Smart EQ Fortwo im Test: Wie gut ist der Elektro-Kleinstwagen?

17.9.2018

Smart will bald nur noch Elektroautos bauen. Ob das geschickt ist, bleibt abzuwarten: Aktuell hat der Smart EQ noch Schwächen. Wir sind ihn in der Elektrometropole Kopenhagen probegefahren. Plus: Testergebnisse, Messwerte und Preise

Smart EQ
Smart EQ Fortwo: In der Stadt fühlt er sich am wohlsten

Der Entschluss ist mutig: Ab 2020 will Smart mit der kommenden Generation des City-Flitzers den Verbrennungsmotor komplett verbannen und nur noch auf Elektro-Antrieb setzen; in den USA haben die Schwaben den Vertrieb der Benzin-Version bereits eingestellt. Dass der seit kurzem von Smart Electric Drive in EQ umbenannte Stromer die angenehmste Art ist, Smart zu fahren, steht außer Frage. Fraglich bleibt, ob die Zeit von nur zwei Jahren für ein reines Elektro-Angebot ausreicht. Das konnten wir sogar im Elektro-verrückten Skandinavien feststellen.

Reichweite des Elektro-Smart: 110 km

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Smart EQ Cabrio
Den Elektro-Smart gibt es auch als Cabrio. Preis: ab 25.200 Euro

Abgesehen davon, dass der Elektro-Smart zumindest lokal emissionsfrei und je nach Stromerzeugung auch mehr oder weniger sauber durch die City düst, ist er vor allem eins: komfortabler als seine klassischen Artgenossen. Das Gewicht der 17,6-kWh-Lithium-Ionen-Batterie tut dem Fahrwerk gut, der EQ hoppelt nicht so hart über Schlaglöcher und Trambahnschienen. Das war schon beim Vorgänger so.

Wirklich geschmeidig federt der Kleinstwagen aber auch als Stromer nicht. Angenehm: Bei der Elektroversion entfallen die immer noch nicht ganz runden Schaltvorgänge des Doppelkupplungs-Benziners – der Smart EQ Fortwo hat nur einen Gang.

Identisch mit den Benzinern sind die unschlagbar praktischen Abmessungen, und ein Wendekreis, der seinesgleichen sucht. Obwohl der Kleine mit inzwischen 2,70 Meter satte 20 Zentimeter länger ist als der Ur-Smart, passt er immer noch in fast jede Parklücke, und vom ADAC gemessene 7,3 Meter Wendekreis reichen ihm für einen U-Turn.

Selbst wenn es im Fußraum im aktuellen Modell etwas enger zugeht, finden Personen bis 1,90 Meter Körpergröße genügend Platz. Der Kofferraum fällt klein aus, was die ADAC Messwerte bestätigen: Mit eingebauter Gepäckraumabdeckung, die auch eine Abgrenzung zu den Sitzen bietet, passen lediglich 105 Liter in den Kofferraum. Baut man die Abdeckung aus, sind es 125 Liter. Dann finden auch vier handelsübliche Getränkekisten Platz. Belädt man den Kofferraum bis unter das Dach, können bis zu 235 Liter verstaut werden.

Zwar schränkt der Akku das Gepäckabteil nicht weiter ein, doch beim EQ lagert hier noch das sperrige Ladekabel: Wahlweise eins mit Typ-2-Stecker zum schnellen Tanken oder das Schuko-Kabel für die Haushaltssteckdose. Will man beide haben, muss man 300 Euro extra bezahlen.

Preis des EQ Fortwo: ab 21.490 Euro

Apropos Schnellladen: Serienmäßig lädt der Smart nur mit 4,6 kW, an der Wallbox dauert es rund 3,5 Stunden bis der Akku zu 80 Prozent voll ist. Ein 22-kW-Onboard-Lader verkürzt die Wartezeit auf 40 Minuten, kostet aber 840 Euro extra. Verzichten wird darauf wohl keiner, obwohl der EQ an sich schon kein Schnäppchen ist: Als klassischer Fortwo kostet er 21.490 Euro, das Cabrio fängt bei 25.200 Euro an, und der viersitzige Forfour schlägt mit 22.600 Euro zu Buche. Viel Geld für ein kleines Auto.

Dass der EQ trotzdem gut in Sachen Wirtschaftlichkeit abschneidet, liegt am geringen Wertverlust, den günstigen Versicherungseinstufungen und dem wartungsarmen Antrieb.

