Mahindra in der Formel E: Unbekanntes Schwergewicht

15.2.2019

Das indische Team Mahindra Racing ist mit wenig Rennsport-Know-How in die Formel E gekommen, fährt dort aber längst vorne mit. Die Erfahrungen nutzt der Mutterkonzern, um Elektroautos für den Weltmarkt zu entwickeln

Mahindra führt Formel-E Rennen an
Beim Rennen in Marokko holte Jérôme d'Ambrosio den ersten Saisonsieg
  • Pascal Wehrlein fährt jetzt an der Seite von Jérôme d'Ambrosio für Mahindra 
  • Das indische Unternehmen hat rund 240.000 Mitarbeiter
  • Mahindra investiert stark in die Entwicklung der E-Mobilität

 

In der Formel E spielt Mahindra schon lange vorne mit. Der indische Rennstall ist seit der ersten Saison dabei und hat immer wieder namhafte Piloten unter Vertrag genommen: In der Debütsaison etwa Bruno Senna, den Neffen von Formel 1-Legende Ayrton Senna, oder Nick Heidfeld, der ab 2015 drei Rennzeiten lang im Mahindra-Cockpit saß und in der aktuellen Saison Ersatzfahrer ist.

Pascal Wehrlein als Neuzugang

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Pascal Wehrlein
Pascal Wehrlein ist nun Teampartner von Jérôme d´Ambrosio

Den jüngsten Coup landeten die Inder mit der Verpflichtung des ehemaligen ADAC Formel Masters-, DTM-, und Formel 1-Fahrers Pascal Wehrlein, der seit Jahresbeginn Teampartner von Jérôme d'Ambrosio ist.

Auch sportlich hat Mahindra einige Erfolge aufzuweisen. Mit Felix Rosenquist schaffte das Team 2017 einen dritten Platz im Gesamt-Klassement – und in den ersten Rennen der laufenden Saison* landete Mahindra jedes Mal auf dem Podest.

In der Formel E ist der indische Autobauer also konkurrenzfähig, aber auch außerhalb der Rennserie ist er längst ein wirtschaftliches Schwergewicht – auch wenn das in Europa kaum einer mitbekommt.

Vom Stahlproduzenten zum Autobauer

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Mahindra Scorpio
Der Mahindra Scorpio ist seit 2002 auf dem Markt

Dabei baut Mahindra bereits seit mehr als 50 Jahren Autos. Allerdings vor allem solche, die für den Alltags- und Renngebrauch nicht unbedingt gemacht sind: Mit seiner Sparte Mahindra Defence Systems fertigt der Konzern kugelsichere Fahrzeuge für die indische Regierung und Panzerfahrzeuge für das Militär. Naheliegend, schließlich wurde die Firma im Jahr 1945 von den Brüdern Jagdish Chandra und Kailash Chandra Mahindra als Stahlunternehmen gegründet.

Verteidigungssysteme sind aber nicht die einzige Weiterentwicklung: In den vergangenen 75 Jahren hat Mahindra sich breit aufgestellt, mittlerweile sind die Inder in mehr als 20 Geschäftsfeldern aktiv, von Landwirtschaftszubehör über Luxusboote, Flugzeugbau, Informationstechnologie und Finanzservices bis hin zum Immobilienhandel. Das Unternehmen operiert von Mumbai aus, beschäftigt inzwischen aber rund 240.000 Mitarbeiter in mehr als 100 Ländern.
 
Auch den Automobilbereich hat Mahindra stetig ausgebaut. Anfangs, in den 1950er Jahren, lieferte die Firma noch Bauteile für Jeeps zu, nach und nach stieg das Unternehmen aber selbst in die Produktion von Fahrzeugen ein. Heute führt Mahindra eine breite Palette an Landmaschinen, Bussen, Zweirädern, Transportern und Lkw – das Unternehmen ist mittlerweile einer der größten Traktorenhersteller der Welt und Indiens größter Produzent von Nutzfahrzeugen.

Seit Beginn des Jahrtausends hat auch die Entwicklung von Pkw richtig Fahrt aufgenommen. Als Durchbruch gilt dabei der Mahindra Scorpio. Er ist der erste, komplett von Mahindra selbst umgesetzte SUV für den globalen Markt, auf dem er sich seitdem mehr als 500.000 Mal verkauft hat.

