Erlebnis Formel E: Mit dem Audi e-tron F05 auf der Rennstrecke

22.11.18

340 PS klingen lächerlich für einen Rennboliden. Doch schon der Kickdown lässt den Audi e-tron F05  in 3 Sekunden auf 100 schießen. Motorwelt-Autor Thomas Geiger konnte den neuen Formel E-Renner auf dem Circuit Mallorca testen.

Audi e-tron FO5 – auf dem Formel E-Kurs
Erste Testfahrt auf dem Circuit Mallorca im neuen Audi e-tron F05
  • Top Speed: Der Elektromotor beschleunigt auf Tempo 240
  • Mehr Power: Die Batterie reicht jetzt für ein ganzes Rennen
  • Ehrgeiziges Ziel: Das Audi-Team mit Daniel Abt will den Titel verteidigen

Allan McNish hat eine Mission: Nachdem der Chef des Audi-Formel-E-Teams seine Fahrer Daniel Abt und Lucas di Grassi gleich im ersten Jahr zu Weltmeistern gemacht hat, muss er in diesem Jahr den Mannschaftstitel verteidigen. 

Neues Einheits-Chassis für die Formel E

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Audi e-tron FO5 – auf dem Formel E-Kurs
Allan McNish, Formel E-Chef (rechts), und sein Team in der Audi-Box

Audis Formel-E-Chef muss ganz von vorne anfangen: Und zwar nicht nur, weil kurz vor dem Saisonstart am 15. Dezember in Riad alle Punkte gestrichen sind, sondern, weil er ein anderes Reglement und ein neues Auto bekommen hat: Audi e-tron F05 heißt der Rennwagen, der auf einem neuen Einheits-Chassis der FIA basiert.

Nachdem die Teams vier Jahre lang mit dem gleichen Auto gefahren sind, geht jetzt die nächste Generation an den Start – und demonstriert so den Fortschritt bei der Elektromobilität. Die wichtigste Änderung gilt der Batterie, die McLaren für alle Teams identisch liefert: Sie hat eine Kapazität von 54 statt 28 kWh und reicht damit für ein ganzes Rennen – wenn der Fahrer es irgendwie schafft, rund 30 Prozent seines Energiebedarfs durch Rekuperation zu decken oder durch Segeln einzusparen. Der Wechsel des Wagens zur Hälfe der Zeit ist damit Geschichte, und die Taktiker sind gefragt.

Die höchste Leistungsstufe hat 340 PS  

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Audi e-tron FO5
Das sportliches Einheits-Design erinnert von hinten an ein Batmobil

Um den Akku herum haben die FIA-Designer einen Formel-Rennwagen gezeichnet, der mit deutlich weniger Aerodynamik auskommt als die Kollegen aus der Verbrenner-Fraktion. Dahinter steckt die Motor-Generator-Unit, die den Wagen antreibt. Sie darf zwar von den Teams als einzige Schlüsselkomponente selbst entwickelt werden. Aber sie unterliegt strengen Vorgaben für die Leistung, die beim Training und sogenannten Fan-Boost auf 250, im normalen Rennen aber auf 200 kW limitiert ist.

250 kW oder 340 PS in der höchsten Leistungsstufe – auf dem Papier sind solche Zahlen lächerlich. Selbst der e-tron für die Straße hat mehr Power. Und jeder bessere Mittelklasse-Wagen ist schneller als 240 km/h, die Audi als Top-Speed angibt. Doch wenn man sich in die enge Röhre des Rennwagens gezwängt hat und die Sache aus der Fahrerperspektive sieht, dann schießt der Puls schon beim Gedanken ans Losfahren in die Höhe.

Elektroschock: Der Kickdown

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Audi e-tron FO5 – auf dem Formel E-Kurs
Autor Thomas Geiger im engen Cockpit des Formelboliden

Das gilt erst recht, wenn ein Laie am Lenkrad sitzt. Denn bevor Daniel Abt und Luca de Grassi in Riad an den Start gehen, bin ich an der Reihe und soll den elektrischen Boliden über einen Rundkurs auf Mallorca treiben. Dass diese Rennstrecke eher für Micky Maus gemacht ist als für echte Männer und schon für ein Kart zu eng erscheint, macht die Sache zwar nicht besser, aber authentischer: Schließlich fährt die Formel E ebenfalls auf höllisch verwinkelten Stadtkursen, auf denen die Fahrer sogar mit Kopfsteinpflaster oder Straßenbahnschienen zu kämpfen haben.

Dagegen ist der Circuit Mallorca eine Spazierfahrt. Nur eben ein bisschen eindrucksvoller. Schon der erste Kickdown ist wie ein Elektroschock. Ohne Vorwarnung und in überraschender Stille treibt es den gerade einmal 900 Kilo schweren e-tron in weniger als drei Sekunden auf Tempo 100. Auch mein Puls schnellt in Nullkommanichts auf 180. Dabei geht es bislang nur geradeaus.

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Mit 180 Sachen in die Schikane

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Audi e-tron FO5 – auf dem Formel E-Kurs
Aufregend leise: Der F05 beschleunigt in weniger als 3 Sekunden auf 100 

Die erste Kurve lässt nicht lange auf sich warten, und mit ihr die nächste Überraschung. Denn sobald die Reifen warm sind, flitzt der e-tron um die Ecken, als wäre das hier eine Carrera-Bahn im Kinderzimmer. Genauso zackig, genauso schnell – und genauso unbeirrt. Sieht man von der geringen Bewegungsfreiheit zum Lenken ab, lässt sich kein anderes Auto so leicht um die Kurve ziehen, keines rumpelt so unbeirrt über die Curbs und keines kommt danach so schnell wieder auf Touren. Schon die 100 Meter bis zur nächsten Schikane reichen, damit man auf 150, 180 Sachen kommt.

Runde für Runde wächst das Vertrauen ins Auto und in die eigenen Fähigkeiten, man bremst später, nimmt die Kurven enger und tritt früher wieder aufs Gas. Doch dran gewöhnen kann man sich nicht. Jeder Kickdown katapultiert den Wagen nach vorn und der Puls schnellt wieder in die Höhe.

Team-Leiter McNish ist nicht minder aufgeregt, während ich Lucas di Grassis Dienstwagen über den Kurs treibe. Immer wieder schielt er auf den Bildschirm im Kommandostand, der auch den Ladestand des Akkus anzeigt. Während er sonst bangen muss, dass seinen Fahrern der Saft ausgeht, freut er sich bei mir über jede Kilowattstunde, die weg ist. Je früher der Akku leer ist, desto früher muss ich zurück in die Box und desto kleiner ist das Risiko, dass dem Auto etwas passiert. Inzwischen kann er wieder ruhig durchatmen. 

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