Free-Floating-Prinzip anbieten.

Für längere Fahrten oder gar Tagestouren sind die stationsgebundenen Anbieter die beste Wahl. Vor allem für Vielfahrer lohnen sich die verschiedenen Tarifvarianten der stationären Dienste. Elektrofahrzeuge unterscheiden sich bei beiden Carsharing-Arten preislich nicht von klassischen Verbrennern, ihr Anteil an der gesamten Carsharing-Flotte in Deutschland ist jedoch noch sehr gering.

In unseren Beispielfällen hat sich unter den Free-Floatern car2go hervorgetan, wobei sich noch zeigen wird, zu welchen Preisen der Nachfolger ShareNow seine Elektroautos anbieten wird. WeShare wird ab Ende Dezember jedenfalls deutlich teurer. Bei den stationsabhängigen Diensten schneiden Flinkster und stadtmobil am günstigsten ab. Beim Tagesausflug liegen aber alle Carsharing-Dienste mit rein elektrischer Flotte vorne, deer steht an der Spitze.

 

Text: Anna Bauder. Fotos: WeShare, Juri Junkov

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