Mahindra ist ein breit aufgestellter Global Player

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Pininfarina PFO Yuvi 275 di
Auch im Sortiment: Traktoren

Um sein Know-How zu erweitern, ist Mahindra in den vergangenen Jahren auf große Shopping-Tour gegangen. Seit 2011 haben sich die Inder nach und nach die Mehrheiten am südkoreanischen Autohersteller SsangYoung, an der Peugeout-Zweiradsparte Peugeot Motocycles und an der italienischen Design- und Karosserieschmiede Pininfarina gesichert.

Jüngste Neuerwerbungen sind die türkischen Landmaschinenhersteller Hisalar und Erkunt Traktör, die seit 2017 Mahindra gehören. Auch am insolventen schwedischen Autobauer Saab zeigte das Unternehmen Interesse, konnte sich am Ende aber nicht durchsetzen.

Inzwischen führt Mahindra mehr als 20 Pkw-Varianten und verzeichnet stetig steigende Verkaufszahlen: Gerade erst hat der Konzern die Januarzahlen bekanntgegeben, die mit knapp 56.000 Fahrzeugen ein Plus von sieben Prozent im Vergleich zum Januar 2018 aufweisen. Die Zahlen zeigen aber auch, dass sich der Erfolg von Mahindra vor allem auf dem indischen Markt abspielt. Die große Mehrheit seiner Autos hat das Unternehmen dort verkauft, nämlich 52.500.

Mahindra investiert massiv in E-Mobilität

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Mahindra Evertio
Der eVerito ist ein E-Auto für den normalen Straßenverkehr

Das nächste Entwicklungsfeld in der Automobilbranche hat Mahindra längst ausgemacht: Die E-Mobilität. Seit Jahren investiert der Konzern in diesen Bereich, einige E-Fahrzeuge hat er bereits auf dem Markt, darunter Zwei- und Dreiräder, aber auch zwei Kleinwagen und einen Mini-Bus.

Noch aber halten sich die Verkaufszahlen in Grenzen, deshalb arbeitet Mahindra daran, seine Präsenz zu verstärken. Nach eigenen Angaben ist die Firma im Gespräch mit einigen indischen Städten, die Interesse daran haben, sich eine Flotte an Elektro-Fahrzeugen zuzulegen. Auch ein Pilotprojekt mit Uber ist geplant. Langfristig ist das Ziel, ein massentaugliches Elektroauto zu bauen, das preislich gegen die starke Konkurrenz aus China ankommt.

Die Formel E ist dabei ein wichtiger Baustein. Die Rennserie versteht sich ja ohnehin als Testfeld für Autobauer mit Ambitionen in der E-Mobilität, egal ob große Traditionsunternehmen wie BMW oder Start-Ups wie die chinesische Firma Nio. Und so verspricht sich auch Mahindra wichtige Erkenntnisse von dem, was sein Rennsportableger Mahindra Racing an Technologie für die Rennstrecke entwickelt und testet.

Die Erfahrungen will der Konzern künftig noch schneller in den Bau seiner Serienautos einbringen. Das zumindest hofft Mahindra-Chairman Anand Mahindra: "Schon jetzt bringen wir jede Menge Technologie aus der Formel E in unsere Straßenfahrzeuge. Das neue Auto ist ein weiterer großer Sprung für die Serie und die Industrie", ließ er zu Saisonbeginn mit Blick auf den aktuelle Formel-E-Boliden Gen2 verlauten.

Außer in seine "normalen" Straßenautos lässt Mahindra die Innovationen aus der Formel E auch in ein Prestigeprojekt fließen, das ihm sehr am Herzen liegt: Mit Pininfarina bastelt der Konzern gerade an dem ersten voll elektrischen Hypercar, das es mit Größen wie dem Bugatti Chiron, dem Ferrari LaFerrari und dem McLaren Senna aufnehmen soll. Der Rennwagen mit dem Namen "Pininfarina PF0" soll es mit seinen knapp 1930 PS in nur zwölf Sekunden von 0 auf 300 km/h schaffen und ab 2020 für rund 1,7 Millionen Euro zu haben sein.

Sollte Mahindra bei der Entwicklung von Elektro-Rennwagen und -Straßenautos also ähnlich erfolgreich durchstarten wie in der Formel E, müssen sich die Autobauer in Europa dann vermutlich doch ziemlich bald an den Namen gewöhnen.

 

Text: Fabian Herrmann. Fotos: PR.

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