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Häufiges Laden ist Pflicht

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Laden des Smart EQ
In Skandinavien ein vertrautes Bild: E-Autos an der Ladesäule

Und wie sieht es mit den Lademöglichkeiten aus? Zwar gibt es verschiedene Apps, die Standort und Verfügbarkeit anzeigen. Trotzdem mussten wir die ein oder andere Runde extra drehen, weil die Ladesäule belegt war, oder weil wir trotz dreierlei Ladekarten nicht in der Lage waren, den Stromfluss zu aktivieren. Diese Hürden sind in Deutschland ähnlich und können den Spaß am Elektroautofahren verderben.

Auch die geringe Reichweite des Smart ist ein Knackpunkt: Im realitätsnahen Mix des ADAC Ecotest kam der Stromer 110 Kilometer weit. Bei reiner Stadtfahrt können es aber auch mal mehr sein – E-Autos mögen geringe Geschwindigkeiten.

Die Fahrleistungen überzeugen

Das Fahren mit dem Elektro-Smart macht Spaß, auch wenn die 60 kW Leistung und 160 Newtonmeter Drehmoment nicht stark genug sind, um beim Ampelstart ein Kribbeln im Bauch zu erzeugen. Für den Alltag reicht's vollkommen. Tempo 100 ist nach 11,5 Sekunden erreicht, für den Sprint von 60 auf 100 km/h vergehen gemessene 6,8 Sekunden. Auch das ist flott.

Was dem Smart allerdings fehlt, ist eine sinnvolle Möglichkeit, die Energierückgewinnung (Rekuperation) zu beeinflussen. Zwar erkennt ein Radar vorausfahrende Autos und der Smart nimmt durch Rekuperation Tempo raus, und es gibt eine Eco-Taste, die die Energie-Rückgewinnung mehr oder weniger ein- oder ausschaltet. Aber die bei vielen e-Autos üblichen Schaltwippen zur Einstellung der Intensität sucht man vergebens. Die maximal mögliche Energie gewinnt der Smart dadurch leider nicht zurück.

Besonders niedrig ist der im ADAC Ecotest ermittelte Verbrauch mit 18,3 kWh nicht, obwohl die Ladeverluste an der Steckdose einberechnet sind. Auf unserer Smart-typischen City-Runde durch Kopenhagen zeigte der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von knapp 15 kWh pro 100 Kilometer an.

In einem Land wie Dänemark ist das teuer. Umgerechnet knapp 1,30 Euro kostet die Kilowattstunde Strom an den öffentlichen Ladesäulen. Auf unserer Testrunde im hohen Norden macht das stolze 18 Euro für 100 Kilometer. Bei uns schwanken die Preise pro Kilowattstunde zwischen 30 Cent und bis zu einem Euro. 

Fazit unserer Test-Redaktion

Wenn Smart, dann Elektro-Smart, erst dann geht das radikale Konzept des Zweisitzers richtig auf, und das lokal emissionsfreie Stadtauto kann seine Vorzüge ausspielen. Für die Langstrecke sind andere Autos besser geeignet.

Lesen Sie hier den ausführlichen Test zum Smart Fortwo Coupé EQ Prime.

Technische Daten (Herstellerangaben)  Smart EQ Fortwo Coupé Prime
Motor  Fremderregter AC-Synchron-Elektromotor, 60 kW/82 PS, 160 Nm bei 1 U/min 
Fahrleistungen  11,5 s auf 100 km/h, 130 km/h Spitze 
Verbrauch  12,9 kWh/100 km, 0 g CO2/km 
Maße L 2,70 / B 1,66 / H 1,56 m 
Kofferraum
260 – 350 l
Preis
23.930 Euro, Modellreihe ab 21.490 Euro
ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h
6,8 s 
Bremsweg aus 100 km/h
39,1 m
Wendekreis 7,3 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC EcoTest
18,3 kWh/100 km (mit Ladeverlusten), 106 g CO2/km (well-to-wheel)
Reichweite
110 km
Innengeräusch bei 130 km/h 72,1 dB(A)
Leergewicht / Zuladung
1080 / 230 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch 105 / 125 / 235 l

 

ADAC Testergebnis
Gesamtnote: 2,7
Karosserie/Kofferraum 3,7 
Innenraum 3,4
Komfort 4,1
Motor/Antrieb 1,5
Fahreigenschaften 
3,8
Sicherheit
2,8
Umwelt/EcoTest
1,1

 

  • Das hat uns gefallen: Sehr kompakte Abmessungen. Äußerst geringer Wendekreis. Bequemer Ein- und Ausstieg. Im Stadtverkehr flotte Beschleunigung        
  • Das hat uns nicht gefallen: Geringe Reichweite. Eingeschränkter Federungskomfort. Langer Bremsweg. Fahrersitz und Lenkrad nur optional höhenverstellbar. Geringe Zuladung    

Text: Michael Gebhardt/Jochen Wieler, Fotos: PR.

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